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Netzwoche 06/2021

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46 Management & Career

46 Management & Career Studie Weniger Leistungsdruck auf Arbeitnehmende, weniger Pandemie reduziert Leistungsdruck und Social-Media-Nutzung Der Leistungsdruck hat nachgelassen, Social Media wird weniger genutzt und die Skepsis gegenüber dem Weitergeben von Daten bleibt bestehen – ausser es bringt etwas im Alltag. Das geht aus einer Studie von Sotomo im Auftrag von Sanitas hervor. Autor: Kevin Fischer VERTRAUEN IN KONVENTIONELLE UND DIGITALE ANSÄTZE (Angaben in Prozent) Klar analog Eher analog Neutral Eher digital Klar digital 100 90 80 70 60 50 40 30 20 10 0 Elektronisches vs. Bezahl-App vs. Bargeld Digitale vs. analoge briefliches Abstimmen Unterschrift 14 19 27 16 25 16 22 22 16 23 19 20 30 14 17 14 19 27 16 25 2019 2020 2021 2019 2020 2021 2019 2020 2021 EINSCHÄTZUNG DES RISIKOS FÜR DATENMISSBRAUCH VON NUTZERINNEN UND NUTZERN DER SWISSCOVID-APP UND DER ONLINE-REGISTRIERUNG (Angaben in Prozent) Online-Registrierung Swisscovid-App 1 Sehr tiefes Risiko 2 3 4 5 Sehr hohes Risiko 65 66 65 37 45 23 33 8 18 5 16 22 22 16 23 16 20 30 14 17 14 19 27 16 25 16 22 22 16 23 19 20 30 14 17 Source: Sotomo/Sanitas 0 10 20 30 40 50 60 70 Source: Sotomo/Sanitas Source: Sotomo/Sanitas Social-Media-Nutzung bei den Jugendlichen und Datenschutz-Diskrepanzen in der Bevölkerung: So lautet das Ergebnis einer Befragung durch die Forschungsstelle Sotomo. Die Stiftung der Krankenversicherung Sanitas gab den Monitor «Datengesellschaft und Solidarität 2021» während der Pandemie in Auftrag. «Die Gesamteinschätzung des digitalen Wandels ist im Jahr der Coronapandemie optimistischer geworden», heisst es in der Studie. Damit zeige sich aber eher ein Trend, der bereits seit 2018 anhalte, und weniger ein «Pandemie-Effekt». Die Pandemie sei in vielen Bereichen ein Element eines ohnehin bestehenden Strukturwandels. So sei zwar die Nutzung von Videokonferenzen sprunghaft angesteigen, aber die Zunahme von Streaming setze nur einen bestehenden Trend fort. Gleiches gelte auch etwa für das Vertrauen in Bezahl-Apps oder die digitale Unterschrift. Weniger Leistungsdruck dank Lockdown und Homeoffice Gemäss der Studie zeigten vergangene Erhebungen bisher eine stetige Zunahme des Leistungsdrucks in der Bevölkerung. Davon seien insbesondere junge Erwachsene betroffen gewesen. Die Coronakrise habe diesen Leistungsdruck reduziert. Diese Reduktion sei im Berufsleben besonders ausgeprägt, wo gemäss Studie nur noch 18 Prozent den digitalen Wandel als zunehmenden Leistungsdruck erleben; vormals waren es 45 Prozent. Durch Homeoffice und digitale Meetings hätten sich Arbeitnehmende von Arbeitgebenden weniger kontrolliert gefühlt. Damit stieg die Zeitautonomie, während die Kopräsenz der Vorgesetzten schwand, wie die Autoren schreiben. Der reduzierte Druck wirkte sich auch auf die Social- Media-Nutzung aus. Der Lockdown habe einen Rückzug in die eigenen vier Wände erzwungen und so die Bedeutung des sozialen Marktplatzes reduziert. «Die erzwungene Entschleunigung scheint ein Gegenmittel zur sogenannten Fear of Missing Out zu sein – der Angst, etwas zu verpassen, was andere erleben», heisst es in der Studie. Das habe sich besonders bei den jungen Social-Media- Nutzerinnen und -Nutzern bemerkbar gemacht. 06 / 2021 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Management & Career Studie 47 Datenschutz-Skepsis mit Widersprüchen Obwohl gemäss Studie die Verunsicherung in der Bevölkerung bezüglich des digitalen Wandels abgenommen hat, bleibt eine Skepsis gegenüber dem Sammeln und Weitergeben persönlicher Daten. «Den Pandemie-Erfahrungen des letzten Jahres zum Trotz gilt dies auch für Daten mit Gesundheitsbezug», schreiben die Studienautoren. Dennoch seien 45 Prozent der befragten Erwachsenen der Meinung, dass in einer künftigen Pandemie Länder wie Südkorea zum Vorbild genommen würden. Diese hätten den Datenschutz zugunsten einer vorübergehenden Komplettüberwachung von Handydaten minimiert, dadurch aber die Ausbreitung des Virus deutlich eindämmen können. Für mehr Freiheiten im Alltag steige die Bereitschaft, Einschränkungen im Datenschutz hinzunehmen. Trotzdem ist der Datenschutz gemäss den Studienautoren ein wichtiges Thema für die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung, was sich an der Nutzung der Swisscovid-App zeigt. Vertrauen in Swisscovid-App hängt von Bildung und Politik ab Das häufigste Argument, die Swisscovid-App nicht zu installieren, ist der Datenschutz. Weniger Zurückhaltung besteht bei der digitalen Registrierung mit persönlichen Daten in Gaststätten und an Veranstaltungsorten – obwohl die Befragten hier das Risiko von Datenmissbrauch höher einschätzen als bei der App, wie die Autoren schreiben. Das mache deutlich, wie stark das Datenschutz-Argument in den Hintergrund trete, wenn der persönliche Nutzen im Alltag überwiege. Wie hoch das Risiko für Datenmissbrauch bei Onlineregistrierungen und der Swisscovid-App von den Befragten eingeschätzt werde, hänge vom Bildungsniveau und der politischen Orientierung ab. «Gut gebildete sowie links orientierte Personen schätzen das Risiko des Datenmissbrauchs bei der Nutzung der App geringer ein und scheinen die Datenschutzstandards der App anzuerkennen», schreiben die Studienautoren dazu. «Weniger gebildete oder politisch rechts orientierte Personen befürchten den Datenmissbrauch bei der Nutzung der App stärker.» BEREICHE MIT ZUSÄTZLICHEM LEISTUNGSDRUCK WEGEN DIGITALEN VERMESSUNGSMÖGLICHKEITEN (Angaben in Prozent) 50 45 44 40 32 30 20 10 25 16 22 18 18 16 16 16 10 0 2019 2020 2021 2019 2020 2021 2019 2020 2021 2019 2020 2021 Arbeitsplatz (nur Erwerbstätige) Gesundheitsbereich Soziale Medien Sport WEM DIE BEFRAGTEN IHRE DIGITAL AUFGEZEICHNETEN GESUNDHEITSDATEN ZUR VERFÜGUNG STELLEN 100 81 84 85 80 64 65 60 57 42 47 45 40 20 20 15 10 6 10 0 2019 2020 2021 2019 2020 2021 2019 2020 2021 2019 2020 2021 2019 2020 2021 Hausarzt/Hausärztin Medizinische Spezialisten/ Medizinische Forschung Versicherung/ Niemandem Spezialistinnen Krankenkasse Source: Sotomo/Sanitas ZUR STUDIE Der Monitor «Datengesellschaft und Solidarität» untersucht seit 2018 den digitalen Wandel in der Schweiz, wie Sotomo in der Studie schreibt. Er soll zeigen, wie sich das digitale Verhalten ändert und wie sich die Digitalisierung auf die Gesellschaft auswirkt. Die aktuelle vierte Befragung fand während der Pandemie statt, nach fast einem Jahr im gesellschaftlichen Ausnahmezustand. Die Erhebung für den aktuellen Monitor erfolgte vom 8. bis 18. Januar 2021. Insgesamt nahmen 2344 Befragte teil. Eine gezielte Personenauswahl stellt gemäss Studienautoren eine Verteilung der Stichprobe nahe an der Zusammensetzung der Bevölkerung sicher. Ausserdem wurde die Stichprobe mit dem IPF-Verfahren gewichtet, um eine hohe soziodemografische Repräsentativität der Stichprobe zu gewährleisten. Den Artikel finden Sie auch online www.netzwoche.ch www.netzwoche.ch © netzmedien ag 06 / 2021

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