Aufrufe
vor 3 Jahren

Netzwoche 05/2016

  • Text
  • Unternehmen
  • Schweiz
  • Schweizer
  • Swiss
  • Devops
  • Netzmedien
  • Huawei
  • Webcode
  • Entwicklung
  • Software

12 Business Hintergrund

12 Business Hintergrund Huawei will mehr Huawei beliefert in der Schweiz die Telkos Sunrise und Swisscom mit Netzwerktechnik. Doch Huawei will mehr sein als nur Telko-Ausrüster. Was die Chinesen ausserdem zu bieten haben, erfuhr eine Schweizer Journalistendelegation anlässlich einer Pressereise nach Südchina. Autor: Marc Landis Huawei investiert jährlich 10 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung. « Wir wollen die Nummer eins unter den Android-Smartphone-Anbietern werden. » Ada Xu, PR-Direktorin der Consumer Business Group von Huawei 60 Milliarden US-Dollar Umsatz, 170 000 Mitarbeiter, 70 000 davon in Forschung und Entwicklung. Das ist das chinesische ICT-Unternehmen Huawei in Zahlen. Die Basis von Huaweis Business bildet das Geschäft als Telekom-Ausrüster für Telko-Riesen wie Vodafone, Deutsche Telekom etc. Huawei rühmt sich auf seiner Website, mit 45 von 50 der grössten Telkos der Welt zusammenzuarbeiten. In der Schweiz ist Huawei mit zwei grossen Telkos dick im Geschäft. So betreibt die Technologielieferantin seit 2012 Mobil- und Festnetz von Sunrise und arbeitet mit Swisscom im Bereich Breitbandinternet und Glasfaser zusammen. Doch das Geschäft mit der Telekom-Ausrüstung, das für rund zwei Drittel des Huawei-Umsatzes verantwortlich ist, genügt dem Unternehmen nicht. Das wurde der Redaktion spätestens im Rahmen einer Pressereise mit Huawei Anfang März nach Südchina klar. Auf dem zwei Quadratkilometer grossen Huawei-Campus in der chinesischen Technologie-Metropole Shenzhen, auf dem 40 000 Angestellte arbeiten, präsentierten Kommunikations- und Produktverantwortliche während zweier Tage die Highlights aus der Geschäftstätigkeit des Unternehmens. i HUAWEI baut FTTS für SWISSCom Für Swisscom erschliesst Huawei mit Fibre-to-the-Street-Boxen, die in Kanalisationsschächten oder in Verteilerkästen an den Strassen installiert werden, die Letzte Meile in die Häuser mit der sogenannten G.fast-Technologie. Damit wird auf Kupferleitungen auf den letzten 200 Metern vom Verteilerkasten bis in die Häuser der Nutzer eine Bandbreite von bis zu 500 Mbit/s möglich. FTTS wird von Swisscom eingesetzt, da es sich in der Schweiz nicht lohnt – und es auch zu lange dauern würde –, FTTH, also Glasfaser bis in die Häuser zu verlegen. Es würde bis 2040 oder 2050 dauern, erklärte ein Huawei-Sprecher, bis FTTH flächendeckend ausgerollt wäre. Swisscom entschied sich deshalb für FTTS, um Glasfaser mit Kupfer zu verbinden. Im April 2015 nahm Swisscom im Rahmen eines Feldtests im Dorf Bibern der Gemeinde Buchegg (SO) die G.fast- Technologie in Betrieb und sammelt seither Erfahrungen unter realen Bedingungen. Swisscom plant den Ausbau von G.fast für alle FTTS- und FTTB-Anschlüsse ab 2016. Bis dahin soll in Zusammenarbeit mit dem Technologiepartner Huawei G.fast optimal auf das Netz von Swisscom abgestimmt werden. Consumer-Business Insbesondere das Geschäft der Consumer Business Group, unter anderem mit Endgeräten wie Smartphones und Tablets, läuft für Huawei nach eigenen Angaben sehr erfolgreich. Die Chinesen sind aber natürlich keine Neulinge im Handy-Business, auch wenn sie bis vor ein paar Jahren als OEM-Lieferanten für Handys nur den Providern bekannt waren. Ihnen lieferte Huawei Feature Phones, Smartphones und nicht zu vergessen USB-Breitbandmodems, welche die Provider vertrieben. So gelang es den Chinesen, sich ein Stück des «Consumer-Kuchens» – auch in der Schweiz – zu sichern. 2012 lancierte Huawei dann erste Smartphones unter der eigenen Marke. Seither entwickelte sich Huaweis Smartphone-Geschäft prächtig, wie die Marktanteile verraten. Im Schweizer Markt liegt Huawei laut Unternehmenssprecherin Michèle Wang- Spirig auf Platz drei hinter den beiden wohl bis auf Weiteres uneinholbaren Marktleadern Apple und Samsung. Auch global gesehen kann sich Huawei über ein schnell wachsendes Consumer-Geschäft freuen. Es wächst am schnellsten der drei Business-Units von Huawei und machte laut den 2014er-Zahlen 26 Prozent des Gesamtumsatzes des Unternehmens aus. 2015 waren es schon über 30 Prozent. 2015 lag der Umsatz im Vergleich zu 2014 um fast 70 Prozent höher und stieg von 12,2 auf über 20 Milliarden US-Dollar. Im gleichen Zeitraum lieferte das Unternehmen 44 Prozent mehr Handys aus, nämlich 108 Millionen Stück. 2014 waren es noch 75 Millionen. Huawei verfolgt laut der PR-Direktorin der Consumer Business Group, Ada Xu, das Ziel, die Nummer eins unter den Android-Smartphone-Anbietern zu werden und sich als Premium-Marke zu etablieren; eine unzweideutige Kampfansage an Samsung. Fokussierung im Produktportfolio und Branding-Kampagnen sollen dabei helfen, Huawei entsprechend in den Köpfen der Konsumenten zu positionieren. Auch eine Werbekampagne, in der Wearables wie die Huawei Watch den Arm von Supermodel Karlie Kloss schmücken, gehört zu dieser Premium-Strategie Huaweis. Schwieriges Enterprise-Geschäft Weniger gut als im Consumer-Geschäft läuft es für Huawei in der Enterprise Business Group mit Komponenten für Enterprise-Rechenzentren. Mit Servern, Storage und Switches, aber auch Converged Systems und neuerdings ganzen Rechenzentren quasi «out of the box» erzielte Huawei laut Geschäftszahlen 2014 nur 7 Prozent des Gesamtumsatzes. Das Enterprise-Geschäft, in das Huawei allerdings auch erst 2011 einstieg, ist das dritte Standbein des Unternehmens und die mit Abstand kleinste Business-Unit. 05 / 2016 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Hintergrund 13 Rechenzentren «aus der Box» von Huawei. High Density Server von Huawei. i Über Huawei Auf dem Huawei Campus in Shenzhen arbeiten 40 000 Menschen. Damit kann Huawei natürlich nicht zufrieden sein – auch wenn sich im Rahmen einer Präsentation Huawei-Verantwortliche zuversichtlich äusserten, dass 2015 ein besseres Jahr für die Enterprise-Group gewesen sei als 2014. Wachstum ist auch nötig, schliesslich will man den Grossen im Markt – HP, Cisco – die Stirn bieten. Bis Huawei allerdings in der Breite von Enterprise-Kunden als valable Alternative im Enterprise-Segment wahrgenommen wird, gibt es noch einige Hausaufgaben zu erledigen. Ausser der Weiterentwicklung des Produktportfolios braucht es auch Investitionen in den Channel, der Huaweis Enterprise- Portfolio zu den Unternehmen bringen soll und nicht zuletzt in Branding, um in den relevanten Zielgruppen «anzukommen» und ihr Vertrauen zu gewinnen. Mit Huawei in die Cloud Aber, und das ist natürlich auch Huawei klar, lässt sich Ada Xu, PR-Direktorin der Consumer Business Group von Huawei. heutzutage mit Hardware alleine in der Business-IT kein Blumentopf mehr gewinnen. Deshalb bietet Huawei auch Cloud-Infrastruktur auf Open-Source-Basis, um die Cloud zu den Telkos zu bringen, damit diese eigene Clouds für Kunden bauen können. Huawei nennt sein Angebot Fu sion Cloud, das bereits im fünften Release auf dem Markt ist. So sollen Unternehmen und Dienstanbieter Services in privaten und öffentlichen Clouds oder auch in Hybrid Clouds einrichten und verwalten können. Nach der Pressereise mit Huawei nach Südchina bleibt kein Zweifel, dass es Huawei ernst meint und in den drei Geschäftsfeldern, in denen das Unternehmen tätig ist, den Markt dominieren will. Am meisten Potenzial bietet das Enterprise- Geschäft. Es ist noch am schwächsten entwickelt. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode 7192 Huawei ist ein weltweit tätiger Anbieter von Informationstechnologie und Telekommunikationslösungen. Das Unternehmen bietet mit seinen drei Geschäftsbereichen Carrier Network, Enterprise und Consumer unter anderem Netzwerkinfrastruktur, Cloud- Computing-Lösungen und Endgeräte wie Smartphones und Tablet-PCs an. Mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung nutzt direkt oder indirekt Huawei-Technologie. Huawei ist in mehr als 170 Ländern aktiv und beschäftigt über 170 000 Mitarbeiter. Davon sind mehr als 70 000 im Bereich Forschung und Entwicklung tätig. In diesen Bereich investierte Huawei seit der Gründung jährlich 10 Prozent des Umsatzes. Huawei ist ein vollständig privat geführtes Unternehmen, das zu 100 Prozent im Besitz seiner chinesischen Mitarbeiter ist. Hauptsitz des Unternehmens ist Shenzhen, China. Gegründet wurde Huawei 1987 von Ren Zhengfei. 2011 hat Huawei eine Rotation eingeführt, bei welcher der CEO aus einem Kreis von drei Personen – Herr Ken Hu, Herr Guo Ping und Herr Eric Xu – alle sechs Monate wechselt. Chairwoman des Board of Directors ist Sun Yafang. (Quelle: Huawei) www.netzwoche.ch © netzmedien ag 05 / 2016

Archiv