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Netzwoche 08/2021

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18 Business Focus «

18 Business Focus « Für den Projekterfolg braucht es Beteiligte, keine Betroffenen » Die S/4-Hana-Transformation geht nur zäh voran. Viele können den Nutzen der ERP-Umstellung nur schwer einschätzen, sagt Keywan Nadjmabadi, Head of Business Transformation Services Schweiz von SAP, im Interview. Die älteren R/3-Systeme sind zwar stabil, stossen aber an ihre Grenzen. Interview: Kevin Fischer « Meine Empfehlung ist, gemeinsam mit Business, IT und dem Lieferanten SAP in eine Planungsphase zu gehen, bevor wesentliche Entscheidungen getroffen werden. » Keywan Nadjmabadi, Head of Business Transformation Services Schweiz, SAP (Schweiz). In der gleichen Umfrage heisst es, dass beinahe drei Viertel der SAP-Kundschaft mit der Nutzung ihres Produkts zufrieden ist. Dabei nutzen die meisten noch eine R/3-Version. Was bringt denn die Umstellung auf S/4 Hana tatsächlich? Die Zufriedenheit der SAP-Kunden spricht für die hohe Qualität der SAP-Software und der zugehörenden Leistungen wie Support und Consulting. Wichtig ist auch, das breit im Markt verfügbare Wissen rund um SAP-Software. Die schnell wechselnden Marktanforderungen und Trends, Mitbewerber gepaart mit technologischem Fortschritt erfordern erweiterte oder gar neue Geschäftsmodelle. Genau hier stossen die stabilen, aber in die Jahre gekommenen Systeme wie R/3 an ihre Grenzen. Cloud-Lösungen und Betriebsmodelle, In-Memory-Technology für Echtzeit-Verarbeitung, -Simulation und -Analyse, Machine Learning und künstliche Intelligenz sind nur einige Beispiele, die den Wandel unausweichlich befeuern. Was sind die ersten Schritte, falls sich Kundinnen und Kunden für die S/4-Hana-Migration entscheiden? Wichtig ist, die Haupttreiber und den Nutzen des ERP-Umstiegs in den Vordergrund der Transformation zu stellen, der hoffentlich eine Planung vorausgegangen ist. Diese zeigt auf, welche Voraussetzungen zu schaffen sind und welche flankierenden Massnahmen den Projekterfolg absichern. Ich empfehle jedem Kunden, ein ERP-Projekt von Beginn an mit entsprechendem C-Level und Business-Support als ein Businessprojekt intern zu vermarkten. Für den Projekterfolg braucht es Beteiligte und keine Betroffenen. Den vollständigen Artikel finden Sie online www.netzwoche.ch Gemäss einer Umfrage der IG SAP Schweiz geht die S/4-Hana- Transformation nur schleppend voran, obschon man von vielen unterstützenden Initiativen und Hilfestellungen liest. Weshalb? Keywan Nadjmabadi: Für viele Unternehmen ist die ERP- Umstellung ein grosser Schritt, dessen Aufwand und Auswirkung beziehungsweise Nutzen sie noch schwer abschätzen können. Das von der Pandemie geprägte vergangene Jahr hat diese Unsicherheit erhöht. Genau deshalb empfehlen wir, die wesentlichen Fragen des Nutzens (warum?), der Lösungen (was?) und der richtigen Schritte (wie?) genauer zu untersuchen und zu beantworten. Welche Optionen gibt es für Kunden und Kundinnen, falls sie sich gegen eine S/4-Hana-Migration entscheiden sollten? SAP garantiert den vollständigen Support seiner R/3-Softwareprodukte (ECC, ERP) bis Ende 2027. Aber auch danach stehen den Kunden weitere Supportleistungen zur Verfügung. Ergänzend oder ersatzweise bieten sich je nach Anwendungsgebiet verschiedene SAP-Cloud-Lösungen an. Die Frage ist und bleibt, wie lange die IT mit der vielleicht stabilen, aber wenig flexiblen Software den Geschäftsanforderungen noch gerecht werden kann. Was empfehlen Sie SAP-Kundinnen und -Kunden, welche die S/4- Hana-Migration noch vor sich haben? Diesen Kunden stellen wir als Erstes viele frei verfügbare Werkzeuge wie Analysetools und Reports zur Verfügung. Darüber hinaus empfehlen wir, mit einer fundierten Planung eine valide Entscheidungsgrundlage zu erarbeiten. Umfragen zeigen eindeutig, dass sich die Investments in eine Vorstudie bewähren und auszahlen. Daher ist meine Empfehlung, gemeinsam mit Business, IT und dem Lieferanten SAP in eine Planungsphase zu gehen, bevor wesentliche Entscheidungen getroffen werden, die schwer oder nur schmerzhaft revidiert werden können. Die kundenindividuellen Ergebnisse helfen, die initial angesprochene Ungewissheit zu nehmen und die Entscheidungen breit abzustützen. 08 / 2021 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Focus 19 « Man kann sich auch gegen eine SAP-only-Strategie entscheiden » S/4 Hana verspricht verschiedene Vorteile. Aber die stabilen R/3-Systeme und die finanziellen Unsicherheiten bei der Transformation bremsen viele Firmen aus, wie Peter Hartmann von IG SAP sagt. Ausserdem herrscht quasi «Migrationszwang». Doch bietet die Migration auch Chancen. Interview: Kevin Fischer Gemäss einer Umfrage der IG SAP Schweiz geht die S/4-Hana-Transformation nur schleppend voran, obschon man von vielen unterstützenden Initiativen und Hilfestellungen liest. Weshalb? Peter Hartmann: Das hat verschiedene Gründe. Dazu gehört, dass die älteren SAP-Systeme sehr stabil laufen und gut integriert sind. Immerhin wurden sie über Jahre optimiert und an die Bedürfnisse der Unternehmen angepasst. Zudem gibt es Unsicherheiten, was die finanzielle Planung und den Aufwand der S/4-Hana-Transformation betrifft, und die Produkte-Roadmaps von SAP lassen häufig zu wünschen übrig. Da verwundert die zähe Transformation kaum. « Realistischerweise gibt es für die meisten SAP- Kunden keine richtige ERP- Alternative. » Peter Hartmann, Führung IG SAP CH In der gleichen Umfrage heisst es, dass beinahe drei Viertel der SAP- Kundschaft mit der Nutzung ihres Produkts zufrieden ist. Dabei nutzen die meisten noch eine R/3-Version. Was bringt denn die Umstellung auf S/4 Hana tatsächlich? Ein grosser Vorteil ist die Weiterentwicklung des SAP-Systems mit S/4 Hana. Viele Firmen sehen damit auch eine wichtige Weiterentwicklung ihrer eigenen SAP-Landschaft und sind dank S/4 bei allen SAP-Innovationen dabei. Ausserdem sehen einige Unternehmen Möglichkeiten zur Optimierung von Geschäftsprozessen und zur Bereinigung von Altlasten. Doch ist es unschön, dass man quasi zum Umstieg gezwungen wird. Zudem erhöht sich durch die Nutzung der Hana- Datenbank, S/4 und Cloud-only-Lösungen die Abhängigkeit von SAP. Welche Optionen gibt es für Kunden und Kundinnen, falls sie sich gegen eine S/4-Hana-Migration entscheiden sollten? Einige SAP-Kunden nehmen den Migrationszwang als Anlass zur Evaluation von Alternativen. Zwar gibt es im ERP- Umfeld wenig, das mit SAP vergleichbar ist. Aber bei Produkten wie CRM, BI oder HCM gibt es valable Alternativen. Anstatt auf ein anderes ERP zu migrieren, kann man sich deshalb auch schlicht gegen eine «SAP-only-Strategie» entscheiden und SAP nur noch als zentrale ERP-Basis nutzen, während man etwa das CRM, BI und Commerce von anderen Lieferanten nutzt. Doch realistischerweise gibt es für die meisten SAP-Kunden keine richtige ERP-Alternative. Welches sind die ersten Schritte, falls sich Kundinnen und Kunden für die S/4-Hana-Migration entscheiden? Hier ist eine kurze Antwort schwierig. Wir empfehlen, zunächst firmenintern Klarheit zu schaffen. Dabei sollten Fragen geklärt werden wie, ob es etwa eine Digitalisierungsstrategie gibt und wo Geschäftsanforderungen mit dem aktuellen ERP-Umfeld mittelfristig nicht mehr abgedeckt werden können. Auch ist wichtig zu klären, welcher Migrationsansatz und welche Rollout-Strategie verfolgt werden sollen und welcher Anbieter dabei kompetent unterstützen kann. Der Einfluss und die Folgen der Datenbank-Migration nach Hana, etwa auf das Archivierungskonzept oder die Umsysteme, gilt es ebenfalls einzuschätzen. Zudem empfehlen wir, mit einem externen Partner und SAP den S/4-Readiness- Check durchzuführen. Was empfehlen Sie SAP-Kundinnen und -Kunden, welche die S/4- Hana-Migration noch vor sich haben? Wir empfehlen das Festlegen einer klaren ERP-Strategie. In der Geschäftsleitung sollte zudem verständlich geklärt werden, was S/4 Hana für die Firma bringt. Das Projekt sollte nicht als reines Migrationsprojekt verkauft werden, sondern am Nutzen für den Geschäftsprozess und die Digitalisierung gemessen werden. Die Migration bietet Chancen, um bestehende Schwachstellen zu eliminieren und konsequent zu standardisieren. Das Lizenzmanagement sollte auch nicht unterschätzt werden. Es ist sinnvoll, dafür frühzeitig die eigene Situation zu analysieren. Und last but not least: Man kann von anderen lernen. Dazu kann man Kundenprojekte in einem vergleichbaren Umfeld betrachten oder sich Interessensgemeinschaften wie IG SAP anschliessen. Das Interview finden Sie auch online www.netzwoche.ch www.netzwoche.ch © netzmedien ag 08 / 2021

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