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Netzwoche 10/2016

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22 People Live «Das

22 People Live «Das nächste grosse Ding wird das Internet of Things» Swisscom bietet Lösungen für die digitale Transformation. Zugleich muss der Telko selbst darauf achten, stets die richtigen Technologietrends zu erkennen, um an der Spitze zu bleiben. Heinz Herren verantwortet als CIO und CTO die Tech nologiestrategie von Swisscom. Im Interview spricht er über die Rolle von Swisscom als Wegbereiter der Digitalisierung, Trends im Cloud Computing, und weshalb es auch in Zukunft das Festnetz braucht. Interview: George Sarpong i « Die Digitalisierung ist für uns vor allem eine Suche nach Effizienz. » Heinz Herren, CIO/CTO, Swisscom Zur Person Heinz Herren ist CTO und CIO beim Provider und IT-Dienstleister Swisscom. Der Elektroingenieur HTL begann seine Karriere bei Swisscom 2001 als Leiter Wholesale, Swisscom Fixnet. Seit 2011 leitet Herren die Bereiche IT, Network and Infrastructure mit über 4000 Mitarbeitern und wurde 2012 Mitglied der Konzernleitung. Herren ist Vater einer Tochter und eines Sohnes, passionierter Läufer und Golfer. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode 8417 Sie haben in einem Interview gesagt, dass Sie einen der spannendsten Jobs der Schweiz haben. Wie kommen Sie darauf? Heinz Herren: Wir haben eine sehr breite Agenda. Von klassischen Telko-Themen, wie die Weiterentwicklung der Kommunikationsnetze, über ICT-Themen bis hin zur Digitalisierung. In so einem Umfeld CIO/CTO sein zu dürfen, ist ein grossartiger Job. Ich arbeite viel mit neuen Technologien und Innovationsthemen. Zudem hat Swisscom einen Auftrag für die Schweiz und ist ein Teil dieses Landes. Wir bewegen also nicht nur uns, sondern auch die Schweiz. Insofern hatte ich in meinem Leben noch nie so einen spannenden Job wie den jetzigen. Mancher CIO empfindet die digitale Transformation als Segen, weil das Business hierfür gerne in IT investiert. Wie sieht die Situation bei Swisscom aus? Die Digitalisierung ist für uns vor allem eine Suche nach Effizienz. Können wir mit einer neuen Technik schneller werden? Können wir uns mit Mitbewerbern, auch international, messen? Dieser Prozess findet bei Swisscom schon lange statt. Daher hat die IT bei Swisscom seit jeher eine fundamentale Bedeutung. Entsprechend investierten wir massiv in unsere Netze und in die IT. Die digitale Transformation löst bei Swisscom deshalb keinen Schub an zusätzlichen Investitionen aus. Wie überzeugen Sie Ihre Kollegen in der Geschäftsleitung, in neue Technologien zu investieren? Unserer Geschäftsführung ist klar, dass wir ohne Spitzentechnologie nicht funktionieren können. Beste Infrastrukturen und Technologie-Leadership stehen im Zentrum unserer Strategie in Bezug auf den Ausbau unserer Netze, aber auch was unsere IT betrifft. Wir sind überzeugt, dass wir mit dem Einsatz moderner Technik und mit entsprechenden Investitionen den Kunden das beste Netz bieten und unsere Marktposition weiterentwickeln können. Deshalb findet bei uns kein Kampf zwischen Business und IT statt. Sondern? Es liegt an mir als CIO, den Kollegen in der Geschäftsleitung aufzuzeigen, welche Technologien es gibt, wann diese reif genug für den Einsatz sind, was sie den Kunden bringen und mit welchen wir Kosten einsparen können. Schliesslich bewegen wir uns in einem kostenintensiven Markt. Wir tätigen hohe Investitionen auch in Generationenprojekte, wie neue Rechenzentren oder Projekte im Netzausbau. So bauen wir das Netz auch in den ländlichen Gebieten massiv aus, was sehr hohe Investitionen erfordert. Wir werden dieses Jahr rund 1,7 Milliarden Franken in unser Netz und unsere Infrastruktur in der Schweiz investieren. Klingt, als würden Sie über schier unbegrenzte Mittel verfügen. Auch ich muss belegen können, inwieweit sich die investierten Mittel für die Strategie der Swisscom und deren Aktionäre auszahlen. Der «Return on invested Capital» ist auch für uns entscheidend. Diesen aufzuzeigen, wird umso schwieriger, je langfristiger die Projekte andauern. Wie zum Beispiel? Der 4G-Netzbausbau etwa. Wir mussten zunächst rund zwei Jahre lang das Netz errichten. Zu dem Zeitpunkt gab es noch gar keine Angebote, die eine so hohe Geschwindigkeit erforderten. Diese mussten zuerst entwickelt werden. Wir mussten der Geschäftsleitung und unseren Stakeholdern aufzeigen, dass sich diese Investitionen lohnen und wir Umsatz erwirtschaften werden, auch wenn das nicht von heute auf morgen geschehen mag. Wie unterstützen Sie Ihre Unternehmenskunden bei der digitalen Transformation? Wir bieten ein umfassendes Portfolio an. Unsere Berater unterstützen Kunden dabei, eine eigene Digitalisierungsstrategie zu entwickeln. Nach der Planung helfen wir bei deren Umsetzung, wie etwa der Auslagerung der Infrastruktur. Hierbei geht es oft darum, welche Teile ausgelagert werden können und welche nicht. Wir unterstützen dabei und zeigen auf, was sich etwa bei anderen Kunden bewährt hat. Würden Sie sich denn als Vorreiter der Digitalisierung betrachten? Wenn man sich ansieht, wie weit sich Swisscom intern bereits digitalisiert hat, dann ja. 10 / 2016 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

People Live 23 « Auch in der Schweiz kann man Skaleneffekte im Cloud-Geschäft erzielen. » Heinz Herren, CIO/CTO, Swisscom Was macht Sie so zuversichtlich? Technologie steht absolut im Zentrum unserer Strategie. Swisscom könnte kein ICT-Anbieter sein, wenn wir nicht einen engen Fokus auf gute und innovative Technologieansätze legen würden. Sei es, um Kosten zu sparen, schnell am Markt zu sein oder Legacy-Systeme in modernste Umgebungen zu überführen, um agiler entwickeln zu können. IT-Einsatz war für uns schon immer wichtig und ist heute essenziell. Andere Unternehmen starten jetzt ihre digitale Transformation und überlegen sich, welche Massnahmen sie treffen können und was sie noch selbst machen wollen. Für diese Kunden sind wir Berater, Gesprächspartner und Vorreiter. Schweizer CIOs wünschen sich internationale Cloud-Anbieter, weil deren Skaleneffekte besser seien als bei den Schweizer Angeboten. Wie sehen Sie das? Wir tauschen uns intensiv mit IT-Verantwortlichen aus. Daher wissen wir, dass sich jene CIOs, die in einer globalen Firma arbeiten, auch weltweit nach den für sie attraktivsten Cloud-Anbietern umsehen. Wir sind ein Schweizer Unternehmen und setzen auf den Standort Schweiz. Aufgrund unserer Erfahrungen aus den vergangenen Jahren sind wir davon überzeugt, dass wir uns mit diesem Vorteil positionieren können. Aber nicht mit Skaleneffekten. Auch in der Schweiz kann man Skaleneffekte im Cloud- Geschäft erzielen. Bei genauerer Betrachtung sind die grossen ausländischen Clouds übrigens nicht wirklich günstiger. Hinzu kommt, dass die Vorteile einer Schweizer Cloud woanders liegen. So bieten wir eine sichere Infrastruktur, die Daten bleiben in der Schweiz und unterstehen damit dem Schweizer Datenschutzgesetz. Hinzu kommt, dass Unternehmen oft eine hybride Cloud-Strategie verfolgen und aus rechtlichen Gründen nicht einfach alles outsourcen können. Hier sind hybride Ansätze und die richtige Beratung gefragt. Diese bieten wir. Was machen Sie, wenn die grossen Player in der Schweiz eigene Rechenzentren aufbauen? Welche technischen Trümpfe haben Sie dann noch? Wir haben hochwertige Datacenter mit modernen Strukturen. Wir haben bis zu Tier-IV-fähige Rechenzentren. Aktuell betreiben wir 14 Rechenzentren, die wir auf 13 konsolidieren werden. Diese sind ausbaubar und wir können sie an unsere Anforderungen und die unserer Kunden anpassen. Wie wollen Sie die Rechenzentren adaptieren? Unsere Strategie baut darauf auf, dass wir in den nächsten Jahren keine neuen Datacenter benötigen werden, obwohl wir immer mehr Kunden haben und wir unsere Netze ausbauen müssen. Dennoch werden wir weniger Rechenzen- www.netzwoche.ch © netzmedien ag 10 / 2016

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