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Netzwoche 11/2020

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28 DOSSIER In

28 DOSSIER In Kooperation mit Ergon Informatik IoT-Plattformen Die Auswahl der richtigen Plattform ist von strategischer Wichtigkeit. Bild: RichVintage / iStock effizient zu halten, hilft ein Vorentscheid basierend auf dem Betriebsmodell. Viele Plattformen werden als Cloud-Dienst von grossen Herstellern wie Amazon, Microsoft oder Google angeboten, was einen erhöhten Grad an Performanz, Skalierbarkeit, Verfügbarkeit und Ausfallsicherheit bietet. Sind diese Kriterien zentral, bieten die führenden Hersteller eine gute Auswahl. Man bedenke, dass der Schritt zu einer externen cloudbasierten Plattform eine lange und enge Partnerschaft und somit Abhängigkeit von einem Drittanbieter mit sich bringt, aus der man sich häufig nicht leicht lösen kann. In vielen Fällen sind Geräte nach ihrer Inbetriebnahme im Feld stationiert. Da die Geräte oft ausschliesslich über die Plattform erreichbar sind, ist die Auswahl von strategischer Wichtigkeit. Sie muss während der ganzen geplanten Lebensdauer der Gräte erreichbar sein. Ansonsten ist mit teuren Rückrufen zu rechnen. Eine Alternative zu den Grossanbietern bieten selbstbetriebene Plattformen. Diese können im eigenen oder in Rechenzentren Dritter laufen. Eigenhändiger Betrieb erzeugt Mehraufwand, bietet jedoch Zugriff zu internen Komponenten des Systems, und somit sind Feineinstellungen wie zum Beispiel die Konfiguration der Kommunikationsprotokolle möglich. Solche Einstellungen können durch Einschränkungen der Soft- beziehungsweise Hardware auf der Geräteseite bedingt sein und sind auf grossen Plattformen oft nicht möglich. Zudem hat man bei einer selbstbetriebenen Plattform eine bessere Kontrolle über das Deployment: Bei Änderungen der Software kann bestimmt werden, ob das eigene Deployment zeitnah oder eher verzögert auf den neuesten Stand gebracht werden soll. Auch die Kombination cloudbasierter und selbstbetriebener Plattformen sei nicht ausgeschlossen. Ein sogenanntes Hybridmodell, das heisst zwei Plattformen im Ökosystem, sind durchaus möglich. Kritische Funktionalitäten wie etwa Software-Updates können selbstbetrieben sein, andere durch cloudbasierte Dienste abgedeckt werden. Falls die Bedingungen des IoT-Cloud-Dienstes den Anforderungen nicht mehr genügen, kann ein anderer in das Ökosystem integriert werden. In diesem Fall müssen die Geräte entsprechend aktualisiert werden. Mittels selbstbetriebener und unveränderter Software-Update-Funktionalität sollte dies gut möglich sein. Der Blick auf das grosse Ganze Aktuell hat sich noch kein Plattformstandard etabliert und entsprechend gibt es viele Plattformen, die sich in wesentlichen Merkmalen voneinander unterscheiden. Die passende Auswahl ist nicht trivial, aber umso wichtiger. Beim Aufbau eines IoT- Ökosystems verpflichtet man sich potenziell für die gesamte Lebensdauer der internetfähigen Geräte. Es gibt verschiedene Ansätze für die Wahl – vom Studium der Plattformdokumentation bis zum Bau von PoCs, die auf vorhandenen Anforderungen basieren. Die Praxis zeigt: der letztere Weg ist der effizientere. Mit dem Vergleich werden bereits die ersten Schritte in der Entwicklung des geplanten IoT-Ökosystems gemacht, indem man die Anforderungen aufarbeitet und eine erste Architekturskizze des Gesamtsystems mitsamt Schnittstellen entwickelt. Der aufgestellte Anforderungskatalog bietet zudem eine gute Basis für einen nachträglichen Vergleich mit weiteren Plattformen. Wichtig ist, ein IoT-Ökosystem möglichst gesamtheitlich zu betrachten und Aspekte wie die Entwicklung der Gerätelogik, der Plattform, der Businessanwendungen, aber auch der Sicherheit sowie die geplante zeitliche Entwicklung des Systems von Beginn an zu berücksichtigen. Die Gesamtbetrachtung ist anspruchsvoll, stellt jedoch sicher, dass das System zum nachhaltigen Geschäftserfolg beisteuert. 11 / 2020 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

In Kooperation mit Ergon Informatik IoT-Plattformen DOSSIER29 « Eine IoT-Plattform muss zuverlässig sein » Seit 2015 investiert das Industrieunternehmen Belimo ins Internet der Dinge (IoT). Daniel Albrecht, Head of Development Software, über den Stand heute, die Anforderungen an eine IoT-Plattform und das Thema Sicherheit. Interview: Oliver Schneider An welchen Projekten arbeiten Sie aktuell? Daniel Albrecht: Belimo ist Weltmarktführer in der Herstellung von Komponenten für Heizung, Lüftung, Klima. Die Roadmap ist voll mit Entwicklungsprojekten für neue Produkte und neue Generationen von bestehenden Produkten. Erwähnen möchte ich etwa die vierte Generation des Belimo Energy Valve, ein Flagship-Produkt. Es ist ein intelligentes Ventil, das essenzielle Energieeinsparungen in Gebäuden ermöglicht. Wie kommt das Internet der Dinge (IoT) bei Belimo zum Einsatz? Grundsätzlich funktionieren unsere Produkte auch ohne IoT. Das IoT bietet aber Mehrwert für unsere Kunden, etwa den einfachen Zugriff auf Betriebsdaten mittels OpenAPI oder die Unterstützung und Automatisierung der Inbetriebnahme im Gebäude. Dank Data Analytics können wir viel über die tatsächlichen Einsatzbedingungen unserer Produkte lernen und diese dann stetig verbessern und optimieren. « Bei der Evaluation einer Plattformlösung sind State-of-the-Art-Technologien, Zukunftssicherheit und unabhängiges Hosting wichtig. » Daniel Albrecht, Head of Development Software, Belimo Was muss eine IoT-Plattform grundsätzlich leisten können? Eine IoT-Plattform muss in erster Linie zuverlässig sein und eine hohe Verfügbarkeit aufweisen. Zudem sollte die Plattform mit der Anzahl der verbundenen Geräte mitwachsen können. Das heisst, sie muss skalierbar sein, ohne dass dabei die Performance leidet. Natürlich müssen zu jeder Zeit die Sicherheit und der Datenschutz gewährleistet sein. Welche besonderen Funktionalitäten benötigen Sie darüber hinaus? Zu erwähnen wäre hier vielleicht, dass wir bei Verbindungsunterbrechungen bei einem Gerät Daten puffern, um sie nicht zu verlieren. Viele unserer Geräte sind nicht permanent mit der Cloud verbunden, sondern sporadisch via Smartphone-App bei einer Serviceinteraktion. Die Fragen rund um die Synchronisierung und Konsistenz der Daten sind hier spannend. Wie gehen Sie vor, wenn Sie eine IoT-Plattform beschaffen? Belimo investiert seit 2015 ins IoT. Wir haben klein angefangen und waren zu Beginn explorativ unterwegs. Wichtig für uns war ein kompetenter Softwarepartner, da wir auf dessen Know-how angewiesen waren. Uns verbindet eine langjährige und nachhaltige Partnerschaft mit Ergon. Bei der Evaluation einer Plattformlösung sind State-of-the-Art-Technologien, Zukunftssicherheit und unabhängiges Hosting wichtig. Betreiben Sie Ihre IoT-Plattform on-premise, in der Cloud oder hybrid? Wir betreiben die IoT-Plattform in der Cloud. Die Cloud bietet mehr Möglichkeiten und Flexibilität in Bezug auf Infrastruktur. Wir brauchen uns nicht um Hosting-Themen zu kümmern und können unsere Ressourcen auf die Weiterentwicklung der IoT-Plattfom fokussieren. Cybersecurity ist im IoT ein oft vernachlässigtes Thema. Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Systeme gegen Attacken resilient sind? Wir nehmen die Cybersecurity sehr ernst, und die Security ist ein integraler Bestandteil jedes Ausbauschritts. Unsere Geräte kommunizieren mittels State-of-the-Art-Technologien verschlüsselt mit der Cloud. Die Cloud akzeptiert nur Verbindungen mit Geräten, die ab Werk registriert worden sind. Wir arbeiten für die Cybersecurity mit einem spezialisierten Partner zusammen, der unser System regelmässig auditiert. Wir lassen auch Penetration-Tests auf Geräte und Cloud-Services durchführen. Der Schutz persönlicher Daten ist ein wichtiger Aspekt des IoT. Wie geht Belimo damit um? Es ist uns ein grosses Anliegen, die persönlichen Daten unserer Kunden gesetzeskonform zu schützen. Ähnlich wie bei der Security investieren wir kontinuierlich in den Datenschutz. Im Rahmen von Ausbauschritten werden unter anderem auch Reviews mit Juristen durchgeführt, um allfällige Lücken erkennen und schliessen zu können. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 11 / 2020

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