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Netzwoche 09/2017

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Bild: iStock FOCUS INDUSTRIE 4.0 Die Industrie 4.0 und ihre Folgen gsa. Das industrielle Internet der Dinge, maschinelles Lernen und Fortschritte in der Robotik könnten die Wirtschaft transformieren. Experten sprechen von der vierten industriellen Revolution. Dieser Focus betrachtet daher die Chancen des IoT für die Industrie und wie man Risiken vermeiden kann. Den Auftakt macht Andreas Moser, CTO und CDO des Netzwerkspezialisten Cisco Schweiz. Für Moser beginnt ein Industrie- 4.0-Projekt mit einer hochwertigen Vernetzung. Wer seinen komplexen und teuren Maschinenpark mit einfachsten Netzwerklösungen aus dem Elektromarkt verknüpfe, verschenke Potenzial und riskiere Sicherheitslücken, schreibt Moser. Ein autonomes Auto, das Daten mit dem Bahnbetreiber austauscht, um den Fahrer pünktlich zum Bahnhof zu bringen, ergibt für den Nutzer einen Mehrwert. Um diesen zu schaffen, müssen der Autohersteller und das Bahnunternehmen kooperieren. Hinzu kommen Anbieter unterstützender Systeme, etwa Softwarehersteller und Mobilfunkanbieter. Wie Unternehmen in der neuen vernetzten Wirtschaft zusammenarbeiten können, erklärt Hansjürg Inniger, Director Solution Center Internet of Things und Partner bei Zühlke Engineering. Sobald Industrieanlagen mit dem Internet verbunden sind, können sie zum Einfallstor für Cyberangriffe werden. Um vernetzte Industrielösungen zu schützen und eine sichere Industrie 4.0 zu schaffen, müssen Betreiber, Softwareentwickler und Sicherheitsexperten kooperieren, wie Udo Schneider, Security Evangelist bei Trend Micro schreibt. Schneider erläutert, worauf Unternehmen hierbei achten sollten. 09 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Focus Industrie 4.0 33 Der Weg zum vernetzten Investitionsgut Fast alle Industrieunternehmen bemühen sich zurzeit, ihre Digitalisierung voranzutreiben. Die Vernetzung von Investitionsgütern ist Teil dieses Prozesses. Die Nachhaltigkeit von Konnektivitätslösungen wird darüber entscheiden, welche Unternehmen Führungspositionen am Markt einnehmen. Die «Industrialisierung 4.0» beginnt meist mit der Erneuerung der IT-Infrastruktur, denn eine veraltete IT-Umgebung gilt heutzutage als eines der grössten Sicherheitsrisiken für Unternehmen. Wichtiger Bestandteil dieser Infrastruktur sind Investitionsgüter wie Produktionsmaschinen. Bei der Modernisierung dieser Güter bilden Vernetzung, Sicherheit und Datengenerierung sowie deren Analyse die technischen Erfolgsfaktoren. Daneben spielen aber auch andere Faktoren eine wichtige Rolle: Hierzu zählen die Skalierung und Komplexität einer Lösung, die rechtlichen Rahmenbedingungen, die IT-Compliance sowie das Eco-System. Nur durch einen ganzheitlichen Ansatz, unter Beachtung aller relevanten Erfolgs- und Einflussfaktoren, kann die Vernetzung eines Investitionsguts erfolgreich gelingen. Ganzheitlicher Ansatz mit schrittweisen Teilprojekten Doch auch eine ganzheitliche Betrachtungsweise erfordert die Unterteilung eines Vernetzungsprojekts in einzelne Schritte und Teilprojekte. Die Komplexität des Digitalisierungsprozesses wird auf diese Weise reduziert und überwindbar. Jedes Teilprojekt erzeugt einen neuen Datengewinn, der für die weitere Vernetzung hilfreich ist. Investitionsgüter sollten daher mit Feedback-Funktionen ausgestattet werden, die Daten greifbar machen und eine effizientere Planung ermöglichen. Zum Beispiel können Unternehmen eine Werkzeugmaschine mit Sensorik, einem Gateway und Fog-Computing erweitern. Dadurch können Firmen gewonnene Daten analysieren und die Maschinen mithilfe digitaler Services warten. Hierbei sollten Firmen möglichst autonom agierende, einfach zu betreibende und sichere Konnektivitätslösung wählen, um das Investitionsgut via Zero-Touch-Installation an das Firmennetz anzubinden. Die Digitalisierung lässt sich sowohl durch Retrofit- Projekte – also durch das Aufrüsten bereits vorhandener Güter – sowie durch die Einführung neuer Produktlinien vorantreiben. Für Retrofit-Projekte eignen sich Investitionsgüter mit langer Lebenszeit und hohem Wartungsaufwand besser als kurzlebige Güter, die zuerst aufwändig digitalisiert werden müssen. Bei neuen Produktlinien sollte die Digitalisierung bereits bei deren Entwicklung im Fokus stehen. Trotzdem müssen auch hier die Einflussfaktoren sorgfältig abgewogen werden, weil sie bei Nichtbeachtung ein grosses Kostenpotenzial beherbergen und sich zu einem unternehmerischen Risiko entwickeln können. Die Lösung sollte auf jeden Fall möglichst autonom funktionieren – sowohl beim Rollout wie auch im Betrieb. Einfacher gesagt, als getan Viele Firmen schenken der Konnektivität und der Sicherheit ihrer Investitionsgüter zu wenig Beachtung. Der Kostenpunkt der Vernetzung ist stets das zentrale Thema, ohne dass das Management eine mittel- bis langfristige Sichtweise in Bezug auf Betriebskosten und Funktionalitäten hat. Neue Lösungen müssen schnell und effizient umgesetzt werden, ohne dafür die IT-Ausgaben zu erhöhen. Deshalb entstehen zum Teil absurde Verhältnisse, wenn etwa Firmen Investitionsgüter im Wert von mehreren 100 000 Franken mit einer 50-Franken-Lösung aus dem Elektronikkatalog vernetzen. Klar können auch mit einfachen Lösungen Daten gesammelt werden, aber auf Sicherheitslücken und fehlende Funktionalitäten wird auf diese Weise keine Rücksicht genommen. Wenn Unternehmen ein qualitativ hochwertiges, konkurrenzfähiges Produkt auf den Markt bringen wollen, müssen sie auch eine hohe Qualität bei der Vernetzung ihrer Investitionsgüter gewährleisten. Sonst wird ihr eigenes Produkt unzuverlässig, mit Sicherheitslücken behaftet und somit zum Sicherheitsrisiko. Nur ein ganzheitlicher Digitalisierungsansatz kann Unternehmen langfristig zum Erfolg führen. Die Schlüsselwörter hierfür lauten Datenanalyse, Einfachheit, autonomer Betrieb und Sicherheit. Bild: iStock DER AUTOR Andreas Moser CTO/CDO, Cisco Schweiz www.netzwoche.ch © netzmedien ag 09 / 2017

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