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Netzwoche 05/2021

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20 Business Digital

20 Business Digital Economy Award « Digitale Innovation ist für mich mehr als ein fancy Front-End » Nach Jahrzehnten als Berater hat Lukas Bär umgesattelt und ist heute Geschäftsführer der Stiftung Lebensart, die Wohnraum und Arbeitsplätze für Menschen im Alter und Menschen mit Beeinträchtigungen betreibt. Wie das zu seiner Funktion als Jurypräsident der Kategorie Digital Innovation des Digital Economy Awards passt, erklärt er im Gespräch. Interview: Marc Landis i ZUR PERSON Lukas Bär ist Jurypräsident der Kategorie «Digital Innovation Of The Year» des Digital Economy Awards und Geschäftsführer der Stiftung Lebensart. Lebensart bietet umfassende Dienstleistungen für beeinträchtigte Menschen und Menschen im Alter mit unterschiedlichem Pflegebedarf an. Ihre sechs Standorte stehen für Sicherheit, Geborgenheit und Lebensqualität. Bei Lebensart arbeiten mehr als 700 Mitarbeitende. Zuvor sammelte Bär mehr als 20 Jahre Erfahrung als Strategieberater und Geschäftsführer. Zuletzt war er Partner bei der skandinavischen Implement Consulting Group. Er ist ein ausgewiesener Strategieexperte und erfahrener Grossprojektmanager mit starken Kommunikations- und Change-Management-Fähigkeiten. Bär ist Co-Autor von «Strategic Agility – The modern strategist's playbook» und war viele Jahre Vorstandsmitglied in verschiedenen Unternehmen und Organisationen. Sie sind seit dem 1. März Geschäftsführer der Stiftung Lebensart, die seit über 200 Jahren Dienstleistungen für beeinträchtigte Menschen und Menschen im Alter mit unterschiedlichem Pflegebedarf anbietet. Das ist ein ziemlicher Kontrast zu Ihrer bisherigen Karriere als Unternehmensberater. Warum haben Sie umgesattelt? Lukas Bär: Es ist nicht ungewöhnlich, dass Unternehmensberater mit dem Erreichen einer gewissen Seniorität mit dem Gedanken spielen, in eine leitende Position auf Unternehmensseite zu wechseln. Bei mir war ausschlaggebend, dass ich nach über 20 Jahren in der Beratung nicht noch weitere 10 anhängen wollte. Das Beratungsgeschäft ist dynamisch und kompetitiv, da wird es naturgemäss zunehmend anspruchsvoll, mit den brillanten Jungen von den besten Universitäten mitzuhalten. Ich wollte da nicht irgendwann einfach zum Inventar gehören und habe deshalb für mich entschieden, dass ich noch eine neue Herausforderung anpacken möchte. Als dann die Anfrage kam, ob ich Lust hätte, mich bei Lebensart als Geschäftsführer zu engagieren, musste ich nur kurz überlegen. Ich freue mich sehr, kann ich doch in meiner neuen Rolle eine sehr sinnstiftende Tätigkeit ausüben. Bei Lebensart sind wir bestrebt, unsere Dienstleistungen kundenorientiert und nach höchsten professionellen Standards zu erbringen. Gleichzeitig verfolgen wir ambitionierte finanzielle Ziele, um unsere Existenz langfristig zu sichern. Ein Unternehmen zu führen, ist auch kein Novum für mich. Ich war über 10 Jahre Managing Partner von Abegglen, bis wir uns 2016 der skandinavischen Implement Consulting Group angeschlossen haben. Nach zwei Jahren Integration gab ich die Standortleitung in Zürich ab. Aber irgendwie fehlte mir dann doch eine Führungsrolle. Wie steht es um die Digitalisierung in sozialen Institutionen in der Schweiz im Allgemeinen und in den Betrieben von Lebensart im Besonderen? Die Digitalisierung ist natürlich auch in unserer Branche voll im Gang und wird nicht zuletzt durch die Vorgaben der öffentlichen Hand und Sozialversicherungen entsprechend forciert. Allerdings stehen unsere Institutionen bei den Anbieterfirmen innovativer Lösungen nicht im Hauptfokus. Wahrscheinlich ist unser Markt zu wenig lukrativ. Die Anbieter fokussieren eher auf Spitäler, weil dort die grossen Budgets liegen. Momentan liegt der Schwerpunkt der Digitalisierung überdies vor allem in der Dokumentation, etwa der elektronischen Klientenverwaltung und -dokumentation. Ich habe mich zwar schon einige Male gefragt, wie sinnvoll die Texteingabe bei der Dokumentation der Betreuungs- und Pflegetätigkeit ist. Gescheiter wären hier innovative Lösungen etwa mit Spracheingabe oder mit Trackern. So könnten sich die Pflege- und Betreuungspersonen auf die Arbeit mit den Klientinnen und Klienten konzentrieren, statt irgendwelche Rapporte in Prosa schreiben zu müssen. Aber natürlich setzen wir auch bei Lebensart IT-Lösungen wie «easyDOK» und «heimNET» ein. Wie beeinflusst Ihre neue Tätigkeit als Geschäftsführer von Lebensart Ihr Engagement als Jurypräsident der Kategorie «Digital Innovation Of The Year» des Digital Economy Awards? Wo sehen Sie Parallelen? Die Parallelen sind heute überschaubar. Aber meine persönliche Ambition und auch mein Interesse für digitale Innovation sind natürlich immer noch vorhanden. In meiner neuen Funktion muss ich auch besonders kritisch abwägen, wie viel Technologie nötig ist und wie viel wir einsetzen können, ohne die Klienten oder auch die Mitarbeitenden zu überfordern. Nur wenige gehören zu den «Innovators», «Early Adopters» oder gar zu einer «Early Majority». In unserer Branche erbringen wir die Dienstleistung direkt an den Menschen und im direkten Kontakt findet die Wertschöpfung statt. Wir wollen bei der Mensch-Mensch-Interaktion keine Abstriche machen, indem wir Technologie zwischenschalten und dann durch die Benutzung der Technologie weniger Zeit für die Betreuung der Menschen bleibt. Im Gegenteil: Die Technologie muss immer dafür sorgen, dass die Mitarbeitenden mehr Zeit haben für die Arbeit mit den Menschen – und nicht umgekehrt. Was hat sich Ihrer Ansicht nach durch Corona verändert im Zusammenhang mit der Digitalisierung in Schweizer Organisationen? Inwiefern werden Sie Digitalisierungsprojekte 2021 in der Jury anders beurteilen als noch 2019? 05 / 2021 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Digital Economy Award 21 « Die Pandemie hat uns gezeigt, wie nützlich digitale Kommunikationskanäle, digitale Arbeitsmittel und digitale Prozesse sind, um den Betrieb von Unternehmen sicherzustellen. » Lukas Bär, Geschäftsführer Stiftung Lebensart Ich glaube nicht, dass wir in der Jury grundsätzlich anders urteilen werden als vor Corona. Verändert hat sich hingegen die Wahrnehmung von Digitalisierung in der Öffentlichkeit. Die Pandemie hat uns gezeigt, wie nützlich digitale Kommunikationskanäle, digitale Arbeitsmittel und digitale Prozesse sind, um den Betrieb von Unternehmen sicherzustellen. Und sie hat gezeigt, wo in Unternehmen oder auch in der öffentlichen Verwaltung Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung besteht. Wir müssen heute mit dem Award also nicht mehr in erster Linie um die breitere gesellschaftliche Akzeptanz von Digitalisierung kämpfen. Denn Digitalisierung wird – meiner Einschätzung nach – im Vergleich zu Vor-Corona- Zeiten weniger als Bedrohung, sondern vielmehr als nützlich und förderlich für die Zusammenarbeit wahrgen ommen. Welche Art von Digitalisierungsprojekten wird Ihr Interesse im Rahmen des diesjährigen Digital Economy Awards besonders wecken? Was hat in der Kategorie «Digital Innovation Of The Year» eine besonders gute Chance auf den Sieg? Digitale Innovation ist für mich mehr als ein «fancy Front- End». Ich finde es besonders spannend, wenn alteingesessene Unternehmen mit langjähriger Geschichte es schaffen, digitale Prozessinnovation in ihre Organisation einzubauen und konsequent anzuwenden. Wenn digitale Innovationsprojekte langlebig sind und dazu beitragen, dass im Unternehmen die Digitalisierung vom Projektstadium ins Tagesgeschäft transferiert wird, dann ist auch das für mich eine Leistung, die eine Auszeichnung verdient. Welches Digitalisierungsthema liegt Ihnen persönlich besonders am Herzen? Jetzt stehe ich beruflich wieder voll in der Welt der Old Economy – daher interessieren mich persönlich vor allem auch Projekte, die das Potenzial haben, diese zu wandeln. Das Problem dabei ist: Wenn man von Innovation spricht, stehen junge, dynamische, agile Start-ups im Fokus. Uns muss es aber gelingen, die Digitalisierung der alten Wirtschaftswelt voranzubringen – diesen gesamtwirtschaftlich wichtigen Hebel dürfen wir nicht vernachlässigen. i DIGITAL ECONOMY AWARD Bereits zum dritten Mal wird der Digital Economy Award vergeben. Bis zum 23. Juni 2021 sucht die Jury die «digital reifsten Unternehmen der Schweiz» und die innovativsten Digitalprojekte. Die Gewinner werden an der Gala-Veranstaltung im Hallenstadion am 11. November 2021 in vier Kategorien ausgezeichnet: «Digital Innovation Of The Year», «The Next Global Hot Thing», «Digital Excellence Award» sowie «Highest Digital Quality». Die Preisverleihung findet am Schluss der diesjährigen Digitaltage statt. Zudem werden mit dem «NextGen Hero» auch herausragende Nachwuchstalente geehrt, wie die Veranstalter mitteilen. Für die Kategorie «NextGen Hero» beginnt die Frist für Einreichungen am 5. Mai und läuft bis zum 30. Juli 2021. Das Interview finden Sie auch online www.netzwoche.ch www.netzwoche.ch © netzmedien ag 05 / 2021

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