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Netzwoche 07/2017

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12 Business Event

12 Business Event Startschuss für die digitale Unterschrift UBS, Swisssign und Cryptomathic wollen die digitale Unterschrift alltagstauglich machen. An einer gemeinsamen Konferenz mit weiteren Partnern präsentierten die Unternehmen eine Signaturlösung. Sie soll das Vertragswesen optimieren und Ressourcen sparen. Autor: Joël Orizet Urs Fischer, CEO von Swisssign. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_34288 Einwohner der Schweiz können rechtsgültige Abmachungen nun ohne grossen Aufwand digital abwickeln. UBS, Swisssign und Cryptomathic präsentierten an einer gemeinsamen Konferenz mit weiteren Partnern eine Lösung für qualifizierte elektronische Signaturen (QES). Diese soll Kunden das digitale Unterschreiben von Dokumenten ohne zusätzliche Geräte wie etwa USB-Sticks ermöglichen. Swisssign entwickelte die Lösung in Zusammenarbeit mit der dänischen IT-Security-Firma Cryptomathic. Diese lieferte die Technologie hinter der Signaturlösung «Signer». Swisssign ist ein Anbieter von Sicherheitszertifikaten für Verschlüsselung im Internet. Im kommenden Herbst wird Swisssign ein paritätisches Joint Venture der Schweizerischen Post und der SBB. Zwei der grössten Schweizer Unternehmen sind also bereits an Bord. Das Marktpotenzial wächst Die Unternehmen gewannen mit der UBS einen wichtigen Kunden. Die Bank stellt die QES ihren Retail- und Vermögensverwaltungskunden auf dem E-Banking-Portal bereit. Durch die grosse Kundenbasis von UBS, der Schweizerischen Post und der SBB könnte die Partnerschaft den Grundstein für ein digitales Vertragswesen legen. In einem ersten Schritt müssen die Unternehmen allerdings ihre Kunden davon überzeugen, dass die Lösung einen Mehrwert gegenüber bestehenden Angeboten bietet. Signer macht Chipkarten überflüssig «Chipkarten erzeugen mehr Probleme, als sie lösen», sagte Peter Landrock anlässlich der Konferenz. Landrock ist Executive Chairman und Gründer von Cryptomathic. Er gilt als Koryphäe auf dem Gebiet der Kryptographie und war federführend bei der Entwicklung von Signer. Seiner Meinung nach besteht ein grosser Nachteil von Chipkarten darin, dass die Anwender zusätzlich Kartenlesegeräte beschaffen müssten. Landrocks Antwort auf dieses Problem heisst «Remote Sign-on». Er vergleicht die Lösung mit einer virtuellen Chipkarte. Diese soll Nutzern die Möglichkeit bieten, Transaktionen und Verträge direkt auf ihrem Smartphone, Tablet oder in einem Webbrowser abzuwickeln. Der entscheidende Vorteil der virtuellen Chipkarte sei, dass Anbieter die Lösung an ihre Bedürfnisse anpassen könnten. Sie könnten die Signaturlösung besonders benutzerfreundlich gestalten oder den Schwerpunkt auf Sicherheit legen und zu diesem Zweck die Sicherheitsmassnahmen für die Authentifizierung der Nutzer erhöhen. Convenience für den Kunden, Effizienz für die Bank Endkunden könnten Verträge mit der neuen Signaturlösung wesentlich schneller und mit weniger Aufwand versenden, sagte Rüdiger Lobrinus, Managing Director bei der UBS. Die Lösung beschleunige den Prozess der Einigung zwischen Bank und Kunden, erklärte Philipp Kuhn, Projektmanager bei der UBS. Ihm zufolge zählt die Bank rund 2500 verschiedene Verträge, bei denen die Bank eine Unterschrift des Kunden verlangt. Unterschreiben die Kunden zunehmend elektronisch, sparte dies der Bank viel Zeit sowie Kosten für den Briefverkehr, wie er weiter ausführte. Vertrauen ist wertvoller als Transparenz Für digitale Signaturlösungen ist Vertrauen die wichtigste Währung, sagte Urs Fischer, CEO von Swisssign. Als Anbieter von Zertifizierungen sei Swisssign dafür verantwortlich, dass die Lösung in puncto Compliance auf der sicheren Seite sei. Sie erfülle alle relevanten regulatorischen Vorgaben, versicherte Fischer. Darunter fielen das revidierte Bundesgesetz über die elektronische Signatur (ZertES) und die EU-Verordnung über elektronische Identifizierung und Vertrauensdienste (eIDAS). Die Rechtsrahmen stärkten zwar das Vertrauen in die Lösungen. Sie werden jedoch weiterhin Gegenstand von Diskussionen sein, zumal die Regulierung dem technologischen Fortschritt stets hinterherhinkt, wie Alistair Maughan, ein auf Technologien spezialisierter Rechtsanwalt von Morrison & Foerster, betonte. 07 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Nachgefragt 13 «Blockchain ist nicht die Antwort auf alles» Die UBS hat die digitale Unterschrift in ihrem E-Banking eingeführt. Das technologische Herzstück der Signaturlösung stammt von der dänischen E-Security-Firma Cryptomathic. Peter Landrock, Executive Chairman und Gründer von Cryptomathic, erklärt, warum die Lösung innovativ ist. Interview: Marc Landis, Redaktion: Joël Orizet Peter Landrock ist Executive Chairman und Gründer der dänischen IT-Sicherheitsfirma Cryptomathic. Was ist an Ihrer Lösung innovativ? Sparen Banken mit der digitalen Unterschrift nicht einfach nur Kosten? Peter Landrock: Banken können mit unserer Lösung sicherlich Kosten sparen. Die Innovation besteht allerdings darin, dass wir Chipkarten und Kartenlesegeräte überflüssig machen. Wir entwickelten eine gänzlich neue Lösung. Aus diesem Grund gewannen wir am Weltwirtschaftsforum in Davos eine Auszeichnung als «Technology Pioneer». Warum verwenden Sie für Ihre Lösung keine neue Technologie wie etwa Blockchain? Bei der Blockchain-Technologie geht es darum, ein vertrauenswürdiges Umfeld durch eine grosse Menge an Nutzern zu schaffen. Die Community schafft dort das Vertrauen. Bei Finanztransaktionen ist dies kaum erwünscht. Viele Bankkunden legen grossen Wert auf ihre Privatsphäre. Sie wollen nicht, dass andere Nutzer einen Einblick in ihre finanziellen Angelegenheiten bekommen. Meiner Ansicht nach werden Blockchains überbewertet. Wir bei Cryptomathic haben zwar nichts gegen die Blockchain-Technologie. Für unsere Lösung würde sie jedoch nicht funktionieren. Werden Sie in Zukunft mit solchen Technologien arbeiten? Vielleicht können wir eines Tages die Blockchain-Technologie für unsere Lösungen verwenden. Ich bin allerdings der Ansicht, dass Blockchain nicht die Antwort auf alles ist. Warum arbeitet Cryptomathic mit Swisssign zusammen? Swisssign ist der verlässlichste Anbieter von Zertifizierungen, den wir finden konnten. Unsere Zusammenarbeit verlief sehr erfolgreich. Aus diesem Grund vertieften wir unsere Partnerschaft. Swisssign ist eine sehr vertrauenswürdige Firma. Schliesslich entstand sie aus der Schweizerischen Post heraus. Ihre Lösung hält Einzug in das Bankenwesen. Welche weiteren Bereiche könnten von Signer profitieren? Ein wichtiges Anwendungsgebiet ist E-Government. Die Regierungen von Dänemark und Norwegen führten unsere Signer-Lösung flächendeckend ein. Unsere Lösung ist besonders nützlich in Ländern wie Norwegen und der Schweiz, wo manche Menschen an abgelegenen Orten leben und weit reisen müssen, um bestimmte Verträge abzuschliessen. Ich bin überzeugt, dass digitale Signaturlösungen viele Initiativen in den Bereichen E-Government und E-Health vorantreiben. Mit solchen Angeboten könnten Bürger ihre Steuererklärungen mit weniger Aufwand versenden oder auf ihre elektronischen Patientenakten zugreifen. Für solche Anwendungen ist unsere Lösung perfekt. Wo sehen Sie Ihre Lösung und Ihre Firma in fünf Jahren? Wie werden sich digitale Signaturlösungen in dieser Zeit entwickeln? Wir gehen davon aus, dass mindestens die Hälfte aller Banken in Europa solche Lösungen für qualifizierte elektronische Signaturen implementieren werden. Möglicherweise werden sogar sämtliche Finanzdienstleister mit der digitalen Unterschrift arbeiten. Dies wird wahrscheinlich mehr als fünf Jahre dauern. Wir rechnen auch damit, dass mehr und mehr Regierungen solche Lösungen für ihre E-Government-Strategien einsetzen werden. Entsprechende Ausschreibungen sind bereits im Umlauf. Momentan sind wir bei Cryptomathic dermassen beschäftigt, dass wir kaum die Zeit finden, um auf all diese Ausschreibungen zu reagieren. In den vergangenen fünf Jahren wuchsen wir durchschnittlich um 18 Prozent pro Jahr. Dieses Wachstum nimmt nun sicherlich zu. Unsere Technologie wird in nächster Zeit also weiterhin an Bedeutung gewinnen. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_36170 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 07 / 2017

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