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Netzwoche 05/2022

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Business Hintergrund 17

Business Hintergrund 17 Digitaler Nachlass: So erhalten die Hinterbliebenen Zugriff auf die Daten Menschen hinterlassen ihre Spuren überall im Internet. Soziale Medien wie Facebook, Google-Einträge oder eigene Websites enthalten zahllose Daten zu jedem Individuum. Was mit den eigenen Daten nach dem Tod passiert, ist oft unklar. Doch man kann sich vorbereiten. Autorin: Nadja Baumgartner Es gilt, vieles zu beachten, damit nach dem Tod auch diejenigen den Nachlass erhalten, für die er gedacht ist. Zum persönlichen Nachlass gehören in der heutigen Zeit auch digitale Daten. Mit diesen sollte man sich gemäss dem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) neben dem materiellen Erbe im modernen Zeitalter ebenfalls vermehrt auseinandersetzen. Es kann nämlich sein, dass nach dem Lebensende eines Angehörigen noch immer Bilder, Mailadressen oder Websites dieser Person im Internet präsent sind. Deshalb ist es wichtig, zu wissen, wer überhaupt erbt, was Angehörige unternehmen und wie Personen sich vor ihrem Tod vorbereiten können. Auch die Juristin und Lehrbeauftrage im Privatrecht an den Universitäten Basel und St. Gallen, Cordula Lötscher, sagt: «Wir haben immer mehr Daten, die wir generieren und digital ablegen. Deshalb ist es unerlässlich, dass man sich heutzutage auch mit dem digitalen Nachlass auseinandersetzt.» Lötscher hat ein Buch zum Thema digitaler Nachlass verfasst. Darin beschreibt sie, was alles als digitaler Nachlass definiert werden kann, die Vererbbarkeit dieses Nachlasses sowie die Rollen des Persönlichkeitsrechts und des Datenschutzrechts im digitalen Nachlass. Wer erbt meine Daten? Gemäss Schweizer Erbrecht gehen digitale Daten wie Fotografien oder Dokumente sowie Geräte wie Handy oder Laptop an den Erben über. Schwierigkeiten bereiten dabei oft die fehlenden Zugangsdaten, etwa zum Instagram- Account oder zum E-Mail-Konto. Aus rechtlicher Sicht besteht aber keine klare Regelung hinsichtlich der Persönlichkeitsrechte im Internet. Der Name der Person, die sich letztlich mit diesen Daten befassen soll, muss laut «beobachter.ch» ins Testament geschrieben werden. Einen digitalen Willensvollstrecker sollten Personen dann einsetzen, wenn die Erben nur teilweisen Zugang zu den Daten erhalten. Wenn sich die Daten jedoch im Internet befinden und nicht auf einem lokalen Datenträger gespeichert sind, sieht die Lage oft anders – und schwieriger – aus. Viele Anbieter wie Instagram oder Google Gmail haben ihren Sitz im Ausland und es ist unklar, wie das Erbrecht dort gehandhabt wird. Viele Anbieter haben auch ihre eigenen Regelungen bezüglich Persönlichkeits- und Datenschutz. Genau deshalb ist es wichtig, dass der Erblasser bereits vor seinem Tod Entscheidungen für seinen digitalen Nachlass trifft. Was kann man tun? Es ist wesentlich, eine Liste mit allen existierenden Benutzerkonten und den dazugehörigen Zugangsdaten (Benutzername und Passwort) zu erstellen. Diese soll dann an einem Ort aufbewahrt werden, den mindestens eine Vertrauensperson kennt. Die Passwörter können etwa auf einem USB-Stick gespeichert werden. Auch in einem digitalen Passwort-Manager lassen sich die Zugangsdaten abspeichern (Beispiele hierfür sind 1Password, Lastpass Premium oder Bitwarden). Hierfür braucht es nur einen Zugang, um auf sämtliche Passwörter zugreifen zu können. Weiterlesen auf der nächsten Seite. Der Zugang zum Mailkonto erleichtert Angehörigen die Verwaltung des digitalen Nachlasses. Bild: Brett Jordan / Unsplash www.netzwoche.ch © netzmedien ag 05 / 2022

18 Business Hintergrund Zum digitalen Nachlass gehören auch die Daten auf sozialen Medien wie Instagram. Bild: Solen Feyissa / Unsplash Zu diesen Passwort-Managern gehört auch Legacy Notes. Notar und Anwalt Christoph Peterer ist Mitgründer des gleichnamigen Unternehmens. Auf der Plattform sei es möglich, Passwörter und sonstige Zugangsdaten zu verschiedenen Vertragspartnern oder elektronischen Geräten abzuspeichern. Ausserdem könne auch ein Testament und eine Patientenverfügung erstellt werden, sagt Peterer. Der Zugang für Angehörige kann unterschiedlich erfolgen. Nutzerinnen und Nutzer können wählen, wann welche Person auf die Plattform oder auf unterschiedliche Dokumente Zugriff haben soll: entweder sofort, zu einem bestimmten Zeitpunkt oder im Todesfall, wie Peterer sagt. Wenn es um Passwörter geht, ist der Mailzugang laut dem EDÖB eine Schlüsselfunktion. Bei vielen Onlinediensten brauche es nämlich für die Zurücksetzung des Passworts die Mailadresse. Zudem laufen die meisten Verträge und Transaktionen ebenfalls über den Mailverkehr, wo sie sich letztlich auch deaktivieren lassen, um weitere Zahlungen zu unterbinden. «Angehörige haben ein Anrecht auf die Daten auf einem Gerät», sagt Jurist Martin Steiger, Spezialist für Recht im digitalen Raum gegenüber «SRF». «Ist dieses jedoch geschützt, dann läuft das Erbrecht ins Leere.» Ausser die Angehörigen wissen um die Zugangsdaten. Vorbereitungen zu Lebzeiten können also den Erben und Erbinnen einiges an Arbeit ersparen. Beispielsweise sollten Personen regelmässig ihre Internetaktivitäten überprüfen und ungenutzte Benutzerkonten gleich löschen, wie «SRF» schreibt. Ausserdem sollte man eine Vertrauensperson angeben, die den eigenen Willen digital vollstreckt. Das muss nicht unbedingt ein Angehöriger oder eine Angehörige sein, sondern es kann sich dabei auch um einen Testamentsvollstrecker handeln. Erblasser sollten sich aber gründlich über diesen Vollstrecker informieren, denn schliesslich vertrauen sie ihm ihre Daten an. Das Vorgehen bei den verschiedenen Plattformen ·· E-Mail: Ein Gmail-Konto verfügt über einen Inaktivitätsmanager. Hier können Nutzende selbst eine Zeitspanne für die Inaktivität festlegen, nach der automatisch Schutzmassnahmen ergriffen werden. Gmail- Nutzende können zudem selbst bestimmen, welche Daten sie für Angehörige oder eine Drittperson freigegeben wollen oder ob ein inaktives Google-Konto automatisch gelöscht werden soll. Wenn sich Erblasser darum nicht zu Lebzeiten gekümmert haben, dann müssen die Erben ein Anfrageformular ausfüllen. Nachdem Google die Anfrage genehmigt hat, löscht das Unternehmen das Konto, oder es gibt den Angehörigen Zugriff auf Inhalte des verstorbenen Nutzers respektive der Nutzerin. Bei Microsoft ist das etwas kniffliger. Dort lassen sich diese Angelegenheiten nur mit einem Familienkonto regeln. Beispielsweise können Eltern die Aktivitäten der Kinder und die Sicherheit der Geräte kontrollieren. Hier muss für die Herausgabe von Daten eine gerichtliche Verfügung ausgefüllt werden. Ähnlich ist es bei Swisscom. Ohne ein Verfügungsdokument werden die Passwörter nicht herausgegeben. Der Telko rät den Kundinnen und Kunden, selbst eine Vertrauensperson zu bestimmen, die im Todesfall über die Zugangsdaten verfügt. ·· Instagram: Angehörige haben auf Instagram zwei Möglichkeiten. Zum einen kann eine Löschung des Accounts per Formular beantragt werden. Dafür ist aber eine Geburts- oder Sterbeurkunde nötig oder ein sonstiger Nachweis, dass der Antragsteller als gesetzmässiger Vertreter dazu befähigt ist, etwa mit einem Erbschein. Zum anderen gibt es auch die Möglichkeit, das Konto in den Gedenkzustand zu setzen. So können künftig keine Änderungen mehr vorgenommen werden. Geteilte Beiträge bleiben veröffentlicht, «Gefällt mir»-Angaben, Markierungen und Kommentare bleiben ebenfalls sichtbar. Im Bereich «Entdecken» wird das Konto in diesem Zustand jedoch nicht mehr angezeigt. Auch hierfür müssen die Beteiligten einen Antrag stellen. ·· Facebook: Ähnlich ist es bei Facebook. Die Angehörigen stellen einen Antrag, um das Profil entweder entfernen zu lassen oder in den Gedenkzustand zu versetzen. Der Verwalter kann dann nur noch Profil- und Titelbild aktualisieren, auf Anfragen reagieren oder einen fixierten Beitrag erstellen. ·· Twitter: Familienmitglieder oder im Nachlass bevollmächtigte Personen können einen Antrag auf Löschung des Accounts stellen. Die Beziehung zum Nutzenden muss dabei offengelegt werden. Schliesslich muss der Antragsteller oder die Antragstellerin in einem E-Mail 05 / 2022 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

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