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Netzwoche 03/2020

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36 Olaf Wilhelm,

36 Olaf Wilhelm, Therawis; Christian Lovis, Unispital Genf; Rodolphe Meyer, Unispital Genf; Gilbert Verdian, Quant Network; Ruth Amos, Practical Informatics (v. l.). Wie die Blockchain den OP-Saal verändert Am 20. Januar hat sich der Geneva Blockchain Congress mit den Herausforderungen befasst, die die Einführung der Technologie im Gesundheitssektor mit sich bringt. Gerade auf Blockchain basierende EPD-Systeme stehen noch vor einigen Hindernissen. Für das Genfer Unispital Grund genug, andere Use Cases zu testen. Autor: Yannick Chavanne; Übersetzung: René Jaun Blockchainbasierte Dienste und Anwendungen haben Potenzial für Gesundheits-Ökosysteme. Bevor sie dort aber akzeptiert oder eingesetzt werden, stellen sich noch einige Herausforderungen. Welche das sind, diskutierten die Teilnehmer des Geneva Blockchain Congress am 20. Januar. In Estland kommt Blockchain-Technologie jetzt schon zum Einsatz, um Patientenakten abzusichern und die Zugriffsberechtigungen auf sensible Daten zu verwalten. Dies ermöglicht unter anderem, die Bedingungen transparent festzulegen, unter denen Start-ups, Forscher und Spitäler darauf zugreifen dürfen. Eine solche Blockchain- Plattform ausserhalb Estlands einzuführen, gestaltet sich Vincent Pignon, Gründer und CEO von Wecan. schwierig. Es mangle vor allem an Kommunikation und einer gemeinsamen Vision der verschiedenen Akteure. Christian Lovis, Leiter Medizinische Informationswissenschaften am Genfer Universitätsspital (HUG), wies darauf hin, dass schon das Fehlen einer eindeutigen und standardisierten Patientenkennung die Vernetzung und Organisation der verschiedenen Datenquellen zur Herausforderung macht. Damit alle Beteiligten im Gesundheitswesen die Vorteile einer Blockchain-Lösung verstehen und sie übernehmen können, sei darüber hinaus eine Top-down- Anleitung durch eine Behörde erforderlich – in der föderalistischen Schweiz eine Utopie. Auf der technischen Seite sind die Herausforderungen weniger die Entwicklung als vielmehr die Notwendigkeit, mit heterogenen Daten – sowohl strukturierten als auch unstrukturierten – umzugehen. Nach Ansicht von Rodolphe Meyer, CIO-Stellvertreter am HUG, wird sich die Blockchain zunächst in spezialisierten Spitälern einen Platz erobern. Das HUG führt deshalb zusammen mit dem Genfer Start-up Wecan ein Pilotprojekt durch, um eine Plattform für die Verwaltung und Koordination der in den Operationssälen tätigen Personen zu entwickeln. Mit der Blockchain chirurgische Eingriffe zurückverfolgen Gegenüber «ICTjournal» erklärt Vincent Pignon, Gründer und CEO von Wecan, wie sein Unternehmen und das HUG eine auf Blockchain basierende Plattform zur Rückverfolgbarkeit chirurgischer Eingriffe entwickelt haben. Diese zeichnet auf, wer welche Handlung ausführt – vom Assistenten bis zum emeritierten Chirurgen – und bewer- 03 / 2020 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Event 37 Andreas Heizmann, CEO und Mitgründer von Xatena. dank der eindeutigen Identifikationsnummer möglich. Diese sei durch die neue europäische Medizinprodukteverordnung (MDR) verbindlich vorgeschrieben. Wie unterscheidet sich die Hyperledger-basierte Infrastruktur von Xatena von anderen blockchainbasierten Lösungen für die Supply Chain? «Das Angebot wurde in Zusammenarbeit mit mehreren Spitälern in der Deutschschweiz entwickelt und unterstützt Transaktionen, die dem GS1-Standard speziell für das Gesundheitswesen entsprechen», sagt Heizmann. Der Xatena-CEO fügt hinzu, dass sein Team nun an der Anbindung verschiedener Komponenten an das bereits entwickelte zentrale Modul für den elektronischen Datenaustausch (EDI) arbeitet. Dazu gehören die Integration von ERP-Systemen, Zahlungsdiensten, IoT-Daten und Stammdatenverwaltungsplattformen. te die Prozesse. Mit diesen Informationen können die involvierten Spezialisten dann die Koordination der Abläufe im Operationssaal optimieren – entsprechend ihres durch die Blockchain erfassten Erfahrungs- und Kompetenz niveaus. Dieses Projekt soll interoperabel sein, um chirurgische Eingriffe in privaten und öffentlichen Spitälern zu überwachen. «Wenn sie zu dringenden Operationen gerufen werden, kennen sich die Spezialisten oft nicht. Diese Lösung wird die Effizienz des Betriebs erhöhen, da alle Beteiligten sofort Zugang zu den Profilen und der Geschichte aller Involvierten haben werden», erklärt der CEO von Wecan. In einem zweiten Schritt könnte auf der gleichen Blockchain-Plattform ein Dienst für Patienten aufgebaut werden. Sie könnten ihre eigenen Operationen organisieren, indem sie auf eine App zugreifen, die zuverlässige und unveränderliche Daten zum Profil jedes Spezialisten liefert. Xatena optimiert die Versorgung mit medizinischen Geräten Eine Blockchain-Plattform für Spitäler entwickelte auch das in Zürich ansässige Start-up Xatena. Mit seiner Lösung will das Unternehmen die Lieferkette medizinischer Produkte vom Hersteller bis zum Patienten transparent machen. Andreas Heizmann, Geschäftsführer und Mitgründer des Start-ups, erklärt, dass die Lösung auf den Vertrieb und die Lieferung von Implantaten und medizinischen Verbrauchsgütern ausgerichtet ist. Das heisst: keine schweren Geräte wie etwa Magnetresonanztomographen, sondern Spritzen und Katheter. Es gehe vor allem um Geräte, die am oder im Körper des Patienten zur Anwendung kommen und für die eine Rückverfolgbarkeit entscheidend ist. «Unsere Blockchain-Lösung ermöglicht einen direkten Bestellvorgang zwischen Krankenhäusern und Lieferanten – ganz ohne Intermediäre», erklärt der Mitgründer und CEO von Xatena. Die Rückverfolgung von Medizinprodukten auf jeder Stufe der Lieferkette sei nun Den Versand von wärmeempfindlichen Medikamenten überwachen Das 2016 gegründete Unternehmen Modum nutzt IoT- und Blockchain-Technologien, um eine Lösung für die Einhaltung von Temperaturvorschriften bei Medikamenten- Sendungen zu anzubieten. Seit seiner Gründung hat sich das in Zürich ansässige Start-up auf die Pharmabranche konzentriert. Modum ging allerdings auch eine Partnerschaft mit der Schweizerischen Post ein, um einen «Thermo-Monitoring»-Dienst für den gelben Riesen zu entwickeln. Dieser im Frühjahr 2019 eingeführte Dienst richtet sich speziell an Versender von Medikamenten. Bei der Lösung von Modum bringt der Absender einen Sensor am Paket an, der die Temperatur während des gesamten Transportvorgangs misst. Wenn der Briefträger die Sendung bei der Verteilung einscannt, werden die Daten automatisch gelesen und an den Absender übermittelt. Der Absender steuert und überwacht seine Sendungen über ein Dashboard, und wenn die Temperatur zu hoch oder zu niedrig ist, wird er automatisch benachrichtigt und kann entscheiden, wie es weitergehen soll. Simon Dössegger, CEO von Modum. Den Artikel finden Sie online www.netzwoche.ch www.netzwoche.ch © netzmedien ag 03 / 2020

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