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Netzwoche 11/2018

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16 XXXXXXXXXXX XXXXXXXXXXXX Illustration: venimo / shutterstock.com FOCUS START-UPS Jeder fängt einmal klein an cgr. Was ist eigentlich ein Start-up? Als deutsches Wort wird gerne der Begriff «Jungunternehmen» als Synonym verwendet. Aber wie lange ist eine Firma jung, und ab wann schon alt? Uber etwa wird oft als höchstbewertetes Start-up der Welt bezeichnet, dabei wurde die Firma bereits 2009 gegründet, ebenso wie das All-Flash-Start-up Pure Storage. Das oft als Auto-Start-up titulierte Unternehmen Tesla wurde sogar schon 2003 gegründet. Diese Firmen sind eigentlich nicht mehr jung. Facebook ist nur fünf Jahre älter als Uber, und Twitter drei Jahre. Kaum jemand würde diese Firmen noch als Start-ups bezeichnen. Eine Gemeinsamkeit haben Uber, Pure Storage, Tesla und Co.: Jedes Quartal verbrennen sie Millionen an Investorengeldern. Mit dem Begriff Startup versuchen sie also vielleicht, darüber hinwegzutäuschen, dass ihr Geschäftsmodell auch nach vielen Jahren nicht trägt. Dieses Merkmal taugt jedoch nur begrenzt. Ein sparsamerer Gebrauch des Wortes Start-up wäre angebracht. Der Focus dieser Ausgabe beleuchtet Start-ups in der Schweiz aus verschiedenen Blickwinkeln. Detlef Günther, Professor und Vizepräsident Forschung und Wirtschaftsbeziehungen an der ETH Zürich, zeigt, welchen Beitrag Spin-offs der eidgenössischen Hochschulen für die Schweizer Wirtschaft leisten. Einen Einblick in das neue Feld der Bildungstechnolo gien (Edtech) bietet Roman Bruegger, Managing Director, Swiss Edtech Collider im EPFL Innovation Park. Und Christina Kehl von Swiss Finance Start-ups fordert mehr Gründergeist in der Schweiz, damit auch bald weltweit über Jungunternehmen aus der Schweiz gesprochen wird. 11 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Focus Start-ups 17 ETH-Spin-offs bringen Digitalisierung voran Mit jeweils 25 Neugründungen in den letzten drei Jahren hat sich die Zahl der ETH-Spin-offs auf hohem Niveau eingependelt. Gezielte Fördermassnahmen und die Digitalisierung der Gesellschaft spielen dabei eine wichtige Rolle. Spin-offs sind jedoch nur eine Variante, wie die ETH Zürich die Schweizer Wirtschaft voranbringt. Knapp 400 Spin-offs wurden seit 1996 an der ETH gegründet. Allein in den Jahren 2015 bis 2017 entstanden 75 neue Unternehmen und auch für 2018 gibt es eine sehr gute Prognose. Eine starke Selektion und zielgerichtete Förderungsmassnahmen führen dazu, dass über 90 Prozent die ersten fünf Jahre nicht nur überleben – im Kanton Zürich liegt der Schnitt bei rund 50 Prozent –, sondern dass diese Unternehmen zu einem grossen Teil ausserordentlich erfolgreich sind. Durch die Spin-off-Gründungen schafft die ETH nicht nur tausende hochqualifizierte Arbeitsplätze, sondern unterstützt auch die Schweizer Wirtschaft durch den Wissens- und Technologietransfer, indem sie Brücken zwischen Forschung und Wirtschaft baut. Die IT wird wichtiger Die inhaltliche Ausrichtung der ETH-Spin-offs spiegelt die ganze Breite der Forschungsthemen der Hochschule wider, doch der digitale Wandel macht sich bei den Firmengründungen durchaus bemerkbar. Folglich sind in den letzten Jahren besonders viele Unternehmen im Bereich digitaler Technologien und Datenwissenschaft entstanden. Dies liegt einerseits daran, dass Firmengründungen im IT-Bereich in der Regel weniger Risikokapital benötigen als solche in anderen Branchen. Und andererseits betrifft die Digitalisierung als Querschnittsthema sämtliche Forschungsfelder der ETH Zürich, wodurch der Stellenwert der Informatik weiter steigt. Als Beispiel dient hier etwa die Digitalisierung von Fertigungsverfahren in der Industrie oder der Architektur. Aber auch der medizinische Bereich sucht zunehmend nach digitalen Lösungen. Zum Beispiel erlaubt die App von ETH-Spin-off Pathmate Technologies, dass Patienten aufgrund ihrer Daten den individuellen Therapieerfolg messen können und das Spin-off Data How nutzt Technologien des maschinellen Lernens, um Industrieprozesse etwa in Pharmaunternehmen zu optimieren. Technologietransfer hat grosse Bedeutung Der Austausch von Erfahrungen, Technologien und Forschungsergebnissen zwischen der technischen Hochschule einerseits und der Gesellschaft, Wirtschaft und Industrie andererseits ist ein Auftrag des Bundes an die ETH. Wichtigste Träger dieses Wissenstransfers sind die Menschen: Absolventinnen und Absolventen, die mit ihrem Know-how in die Wirtschaft oder die Verwaltung gehen, und Forschende, die ihre Kompetenz in zahlreiche Industriekooperationen einbringen. Um sie darauf vorzubereiten, fördert die ETH Zürich eine Kultur, zu der Eigeninitiative ebenso gehört wie die Sensibilisierung ihrer Talente für die Bedürfnisse von Gesellschaft und Wirtschaft. Die Art und Weise, wie der Talent-, Wissens- oder Technologieaustausch stattfindet, ist vielfältig und lebt von vielen Interaktionen. Dabei spielen Spin-offs eine genauso wichtige Rolle, wie Patente und Lizenzierungen, industriespezifische Kompetenzzentren oder direkte Forschungskooperationen mit Firmen. Der ETH ist es aber sehr wichtig, nicht nur mit Weltkonzernen wie beispielsweise Disney zusammenzuarbeiten, sondern insbesondere auch mit den äusserst innovativen Schweizer KMUs. Bild: Denis Linine / iStock.com DER AUTOR Detlef Günther Professor und Vizepräsident für Forschung und Wirtschaftsbeziehungen, ETH Zürich Die ETH unterstützt die Schweizer Wirtschaft auch durch Wissens- und Technologietransfer. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 11 / 2018

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