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Netzwoche 10/2020

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14 Business Focus

14 Business Focus Unsichtbar, aber hochverfügbar Die Vorteile der Public Cloud liegen auf der Hand: Services sind einfach und flexibel skalierbar. Die Cloud ist gefühlt immer da. Ist Hochverfügbarkeit unter diesen Voraussetzungen überhaupt noch ein Thema? Ja, denn man kann sie nur mit entsprechender IT-Architektur und passenden Service Level Agreements sicherstellen. DER AUTOR Kaspar Geiser Geschäftsführer, Aspectra In der Public Cloud kann man mit nur einem Klick auf veränderte Anforderungen reagieren. Zudem spart man Kosten und Mühen, weil man keine eigene IT-Infrastruktur betreiben muss. Immer mehr Anbieter machen sich diese Vorteile zunutze. Marktforscher gehen gar davon aus, dass sich die Ausgaben für Public-Cloud-Dienste und -Infrastruktur bis 2023 mehr als verdoppeln werden. Ein System bleibt ein System Mit dem zunehmenden Einsatz der Public Cloud schwindet die Sichtbarkeit von Rechenzentren und Servern im eigenen Betrieb. Beim einfachen Skalieren der eigenen Webkonsolen per Mausklick geht leicht vergessen, dass auch die Public Cloud aus altbekannten Systemen und Architekturen besteht. Die Virtualisierung ermöglicht zwar die «Verschiebung» des Systems von einem Blech aufs andere sowie eine einfachere Wiederherstellung dank Trennung von Rechenleistung und Speicherplatz. Doch es bleibt ein System. Fallen eine oder mehrere der darunterliegenden Komponenten aus, so ist das System weg. Dies ist auch in der Public Cloud nicht anders. Diese Gesetzmässigkeiten gelten nicht nur für Virtual Machines, sondern für alle potenziell bezogenen cloudbasierten Dienste, wie beispielsweise Datenbank-Services. Hochverfügbarkeit sicherstellen Anhaltende oder wiederkehrende Störungen wirken sich folgenschwer auf den Geschäftsbetrieb aus. Kein Unternehmen kann es sich leisten, mögliche Folgen eines Ausfalls von Systemen in der Public Cloud zu ignorieren. Um Hochverfügbarkeit sicherzustellen, nutzen Public-Cloud- Anbieter deshalb Verfügbarkeitszonen und -regionen. Typischerweise befinden sich in einer Region mehrere dieser Availability Zones. Diese sind voneinander isoliert und bestehen in der Regel aus unabhängigen Rechenzentren am selben Ort. In Azure zum Beispiel erreicht man die Hochverfügbarkeit, indem man Virtual Machines physisch über Zonen hinweg verteilt. Diese spricht man dann über Loadbalancer in den jeweiligen Zonen an. Jede dieser Zonen verfügt über ein eigenes virtuelles Netzwerk. Augen auf bei Service Level Agreements! Bei den Service Level Agreements zeigen sich wesentliche Unterschiede zwischen den Public-Cloud-Providern. Die Vereinbarungen muss man bei der Wahl seines Anbieters zwingend studieren und verstehen, will man keine bösen Überraschungen erleben. Es kann sein, dass Konsequenzen bei Nichterfüllung erst bei einer tiefen Verfügbarkeit, beispielsweise von unter 99 Prozent, ins Gewicht fallen. Des Weiteren ist es möglich, dass Anbieter Störungen in einer nicht zufriedenstellenden Form wie Servicegutschriften entschädigen. Andere wiederum bieten adäquate Vergütungen sogar bei mangelnder Verfügbarkeit ganzer Anwendungen und nicht bloss für den Ausfall einzelner Services oder Virtual Machines. Bild: Alina Grubnyak / Unsplash Die richtigen Teile aus dem Baukasten Tut es eine Lösung aus dem Katalog? Braucht man ein individuelles Set-up, das man im Rahmen eines Workshops ermittelt? Wer die Vorteile von Public Cloud optimal nutzen will, muss die Anforderungen an die Verfügbarkeit der eigenen Anwendung genau kennen und ausformulieren. Nur so kann man die Technik und die richtige Architektur ableiten und einen passenden Anbieter wählen. Denn die Public Cloud ist als Baukasten zu verstehen. Dieser enthält mehr Elemente, als man braucht. Nur mit der richtigen Providerwahl und der optimalen Zusammenstellung der Leistungen erreicht man seine Ziele zu einem angemessenen Preis. 10 / 2020 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Focus 15 Cloud-Transformation in der Schweiz: Lokale Cloud-Services sind ein Muss Der Markt für Cloud-Services ist in der Schweiz zuletzt stärker gewachsen als in Europa insgesamt. Im Vorteil sind Anbieter, die über Rechenzentren vor Ort verfügen – nicht nur aus Datenschutzgründen. Verstärkt setzen nun auch Produktionsunternehmen bei ihren Businessanwendungen auf die Cloud. Sogar die aktuelle Covid-19-Krise kann das Geschäft mit Cloud-Services kaum bremsen. So berichtet etwa der aktuelle EMEA-ISG-Index, dass das Geschäft mit Cloud-Lösungen von der Pandemie nur minimal beeinflusst wird. Infrastructure-as-a-Service (IaaS) verzeichnet der Quartalsstudie zufolge sogar eine Extrakonjunktur, weil die Nachfrage nach Homeoffice- und E-Commerce-Lösungen deutlich angestiegen ist. In der Schweiz wuchs der Markt für Cloud-Services zuletzt schon schneller als in anderen Regionen, nämlich um jährlich rund 20 Prozent. Dazu trägt auch bei, dass mittlerweile global agierende Hyperscaler-Anbieter wie Microsoft Azure oder Google über eigene Rechenzentren in der Schweiz verfügen und deshalb eine lokale Datenhaltung anbieten können. Dies ist in der Schweiz, in der Datenschutz besonders verankert ist, besonders wichtig. Daneben spielen auch Anbindungsaspekte zum Standort Schweiz eine wichtige Rolle: Während das Google-Rechenzentrum der Region Zürich zum Beispiel Latenzzeiten von 9 Millisekunden bietet, verlängert sich die Latenz bei der Nutzung des Rechenzentrums in Frankfurt schon auf 17 Millisekunden. Klassische Businesslösungen aus der Cloud Hinzu kommt: Mehr und mehr verlagern Schweizer Unternehmen auch Kernsysteme wie zum Beispiel ERP, CRM- oder Unified-Communication-Systeme in die Cloud – zumal die jeweiligen Hersteller ihre Lösungen nun auch selbst als Software-as-a-Service-(SaaS-)Varianten zur Verfügung stellen. Das heutige Cloud-Ökosystem stellt sich für viele Unternehmen zum Teil schon so vielfältig und komplex dar, dass das Management der Cloud-Ausgaben zu einer eigenständigen und immer anspruchsvolleren Aufgabe geworden ist. Deshalb spielen Dienstleister eine zunehmend wichtige Rolle: Sie helfen nicht nur beim effizienten Kostenmanagement, sondern eröffnen Unternehmen vor allem auch langfristige Perspektiven, indem sie Roadmaps für die Cloud- Transformation und für den Aufbau des entsprechenden Anbieter- und Service-Ökosystems entwickeln. Finanzdienstleister als Vorreiter Vorreiter bei der Cloud-Adaption in der Schweiz waren vor allem die grossen Finanzdienstleister sowie generell Unternehmen und Branchen, bei denen Endkunden als IT-Anwender eine grössere Rolle spielen – insbesondere im B2C- Geschäft, beispielsweise im Onlinehandel oder der Transport- und Verkehrsbranche mit ihren mobilen Anwendungen. Produktionsunternehmen hingegen waren zunächst Nachzügler bei der Cloud-Adaption. Doch auch das ist heutzutage Geschichte. In der industriellen Produktion stellen Cloud-Services mittlerweile das zentrale Element, sozusagen den Motor der IT, dar, wenn Unternehmen in zukunftsfähige, skalierbare Lösungen investieren wollen. Je grösser und internationaler Industriefertiger in der Schweiz sind, umso mehr bewegen sie sich in Richtung der Hyperscaler, um deren globale Lösungen zu nutzen. Im Mittelpunkt stehen vor allem klassische ERP-Anwendungen, aber auch Unternehmenslösungen im Bereich Engineering Services. Hinzu kommen Themen wie Predictive Maintenance und Remote Services. Alle Aufgaben der Softwareentwicklung nutzen mittlerweile ohnehin fast nur noch Cloud-Plattformen. Auch klassische Arbeitsplatzprogramme wie die G-Suite von Google oder Microsoft 365 fungieren immer häufiger als «Türöffner» für die Cloud. Bild: Maxiphoto / iStock.com DER AUTOR Peter Bertschin Managing Director, Information Services Group (ISG) Den Beitrag finden Sie auch online www.netzwoche.ch www.netzwoche.ch © netzmedien ag 10 / 2020

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