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Netzwoche 06/2021

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40 Technology Focus Wie

40 Technology Focus Wie das Web nachhaltiger wird Der Datenverkehr auf den Autobahnen des World Wide Web explodiert. Dazu tragen nicht nur Videoanrufe, sondern auch Onlineshopping und die Nutzung verschiedenster digitaler Dienste bei. Höchste Zeit, sich mit dem ökologischen Fussabdruck von digitalen Dienstleistungen auseinanderzusetzen. DER AUTOR Marius Bleuer Expert Frontend Architect & Prozessverantwortung Umweltmanagement, Unic Den vollständigen Beitrag finden Sie online www.netzwoche.ch Das Web wächst und wird immer mehr zu einem ernsthaften Risiko fürs Klima. Nicht nur NTFs, Crypto Mining, das Trainieren von KI-Modellen, die digitale Anzeigenindustrie und Videostreaming tragen dazu bei, sondern auch unsere Websites, die unaufhaltsam grösser werden. Bezüglich Treibhausgasemissionen hat der ICT-Sektor die vielgescholtene Flugindustrie inzwischen hinter sich gelassen und macht rund 3,7 Prozent des weltweiten Ausstos ses aus. Seit 2013 kam es zu einer Zunahme von rund 50 Prozent. Gelingt es uns nicht, greifende Massnahmen umzusetzen, prognostiziert die EU eine Zunahme des Fussabdruckes des ICT-Sektors auf bis zu 14 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen im Jahr 2040. Optimierungsmöglichkeiten Seit 2013 hat sich die Median-Grösse einer mobilen Website mehr als verdreifacht. Die treibenden Faktoren waren dabei vor allem Bilder und Javascript. Dies ist nicht weiter verwunderlich: Zunehmend schneller werdende mobile Netzwerke und immer potentere mobile Geräte ermöglichen immer umfangreichere digitale Erlebnisse. Doch an all dem hängt ein Preisschild für Mensch und Umwelt. Sowohl die Aufbereitung, die Bereitstellung, die Übertragung als auch die Konsumation unserer digitalen Produkte und Dienstleistungen verursacht Treibhausgasemissionen; wie viel genau, ist schwer zu beziffern und hängt von vielen Faktoren ab. So entscheidet nicht nur die Stromintensität der involvierten Knotenpunkte, sondern auch die Netzwerke und das verwendete Endgerät der Nutzerinnen und Nutzer darüber, wie viel CO2 freigesetzt wird. Glücklicherweise gibt es auch Wege, den CO2-Ausstoss unserer digitalen Produkte und Dienstleistungen zu reduzieren, ohne das User-Erlebnis zu beeinträchtigen. Ein zentraler Punkt dabei ist das Hosting mittels erneuerbarer Energien. Aber schon bei der Entwicklung stehen uns Optimierungsmöglichkeiten aus dem Bereich der Web-Performance zur Verfügung (eine nicht abschliessende Liste an Massnahmen, siehe Kasten). i OPTIMIERUNGSMÖGLICHKEITEN AUS DEM BEREICH DER WEB-PERFORMANCE Bild: Rawpixel.com / Shutterstock ▪▪ Aktivierung von HTTP/2, bald HTTP/3 auf dem Webserver ▪▪ Verwendung eines Content Delivery Networks (CDN) ▪▪ Aktivierung von Gzip- und Brotli-Komprimierung auf dem Webserver ▪▪ Betrieb der Website über den JAM-Stack ▪▪ Nutzung von Serverside-Rendering (mit einem vorgelagerten Caching-System) ▪▪ Verzicht auf Autoplay-Videos ▪▪ Aktive Verwendung von Code-Splitting & Lazy Loading ▪▪ Langlebige Caching Headers für alle Dateien, die sich kaum verändern ▪▪ Verwendung von Responsive Images ▪▪ Automatisch optimierte Aufbereitung und Auslieferung der Bilder ▪▪ Ein für den Dark Mode optimiertes Theme verbraucht auf OLED- Bildschirmen bis zu 30 Prozent weniger Energie ▪▪ Nutzung der Intersection Observer API, um Funktionalitäten nur dann zu initialisieren, wenn sie effektiv in den Fokus der Besucherinnen und Besucher rücken. ▪▪ Nutzung der Service Worker API, um das Caching der Website zusätzlich zu verbessern ▪▪ Detaillierte Analyse von Drittanbieter-Skripten, um zu evaluieren, was genau geladen wird. Gerade Anzeige-Netzwerke werden aufgrund ihres höchst energieverschwenderischen Modells auch gerne als «Ölindustrie des Webs» bezeichnet 06 / 2021 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Focus 41 « Als Informatikfirma hat man auch eine gesellschaftliche Aufgabe » In der Managementliteratur macht es als Buzzword die Runde, in der Softwareentwicklung ist es schon längst etabliert: das Konzept der agilen Entwicklung. Till Bay, Gründer und CEO der Zürcher Softwarefirma Comerge, spricht darüber, was dahintersteckt, was kritisierbar ist und wie er die Chancen einer Dezentralisierung des Webs einschätzt. Interview: Joël Orizet Sie haben über Kollaboration in der Softwareentwicklung geforscht. Was ist die grösste Schwierigkeit, wenn man miteinander Software schreibt? Till Bay: Seit man Software miteinander entwickelt, stellt sich diese Herausforderung: Wie bekommt man es hin, dass jeder Entwickler weiss, was in seinem Projekt gerade passiert? Heute arbeitet man mit einer ganzen Reihe an Tools, die dieses Problem lösen sollen. Zum Beispiel Git für die Code-Versionierung, Jira fürs Issue-Tracking und etliche Collaboration-Tools wie etwa Slack und Figma. All diese Programme sollen die Entwickler benachrichtigen, sobald sich etwas ändert. Problematisch wird es allerdings, wenn zu viele Benachrichtigungen auftauchen – und das ist heute der Regelfall. Die grosse Schwierigkeit besteht also darin, aus dieser Flut an Notifications die wichtigen Informationen herauszufiltern und sie in nützlicher Frist zu verarbeiten. Zudem muss man auch mit der schieren Menge an diesen verschiedenen Tools und ihrer Komplexität umgehen können. Softwareentwickler kämpfen also gegen die Informationsüberflutung, die sie selbst mit verursachen? Ein Stück weit, ja. Doch wir nehmen dieses Problem in Kauf. Denn die Vorteile der Zusammenarbeit in der Softwareentwicklung überwiegen enorm. Zudem lernen wir, immer besser mit dieser Informationsflut umzugehen. Auch in technischer Hinsicht: Die Tools werden immer besser. und Affinitätslevel. Jeder Entwickler muss sich permanent weiterbilden. Und es kommt darauf an, wie sehr jemand bereit ist, sich in ein bestimmtes Thema zu vertiefen – und dann auch die ganze Bandbreite abzudecken. Es gibt viele junge Entwickler, die sich lieber auf UX-Design fokussieren, statt in die Full-Stack-Entwicklung einzutauchen und dann auch zu lernen, wie man Kubernetes-Cluster orchestriert, Pods skaliert und verteilte Datenbanken verwaltet. « Uns fehlt die Vorstellung, dass Software etwas Lebendiges ist; etwas, das wachsen und sich anpassen will und auch muss. » Till Bay, CEO und Gründer, Comerge Aber nicht jeder kann mit der Entwicklung dieser Tools gleich gut Schritt halten. Das ist ein weiterer Knackpunkt. Jüngere Entwickler sind mit diesen Tool-Chains bestens vertraut, ältere müssen sich hingegen einarbeiten. Grundsätzlich hat sich die Produktentwicklung dank der Kollaboration stark beschleunigt. Erzeugt diese Beschleunigung einen Graben zwischen Entwickler- Generationen? Von Generationen würde ich nicht sprechen, aber es gibt tatsächlich einen Gap in Bezug aufs Alter. Entscheidend sind allerdings zwei andere Faktoren: Lernbereitschaft www.netzwoche.ch © netzmedien ag 06 / 2021

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