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Netzwoche 04/2021

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Wie wir künftig zahlen

Wie wir künftig zahlen werden Der globale Zahlungsverkehr wandelt sich rasant. Verbraucher und Händler erwarten heute, Sofortüberweisungen tätigen zu können. Für Unternehmen bedeutet das ein geringeres Ausfallrisiko sowie unmittelbar verfügbare Liquidität. Gefragt sind mobile, flexible Modelle, die sicher und einfach handhabbar sind. DER AUTOR Marc Schluep Managing Director Worldline Schweiz Den Beitrag finden Sie auch online www.netzwoche.ch 14 Business Focus Die weltweite Zahlungsbranche weist robuste Wachstumsraten auf und ist gleichzeitig einem rasanten Wandel unterworfen. Längst haben auch Technologiekonzerne wie Apple, Google oder Samsung den Zahlungsmarkt für sich entdeckt. Dank gigantischer Nutzerzahlen und starker Marktposition entwickelten sie sich schnell zu ernstzunehmenden Konkurrenten. Ferner etablierten sich inzwischen auch sogenannte Plattformanbieter im Markt. Marktplätze wie Amazon (Amazon Pay) oder Alibaba (Alipay) übernehmen die Zahlungsabwicklung für ihre Händler; grosse Softwareanbieter bündeln das Zahlungsvolumen von (Online-)Anbietern, denen sie Komplettlösungen für eigene Onlineshops zur Verfügung stellen. Marktplätze und sogenannte Shopping Carts wie Shopify, Godaday und Mindbody bedienen hunderttausende Händler und Millionen von Konsumentinnen und Konsumenten. Indem sie sich selbst zwischen Verkäufern und Zahlungsdienstleistern positionieren, drängen sie klassische Anbieter zunehmend in den Hintergrund. Neben Paypal, Apple Pay, Alipay und WeChat werden sich vermutlich weitere Zahlungsmethoden verschiedener Player langfristig behaupten. Online und Mobile Payment Laut einer Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften verzeichnete der Schweizer Onlinehandel 2020 ein Wachstum von über 20 Prozent. Nicht zuletzt durch die Covid-19-Pandemie ist parallel zum Onlinegeschäft im stationären Handel die Nutzung von Debit- und Kreditkarten, aber auch von mobilen, kontaktlosen Zahlungsmöglichkeiten regelrecht explodiert. In der Schweiz sind die am häufigsten genutzten Bezahlmethoden derzeit Kreditkarte, Postfinance-Debitkarte und Paypal, gefolgt von den mobilen Lösungen Twint, Apple Pay, Google Pay und Samsung Pay. Laut der Mobile-Payment-Studie Schweiz 2020 der Hochschule Luzern wies allein die Bezahl-App Twint im September 2020 über zehn Millionen Transaktionen aus – eine Verdreifachung zur Vorjahresperiode. Echtzeit-Zahlungen Verbraucher und Händler erwarten heute, Sofortüberweisungen tätigen zu können. Für Unternehmen bedeutet das ein geringeres Ausfallrisiko sowie unmittelbar verfügbare Liquidität. Auf Basis der PSD2-Regulierung entstehen derzeit innovative Dienstleistungen sogenannter Third Party Payment Service Providers (TPPs). Echtzeitzahlungen werden sich neben bereits verbreiteten Methoden etablieren. Während hierzulande das Swiss Interbank Clearing System (SIC) Zahlungen schon heute in Echtzeit zwischen Banken abwickeln kann, arbeitet der Finanzinfrastrukturanbieter Six an einem Instant Payments Processing Hub, der die Zahlung vom Konto des Bankkunden bis zum Konto des Händlers in Echtzeit sicherstellen wird. Merchants under pressure to evolve and innovate 04 / 2021 Ausblick Der Zahlungsverkehr wird sich künftig noch nahtloser in die Customer Journey integrieren. Für Zahlungsdienstleister werden die Schwerpunkte auf kontaktlosen, digitalen Bezahlverfahren, flexibleren «Pay-as-you-go»-Preismodellen, künstlicher Intelligenz, Machine Learning sowie cloudbasierten Dienstleistungen liegen. Innovationen wie Mobile Wallets, Person-zu-Personund Echtzeitzahlungen, biometrische Authentifizierung, die mit dem Internet der Dinge zunehmende Bedeutung automatisch ausgelöster Zahlungen, das Bezahlen mit Kryptowährungen, Stablecoins oder digitalen Zentralbankwährungen (CBDCs) werden die Entwicklungen im Zahlungsverkehr weiter vorantreiben. www.netzwoche.ch © netzmedien ag Some commerce categories more affected than

Business Focus 15 Zahlungsarten im Onlinehandel Die Bezahlung am Schluss des Onlinekauf-Prozesses ist ein notwendiges Übel, etwas, das man schnell hinter sich bringen will. Trotzdem oder gerade deshalb muss man der Bezahlung in einem Onlineshop genug Beachtung schenken. Im Folgenden sind die wichtigsten Einflussfaktoren beschrieben. Einfachheit und Hürden Es muss unterschieden werden zwischen der Einstiegshürde, um das Zahlungsmittel überhaupt einmal nutzen zu können und der Einfachheit in der Nutzung. Bei der Zahlungsart «Rechnung» gibt es eine sehr niedrige Einstiegshürde, und auch die Nutzung ist sehr einfach. Eine Rechnung generiert allerdings im Nachgang für die Bezahlung nochmals Aufwand. Dagegen ist es etwa bei Twint recht umständlich, bis man bezahlen kann. Die Einstiegshürde ist vergleichbar hoch wie bei der Kreditkarte. Zudem wird Twint immer noch nicht von allen Banken unterstützt und kann deshalb nicht von allen Menschen genutzt werden. Für die Bezahlung selbst ist Twint fast so einfach wie die Rechnung und sehr viel einfacher als etwa die Kreditkarte. Vertrauen in die Zahlungsart Die Rechnung bietet Kundinnen und Kunden einen entscheidenden Vorteil: Sie sitzen am längeren Hebel. Stimmt mit der Lieferung etwas nicht, dann wird die Rechnung nicht bezahlt. Twint wird aus Sicht der Kunden von der eigenen Bank angeboten. Das Vertrauen ist damit ungleich höher als etwa bei Paypal oder auch Apple Pay. Vertrauen in den Onlineshop In einem Onlineshop, der aus irgendeinem Grund suspekt und wenig vertrauenswürdig erscheint, kauft man nur dann ein, wenn man muss oder wenn der Preis wirklich viel tiefer ist als anderswo. In einem solchen Fall greift man gerne auf die Rechnung als Zahlungsart zurück. Sollte man die Ware doch nicht erhalten, bezahlt man die Rechnung auch nicht. Individuelle Situation Und dann gibt es noch die unterschiedlichen Situationen, in denen die kaufende Person gerade steckt. Kauft man etwas für die betagte Nachbarin online ein, dann wird man mit grosser Wahrscheinlichkeit die Rechnung als Zahlungsart wählen. Die Rechnung erhält dann auch die Nachbarin und man hat mit der Bezahlung nichts zu tun. Veränderungen bei der Nutzung der Zahlungsarten Eine nicht repräsentative Umfrage bei den Studien-Kollegen und -Kolleginnen meiner Tochter hat folgendes Bild gezeigt: Twint, Kreditkarte und Paypal sind in dieser Reihenfolge die beliebtesten Online-Zahlungsarten. Interessant dabei: Die Rechnung wird kein einziges Mal erwähnt. Ein ähnliches Bild zeigt eine von Twint in Auftrag gegebene Studie. Gemäss dieser Studie ist Twint besonders bei den jüngeren Kundinnen und Kunden besonders beliebt. Die Studie sagt aus, dass die Kreditkarte vor Paypal und Twint die beliebteste Online-Zahlungsart sei. Etwas verwunderlich ist, dass die Rechnung noch weniger beliebt ist als die Banküberweisung. Der Schweizer E-Commerce-Stimmungsbarometer 2020 zeigt da ein realistischeres Bild. Gemäss dieser Studie sind Kreditkarte und Rechnung die beiden beliebtesten Zahlungsarten in Onlineshops. Gemäss dieser Studie werden Onlinebestellungen oft abgebrochen, wenn die gewünschte Zahlungsart nicht verfügbar ist. B2C-Online-Shop- Betreiber sind deshalb gut beraten, alle gängigen Zahlungsarten inklusive Twint anzubieten. Den Beitrag finden Sie auch online www.netzwoche.ch DER AUTOR Walter Oberli Partner und Senior Consultant, Carpathia i DIE WICHTIGSTEN ONLINE-ZAHLUNGS-ARTEN IM VERGLEICH Zahlungsart Einstiegshürde Bezahlung Wird direkt vom Konto abgebucht Alle Daten immer dabei Vertrauen Aufwand im Nachgang Rechnung sehr tief einfach nein ja hoch ja Kreditkarte hoch mühsam nein nicht zwingend hoch nein Twint hoch einfach ja ja (Smartphone) hoch nein Paypal tief mittel nein eher schon mittel nein Banküberweisung tief sehr mühsam ja eher nicht hoch nein Apple Pay meistens tief einfach nein ja (Smartphone) mittel nein Postfinance Card hoch einfach ja ja (Smartphone) hoch nein www.netzwoche.ch © netzmedien ag 04 / 2021

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