Aufrufe
vor 1 Jahr

Netzwoche 06/2020

40 Service

40 Service Verbandsnachrichten ASUT 5G ist Greentech 5G erweitert die Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten und stellt die Basisinfrastruktur, die nachhaltige Innovation erst ermöglicht. Denn auf Klimaziele und Umweltschutz bezogen steht der Telekomsektor in einer doppelten Verpflichtung: Wir brauchen energieeffiziente Rechenzentren und eine ressourcenschonende Netzinfrastruktur. Asut, der Schweizerische Verband der Telekommunikation, repräsentiert heute die Telekommunikations branche und sämtliche Wirtschaftszweige sind in ihm vertreten. Die Schweiz soll sich durch fairen, freien und dynamischen Wettbewerb als Land mit dem weltbesten Kommunikationsnetz und mit First-Class-Services positionieren, durch resiliente Systeme und smarte Infrastrukturen differenzieren und als ein auf die digitale Gesellschaft und Wirtschaft zugeschnittener Bildungs- und Forschungsplatz etablieren. www. asut.ch DER AUTOR Peter Grütter Präsident, Asut Nachhaltigkeit ist ein Begriff, der heute derart inflationär verwendet wird, dass er zum Schlagwort geworden ist. Oder, noch schlimmer: zum leeren Versprechen. Das ist schade. Denn Nachhaltigkeit bedeutet Hoffnung. Die Hoffnung, dass wir einen gangbaren Weg finden können, mit den Ressourcen unserer Welt so zu wirtschaften, dass wir dabei unsere Lebensgrundlage und die Lebensgrundlage der nachfolgenden Generationen nicht gefährden. Genau dazu kann die ICT als alle Lebensbereiche durchdringende Querschnitttechnologie einen grandiosen Beitrag leisten. Auf Klimaziele und Umweltschutz bezogen steht der Telekomsektor deshalb in einer doppelten Verpflichtung. Er muss erstens sicherstellen, dass die Kommunikationstechnologie an sich über ihren ganzen Lebenszyklus – von der Entwicklung und Produktion über den Betrieb bis zur Entsorgung und Wiederverwendung der Einsatzmaterialien – so energiesparend, umweltschonend und strahlungsarm wie möglich konzipiert wird: Dass sie selbst also nachhaltig wird. Und zweitens soll er seinen Teil dazu beitragen, die übrigen Basisinfrastrukturen und Wirtschaftszweige so umweltverträglich wie möglich zu gestalten. Das gilt für den Verkehr genauso wie für den Energiesektor, die Landwirtschaft, das Abwasser- und Abfallmanagement oder die Industrie und das Gewerbe. Energieeffizienz und Sensorik sind Trumpf Beide Ziele sind erreichbar. Für das erste brauchen wir energieeffiziente Rechenzentren. Unterstützt von Asut ist eine entsprechende Kampagne im Rahmen des nationalen Programms Energie Schweiz lanciert und im Gang. Genauso entscheidend ist es, für eine ressourcenschonende Netzinfrastruktur zu sorgen. Antennenstandorte sollten vermehrt mit erneuerbarer Energie betrieben werden. Und im Mobilfunk ist es an der Zeit, dass 5G die Vorgängertechnologie ablöst. Und zwar nicht allein im Namen der Energieeffizienz, die mit dem neuen Standard rund 10 Mal besser ist. Sondern insbesondere auch deswegen, weil sich Sendeleistung und Empfang bei adaptiven Antennen optimal aufeinander abstimmen lassen, was die notwendige Sendeleistung minimiert: Pro gesendete Einheit ist damit bei 5G der Energieverbrauch und die Strahlenbelastung im Vergleich zum heutigen Mobilfunkstandard deutlich geringer. Der Schlüsselbegriff für das zweite Ziel lautet: Sensorik. In allen denkbaren Infrastrukturen, Systemen und Prozessen eröffnen Sensoren enorme Möglichkeiten, die Effizienz zu verbessern, mit Ressourcen sparsamer umzugehen und eine kohlenstoffärmere und nachhaltigere Wirtschaft voranzutreiben. So etwa mit nur noch ganz gezielter Düngung in der Landwirtschaft, mit der Echtzeitüberwachung von Logistikketten im Handel, mit der vorsorgenden Wartung von Maschinen und Anlagen oder der intelligenten Steuerung der Heizung, Kühlung und Beschattung von Gebäuden. Sensoren in der Natur wiederum erlauben es, Veränderungen – schmelzende Gletscher, Veränderungen der Gipfelhänge, abfliessende Wassermengen, schwindende Tierpopulationen – punktgenau zu erfassen und daraus Schlüsse zum Schutz von Landschaft, Biodiversität und Infrastrukturen zu ziehen. Nachhaltigkeit als Massstab für Innovation Einen möglichst bedarfsorientierten, stau- und reibungsfreien Kommunikationsfluss sicherzustellen oder Milliarden von Dingen zu vernetzen, mögen manche als ein Zugeständnis an Hyperkonsum und Wachstum um jeden Preis sehen. Doch das ist falsch. Wenn 5G beispielsweise das Live-Fernsehen revolutioniert, dann heisst das nicht allein, dass die Wettkämpfe der Jugendolympiade ultraschnell in die Fernsehstuben der Nation übertragen werden. Vor Ort bedeutet es auch: keine Materialschlacht, weder kilometerlangen Kabelsalat noch tonnenschwere 06 / 2020 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Bild: Freepik Sendewagen im Gelände und auf der Skipiste. Eine mobile Vernetzung der Kameras genügt. Das ist schneller, günstiger – und ökologischer. 5G virtualisiert Netzwerke, erweitert die Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten und stellt die Basisinfrastruktur, die nachhaltige Innovation erst ermöglicht. Richtig eingesetzt ist 5G Greentech. Nur mithilfe von 5G kann eine intelligent vernetze Mobilität mit nachhaltigen On-Demand-Angeboten Wirklichkeit werden. Nur mit 5G können lebenswerte und ressourcenfreundliche Smart Citys stabil laufen. 5G ist deshalb eine Chance, nicht eine Gefahr. Es wäre schön, wenn die eindeutige Entwarnung der Internationalen Kommission zum Schutz vor nicht-ionisierender Strahlung (ICNIRP), die Anfang März 2020 erfolgt ist, auch von den erbitterten 5G-Gegnern zur Kenntnis genommen würde. Sodass die Diskussion auf einer sachlicheren Ebene weitergeführt werden kann. Darüber, wie wir gemeinsam dafür sorgen können, dass der Massstab, an dem wir Innovation in der ICT messen, ihre Nachhaltigkeit ist und bleibt. i 46. ASUT-SEMINAR: HALLO VERÄNDERUNG! MIT TECHNOLOGIE IN DIE ZUKUNFT Wir sollten innovativen Technologien zutrauen, uns den Weg in eine global nachhaltige Zukunft zu ebnen. Und gleichzeitig auf unsere eigene Fähigkeit zählen, sie so einzurahmen, dass wir sie zum Nutzen aller einsetzen und ihre Risiken kontrollieren können. Dies die These, zu der Exponenten aus Politik, Wirtschaft und Forschung am diesjährigen Swiss Telecommunication Summit Stellung nehmen. Die Herausforderungen sind gross und sie müssen alle gleichzeitig angepackt werden: Der weltweite demografische Wandel, die Optimierung der Gesundheitsvorsorge in unseren alternden industriellen Gesellschaften, überlastete Verkehrssysteme, die Umsetzung der Energiestrategie, die steigenden Gesundheitskosten und die Folgen der Klimakrise. Dazu kommen Zielkonflikte, Partikulärinteressen, umständliche Entscheidstrukturen und knappe Ressourcen, welche die Ausgangslage weiter verkomplizieren. Doch es gibt Abhilfe: Intelligente Städte, smarte Mobilität, Robotik, Big Data und Maschinenlernen, künstliche Intelligenz oder das Internet der Dinge – moderne Technologien können der Schlüssel dafür sein, nachhaltige Lösungen für die Probleme von heute zu entwickeln. Videokonferenzen und der Einsatz von Homeoffice gegen den Coronavirus sind das aktuelle Beispiel. Gelingen kann dies allerdings nur, wenn technische Innovation das Vertrauen der Gesellschaft geniesst. Denn, nur wenn Bürgerinnen und Bürger den digitalen Wandel mittragen und mitgestalten, nur wenn ein gesellschaftlicher Konsens darüber erreicht werden kann, welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, um seine Chancen zu maximieren und seine Risiken einzuhegen, kann er zum Hebel für eine nachhaltige Transformation zur Nachhaltigkeit werden. Angesagt ist also weder blinder Technologieglaube, noch rabenschwarze Technologieskepsis, sondern eine transparente Debatte: Am 46. Asut-Seminar diskutieren eminente Vertreterinnen und Vertreter von Politik, Forschung und Wirtschaft darüber, wie sie gemeinsam und lösungsorientiert auf eine digitale Nachhaltigkeitsgesellschaft hinarbeiten können, und welche Rolle öffentliche und private Akteure dabei übernehmen sollen. Es nehmen teil: Bundesrätin Viola Amherd, die Nationalrätinnen Judith Bellaiche und Edith Graf- Litscher sowie Nationalrat Franz Grütter. Sanjana Hattotuwa, Researcher and Citizen Journalist, Oli Hess, Gründer und CEO der Wiesenschwein AG, Jeannine Pilloud, CEO von Ascom Holding, Barbara Frei, Executive Vice President von Schneider Electric (Schweiz), Thomas Vellacott, CEO von WWF Schweiz. Swiss Telecommunication Summit - 46. asut-Seminar: Hallo Veränderung – mit Technologie in die Zukunft. Wann: 25. Juni 2020, 9.15 bis 16.30 Uhr Wo: Kursaal Bern, Kornhausstrasse 3, 3013 Bern. Weitere Informationen und Anmeldung: https://events.asut.ch Den Artikel finden Sie online www.netzwoche.ch www.netzwoche.ch © netzmedien ag 06 / 2020

Archiv

Specials