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Netzwoche 09/2018

26 Technology Aktuell

26 Technology Aktuell WWW.NETZWOCHE.CH Sunrise und Swisscom unzufrieden mi 5G-Vergabe bca/osc. Sunrise und Swisscom haben die Eidgenössischen Kommunikationskommission aufgefordert, das Prozedere der 5G-Frequenzenvergabe zu überarbeiten. Im Streit geht es darum, wie viele Frequenzblöcke ein Bieter erwerben kann. Die Vergabe der 5G-Frequenzen ist für den Herbst 2018 geplant. Ein Rechtsstreit könnte die Vergabe verzögern. ▸ Webcodes DPF8_90072 / DPF8_91113 Bund plant Projekt für selbstfahrende LKWs mer. Der Bund plant schweizweit ein Pilotprojekt mit selbstfahrenden LKW-Konvois, genannt «Truck Platooning». Die schwer beladenen Trucks sollen unter vereinfachten Verhältnissen getestet werden. Der Schweizer LKW-Fahrer-Verband ist skeptisch, da «Truck Platooning» einzig auf Langstrecken interessant sei. Das Projekt sei frühestens in 10 bis 20 Jahren aktuell, sind sich beide Seiten einig. ▸ Webcode DPF8_90567 Das steht im White Paper der Schweizer Blockchain Taskforce Podiumsteilnehmer des Blockchain Summit in Zug. Bild: Lakeside Partners mur. Die Schweizer Blockchain Taskforce hat ein White Paper mit Vorschlägen für die Regulierung der Kryptobranche verfasst. Bundesrat Johann Schneider-Ammann erhielt die Empfehlungen im Rahmen des Blockchain Summits, der am 26. April in Zug stattfand. Die Blockchain Taskforce sagt, dass die Branche viele Probleme ohne fundamentale Gesetzesänderungen lösen könne. Sie empfiehlt aber Änderungen im Obligationenrecht. Der Bund müsse den rechtliche Umgang mit Tokens klären, denn der Status quo schaffe Rechtsunsicherheit – auch weil keine Gerichtspraxis existiere. Das White Paper schlägt vor, digital übertragene Forderungen von der Schrift lichkeitserfordernis auszunehmen. Voraussetzung dafür wäre ein dezentrales Transaktionsregister. Eine Anpassung der Gesetze zur Geldwäscherei sei nicht nötig. Die Blockchain Taskforce warnt davor, das geltende Aufsichtsrecht anzuwenden. Es sei besser, eine Sandbox für Experimente mit flexiblen Regeln zu starten. Die Schweizerische Finanzmarktaufsicht sei auch schon bei anderen Branchen so vorgegangen. Die einschlägigen Bestimmungen des Geldwäschereigesetzes und die Pflicht, einen Prospekt aufzulegen, seien hingegen sinnvoll. Schweizer Kryptounternehmen müssten für die Eröffnung von Bankkonten oft auf ausländische Banken ausweichen. Eine Arbeitsgruppe unter der Leitung der Schweizerischen Bankiervereinigung werde nun einen Anforderungskatalog für Blockchain-Unternehmen erarbeiten. Es soll behandelt werden, wie Kryptofirmen ihre Kapitalgeber und Kunden identifizieren müssten, wenn es einen Bezug zu Finanzmarktdienstleistungen gebe. Die Kriterien und Prozesse müssten im Einklang mit der Vereinbarung über die Standesregeln zur Sorgfaltspflicht der Banken stehen. Ausserdem will die Taskforce ein Initial Coin Offering durchführen. Sie will so ihre Tätigkeiten auf eine stabile finanzielle Basis stellen, wie es in einer Mitteilung heisst. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_90107 MÜLLERS KLEINES ABC S wie Skeuomorphismus Christopher Müller Inhaber und CEO von Die Ergonomen Usability AG. Theorie: Es gibt Wörter, die faszinieren schon ihres sibyllinischen Klangs wegen – eines davon ist Skeuomorphismus. Dabei steht das Wort für ein Konzept, das jeder kennt und das viel mit Nostalgie gemein hat. Das geht so: Man gestaltet neue Dinge so, dass sie aussehen wie alte und nimmt ihnen damit den Schrecken des Unbekannten. In der Ergonomie bedient man sich dieses Tricks, um den Menschen die Bedienung von Software oder Websites zu erleichtern. Realität: Seit etwa Mitte der 1980er-Jahre dürfen wir uns an digitalen GUIs erfreuen, die so tun, als seien sie analog. Liebevoll geformte Knöpfe und Regler hat uns das beschert, alle waren sie dreidimensional und viele gaben vor, aus poliertem Metall zu bestehen. Sogar Formulare erhielten eine räumliche Dimension und sahen teils aus, als seien sie Wachstafeln mit hölzernen Rähmchen darum herum. Besonders eindrücklich sind auch jene Texteditoren, die sich als spiralgebundene Notizblöcke ausgeben und beim Umblättern dezent rascheln. Das war (und ist) wohl gut gemeint und teilweise auch liebevoll umgesetzt. Genützt hat es allerdings wenig. Wie wir heute wissen, waren die ergonomischen Probleme früherer Bedienkonzepte viel grundsätzlicherer Natur, als dass man sie mit noch so hübsch gestalteten Bedienelementen hätte lösen können. Das hat sich inzwischen herumgesprochen, und deshalb kommen moderne Betriebssysteme seit Windows 8 und iOS 7 wieder ohne pseudoräumlichen Firlefanz aus. Fazit: Sich an Bekanntem zu orientieren, um den Menschen den Umgang mit Neuem zu erleichtern, ist aus Sicht der Ergonomie keineswegs falsch. Schliesslich gehört es zu ihren wichtigen Grundsätzen, dass sich Bedienkonzepte auch an den Erwartungen der Nutzer orientieren sollen. Aber das lässt sich mit ein bisschen 3-D auf dem Bildschirm alleine nicht erreichen. Gescheiter wäre, die Nutzer beim Entwickeln stärker einzubinden und zu testen, testen, testen, bevor man sein Produkt in die freie Wildbahn entlässt. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_92595 09 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Research 27 Hybride Umgebungen dominieren die ICT Schweizer Unternehmen geben heute durchschnittlich 25 Prozent ihres ICT-Budgets für die Infrastruktur des ICT-Betriebs aus. Die Anforderungen durch die Digitalisierung und neue Marktgegebenheiten steigen. Die Budgets in der Regel nicht. DER AUTOR Philipp A. Ziegler Geschäftsführer, MSM Research AG Beim Aufsetzen und Management hybrider Umgebungen sollten auch die Fachbereiche beteiligt werden. Gerade der Druck aus den Businessbereichen der Unternehmen nimmt stetig zu. Sie fordern Infrastrukturen und Anwendungen, die es ermöglichen, rasch und agil neue Ideen in wettbewerbsfähige, wertschöpfungssteigernde Businessmodelle umzusetzen. Zeit ist hier ein entscheidender Faktor – unabhängig davon, ob neue Modelle darauf abzielen, prioritär Prozesskosten zu senken oder neue Kundensegmente und Märkte anzugehen. Das Credo erfolgreicher Unternehmen heisst heute nicht mehr «gross, viel und billig», sondern «schnell und individuell». Diese neue Welt stellt die traditionellen Gesetzmässigkeiten auf den Kopf und eröffnet viele neue Marktchancen. Der ICT kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Sie ist das Rückgrat, der Nerv des Unternehmens und mehr noch, durch innovative Betriebskonzepte treibt sie den Wandel an und schafft die Voraussetzung für eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit. Wäre der finanzielle Spielraum nicht eingegrenzt, liesse sich dies auch vortrefflich umsetzen. Die Kosten spielen aber, wie in vielen anderen Bereichen, auch beim Betrieb der ICT eine grenzensetzende Rolle und lässt die Verantwortlichen permanent Sparpotenzial ausloten. Um Kosten einzusparen und Mittel für Innovationen freizumachen, setzen Unternehmen auf mehr Standardisierung, auf Reduzierung der Komplexität und letztlich auf die Auslagerung von Betriebsteilen an Dritte und die Nutzung von Cloud-Computing-Services. Cloud als Motor der digitalen Transformation Ohne die Cloud wird künftig nichts mehr gehen. Und mehr noch, die Cloud gilt heute als eigentlicher Motor der digitalen Transformation. Diese Entwicklung hat auch grossen Einfluss auf die Planung und den Betrieb entsprechender Infrastrukturen, denn wir werden in Zukunft kaum mehr ICT-Umgebungen antreffen, die ausschliesslich auf den Betrieb in den eigenen vier Wänden setzen. Die ICT-Operation setzt sich heute mehrheitlich aus einem Mix aus Eigenbetrieb, Managed Service, Private, Public und Multi Cloud zusammen. Unsere Studien der letzten Monate haben gezeigt, dass heute nur noch knapp 30 Prozent der Unternehmen auf einen reinen Eigenbetrieb ihrer ICT setzen, mehr als 70 Prozent fahren bereits auf der hybriden Schiene. Und dies mit steigender Tendenz, was bei der Vorbereitung auf einen kürzlich gehaltenen Vortrag bei mir die provokative Frage aufkommen liess: Führt die Sublimierung der traditionellen ICT das eigene Datacenter eines Tages in die KOSTENSENKUNGSPOTENZIAL ICT-INFRASTRUKTUR In welchen Bereichen oder durch welche möglichen Massnahmen sehen Sie das grösste Kostensenkungspotenzial im Bereich der ICT-Infrastruktur? Mehrfachantworten möglich. Standardisierung, Reduktion der Komplexität Datacenter-Automation Hosting/Colocation Nutzung von externen Cloud & Managed Services Storage Resource Management Bessere Ausbildung der Mitarbeiter Netzwerkinfrastruktur 9% 26% 29% 29% Bedarfsgerechte interne Verrechnung der Datacenter-Leistungen Quelle: MSM Research AG. N=83 34% 34% 37% Obdachlosigkeit? Wie viel von On-Premise-betriebener ICT wird langfristig überleben? Hybride Umgebungen dominieren bereits heute den ICT-Betrieb in vielen Unternehmen. Das Management dieser gemischten Umgebungen stellt höchste Herausforderungen an die Verantwortlichen. Dabei ist eine einwandfreie Interoperabilität zwischen Cloud und On Premise die Grundlage für einen reibungslosen Betrieb. Allerdings stellt das heutige Cloud-Angebot ein Nährboden für die Fachbereiche dar, auch auf eigene Faust Lösungen aus der Cloud aufzusetzen. Eine ausufernde Schatten-ICT wäre die Folge, mit einer wiederum steigenden Heterogenität, komplizierten Umgebungen und komplexen Schnittstellenproblemen. Die eigene ICT-Abteilung so auszuhebeln, wäre fatal. Beim Aufsetzen und Management hybrider Umgebungen sollten deshalb auch die Fachbereiche beteiligt werden. So kann das hybride Potenzial erfolgreich und ohne Schnittstellenverluste ausgeschöpft werden. 66% Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_92428 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 09 / 2018

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