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Netzwoche 11/2021

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24 DOSSIER Instant

24 DOSSIER Instant Payments In Kooperation mit Ergon Informatik Bild: Seventyfour / AdobeStock.com nutzen wollen. Bei Privatverkäufen stehen Verkäuferin und Käufer zudem bislang vor dem Problem, dass beim Abschluss einer der beiden ins Risiko gehen muss, wenn der Kaufpreis nicht physisch als Bargeld übergeben werden kann. Mit Instant Payments können im Vergleich zu Twint selbst grössere Summen bargeldlos unmittelbar den Besitzer wechseln. Beispiel Autokauf: Erst nachdem der Kaufpreis per Instant Payments überwiesen wurde und die Verkäuferin die Vollzugsmeldung von der Bank erhalten hat, erhält der Käufer Fahrzeugpapiere und -schlüssel ausgehändigt. Ein anderes Szenario ist ein gemeinsames Essen im Restaurant, bei dem zwar eine Person die Rechnung bezahlt, die anderen Personen aber anschliessend ihren Anteil erstatten möchten. Mit Instant Payments lässt sich das innerhalb von Sekunden erledigen. Auch Unternehmen und Banken profitieren Selbstverständlich ist es Verbraucherinnen und Verbraucher auch möglich, ihre bargeldlosen offenen Zahlungen per Instant Payment mit kürzerem zeitlichem Vorlauf zu tätigen. Sie müssen die Überweisung nicht mehr einen Tag zuvor – oder gar noch früher – abschicken, um fristgerecht zu zahlen. Dieser Aspekt gewinnt im B2B-Bereich noch mehr an Bedeutung: Dank einer schnelleren Transaktionsabwicklung durch Instant Payments können Unternehmen ihr Cash-, Liquiditäts- und Working-Capital-Management optimieren. Lieferanten zum Beispiel lassen sich dann «just in time» bezahlen. So kann ein Unternehmen seine Kosten für Sicherheiten in der Lieferkette reduzieren. Andererseits sind im B2C-Bereich Einnahmen aus Onlineverkäufen sofort verfügbar, was gerade für kleine Händler eine deutliche Entlastung bedeutet: Der organisatorische – und damit letztlich finanzielle – Aufwand für Vorkasse und Zahlungsverzögerungen oder -ausfälle sinkt. Durch Instant Payments kann sich für Onlinehändler zudem die Gebührensituation verbessern, weil manche Zahlungsart, die aus Händlersicht teuer ist, unwichtiger wird oder gar ganz entfallen kann. Zudem kann der Händler den Kunden die bestellte Ware schneller liefern, da die Bezahlung umgehend eingegangen ist. Nicht zuletzt profitieren auch die Banken von Instant Payments. So ist zu erwarten, dass durch Echtzeitüberweisungen die Zahl der Bargeldzahlungen sinkt, was sich in geringeren internen Kosten für die Banken bemerkbar machen dürfte. Auch Zwischenhändler wie bei Twint und Debitkarten entfallen und Banken profitieren von weniger Gebühren. Und dank Instant Clearing müssen Banken weniger Liquidität blockieren. Die Einführung lohnt sich also: Instant Payments sind eine klassische Win-win-Situation für alle Beteiligten. 11 / 2021 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

In Kooperation mit Ergon Informatik Instant Payments DOSSIER25 « Instant Payments könnten sich europaweit zu echten Alternativen entwickeln » Instant Payments sollen den Zahlungsverkehr verändern. Nicole Widmer, Leiterin Zahlungsmittel und Zahlungsverkehr, und Markus Beck, Leiter Zahlungsverkehr Firmenkunden bei Raiffeisen Schweiz, sagen, was die Einführung von Echtzeitüberweisungen bedeutet und wie relevant sie in der Schweiz in Zukunft sein werden. Interview: Nadja Baumgartner Wo liegen die aktuellen Herausforderungen im Schweizer Zahlungsverkehr? Nicole Widmer: Der Zahlungsverkehr ist hoch entwickelt, aber bislang nicht echtzeitfähig, obwohl dieses Bedürfnis durch die fortschreitende Digitalisierung zunehmend aufkommt. Es gibt zwar Twint als App-basiertes Zahlungssystem, das schon viele Echtzeit-Anforderungen im nationalen Zahlungsverkehr abdeckt. Aber Twint ist eine Lösung für Privatkunden und zudem zurzeit nicht für grenzüberschreitende Zahlungen einsetzbar. Der Ausbau des klassischen Zahlungsverkehrs – der Banküberweisung – zur Echtzeitfähigkeit ist darum sehr wichtig. Was bedeutet die Einführung von Instant Payments? Widmer: Instant Payments werden vieles verändern. Die Frage ist, wann das geschieht, was schwer zu beantworten ist. Ich vermute, dass sich Instant Payments nicht so schnell verbreiten werden, aber es wird geschehen. Vor allem im Digitalgeschäft sehe ich Potenzial durch die direkte Verknüpfung der Zahlung mit dem Bankkonto. Zudem erwarte ich, dass sich Instant Payments in Europa zur echten Alternative zum klassischen Kartengeschäft entwickeln können. Markus Beck: Instant Payments werden sich vermutlich sehr branchenabhängig verbreiten. Sicherlich gehört dazu anfangs das klassische E-Commerce-Geschäft. Aber in Echtzeit zu zahlen, ist auch für Unternehmen interessant, die neue digitale Angebote lancieren möchten, die sich sofort nutzen lassen. An welche Art von Angeboten denken Sie dabei? Beck: Realität sind bereits Streamingdienste, wo nach Vertragsabschluss eine unmittelbare Nutzung möglich ist. Vorstellbar wäre zum Beispiel auch eine sehr kurzfristig abgeschlossene Zusatzversicherung oder Zahlungen zwischen Maschinen, sogenannte M2M- Payments, im Kontext Internet of Things. Das ist noch Zukunftsmusik, aber viele Unternehmen haben dafür bereits spannende Ideen. Wird das Thema Zahlungsautorisierung durch Instant Payments nochmals auf eine neue Stufe gehoben? Widmer: Ja, die Banken und weitere Beteiligte am Zahlungsverkehr müssen dafür ihre Prozesse und IT-Systeme echtzeitfähig machen, um die Zahlungsabwicklung und die damit verbundenen erforderlichen Prüfungen in der geforderten Zeit zu schaffen. Das bedeutet zusätzliche Investitionen. Beck: Genauso gilt das natürlich auch für Firmen, die diese Zah- lungsart in Kombination mit einem digitalen Service anbieten wollen. Solche Unternehmen müssen in ihre Prozesse, ihre IT-Systeme und ihre Logistik investieren, damit so ein Angebot funktioniert. Kann man diesen Aufwand quantifizieren? Beck: Das ist schwierig. Seitens der Banken ist es zunächst eine Einmalinvestition, um echtzeitfähig zu werden. Hinzu kommen die Kosten, um einen Betrieb 7x24x365 aufrechtzuerhalten. Dafür sind personelle Ressourcen nötig – und damit meine ich nicht nur für die Betreuung der Systeme, sondern auch für das Management der Liquidität. Bei den Banken geht es bei den Kosten schnell um Millionen. Unternehmen, die Instant Payments in ihre Services integrieren wollen, werden auch Investitionen tätigen müssen. Echtzeitfähigkeit gibt es nicht gratis. Wie wichtig werden Instant Payments in der Schweiz? Widmer: Wie gesagt, sie werden kommen, aber es ist ein Henne-Ei-Problem. Manche Onlinehändler werden darauf schneller setzen, weil ihre Prozesse wenig Anpassung erfordern. Ist das Angebot vorhanden, werden es die Kunden nutzen. Zudem ist die EU bei Instant Payments schon weiter – und mit ihr haben wir einen gemeinsamen Zahlungsverkehrsraum. Das dürfte ebenfalls einen Schub in der Schweiz auslösen. Wobei wir letztlich noch nicht wissen, wie Instant Payments gegenüber Unternehmen und Verbraucherinnen preislich positioniert werden. Auch das wird ihre Verbreitung beeinflussen. Markus Beck, Leiter Zahlungsverkehr Firmenkunden, und Nicole Widmer, Leiterin Zahlungsmittel und Zahlungsverkehr, Raiffeisen Schweiz. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 11 / 2021

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