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Netzwoche 04/2021

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56 Products Hintergrund

56 Products Hintergrund Mit der «Genie AR» von Bitforge konnten Kunden von Coop Bau + Hobby testen, ob der Weihnachtsbaum in ihr Wohnzimmer passt. « Die Pandemie hat Unternehmen, Institutionen und Kulturschaffende dazu gezwungen, nach neuen Kommunikationsformen zu suchen – und viele davon sind bei XR-Technologien fündig geworden. » Daniel Gremli, Co-Founder, Bandara Bildungsinstitutionen mit diesem Thema an uns.» Dem stimmt auch Markus Zank zu, Leiter eines AR-Forschungsteams der HSLU. Er sieht grosses Potenzial in der VR-Technologie für Schulungen. Seiner Meinung nach sollten Unternehmen hier mehr über den Gebrauch der Technologie nachdenken. Dass die Zeit dafür reif sei, zeige auch, dass in Zürich im Dezember eine Wirbelsäulenoperation mit AR-Navigation durchgeführt worden sei, sagt Zank. Für Eggenberger von Staay war die 4U-Kids-App für Mercedes-Benz das interessanteste Projekt des vergangenen Jahres. Staay gewann mit der App Gold an den Best of Swiss Apps Awards 2020 in der Kategorie MR, AR & VR. Die App sei eine Herausforderung gewesen, da sie Kinder im Alter zwischen 3 bis deutlich über 14 Jahre beschäftigen soll, während die Eltern mit dem Mercedes-Händler sprechen, wie Eggenberger erklärt. «Wir haben schliesslich für drei Alterskategorien zwei komplett eigenständige Spiele gemacht mit Abwandlungen für die dritte Kategorie», erklärt er. Zudem hätten sie mit der App etwas Neuartiges erschaffen, das im Bereich AR respektive maschinelle Bildverarbeitung auch technisch sehr fordernd gewesen sei. Eine nachhaltige Entwicklung Die Entwicklungen, die im XR-Bereich durch Corona angestossen wurden, seien nachhaltig. Da sind sich sowohl Entwickler als auch Forscher, die mit der Technologie arbeiten, einig. «Die Pandemie hat Unternehmen, Institutionen und Kulturschaffende dazu gezwungen, nach neuen Kommunikationsformen zu suchen – und viele davon sind bei XR-Technologien fündig geworden», sagt Gremli von Bandara. Für die Nachhaltigkeit spricht auch, dass die Branche laut IDC-Prognosen schon vor der Krise wuchs. Auch Bitforge spüre seit Jahren eine zunehmende Nachfrage im XR-Bereich, sagt Senn. Für ihn wird die Entwicklung durch das Smartphone, das jeder in der Tasche hat, und durch die grossen Tech-Giganten wie Apple getrieben. Im Virtual-Reality-Bereich sieht Eggenberger Oculus Quest 2 als Treiber. Dabei meint er nicht bloss Freizeitanwendungen. «Durch die Homeoffice-Pflicht und die eingeschränkten Reisemöglichkeiten experimentieren nun viele Firmen mit innovativen Formen von virtuellen Meetings mit VR-Brillen neben den inzwischen etablierten Zoom-Sessions», sagt Eggenberger. Corona befeuert XR-Shopping-Plattformen Folglich dürfte Corona Entwicklungen beschleunigt haben, die schon im Gange waren. Vor allem im Onlineshopping sehen die Befragten eine immer grössere Rolle von Augmented Reality. So ist sich Senn von Bitforge sicher: «Augmented Reality wird in Kürze für eine Mehrheit der Käufer zum Shopping-Erlebnis dazugehören.» Auch Minder und Gremli halten fest, dass «Virtual Try-Ons», also die Probe eines Produkts in Augmented oder Virtual Reality, den Onlinekaufprozess nachhaltig verändern werden. Wobei Minder festhält, dass man die Veränderung auch nach der Anwendung differenziert betrachten müsse. Die Zunahme bei den virtuellen Events wird wieder zurückgehen Im Bereich der virtuellen Events rechnen Minder von JLS und Gremli von Bandara hingegen mit einem Rückgang. Trotzdem dürften virtuelle Angebote nicht verschwinden und eine Ergänzung zu traditionellen Events bleiben. «Wir werden uns in Zukunft wohl zweimal überlegen, ob wir für eine Messe wirklich in die USA fliegen wollen – 04 / 2021 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Products Hintergrund 57 Mit der 4U-Kids-App für Mercedes-Benz gewann Staay Gold an den Best of Swiss Apps Awards 2020 in der Kategorie MR, AR & VR. Die App soll Kinder beschäftigen, solange ihre Eltern mit dem Mercedes-Händler sprechen. auch dem Klima zuliebe», sagt Gremli dazu. Auch Eggenberger von Staay ist der Meinung, dass viele Firmen künftig davon absehen werden, ihre Mitarbeitenden für ein einstündiges Meeting nach London zu schicken. Deshalb wird die Technologie auch im Homeoffice einen stärkeren Einfluss erhalten. Seiner Ansicht nach stehen wir in der Entwicklung von XR-Anwendungen fürs Homeoffice erst ganz am Anfang und es werde noch viel kommen. «Wegen der Pandemie deutlich schneller und nachhaltiger. Es gab plötzlich Use Cases und damit Anwender für solche XR- Software. Dadurch wurde auch auf der Anbieterseite wieder mehr investiert. Es bleibt definitiv spannend», sagt Eggenberger. Das bekräftigt auch ETH-Professor Pollefeys. Er ist der Meinung, dass VR im Homeoffice für grössere Gruppen besser geeignet sei als Videokonferenzen. Auch das Potenzial im Schulungsbereich ist hier noch nicht ausgereizt, wie Zank von der HSLU sagt. Gremli von Bandara fasst die Entwicklung so zusammen: «Innovative Formate wie virtuelle Konzerte, AR- Shopping oder VR-Ausbildungstools wurden zwar vielerorts während der Pandemie eingeführt, sind aber gekommen, um zu bleiben.» Trotz Boom fehlt der Durchbruch Trotz des Booms und des Corona-Pushs setzten sich XR- Technologien nach Einschätzung der Experten in der Öffentlichkeit noch nicht durch. «Der Hype war in den vergangenen Jahren sehr gross. In den letzten beiden Jahren – in Analogie zum Gartner Hype-Cycle – durchlief die Technologie aber auch etwas das ‹Tal der Tränen›, und auf breiter Front waren viele Marktteilnehmer, Kunden und Anwender etwas ernüchtert», sagt Minder von JLS. Als Ursache dafür sieht er den mangelnden Fortschritt bei den Basistechnologien und den fehlenden Nutzen bei den Anwendern. Die Projekte, die vergangenes Jahr umgesetzt wurden, zeigen, dass die Anwender den Nutzen zumindest im B2B- Bereich allmählich erkennen. Aber welche Fortschritte bei den Technologien sollen zum allgemeinen Durchbruch von XR-Anwendungen führen? Kurzfristig sehen Eggenberger von Staay und Senn von Bitforge Apples «LiDAR Scanner» als wichtigste Technologie für AR-Anwendungen an. «Die unerreichte Präzision ist mit den bisherigen Smartphone-Kameras nicht zu vergleichen und ermöglicht eine Vielzahl an AR-Use-Cases, für die bisher die Präzision im Tracking gefehlt hat», sagt Senn dazu. Doch zum grossen Durchbruch auf dem Massenmarkt soll es erst mit Glass-Technologien kommen, also mit AR- Brillen, die es erlauben, Augmented Reality wirklich in unseren Alltag zu integrieren, sind Minder von JLS und Zank von der HSLU überzeugt. Doch Senn hält fest, dass die bisherigen Modelle noch zu gross, zu schwer, zu teuer und zu wenig intuitiv bedienbar für den Durchschnitts- User seien. Pollefeys, der mit der neusten Brille von Microsoft forscht, glaubt, dass es noch einige Jahre dauern werde, bis massenmarkttaugliche Brillen auf den Markt kommen. Bis dahin dürften XR-Anwendungen im Consumerbereich nach Minders Einschätzung Nischenanwendungen bleiben. Zudem fehlt aus Zanks Sicht noch eine Anwendung, die Consumer zum Kauf der für die Technologie nötigen Hardware bewegt. Also bleibt der Nutzen der Technologie mit VR-Homeoffice-, AR-E-Commerce- und Remote-Servicing- und Schulungsanwendungen wohl vorerst auf Geschäftsanwendungen beschränkt. « Augmented Reality wird in Kürze für eine Mehrheit der Käufer zum Shopping-Erlebnis dazugehören. » Reto Senn, Head of AR Products und Partner, Bitforge Den Beitrag finden Sie auch online www.netzwoche.ch www.netzwoche.ch © netzmedien ag 04 / 2021

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