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Netzwoche 09/2017

40 Management & Career

40 Management & Career Aktuell WWW.NETZWOCHE.CH ICT-Firmen ausgezeichnet rkn. Great Place to Work Switzerland hat zum neunten Mal die besten Arbeitgeber in der Schweiz ausgezeichnet. Bei Unternehmen mit 20 bis 49 Mitarbeitern belegte Rackspace International den ersten Platz. Google Switzerland gewann wie im Vorjahr bei den Grossunternehmen. ▸ Webcode DPF8_39641 Post investiert in Start-ups cgr. Die Post will Schweizer Start-ups stärker fördern. Hierzu ging die Firma eine Partnerschaft mit dem Venture-Capital-Spezialisten Investiere.ch ein. Eine erste Investition erfolgte laut einer Mitteilung in das Robotik-Start-up Starship Technologies. ▸ Webcode DPF8_39608 ICT-Switzerland will ICT-Berufe attraktiver machen cgr. In einer Studie hat die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) ermittelt, dass die Gesellschaft von ICT- Berufen zumeist ein sehr einseitiges Bild hat. Diese werden «fast ausschliesslich mit Technik und Programmieren assoziiert», wie es in einer Mitteilung heisst. Kompetenzen wie Kommunikation und Teamarbeit werden, etwa in den Berufbeschreibungen, kaum kommuniziert. Dabei würden gerade diese Kompetenzen immer wichtiger, ist eine Erkenntnis der Studie. Zudem würden «technische Fähigkeiten und Interessen typischerweise Männern zugeschrieben», wie Projektleiterin Dörte Resch sagt. Sie ist Professorin am Institut für Personalmanagement und Organisation an der FHNW. In Auftrag gegeben wurde die Studie vom Verband ICT- Switzerland. Ziel war es auch, konkrete Handlungsempfehlungen zu erarbeiten, um ICT-Berufe attraktiver zu machen. Damit sollten vor allem mehr Frauen für eine ICT-Ausbildung motiviert werden. Folgende vier Handlungsempfehlungen erarbeiteten die Studienautoren: ·· Anschlussfähige Kommunikation gewährleisten ·· Ausgeglichene Darstellung des Kompetenz- und Tätigkeitsportfolios ·· Technik als lernbar und zielgerichtet positionieren ·· Die berufliche Zukunft konkret beschreiben «Um dieses hartnäckige Image aufzubrechen, sollten der Nutzen und die Vielfältigkeit der ICT sowie die dafür notwendigen sozialkommunikativen Kompetenzen stärker in den Vordergrund gerückt werden», fasst Resch die Ergebnisse zusammen. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI und die Stiftung IT-Berufsbildung Schweiz finanzierten die Studie mit. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_39619 Neue Weiterbildung Industrie 4.0 Zeit- und ortsunabhängig studieren an an der Fernfachhochschule Schweiz flexibel. flexibel. berufsbegleitend. digital. digital. www.ffhs.ch flexibel. berufsbegleitend. digital. www.ffhs.ch MAS Industrie 4.0 4.0 – – Smart Engineering & Process Management Start September 2017 2017 www.ffhs.ch/mas_industrie40 Kombination Kombination E-Learning E-Learning & & Face-to-Face-Unterricht Face-to-Face-Unterricht für für grösste zeitliche Flexibilität für grösste zeitliche Flexibilität Anzeige Neue Start-up- Initiative in Genf mur. Jean-François Schreiber und Colin Turner haben eine Start-up-Initiative in Genf lanciert: «Rising Star Accelerator» will Jungunternehmen unterstützen, die an Lösungen für Netz- und Informationssicherheit arbeiten. Die Start-ups sollen sich nur auf Einladung bewerben können. Geplant sind fünf Förderprogramme zwischen 2017 und 2019. Das erste startet am 4. September dieses Jahres, wie es in einer Mitteilung heisst. Die Start-ups sollen von einem 24-wöchigen Programm profitieren. Es umfasse ein 13-wöchiges Angebot mit Kursen, Workshops und Gastbeiträgen. Zusätzlich soll es einen Demo-Tag und 11 Wochen Unterstützung beim Fundraising geben. Rising Star Accelerator will so den Markteintritt der Start-ups beschleunigen. Grosse Unterstützer sind der Kanton Genf, KPMG und der Technologiepartner HP Enterprise. Mit dabei sind auch Fongit, Id est Avocats, das Büro für die Förderung von Industrien und Technologien und das Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_39612 09 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag Zürich | Basel | Basel | Bern | Bern | Brig | Brig Zürich | Basel | Bern | Brig

Management & Career Nachgefragt 41 «Holacracy hat bei Unic zusätzliche Energie freigesetzt» Seit April gibt es beim E-Business-Dienstleister Unic keine Hierarchiestufen mehr. Im Gespräch erklären Stephan Handschin und Ivo Bättig, wie das Unternehmen zu dieser Entscheidung kam und welche Herausforderungen auf dem Weg dahin gemeistert werden mussten. Autor: Christoph Grau Am 1. April dieses Jahres hat Unic alle klassischen Hierarchiestufen im Unternehmen abgeschafft und die sogenannte Holacracy eingeführt (siehe Info-Kasten). Unic ist eines der ersten grösseren Unternehmen in der Schweiz, das auf diese Organisationsform setzt. Zuvor führten etwa schon Liip, Mysign oder Netcentric Holacracy ein. Vor der Umstellung gab es bei Unic 5 Hierarchiestufen. Insgesamt waren 45 Führungskräfte auf verschiedenen Ebenen tätig. Auch eine Geschäftsleitung gibt es bei Unic nicht mehr. «Wir haben die Umstellung sehr konsequent durchgezogen», sagte Ivo Bättig, bisher Chief Strategy Officer und Partner des Unternehmens im Gespräch. Stephan Handschin (l.) und Ivo Bättig sehen im Holacracy- Modell einen zukunftsweisenden Weg für Unic. Ein überraschendes Ergebnis Der Weg von Unic zu Holacracy war kein direkter. Angestossen wurde der Prozess durch Überlegungen zur strategischen Neuausrichtung der Firma, sagte Stephan Handschin, Mitgründer und bis dato Chief Operation Officer bei Unic. Die Geschäftsleitung evaluierte neben der Strategiearbeit ergebnisoffen mögliche neue Formen des Zusammenarbeitens. Die zentrale Frage war dabei, wie sich die Firma für die Zukunft aufstellen will. «Eigentlich wollten wir etwas machen, was sich bereits bewährt hat», sagte Handschin. Am Ende wurde es aber doch etwas völlig Neues. «Traditionelle Modelle hätten die Firma nicht vorangebracht», sagte Handschin. Daher sei die Erkenntnis gereift, dass es eine neue Organisationsform brauche, die zusätzliche Energie freisetze, sagte er. Dass am Ende dieses Prozesses das Holacracy-Modell herauskam, war auch für ihn eine Überraschung. Holacracy erlaube es Unic, sich rasch an neue Gegebenheiten anzupassen, sich noch besser auf die Kunden auszurichten sowie den Eigenantrieb und die Stärken der Mitarbeitenden zu fördern. Auch die Mitarbeitenden waren überrascht, als die damalige Geschäftsleitung ihre Idee präsentierte. Prinzipiell seien die Reaktionen aber positiv gewesen. Die Mitarbeitenden zeigten Respekt vor diesem mutigen Entscheid, wie Handschin sagte. Strukturierter Prozess Unic ging die Umstellung sehr strukturiert an, wie Bättig betonte. Das Projekt wurde rund drei bis vier Monate intensiv geplant. Prozesse wie Unterschriftenregelung, Personal- Aus- und -Eintritte oder die Offerten- und Vertragserstellung mussten erst noch neu definiert werden, wie er sagte. Bei Unic sei es eher darum gegangen, Prozesse und Strukturen abzuschaffen – andere Firmen würden mit Holacracy eher Strukturen und Prozesse aufbauen, erklärte Handschin. «Der Weg ist aber für alle gleich herausfordernd, ist es doch ein kultureller Change, der vollzogen wird.» Machtverlust? Kein Problem. Der Verlust der Führungsposition ist für Handschin selbst kein Problem. Er habe «aus Überzeugung» seine Macht abgegeben. Dass sein Wissen und seine Erfahrung immer noch gefragt sind, ist ihm wichtiger, als die Macht auf dem Papier stehen zu haben, wie er betonte. Auch fast alle anderen Führungskräfte hätten die Abgabe ihrer Funktionen sehr gut akzeptiert. «Das Feedback ist besser gewesen als erwartet», sagte Bättig. Bättig wie auch Handschin spüren viel neue Energie im Unternehmen seit der Einführung der neuen Organisationsform. Auch würde geschätzt, dass der Einzelne jetzt mehr Mitspracherecht und gleichzeitig mehr Verantwortung erhalte. Beide sehen im Holacracy-Modell einen zukunftsweisenden Weg für Unic. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_40856 i HOLACRACY Holacracy, oder auch Holakratie, ist eine Organisationsform, die klassische Top- Down-Hierarchien ablehnt. Geschäftsleitungen und C-Level-Entscheider gibt es in diesem Modell nicht mehr. Jedes Team organisiert sich selbst und ist keinen zentralen Weisungen unterworfen. Entscheidungen werden zusammen gefällt, und jeder kann sich in die Debatten gleichberechtigt einbringen. Zudem werden Rollen um die Arbeiten herum definiert und nicht Personen Arbeiten zugewiesen. Eine Person kann dabei mehrere Rollen einnehmen. Holacracy bedeutet jedoch nicht Anarchie, denn allem zugrunde liegt ein zentrales Regelwerk. Die Regeln sind dabei transparent und gelten für alle gleichermas sen. Die Kernprinzipien der Holocracy sind in der sogenannten «Holacracy Constitution» niederge schrieben. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 09 / 2017

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