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Netzwoche 07/2020

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12 Business Focus Warum

12 Business Focus Warum Erfahrung und Intuition nicht mehr ausreichen Wenn sich Führungskräfte bei Entscheidungen unzureichend mit den Wahrnehmungen des Kunden auseinandersetzen, gefährden sie die Zukunft des Unternehmens. Wie treffen sie kundenzentrierte Entscheidungen? Was wird von Managern zukünftig erwartet. Und wie funktioniert Insights-driven Leadership? DER AUTOR Robert Massarelli CEO, Echonovum Die Welt, in der wir leben, ist zunehmend digital und beschleunigt. Die digitale Transformation ist das beherrschende Thema für die heutige Manager-Generation. Was heute als innovativ angesehen wird, ist morgen veraltet. Die konsequente Kundenzentrierung ist für den nachhaltigen Erfolg des Unternehmens unbestreitbar wichtig. Organisationen müssen Rahmenbedingungen schaffen, um Kunden- und Mitarbeiterbedürfnisse im Entstehungsmoment oder sogar früher zu erfassen. Werden Führungskräfte mit Insights fortlaufend in Entscheidungssituationen unterstützt, lernen sie rascher, antizipieren die Zukunft besser und erzielen nachhaltige Ergebnisse. Oftmals ist eine höhere Lerngeschwindigkeit im Konkurrenzkampf der einzig dauerhafte Wettbewerbsvorteil. Wirklich verstehen Tatsächlich fehlt vielen Unternehmen immer noch die Fähigkeit, Kunden und Mitarbeitende in Echtzeit zu verstehen. Um die Bedürfnisse dieser Anspruchsgruppen im digitalen Zeitalter zu erfassen, sind die Zahlen und Daten aus den klassischen Ansätzen wie der generischen Kunden- oder der jährlichen Mitarbeiterbefragung unzureichend. Anhand der jetzigen Coronakrise lässt sich das Grundprinzip einfach veranschaulichen. Wie Mitarbeitende mit den aktuellen Coronamassnahmen, wie etwa Homeoffice, umgehen und wie sie das Handeln der Unternehmensleitung wahrnehmen oder wie Kunden im Detailhandel die Schutzmassnahmen einschätzen, sind zentrale Fragestellungen für das situationsgerechte Führen. Trotzdem bleiben sie in den meisten Unternehmen unbeantwortet. Das aber ist die Voraussetzung, um ihre Erwartungen und Bedürfnisse zu erfüllen. Die Lerngeschwindigkeit ist unzureichend, die Potenziale bleiben ungenutzt. Sehen, was früher unsichtbar war Viele Manager bewundern, wie Google, Amazon, Netflix und andere ihre Wettbewerber hinter sich lassen und wie hoch ihre Lerngeschwindigkeit ist. Die Grundlagen hierfür sind Daten und ihr Führungsverständnis. Die Manager der Grosskonzerne wollen sehen, was früher unsichtbar war. Sie sind Insights-driven und wissen um den Mehrwert dieser Informationen. Gezielt nutzen sie in Entscheidungssituationen die fortlaufend gesammelten, ereignisbezogenen Daten, um Abläufe, Produkte und letztlich die Kundenerfahrung zu verbessern. Schneller entscheiden Um ein Unternehmen im digitalen Zeitalter erfolgreich zu führen, sind Erfahrung und Intuition wichtig. In einem sich beschleunigenden und rasch wandelnden Umfeld verlieren diese Eigenschaften jedoch an Bedeutung. Das Leistungsvermögen einer Organisation steigert sich dann, wenn Entscheidungen auf soliden, kontextbezogenen Datengrundlagen getroffen werden. Hierzu müssen Führungskräfte in Insights-Daten eine Chance sehen und das Lernen ins Zentrum stellen. Rasche Iterationen sollen zu besseren Entscheidungen führen. Traditionelle Ansätze und Feedback-Lösungen sind damit überfordert. Vielfach sind diese auf die stapelweise Datenerhebung ausgelegt, weshalb sie keine kontinuierlichen Insights für aktuelle Entscheidungen liefern. Die Grundlage für schnelle Lernprozesse bieten Plattformen, die den Führungskräften jederzeit kontextbezogene Daten zur Verfügung stellen. Den Beitrag finden Sie auch online www.netzwoche.ch 07 / 2020 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Focus 13 « Nicht jeder Mitarbeiter weiss, dass er mit Daten arbeitet » Erstaunlich wenig Unternehmen stützen ihre Entscheidungen auf Daten und Erkenntnisse, sagt Jennifer Belissent, Principal Analyst beim Marktforscher Forrester. Sie erklärt, warum Insights-driven Leadership nicht nur die Chefetage betrifft, warum der Wechsel zur datengestützten Leitung so schwer ist und was eine erkenntnisorientierte Führungskraft auszeichnet. Interview: René Jaun Was bedeutet Insights-Driven Leadership für Führungskräfte? Jennifer Belissent: Führungskräfte Insights-getriebener Organisationen fällen ihre Entscheidungen auf Basis quantitativer Informationen. Das ist aber nur der Anfang. Es geht auch darum, die Nutzung von Daten zu ermöglichen, zu fördern und in allem, was das Unternehmen tut, einzubetten. Es geht darum, jeden in der Organisation – nicht nur die «Daten-Leute» und Führungskräfte, sondern alle – über den Wert von Daten und ihre Verwendung im Unternehmen aufzuklären. « Die vier Säulen Menschen, Prozesse, Daten und Technologie stützen eine auf Erkenntnissen basierende Strategie. » Jennifer Belissent, Principal Analyst, Forrester Warum ist das so wichtig? Nicht jeder Mitarbeiter weiss, dass er mit Daten arbeitet. In einer kürzlich durchgeführten Umfrage begannen wir mit der Frage: «Arbeiten Sie mit Daten?» Viele antworteten: «Nein», fügten aber hinzu: «Ich mache nichts mit Zahlen. Ich arbeite nicht mit Daten.» Oder: «Mein Team ist nicht verantwortlich für Berechnungen. Wir machen keine Daten.» Die Tatsache, dass Menschen Daten nicht erkennen, ist ein sofortiger Showstopper. Denn auch Menschen, die glauben, selbst nicht mit Daten zu arbeiten, tun es wahrscheinlich. Sollte es nicht für alle Unternehmen normal sein, ihre Entscheidungen auf Daten und Erkenntnisse zu stützen? Einsichtsorientierte Führungspersönlichkeiten – und die Kultur, die sie schaffen – sind immer noch selten. Die meisten Entscheidungen basieren heute nicht auf quantitativen Informationen. Die Teilnehmer des Forresters Business Technographic Surveys sagen uns, dass über die Hälfte der Entscheidungen auf Instinkt, Erfahrung oder Meinung beruht. So wurde es schon immer gemacht. Und auf organisatorischer Ebene sind weniger als 10 Prozent der Unternehmen wirklich erkenntnisorientiert, basierend auf Forresters Reifegradmodell. Sogar Unternehmen, die stark in Daten und Technologie investiert haben, haben Mühe damit. Warum ist das so? Weil alte Gewohnheiten schwer aussterben. Ausserdem braucht es mehr als Daten und Technologien. Wahrhaft erkenntnisorientierte Unternehmen konzentrieren sich auch auf Menschen und Prozesse. Diese vier Säulen gemeinsam (Menschen, Prozesse, Daten und Technologie) stützen eine auf Erkenntnissen basierende Strategie. Was zeichnet eine besonders gute erkenntnisorientierte Führungskraft aus? Die besten Führungskräfte bringen Mitarbeiter frühzeitig in den Erkenntnisprozess ein. Die Betreiber von Fertigungslinien, die letztlich die Erkenntnisse aus einem neuen Optimierungsmodell nutzen werden, spielen beim Aufbau des analytischen Modells eine entscheidende Rolle. Sie kennen ihre Prozesse am besten. Die besten Insight- Führungskräfte schaffen diese Art von kollaborativer Umgebung und kombinieren sowohl Daten als auch Erfahrung, um die analytischen Modelle zu verfeinern. Das vollständige Interview finden Sie online www.netzwoche.ch www.netzwoche.ch © netzmedien ag 07 / 2020

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