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Netzwoche 03/2020

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Smart City: Sicherheit

Smart City: Sicherheit im vernetzten Raum FOCUS SMART CITY rja. Das Referat von Norman Frisch, Chairman der ELTE Industrie-Allianz und Marketing-Direktor der Huawei Enterprise Business Group, am 20. Asut-Kolloquium war beeindruckend: Binnen kurzer Zeit erläuterte er, was man in einer Megastadt wie Shenzhen (China) mit Daten alles machen kann: Sensoren gibt es dort zuhauf, und alle schicken ständig Daten an eine zentrale Verwaltungsstelle. Man erfahre alles über den Zustand von Gebäuden, Verkehr oder Energie und könne leicht feststellen, wo etwas optimiert werden müsse. Bahne sich etwa ein Unwetter an, könne man aufgrund vergangener Auswertungen sehr genau voraussagen, welche Buslinien verstärkt werden müssten, um eine Überlastung zu vermeiden. Und als vor ein paar Jahren ein Bahnhof für Hochgeschwindigkeitszüge geplant wurde, habe man dessen Standort aufgrund der Nutzerdaten festgelegt, und nicht aus einem Bauchgefühl heraus. So gesehen ist Shenzhen ein Musterbeispiel einer Smart City. Doch ist so viel Datensammelei noch vertretbar? Wo ist die Grenze zu ziehen zwischen einer Sicherheitsmassnahme und Bürgerüberwachung? In diesem Focus stehen die Smart City und die Sicherheit im Vordergrund. Zu Wort kommt etwa Christian Geiger, Chief Digital Officer der Stadt St. Gallen. Er erklärt, welche Projekte in seiner Stadt derzeit anstehen, und dass sich der konkrete Nutzen einer Smart City ganz unterschiedlich entfaltet. Selbstverständlich sei aber die Einhaltung des Datenschutzes jederzeit sicherzustellen. Jonas Schmid, Head of Smart City & Business Development bei Akenza, thematisiert ebenfalls den Umgang mit Daten. Allerdings gehe es nicht nur darum, die Daten der Nutzer zu schützen, sondern auch möglichst früh und möglichst transparent zu kommunizieren, was mit den gesammelten Daten effektiv passiert. Anne-Claire Pliska, Managing Director der Smartcity Alliance, führt aus, wie die Sicherheit des öffentlichen Raums mit dem Privatschutz in Konflikt geraten kann. Datenschutz lässt sich auch durch die Wahl weniger heikler Sensoren realisieren, schreibt sie, und für Städte sei es wichtig, die verschiedenen Möglichkeiten genau abzuklären. Anja Riedle und Birk Diener, beide in leitender Position bei der Abteilung Smart City der SBB tätig, stellen das oft kontrovers diskutierte Konzept der Urban Living Labs vor, einem designierten Gelände, auf dem alle Stakeholder einer Smart City gemeinsam Lösungen erarbeiten und testen. Obgleich oft kritisiert, erleben die Urban Living Labs in Europa einen Boom, nicht zuletzt dank einer entsprechenden Strategie der Europäischen Union, wie die Autoren schreiben. Nichtsdestotrotz können die Labore ein Ort sein, an dem sichere Smart-City-Anwendungen entstehen. Bild: cofficevit / AdobeStock 03 / 2020 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Focus 17 Sind Smart Citys sichere Citys? Die Statistiken zeigen es: In Chongqing oder Shenzhen gibt es 1 Videokamera für 7 Personen. In London wird eine Person im Durchschnitt 300 Mal pro Tag mit Video aufgezeichnet. In der Smart-Sicherheit ebenso wie in anderen Gesellschaftsthemen ist die Technologie schneller als die Politik. Ein Überblick. 1990 gab es weltweit nur 10 Städte mit mehr als 10 Millionen Einwohnern – die «Megastädte». Heute hat sich ihre Zahl auf 28 fast verdreifacht. Die Urbanisierung ist ein Megatrend, der stärkere Anforderungen an die Sicherheit der Bürger oder der Infrastruktur mit sich bringt. Die neuen Technologien, die mit einem weiteren Megatrend – der Digitalisierung – verbunden sind, werden den Städten helfen, die nötige Sicherheit zu gewährleisten. Das Potenzial der Technologien birgt aber auch Risiken für den Privatschutz der Bürger. Dabei sind die Städte gefordert, eine ausgewogene Haltung zu finden. Wofür brauchen wir Sicherheit? In intelligenten Städten und Regionen lässt sich öffentliche Sicherheit in zwei Kategorien einordnen: ·· die Sicherheit von Bürgern, inklusive Präventionsmassnahme wie prädiktive Polizei-Algorithmen ·· die Sicherheit der physischen Infrastruktur und Versorgungseinrichtungen, etwa Metro oder Stromnetz Für beide Kategorien werden verschiedene Sensortypen (Kamera, akustische Sensoren, mechanische Sensoren etc.) entwickelt. Die Sensoren ermöglichen es, den Behörden, der Polizei und Notfalldiensten, schnellstmöglich auf Vorfälle zu reagieren. Wie die Sicherheit des öffentlichen Raums mit dem Privatschutz in Konflikt geraten kann – drei Ausprägungen Seit April 2019 arbeiten in einer Leitstelle in Dijon verschiedene Stadtabteilungen zusammen zur Fernsteuerung der städtischen Einrichtungen (Ampeln, Strassenbeleuchtung, Videoüberwachungskameras etc.) und Polizei einsätzen. Auf 58 Einwohner in der Schweiz kommt 1 Kamera – eine tiefe Zahl im Vergleich zu anderen Ländern. Mit geschätzt durchschnittlich 1 Kamera pro 58 Einwohner in der Schweiz – 4 Mal weniger als in Grossbritannien, 8 Mal weniger als in China – ist die Zahl hierzulande tief. Videoüberwachung – ein hochpolitisches Thema – als offenes Tor zur Gesichtserkennung. Als Extremfall der Sicherheitspolitik wird das soziale Kreditsystem in China entwickelt, wobei die Bürger und Firmen kontrolliert und gesteuert werden. Um die Auswirkungen solcher Entwicklungen zu be werten, erwägt die Europäische Kommission den Einsatz von Gesichtserkennungstechnologien im öffentlichen Raum für bis zu fünf Jahre auszusetzen, wie «Reuters» im Januar mitteilte. Daneben gibt es Sensoren, die die Sicherheit ohne Eingriff in die Privatsphäre erhöhen. Akustische Sensoren zur Echtzeit-Erfassung von Ereignissen identifizieren, charakterisieren und lokalisieren die Geräusche wie Vandalismus, Gewalt, Verkehrsunfälle. Sensoren, basierend auf künstlicher Intelligenz zur Erfassung der Mobilitätsströme, oder Wärmebildkameras zum Präsenz-Monitoring bilden ein ergänzendes Portfolio, das eine sichere Stadt ermöglicht. Die Urbanisierung erfordert den Einsatz von Technologien, um die Sicherheit im öffentlichen Raum zu gewährleisten. Städte sollen sich auf neutralen Plattformen untereinander und mit Anbietern über Technologien und Best Practices austauschen, um die für ihre Bedürfnisse geeigneten Massnahmen zu identifizieren. DIE AUTORIN Anne-Claire Pliska Managing Director Smart- City Alliance Den Artikel finden Sie online www.netzwoche.ch Bild: pawel-czerwinski, unsplash Damit soll die Sicherheit öffentlicher Räume und Gebäude im Krisenfall (Schnee, Überschwemmungen, Brand, Einbruch, Zugangskontrolle etc.) gewährleistet werden, wobei jedes Jahr 269 Videoüberwachungskameras erneuert und zehn neue installiert werden. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 03 / 2020

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