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Netzwoche 04/2021

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22 People Live Sie sind

22 People Live Sie sind seit Mai 2020 Mitglied im Verwaltungsrat von Nine und « Meine Vision ist es, die Kunden und deren Bedürfnisse in den Fokus zu stellen » Sie ist die neue starke Frau bei Nine. Als CEO will Valérie Vuillerat das Unternehmen neu positionieren und von einem technologiegetriebenen Unternehmen zu einer Experience Driven Company machen. Was sie genau vorhat, erklärt sie im Gespräch. Interview: Marc Landis i ZUR PERSON Valérie Vuillerat hat Innovationskraft und lebt ihre Unternehmer-Gene. Mit 23 Jahren gründet sie zum ersten Mal ein Start-up. Seitdem hat sie weitere Unternehmen zum Leben erweckt. So folgten später Hiversity (High Impact through Diversity) und Witty Works (Enabling diversity with words). 2010 übernahm sie als CEO die Verantwortung für Ginetta mit damals zwei Mitarbeitenden und entwickelte sie zur Marktführerin für User Experience Design am Platz Zürich. Mit ihrem damaligen Team von 25 Mitarbeitenden baute Valérie Vuillerat mit Leidenschaft Webund mobile Applikationen für Marken wie SBB, Doodle und Helsana. Zeitgleich absolvierte sie ein Masterstudium in Human Computer Interaction Design. Valérie Vuillerat ist eine mehrfach ausgezeichnete Award-Trägerin sowie Dozentin für Digitale Transformation am Schweizerischen Institut für Betriebsökonomie und an der HWZ. Quelle: Nine Das Interview finden Sie auch online www.netzwoche.ch seit November deren CEO. Wie ist es Ihnen in den ersten Monaten in der neuen Funktion ergangen? Valérie Vuillerat: Die Zeit ist sehr schnell vergangen und die neuen Herausforderungen machen mir grossen Spass. Ich fühle mich ein bisschen wie auf einer Entdeckungsreise. Die Arbeit ist sehr vielseitig, aber auch herausfordernd. Ich kann sehr viel lernen. Zugute kommen mir natürlich meine rund 20 Jahre Erfahrung als Unternehmerin und als Geschäftsführerin der Digitalagentur Ginetta. Die Herausforderungen sind aber natürlich andere hier bei Nine und auch das Geschäftsmodell ist ein anderes als das einer Digitalagentur. Aber das ergänzt sich sehr gut. Ginetta entwickelt Applikationen und bei Nine bieten wir den technischen Rahmen für die Entwicklung, den eine App braucht, und das finde ich sehr spannend. Was reizt Sie an der neuen Aufgabe? Nine-Gründer Thomas Hug hat mit meiner Berufung zur CEO ja nicht zuletzt auch die Weichen für seine Nachfolgeregelung und die Neuausrichtung von Nine gestellt. Und ich habe eine Vision für das Unternehmen. Das reizt mich und motiviert mich an der neuen Herausforderung. Auch haben wir im Verwaltungsrat erkannt, dass sich das Unternehmen am Anfang einer Transformation befindet und der Kundenfokus zu wenig ausgeprägt ist. Im Verwaltungsrat sind wir nun dabei, die neue Strategie im Detail auszuarbeiten, die Nine braucht, um das Unternehmen für die Zukunft zu positionieren. Wir werden stark auf die Entwicklung neuer Cloud-Angebote fokussieren und eine Selfservice-Plattform für die Kunden aufbauen. Was werden Sie anders machen als die beziehungsweise der Firmengründer? Das Unternehmen steht heute an einem ganz anderen Ort als bei der Gründung oder als vor ein paar Jahren. Früher war Nine eine rare Anbieterin von Infrastrukturlösungen im Hostingbereich. Betrieb und Hardware standen im Vordergrund. Heute stehen wir vor anderen Herausforderungen. Es gibt viel Konkurrenz – grosse und kleine Unternehmen, die etwas Ähnliches machen. Die Differenzierung über die Technologie ist schwieriger geworden. Gleichzeitig ist die Nachfrage von Unternehmen nach Cloud-Angeboten stark gestiegen und wird weiter steigen. Das wollen wir nicht verpassen. Aber wir wollen uns auch von den anderen unterscheiden und befinden uns deshalb mitten in der Transformation von einer Betriebs- in eine Entwicklungsfirma. Statt dass wir uns auf den Betrieb und die Hardware konzentrieren, will ich mich mit meinem Team auf Automatisierung, Kundenorientierung und damit auf das Kundenerlebnis konzentrieren. Meine Vision ist es, die Kunden und deren Bedürfnisse in den Fokus zu stellen, denn der Kundenfokus wird künftig unser Wachstumsund Erfolgstreiber sein. Welche neuen Angebote werden Sie für Kunden schnüren? Ein wichtiges Thema ist die Kostentransparenz mit Payas-you-go-Cloud-Angeboten. Damit wird es für die Kunden einfach, ihren «Cloud-Verbrauch» exakt und minutengenau abzurechnen. Ein konkretes neues Produkt ab Q2 ist, dass wir unseren Kunden Object Storage über eine S3-Schnittstelle mit Standort Schweiz anbieten werden. Das wird unsere Kunden bei der Transformation in die Cloud mittels eines hochverfügbaren Datenclusters unterstützen. Dieses Produkt werden wir im Pay-as-you-go- Modell anbieten und der Kunde kann seinen Bedarf und Verbrauch über ein eigenes Cockpit aktiv steuern, das wir zur Verfügung stellen. So kann er seine Kosten beeinflussen und sieht nicht erst auf der Monatsrechnung, was er an Services bezogen hat. Ab Q3 werden wir dann auch Kubernetes aus unserer Cloud on Premise in der Schweiz als verwaltete Container-Plattform anbieten. Auch spüren wir, dass sich viele unserer Kundinnen und Kunden auch eine Entwicklerin oder einen Entwickler auf Abruf wünschen. Damit möchten sie Expertise für Migrationen/Architektur und auch zum Betrieb in der eigenen technischen Abteilung aufbauen. Dafür werden wir das Beratungsangebot mit Workshops stark ausbauen. Wie Sie beim Stellenantritt sagten, möchten Sie Nine von einem «technikgetriebenen» Unternehmen in eine «Experience-driven- Company» transformieren. Was heisst das konkret? Wie bereits erwähnt ist die Differenzierung gegenüber dem Mitbewerb durch Technologie und Produkte schwieriger 04 / 2021 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

People Live 23 geworden. Bleibt die Differenzierung über den Preis – aber das ist schwierig und das möchte ich auch nicht. Also muss die Differenzierung vor allem über den Service stattfinden. Wir wollen den Kundinnen und Kunden das Leben einfacher machen, und sie sollen eine nachhaltige Erfahrung bei uns machen, die einen Mehrwert generiert. Hier gibt es viel Potenzial bezüglich Produktentwicklung und der Interaktion mit unseren Kundinnen und Kunden. Das bedeutet, dass wir sie in den Mittelpunkt stellen und Entscheidungen bezüglich neuer Angebote anhand ihrer Bedürfnisse fällen. Das erfordert, dass wir unsere Hausaufgaben bezüglich Kundenbedürfnis-Analyse regelmässig erledigen, aber auch die Organisation als solches umzubauen. Dafür haben wir etwa bereits ein Customer-Success-Team gegründet, in das auch der Service Desk integriert wurde, mit dem Ziel, die Customer Journeys neu zu gestalten und zu implementieren. «Wir befinden uns mitten in der Transformation von einer Betriebs- in eine Entwicklungsfirma. » Valérie Vuillerat, CEO, Nine Wie ist das Mitarbeiterbeteiligungsprogramm angelaufen, das Gründer Thomas Hug angekündigt hat? Das Programm ist gut gestartet und läuft nach Plan. Wir haben bereits einige Mitarbeitende als Aktionärinnen und Aktionäre über alle Stufen gewinnen können. Auch ich und der ganze Verwaltungsrat und GL-Mitglieder haben investiert. Wir freuen uns auch schon auf die nächste Generalversammlung, wo wir die neuen Aktionärinnen und Aktionäre begrüssen werden. Es ist für mich auch ein Vertrauensbeweis, dass unterschiedlichste Mitarbeitende Aktien des Unternehmens gekauft haben. Welche Trends erkennen Sie im Markt und wie möchten Sie darauf reagieren? Die Kundinnen und Kunden möchten selbstständig und unabhängig und nach Bedarf agieren können. So wie wir heute Applikationen beziehen, als Software-as-a-Service, wollen heute Kundinnen und Kunden Plattformen beziehen. Unser Ziel ist es, die Benutzerinnen und Benutzer mit einem zentralen Cockpit zu befähigen, in dem sie selbst Produkte beziehen können sowie das Downund Upgraden möglich wird. Damit zusammen hängen natürlich auch Pay-as-you-go-Modelle, automatische Verrechnung etc., was unsererseits einen starken Fokus auf Automatisierung erfordert. Für viele unserer Kundinnen und Kunden sind auch Swissness und Security wichtige Themen. Wie schätzen Sie den Einfluss von Corona auf die ICT-Branche im Allgemeinen und auf Provider von Managed-Cloud- und Container-Lösungen, zu denen sich Nine zählt, im Speziellen ein? Die Pandemie dient als Katalysator für eine Entwicklung, die wir seit Jahren beobachten – also den Gang in die Cloud, Container-Lösungen, hybride Arbeitsformen, agile Organisation etc. Für uns ändert sich vom Fokus her wenig, dafür erhöht sich die Intensität, mit der wir nun agieren. Bild: Boris Baldinger www.netzwoche.ch © netzmedien ag 04 / 2021

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