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Netzwoche 06/2017

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12 Christine Schraner

12 Christine Schraner Burgener, Schweizer Botschafterin in Berlin. Die Schweiz an der Cebit: Drohnen, Smart Shuttles und ein grosser Abwesender Die Schweiz war auch dieses Jahr wieder an der Cebit vertreten. Mit intelligenten Drohnen, fahrerlosen Bussen und einer smarten Kletterwand. Der Swiss Pavilion war gut besucht, und ICT-Switzerland zog eine positive Bilanz. Einer war allerdings trotz Ankündigung nicht da: Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Die Begründung für seine Absage erstaunte. Autor: Marcel Urech « Wir müssen aufhören, Schweizer Bescheidenheit zu üben. » Christine Schraner Burgener, Schweizer Botschafterin in Berlin Die Cebit gilt noch immer als grösster B2B-Event der IT- Welt. Dieses Jahr kamen rund 200 000 Besucher. Die Messe dauerte 5 Tage. Anwesend waren 400 Start-ups und 3300 Aussteller aus 70 Ländern. Etwa aus Japan, Partnerland 2017, und der Schweiz, Partnerland 2016. ICT-Switzerland und T-Link realisierten erneut einen Swiss Pavilion. Der wichtigste Gast sollte Bundesrat Johann Schneider-Ammann sein – doch er sagte ab. Die Begründung erstaunte. Er habe keine hochkarätigen bilateralen Termine auf höchster Ebene erhalten, erklärte Christine Schraner Burgener vor versammelter Schweizer Delegation. Die Schweizer Botschafterin in Berlin vertrat den Bundesrat würdig und referierte gekonnt. Im rund 500 Quadratmeter grossen Swiss Pavilion waren etwa 30 Schweizer Aussteller anwesend. Die Innovationskraft schien Schraner Burgener zu beeindrucken. «Wir müssen aufhören, Schweizer Bescheidenheit zu üben», sagte die Botschafterin. Die Schweiz müsse sich nicht verstecken. Das habe die diesjährige Eröffnungsrede von Angela Merkel gezeigt. Die deutsche Bundeskanzlerin erwähnte, dass sie gerne die autonomen Busse der Schweiz testen würde – wenn sie denn Zeit dafür finde. Smart Shuttles der Post in Halle 13 Die Smart Shuttles der Schweizerischen Post fuhren an der Cebit eine rund 200 Meter lange Strecke. «Wir dürfen die Halle 13 gratis nutzen», verriet Philippe Cina im Gespräch mit der Redaktion. Cina ist Head of Development für die internationalen Märkte bei Postauto Schweiz. Laut ICT-Switzerland beförderte der Smart Shuttle über 10 000 Passagiere. Die Cebit habe die Post angefragt und nicht umgekehrt, sagte Cina. Einige Automobilhersteller seien ebenfalls interessiert gewesen. «Aber die Cebit wollte unbedingt uns.» «Viele Leute aus Europa und Asien besuchen nun Sitten, um unsere autonomen Shuttles zu sehen», sagte Cina. Postauto Schweiz wolle zeigen, dass die Digitalisierung bei der Schweizerischen Post ein grosses Thema sei. Sie fahre gerade mehrere digitale Pilotprojekte, auch für den kommerziellen Einsatz von Drohnen. Die «Smart Shuttles» könnten für viele Unternehmen interessant sein. Etwa für Flughäfen, Spitäler und Forschungseinrichtungen. Oder für sehr grosse Privatanwesen, sagte Cina. Schweizer Start-ups machen auf sich aufmerksam Die Schweizer Delegation bestand aus über 60 Personen. Einer davon war Nationalrat Marcel Dobler. «An der Cebit lernt die Welt eine Schweiz kennen, die in Sachen Innovation ganz vorne mitläuft und die Digitalisierung unermüdlich vorantreibt», sagte der ICT-Switzerland-Präsident. In Halle 12 gab es eine weitere Schweizer Präsenz. Dort lautete das Thema «Communication & Networks». Auch in Halle 11 war die Schweiz vertreten, zum ersten Mal überhaupt mit einem eigenen Start-up-Pavillon. In Halle 6 fand zudem ein Start-up-Pitch statt. Es referierten Bestmile, Qumram und Advertima. Bestmile entwickelt eine Flottenmanagement-Software für die autonomen Fahrzeuge 06 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Event 13 der Post. Qumram kann Chat- und Onlinekanäle wie Whatsapp und Linkedin rechtssicher aufzeichnen. Und Advertima erkennt, wer gerade in einen Bildschirm schaut und liefert so personalisierte Inhalte aus. Ein Schweizer Start-up hatte an der Cebit gar seinen ersten öffentlichen Auftritt: ITficient. Vor Ort waren Geschäftsführerin Teresa Alberts und der technische Leiter Fabian Müller. Sie bieten Big Data für KMUs an. Genauer: Consulting, Predictive Analytics und Lösungen, die auf den Amazon Web Services laufen. «Wir gewannen im Dezember den ersten Kunden», sagte Alberts, ohne den Namen zu verraten. Die beiden seien an der Cebit, um ITficient bekannter zu machen und neue Kontakte zu knüpfen. Dialog mit Industrie und Wirtschaft Schweizer Universitäten und Hochschulen waren ebenfalls vor Ort. Die ETH hatte keine Probleme, Besucher an ihren Stand zu locken. «Die Drohne hilft wohl», sagte Marianne Lucien, Kommunikationsverantwortliche der Hochschule. Sie meinte damit die Fotokite des ETH-Spinoffs Perspective Robotics. Die ETH wolle sich mit ihrem Auftritt an der Cebit bekannter machen und die Industrie direkt ansprechen, sagte Lucien. Das zweite Projekt am Stand war eine Technologie von Verity Studios, ebenfalls ein ETH-Spin-off. Es gewann letztes Jahr einen Award am New York City Drone Film Festival. Auch die ZHAW war vor Ort. Sie präsentierte unter anderem die Plattform Industrie 4.0. Sie kombiniert Knowhow aus verschiedenen Forschungsfeldern, um Unternehmen für die Industrie 4.0 fit zu machen. Etwa aus dem Supply Chain Management, der Automatisierung, dem Cloud Computing und dem Risk Management. Die ZHAW präsentierte zudem eine mit Sensoren gespickte Kletterwand, die in der Schaffhauser Kletterhalle Aranea+ bereits im Einsatz ist. «Wir zeigen uns an der Cebit als Partner für Forschung und Entwicklung und suchen den Dialog mit der Wirtschaft», sagte Andreas Rüst, der an der ZHAW die Forschungsgruppe Internet of Things leitet. und Düsseldorf. Senozon könne Fragen wie «Was passiert, wenn die Schweiz 10 Millionen Einwohner hat?» beantworten, sagte Verkaufsleiter Dariush Daftarian. Die Lösungen würden sich sich etwa für Plakatwerbung oder die Bewertung von Immobilien-Portfolios eignen. Senozon wolle enger mit Telkos zusammenarbeiten. Auch darum sei das Unternehmen an der Cebit, sagte Daftarian. Schweizer Firmen gewinnen Innovationspreise Crealogix und Paxxon erhielten den «Innovationspreis- IT». Die Initiative Mittelstand vergibt den Preis jährlich an der Cebit. Er ehrt innovative Produkte und Lösungen. Insgesamt erhielten Firmen in 38 Kategorien eine Auszeichnung. Crealogix aus Zürich in der Kategorie «Finance» für die Lösung «NovaOEM». Paxxon aus Neuhausen am Rheinfall gewann für seine interaktive Präsentationstechnologie die Sonderauszeichnung für die Schweiz. Auf der Liste der Top-3-Firmen finden sich noch weitere Schweizer Firmen: Bison IT Services mit Bison Customer Analytics in der Kategorie Smart Data; Digitalstrom mit Digitalstrom und Pepper in der Kategorie Consumer Electronics; Cloudtec mit Cloudtec Managed Services in der Kategorie Systemmanagement. 2016 waren vier Schweizer Firmen unter den Gewinnern. ICT-Switzerland zieht positive Bilanz Der Swiss Pavilion war nur durch die Hilfe von Partnern möglich. Ausser IBM, Ruag, SAP und Swisscom unterstützten auch die Kommission für Technologie und Innovation und das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation den Swiss Pavilion. Auch das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco, Präsenz Schweiz, der Kanton Zürich und Switzerland Global Enterprise halfen mit. ICT-Switzerland war mit dem Cebit-Auftritt der Schweiz zufrieden. Die Schweiz habe im Aussteller ranking der Messe sogar den vierten Platz belegt. Die Cebit 2018 wird vom 11. bis zum 15. Juni in Hannover stattfinden.Mehr zur Cebit: www.netzwoche.ch/dossier/cebit-2017 « An der Cebit lernt die Welt eine Schweiz kennen, die in Sachen Innovation ganz vorne mitläuft und die Digitalisierung unermüdlich vorantreibt. » Marcel Dobler, Präsident, ICT-Switzerland Teresa Alberts und Fabian Müller von ITficient. Prozessmanagement und Mobilitätsforschung Die Redaktion sprach noch mit weiteren Vertretern von Schweizer Firmen. Etwa mit Dourgam Kummer, Associé von Fractal Swiss. Die Westschweizer beraten Unternehmen zu Themen wie Führung, Zertifizierungen und Nachfolgeregelungen. «KMUs sind heute stark technologieorientiert, haben aber das Prozessmanagement oft nicht im Griff», sagte Kummer. Fractal Swiss wolle an der Cebit darauf aufmerksam machen, Kontakte knüpfen und Kunden gewinnen. Das Unternehmen arbeitete etwa mit Décision zusammen, die gemeinsam mit Bertrand Piccard das Solarflugzeug Solar Impulse baute. Auch Senozon war an der Cebit. Das ETH-Spin-off ist auf Mobilität sowie Standort-, Verkehrs- und Infrastrukturplanung spezialisiert. Die 2010 gegründete Firma beschäftigt 20 Mitarbeiter. Drei davon in Wien, drei in Berlin www.netzwoche.ch © netzmedien ag 06 / 2017

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