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Netzwoche 06/2017

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16 People Live «Wir

16 People Live «Wir investieren in die nächste Generation von Unternehmern» Termine planen über das Web. Das war 2007 neu, cool und der Start für eine Erfolgsgeschichte in der Schweizer Webwirtschaft. Für ihre Leistung wurden die Doodle-Gründer Myke Näf und Paul Sevinç nun mit dem Ehrenpreis von Best of Swiss Web ausgezeichnet. Im Interview erklären die Preisträger, wie sich die Schweizer Start-up-Szene verändert hat und woran sie heute arbeiten. Interview: George Sarpong « Es würde mich freuen, wenn wir mit dem Ehrenpreis junge Leute ermutigen könnten, ihre Ideen umzu setzen. » Myke Näf, Co-Gründer von Doodle Was bedeutet Ihnen der Ehrenpreis von Best of Swiss Web? Näf: Ich fühle mich geehrt. Es würde mich freuen, wenn wir mit dem Ehrenpreis junge Leute ermutigen könnten, ihre Ideen umzusetzen. Sevinç: Ich kann mich Myke nur anschliessen. Doodle begeht dieses Jahr das zehnjährige Jubiläum. Ich finde es daher besonders schön, dass wir im Jubiläumsjahr für unsere Leistung ausgezeichnet werden. Waren Sie überrascht, den Ehrenpreis zu erhalten? Sevinç: Ja sehr! Das kam für mich unerwartet. Wahrscheinlich hatte ich unbewusst damit abgeschlossen, für Doodle weitere Auszeichnungen zu erhalten. Es ist umso erfreulicher, dass Doodle noch immer nachwirkt. Näf: Ich hätte nicht mehr damit gerechnet, dass wir für Doodle einen Preis erhalten würden. Bis die E-Mail von Best of Swiss Web eintraf. Sie riefen Doodle 2007 ins Leben. Was waren damals die Herausforderungen bei der Gründung Ihres Internet-Start-ups? Sevinç: Technisch hatten wir eher wenige Probleme. Die wahre Herausforderung lag woanders, was uns aber erst rückblickend bewusst wurde. Wir mussten zum eingeschweissten Gründer-Team werden, um gemeinsam die Firmen erfolgreich aufbauen zu können. Ich musste zudem in meine neue Rolle als Vorgesetzter hineinwachsen und meinen Kommunikationsstil anpassen. Hierbei half mir das Feedback meines Partners Myke. Sie verkauften Doodle letztlich an Tamedia. Weshalb? Näf: Bei mir kamen verschiedene Entwicklungen zusammen. Wir hatten Investoren an Bord, die irgendwann auch die Früchte ihres Investments ernten wollten. Tamedia machte uns zudem ein attraktives Angebot. Auf persönlicher Ebene spürte ich, dass ich an einem Punkt angekommen war, an dem ich Doodle nicht mehr viel Neues geben konnte. Ausserdem hatte ich Lust, mich anderen Dingen zu widmen. Sevinç: Wir sahen die Möglichkeit auch als Gelegenheit, frischen Wind in die Firma zu bringen. Der Verkauf bot neue Chancen für das Produkt und das Team. Uns war zudem klar, dass wir uns komplett zurückziehen werden, wenn wir Doodle verkaufen. Verkaufen und hinterher mitreden wollen, kam für uns nicht infrage. Haben Sie jetzt ausgesorgt? Näf (lacht): Der Verkauf gab uns gewisse finanzielle Freiheiten, die es uns erlauben, zu entscheiden, für wen, mit wem und wofür wir arbeiten wollen. Ausserdem investieren wir heute in Start-ups. Wir können auf diese Weise das Start-up-Ökosystem des Standorts Schweiz unterstützen. Wir investieren Geld und unseren Erfahrungsschatz in die nächste Generation Schweizer Unternehmerinnen und Unternehmer. Inwieweit ist diese Form des Investments ein Schlüssel zum Erfolg für die Schweizer Technologiebranche? Sevinç: Auch wir haben damals grosse Unterstützung erfahren. Es ist schön, wenn man dann selbst der nächsten und übernächsten Generation etwas mitgeben kann. Das ist sicher ein wertvoller Mosaikstein neben vielen anderen für die Weiterentwicklung des Technologiestandorts Schweiz. Konnten Sie bei Doodle ein technisches Novum entwickeln? Näf: Wir entwickelten Capability-URLs. Dabei handelt es sich um ein Autorisierungsmerkmal, um auf Log-ins verzichten zu können. Heute ist das ein Standard in der Webentwicklung. Aber damals war das eine neue Entwicklung. Ist die Situation heute wirtschaftsfreundlicher für Jung unter nehmen? Näf: Es ist genauso hart wie eh und je, Kunden zu finden und Umsatz zu generieren, geschweige denn Gewinn zu erwirtschaften. Was sich hingegen verändert hat, ist die Unterstützung von Start-ups. Die Szene geniesst derzeit viel Sichtbarkeit und Wohlwollen in der Schweiz. Wie zeigt sich das? Sevinç: Heute wird bereits in den Schulen im Unterricht über Start-ups gesprochen. In den Medien wird ausführlich da rüber berichtet, etwa in Form von Porträts über Gründer. 06 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

17 Paul Sevinç (l.) und Myke Näf haben Doodle international zum Erfolg geführt. Für ihre Leistung erhielten die Gründer den Ehrenpreis von Best of Swiss Web. Hinzu kommen die zahlreichen Anlässe für Gründer. Darüber hinaus bieten einige Veranstaltungen auch jungen Unternehmen eine Bühne, wie etwa Best of Swiss of Web. Welche weiteren Entwicklungen sehen Sie in der Start-up-Szene? Näf: Die Schweizer Start-up-Szene selbst hat sich gut weiterentwickelt. Die Community war zu unserer Doodle-Zeit überschaubarer. Wir hatten irgendwann den Eindruck, dass wir jeden aus der Start-up-Szene in der Schweiz kennen. Unterdessen hat sich diese aber stark vergrössert. Damals war es für Start-ups etwa schwieriger als heute, potenzielle Mitarbeiter zu gewinnen. Das hat sich gewandelt, die Akzeptanz als möglicher Arbeitgeber ist höher. Heute kommen für viele Stellensuchende auch Start-ups als Arbeitgeber infrage – für Studienabgänger wie auch für Fachkräfte, die eine neue Herausforderung suchen. Was raten Sie Gründern im IT-Bereich? Näf: Es ist schwierig, pauschale Ratschläge zu erteilen. Grundsätzlich empfehle ich, eine lernfähige Organisation aufzubauen, in der man experimentieren und schnell lernen kann. Ausserdem sollten Gründer möglichst sparsam arbeiten, um die Burn-Rate niedrig zu halten. Allen Startups mangelt es an allerlei Ressourcen, weshalb es wichtig ist, dass Gründer einen klaren Fokus setzen und sich nicht verzetteln. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 06 / 2017

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