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Netzwoche 10/2016

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40 Service

40 Service Verbandsnachrichten Asut-Kochbuch für smarte Netze Die Zukunft der Energiewirtschaft ist smart. Mit Unterstützung des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE), des Vereins Smart Grid Schweiz (VSGS) und des Vereins Smart Grid Industrie Schweiz (Swissmig) hat Asut einen Praxisleitfaden für den Einsatz von ICT- und Kommunikationsinfrastrukturen in intelligenten Energiesystemen erstellt. Interview: Christine D’Anna-Huber asut Asut, der Schweizerische Verband der Telekommunikation, repräsentiert heute die Telekommunikationsbranche und sämtliche Wirtschaftszweige sind in ihm vertreten. Die Schweiz soll sich durch fairen, freien und dynamischen Wettbewerb als Land mit dem weltbesten Kommunikationsnetz und mit First-Class-Services positionieren, durch resiliente Systeme und smarte Infrastrukturen differenzieren und als ein auf die digitale Gesellschaft und Wirtschaft zugeschnittener Bildungs- und Forschungsplatz etablieren. www. asut.ch Die Smart-Energy-Arbeitsgruppe ist eine der jüngsten Arbeitsgruppen der Asut. Was hat zu ihrer Bildung geführt? Urs Imholz: Mit der fortschreitenden Digitalisierung spielen die Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) in verschiedenen Branchen eine wichtigere Rolle, auch in der Energiewirtschaft. Eine der wesentlichen Herausforderungen wird es sein, deren bisher erfolgreiche zentrale Strukturen und Steuerungsmodelle mithilfe der ICT für die Zukunft fit zu machen. Stichwort Energiewende? Der konkrete Ansatz in der Schweiz ist die Energiestrategie 2050, mit der Zielsetzung, in der Energieerzeugung von Atomkraft und fossilen Energieträgern weg und hin zu dezentralen erneuerbaren Energiequellen zu kommen. Hier wird ICT eine Schlüsselrolle spielen – und deshalb ist diese Asut-Arbeitsgruppe so wichtig. Denn sie erlaubt es, die an dieser Entwicklung beteiligten Stakeholder aus ICT- Industrie und Energiewirtschaft zusammenzubringen. Und, klappt das? Grundsätzlich haben wir uns von Anfang an verstanden. Doch obwohl wir eine ähnliche Sprache sprechen, drücken wir uns doch in zwei jeweils anders geprägten Dialekten aus. Gerade deshalb ist es ungemein wichtig, das Verständnis für die unterschiedlichen Sichtweisen zu fördern: Auf der einen Seite die Energiewirtschaft mit ihrem Grundversorgungsauftrag, den sie seit über hundert Jahren hervorragend wahrnimmt. Wir haben eine der weltweit besten Stromversorgungsinfrastrukturen und nicht von ungefähr wollen sich deshalb heute viele internationale Datacenter in der Schweiz ansiedeln. Auf der anderen Seite steht der politische Wille, mittel- bis langfristig auf die grosse Stromproduktion der Atomkraftwerke zu verzichten und sie durch erneuerbare Energiequellen zu kompensieren. Auf Seiten der Netze ist damit eine beachtliche Herausforderung verbunden, weil die Stromquellen volatiler werden. Um das in den Griff zu bekommen, ist intelligente ICT gefragt. Urs Imholz, Leiter der Asut- Arbeitsgruppe Smart Energy und Geschäftsführer von GWF Schweiz. Um mit den bereits bestehenden Infrastrukturen weiterarbeiten zu können? Genau. Ein vom Bund in Auftrag gegebenes Impact-Assessment hat gezeigt, dass Investitionen von rund 18 Mil- 10 / 2016 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Service Verbandsnachrichten 41 liarden Franken notwendig wären, um ein Stromnetz zu erstellen, das die zukünftigen Lasten abdecken könnte. Mit Intelligenz, das heisst mit Smart Grids, lässt sich ein grosser Teil dieser Kosten einsparen. Ist eine intelligente und vernetzte Stromversorgung nicht auch angriffsgefährdeter? Das ist ein Risiko. Das Bundesamt für Energie (BFE) hat die grössten Bedrohungsszenarien in einer Schutzbedarfsanalyse evaluiert. Als Folge davon wird in den Bereichen Datensicherheit und Datenschutz nun ein Regelwerk für die Netzsicherheit erarbeitet. Systemkritische Anwendungen werden sicher auch in Zukunft Teil von in sich geschlossenen proprietären Netzsystemen sein, weniger kritische Systeme hingegen lassen sich eher offen handhaben, was den Vorteil hat, dass sie einfachere Schnittstellen für verschiedene Player bieten. Wie schlägt sich das im Praxisleitfaden nieder? Der Praxisleitfaden soll ein Grundlagendokument und ein Hilfsmittel für die Energieversorgungsunternehmen, Industriezulieferer und Telekommunikationsunternehmen sein, die am Aufbau und Unterhalt intelligenter Energiesysteme beteiligt sein werden. Zudem haben wir verschiedene Kommunikationstechnologien und Standards bewertet, Aspekte der Informationssicherheit untersucht und auch die Rahmenbedingungen, die zur Wahl einer Kommunikationsinfrastruktur beitragen, unter verschiedenen Perspektiven angeschaut: Dazu gehören die Unternehmensstrategie und die politisch-regulatorischen Voraussetzungen. Aber auch die vorhandene In frastruktur, Geografie und Topologie müssen in die Betrachtung einbezogen werden, das heisst die je nach Standort (Stadt, Land, Agglomeration) unterschiedliche Versorgungsdichte sowie die vorhandenen personellen Ressourcen und die Gesamtkosten. Der Verein Smart Grid Schweiz (VSGS), der in der Arbeitsgruppe ist, hat hier konkrete Use Cases beigesteuert, etwa für den Smart-Meter-Rollout. Zusammengenommen erlauben alle diese Elemente eine Übersicht darüber, welche Kommunikationsinfrastruktur in welchem Anwendungsfall die richtige Wahl ist. Eine grundsätzliche Einsicht? Basisanforderungen wie das Auslesen eines Stromzählers im Viertelstundentakt – was den zukünftigen Minimalanforderungen für ein Smart Grid entspricht – lassen sich praktisch mit jeder Technologie bewerkstelligen. Wenn es hingegen um komplexere Aufgaben wie Echtzeitüberwachung geht, dann kommen nur Breitbandanwendungen infrage. Das bedeutet, dass die bestehenden Infrastrukturen in der ersten Phase des intelligenten Netzes noch ausreichen werden. In 10 bis 15 Jahren und mit den steigenden Anforderungen einer zunehmend dezentralen Produktion und eines deregulierten Marktes hingegen werden Technologien notwendig, die heute erst bedingt zur Anwendung kommen. Beispielsweise städtische Glasfasernetze. Im Asut-Leitfaden findet also jedes EVU seine Lösung? Der Leitfaden ist eine Art Kochbuch, mit Menüs für verschiedene Situationen, das sich auf das Wissen und die Expertise der Strom- und der ICT-Branche sowie der Zuliefererindustrie stützt. Gerade in der Schweiz mit ihrer ausgesprochen föderalistischen Struktur und mit über 700 eigenständigen Energieversorgern schafft es eine sehr gute Grundlage dafür, die Basisarbeit nicht 700-mal neu machen zu müssen. Das klingt nach einer Riesenarbeit. Rund zwei Jahre Arbeit stecken darin, das Engagement einer Kerngruppe von rund 11 Personen, dazu Inputs und regelmässige Feedbacks der 25 Mitglieder der Arbeitsgruppe. Uns war extrem wichtig, den Leitfaden möglichst breit abzustützen. Wann wird der Leitfaden publiziert? Das finalisierte Dokument soll Anfang Juni 2016 vorliegen und wird auch bereits erwartet: So ist etwa das Schweizerische Elektrizitätsunternehmen (VSE) daran interessiert, das Dokument für die Weiterbildung seiner Mitglieder zu nutzen. Asut wird den Leitfaden auch im Rahmen von Fachtagungen und Konferenzen vorstellen. Und weil Telekommunikation sehr schnelllebig ist, ist es unser Anspruch, den Leitfaden kontinuierlich zu überarbeiten und periodisch neu vorzulegen. Bild: Fotolia « Die Energiestrategie 2050 hat zum Ziel, in der Energieerzeugung von Atomkraft und fossilen Energieträgern weg und hin zu dezentralen erneuerbaren Energiequellen zu kommen. Hier wird ICT eine Schlüsselrolle spielen. » Urs Imholz, Leiter der Asut- Arbeitsgruppe Smart Energy und Geschäftsführer von GWF Schweiz www.netzwoche.ch © netzmedien ag 10 / 2016

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