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Netzwoche 03/2020

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26 People Live Auf der

26 People Live Auf der Website von Ergon steht über Ihrem Foto das Zitat «Wege « Wer die Zukunft mitgestalten möchte, ist in der IT genau richtig » Seit Sommer 2016 ist Gabriela Keller Geschäftsführerin von Ergon Informatik. Nach mehr als 1000 Tagen an der Spitze spricht sie über den Wandel der Softwarefirma in dieser Zeit, persönliche Herausforderungen und den tiefen Frauenanteil in der Schweizer IT. Interview: Oliver Schneider « Es ist ein grosser Unterschied, ein Mitglied der Geschäftsleitung zu sein oder die Gesamtverantwortung zu tragen. » Gabriela Keller, Geschäftsführerin, Ergon Informatik Das vollständige Interview finden Sie online www.netzwoche.ch entstehen dadurch, dass man sie geht.» Was bedeutet dieser Spruch für Sie? Gabriela Keller: Er bedeutet für mich Agilität und Entscheidungsfreude – im Leben wie im Softwaregeschäft. Immer wieder bringen uns neue Erkenntnisse dazu, weiterzudenken und neue Wege einzuschlagen. Sie sind seit rund 1000 Tagen CEO von Ergon. Wie haben Sie diesen Weg erlebt? Es waren drei sehr spannende Jahre. Wir haben unser Geschäft weiterentwickelt: unsere Dienstleistungen im Bereich Consulting und User Experience ausgebaut, unsere Kundenbasis verbreitert, zahlreiche Projekte erfolgreich realisiert und unser Security-Produkt, den Airlock Secure Access Hub, weiter ausgebaut. Was hat sich in der Unternehmensstruktur getan? Nach innen betrachtet war es ein grosser organisatorischer Schritt. Wir haben nach 15 Jahren unsere Geschäftsleitung neu aufgestellt und verjüngt. Unsere langjährigen Abteilungsleiter wurden Teil der Geschäftsleitung und bilden zusammen mit unserem COO und mir das Leitungsteam. Wir haben bereits vorher lange zusammengearbeitet, nun aber neue Rollen und Verantwortlichkeiten übernommen. Veränderung braucht Zeit. Inzwischen sind wir ein eingespieltes Team und arbeiten sehr gut zusammen. Und für Sie persönlich? Auch für mich persönlich war es eine grosse Veränderung. Es ist ein grosser Unterschied, ein Mitglied der Geschäftsleitung zu sein oder die Gesamtverantwortung zu tragen. Diese Verantwortung ist mit diversen neuen Herausforderungen verbunden, und ich habe eine Weile gebraucht, mich vollends wohl zu fühlen. Ich bin sehr dankbar für die wertvolle Unterstützung, die ich erfahren durfte. Insgesamt bin ich zufrieden, wie sich alles entwickelt. Wo gab es Stolpersteine, wo ging es leichter? Die Fülle der Themen hat sich als recht anspruchsvoll erwiesen. Rund 250 Kunden und über 300 Projekte sind zu betreuen, unsere Organisation musste an einigen Stellen weiterentwickelt werden, und auch die Softwarebranche verändert sich schneller als früher. Weiter haben strukturelle Veränderungen wie die stärkere personelle Trennung von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung dazu geführt, dass das Zusammenspiel und Vertrauen der Gremien neu etabliert werden mussten. Wo liegen heute für Ergon die Chancen? Wir haben 300 hochqualifizierte und engagierte Mitarbeiter, die alle in Zürich tätig sind. Diese Nähe ist für die enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden elementar. So können wir sichere und anspruchsvolle Softwarelösungen entwickeln und Kunden zu nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen verhelfen. In den vergangenen 35 Jahren haben wir alle Projekte erfolgreich abgeschlossen. Dank unseres fundierten Security-Know-hows können wir auch in diesem sehr wichtigen Gebiet viel leisten. Durch die fortschreitende Digitalisierung in allen Branchen besteht hoher Bedarf an fähigen Technologiepartnern, auf die Kunden vertrauen können – genau in dem Bereich positionieren wir uns. In welche IT-Bereiche investiert Ergon aktuell? Wir experimentieren in verschiedenen Bereichen, um für unsere Kunden sichere, benutzerfreundliche und erweiterbare Lösungen zu bauen. Im Fokus stehen aktuell User Experience Design, Mixed Reality, Artificial Intelligence und Security. Und wo liegen die Herausforderungen? Es findet eine schnelle Industrialisierung und Globalisierung der Softwareentwicklung statt, und wir sind gefordert, stets die wichtigen Themen und Trends aufzuspüren. Die Komplexität ist gross, und es gibt zunehmend neue Technologien, Plattformen und Tools auf dem Markt. Unsere Aufgabe liegt darin, die Richtigen zu identifizieren, die unseren Kunden einen nachhaltigen Mehrwert liefern. Wir sind daher bewusst breit aufgestellt, und es gilt, Trends und Entwicklungen in den relevanten Gebieten zu verfolgen und unsere Dienstleistungen darauf auszurichten. 03 / 2020 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

People Live 27 « Die nachhaltige Entwicklung der Firma ist für uns wichtiger als Umsatzwachstum. » Gabriela Keller, Geschäftsführerin, Ergon Informatik Der Umsatz von Ergon sank im Geschäftsjahr 2018 um 8 Prozent. Wo lagen die Probleme? Der Abschluss des grössten Kundenprojekts Ende 2017 stellte uns vor die Aufgabe, dessen Umsatz zu kompensieren. Wir haben die Gelegenheit genutzt, Investitionen zu tätigen und neue Kompetenzen aufzubauen. Gleichzeitig haben wir unsere Kundenbasis deutlich verbreitert. Die nachhaltige Entwicklung der Firma ist für uns wichtiger als Umsatzwachstum. Wie wollen Sie das Geschäft wieder ankurbeln? Das ist bereits gelungen und auf gutem Kurs. Im Produktgeschäft steigern wir den Umsatz mit Airlock Secure Access Hub kontinuierlich. Neben Neukunden aus der DACH-Region, UK und Luxemburg beliefert Ergon auch Unternehmen in Singapur, China und Thailand. Das indirekte Vertriebsmodell hat sich bewährt und wir werden es weiter ausbauen. Wir konnten zudem im Dienstleistungsgeschäft viele Neukunden und Projekte in verschiedenen Themengebieten gewinnen. Ausserdem haben wir eine bewährte Kundenbasis mit partnerschaftlicher Zusammenarbeit. Mit unseren ausgebauten Consulting- und User-Experience-Dienstleistungen können wir die Kunden nun noch umfassender betreuen. Dieses Jahr wird der Umsatz gegenüber dem Vorjahr wieder wachsen. Ist ein Strategiewechsel geplant? Nein, wir setzen weiterhin auf unsere Stärken: Wir setzen die Projekte in enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden erfolgreich um. Engagement, Leidenschaft und nicht nachlassen, bevor es wirklich passt, sind dabei zentral. Wir pflegen unsere Firmenkultur mit wenig Hierarchien und einem hohen Grad der Mitwirkung von Mitarbeitern. Eigenverantwortliche und unternehmerisch agierende Teams, hohe Transparenz und Beteiligung am Firmenerfolg gehören bei uns zur Tagesordnung. Wir glauben daran, dass zufriedene Mitarbeiter aus Kunden zufriedene Kunden machen. Genau diese stehen bei uns im Zentrum. Sie nachhaltig zu begeistern, ist unsere grösste Motivationsquelle. Wie sind Sie in der IT-Branche gelandet? Als ich in den 80er-Jahren im Gymnasium war, kamen die ersten Macs auf den Markt, und unsere Schule hat erste Programmierkurse angeboten. Die habe ich besucht. Das Programmieren hat mir grossen Spass gemacht. So entstand der Wunsch, Informatik an der ETH zu studieren. Wie haben Sie Ihren beruflichen Weg als Frau in der Softwareentwicklung erlebt? Das Geschlecht schien mir nie von Bedeutung zu sein. Wenn schon, empfand ich es eher als Vorteil, weil man als Minderheit mehr auffällt und dadurch Sichtbarkeit bekommt. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 03 / 2020

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