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Netzwoche 12/2020

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16 People Nachgefragt «

16 People Nachgefragt « Es wird zu viel geklagt in der Medienbranche » Seit dem Jahr 2000 begleiten die Netzmedien die Schweizer ICT-Branche mit ihren Print- und Onlinemedien. Zum 20-jährigen Bestehen lanciert das Fachmedienunternehmen mit «Netzmedien Inbound» nun ein neues Content-Marketing-Angebot für Werbekunden. Mitgründer und CEO Heinrich Meyer blickt im Interview zurück und voraus. Interview: Marc Landis Das vollständige Interview finden Sie online www.netzwoche.ch « Unsere Erfahrung und was wir für uns gelernt haben, stellen wir jetzt auch unseren Kunden zur Verfügung. » Heinrich Meyer, CEO, Netzmedien Wie kam es 2000 zur Gründung der Netzmedien AG? Heinrich Meyer: Mit Thomas Brenzikofer und Matthias Zehnder, den beiden anderen Mitgründern, hatten wir unsere Firma Ende der 1990er-Jahre rund um das Thema «Internet» als Content-Provider für Medienhäuser positioniert. Als Versuch lancierten wir dann im Dezember 1999 den Netzticker, den ersten Schweizer Mail-Newsletter zum Thema Internet und Vernetzung. Wir waren überzeugt, dass das Web die IT-Branche von Grund auf verändern würde. Als die Abonnentenzahlen des Netztickers explodierten, schlugen wir einem unserer Kunden vor, eine B2B- Fachpublikation für die IT-Branche zu lancieren. Wir hätten dafür gerne die Inhalte geliefert. Als der Kunde das Konzept nicht verstand, habe ich ein Wochenende lang mit spitzem Bleistift gerechnet, daraufhin meine Pensionskasse geleert und einen etwas unkonventionellen Vertrag mit einer Druckerei gemacht. So konnten wir selbst innerhalb weniger Wochen als Medienunternehmen mit Online- und Printprodukten starten und die Netzwoche lancieren. Hätten Sie selbst damit gerechnet, dass es die Netzmedien und die Netzwoche auch nach 20 Jahren noch geben würde? Was haben Sie richtig gemacht? Wer hat mit Mitte dreissig die nächsten 20 Jahre vor Augen? Vieles machten wir einfach aus dem Moment heraus; zum Glück ergibt das jetzt im Rückblick Sinn. Die 20 Jahre sind das Resultat von Leistungsbereitschaft, Gestaltungswillen und Beharrlichkeit und dem Umstand, dass wir abgesehen von den vielen Fehlentscheiden mehr Entscheide gefällt haben, die sich als richtig erwiesen haben. Am wichtigsten ist, dass wir im Laufe der Zeit immer wieder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefunden haben, die bereit waren, das Unternehmen mitzutragen. Wie behauptet sich ein Fachmedienunternehmen im doch herausfordernden Medien-Markt im Jahr 2020? Im Moment müssen sich ja alle Unternehmen in der Post- Corona-Wirtschaftskrise neu orientieren, wenn nicht sogar neu erfinden. Ganz grundsätzlich wollen wir einfach einen besseren Job machen als andere, und wir lassen uns an unserer Leistung messen. Was die Medienbranche angeht: Es wird für meinen Begriff zu viel geklagt. Welcher Markt, welche Branche ist nicht herausfordernd, wenn man seine Aufgabe ernst nimmt und ein Ziel verfolgt? Bis vor 20 Jahren lebten die Medien im goldenen Zeitalter und profitierten etwa im Rubrikenbereich kräftig von regionalen Monopolrenten. Wie sind Sie darauf gekommen, Content-Marketing-Dienstleistungen anzubieten? Unsere Kunden wollen das schon seit Jahren von uns haben, aber wir hatten uns immer geweigert. Wir dachten, das können wir nicht. Vor zwei Jahren haben wir dann die Arbeitsweise unserer Redaktionen analog der Prozesse aufgestellt, die sich im Content-Marketing etabliert haben. Wir hatten gemerkt, dass unsere bisherige Arbeitsweise nicht mehr zeitgemäss war. Jetzt, da wir für uns selbst nach journalistischen Gesichtspunkten und nach Content-Marketing-Prozessen arbeiten, ist es nur noch ein kleiner Schritt: Unsere Erfahrung und was wir für uns gelernt haben, stellen wir jetzt auch unseren Kunden zur Verfügung. Wie sehen Sie die Zukunft des Unternehmens – wie wird sich das Geschäftsmodell der Netzmedien mittel- bis langfristig verändern? Mit allem, was wir machen, erschliessen wir den Businessraum ICT und Consumer Electronics in der Schweiz, wir schaffen Orientierung. Wir können Koordinaten festlegen, zum Beispiel mit unserem «Best of Swiss Web»-Award, und zeigen, wer einen ausserordentlich guten Job macht. Und wir können Unternehmen, Organisationen und Personen in diesem Raum positionieren und damit Auftraggeber und Auftragnehmer zusammenbringen. Solange es diese Branche gibt, solange es Unternehmen und Organisationen gibt, die sich hier in der Schweiz mittels Digitalisierung für eine effiziente, ressourcenschonende und gewinnbringende Wirtschaft einsetzen, so lange möchten wir unseren Beitrag dazu leisten. 12 / 2020 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

People Nachgefragt 17 «Die Netzwoche war Kondensationspunkt der ‹Vaporware› der New Economy» Markus Kaufmann, der heute Leiter Kommunikation und Marketing von Abraxas Informatik ist, befasst sich seit 1998 professionell mit ICT. Seine Sicht auf 20 Jahre Netzwoche und die ICT-Branche im Interview. Interview: Marc Landis Wie haben Sie die Entwicklung der ICT-Branche in den vergangenen 20 Jahren erlebt? Markus Kaufmann: Die ICT war früher eine Domäne ausschliesslich für Mathematiker, Naturwissenschaftler und Ingenieure. Das änderte sich ab 2000, nachdem seit Mitte der 1990er-Jahre mit den Zeiten der «New Economy» immer mehr junge Internetfirmen mit teils fantastischen Ideen – von nerdig bis ulkig – angetreten waren, die Welt zu verändern. Nicht nur wegen des Y2K-Bugs war die Jahrtausendwende für die ICT-Branche so etwas wie der Urknall für ihre Strahlkraft. Damals wurde die ICT erstmals in der Öffentlichkeit und auch in der Wirtschaftswelt so richtig wahrgenommen. Plötzlich interessierten sich Betriebswirtschafter, Finanzer und Analysten und auch viele Fantasten für ICT. Als die Dotcom-Blase dann platzte, machten sich die übriggebliebenen New-Economy-Unternehmen daran, zu beweisen, dass sie mehr als «Vaporware» produzierten, also mehr als Dampfplauderer waren – was einigen auch gelang. Was waren für Sie Highlights und prägende Ereignisse in der ICT der vergangenen 20 Jahre? Das Platzen der Dotcom-Blase war sehr einschneidend. Zudem glaube ich, dass die Zerschlagung der Monopolistin PTT 1998 in Post und Swisscom ein prägender Faktor für den ICT-Boom in der Schweiz war. Zusammen mit der Liberalisierung des Telekommarktes trieb dies die rasante Entwicklung der Schweizer Datennetze und der Mobilität, die mit der Erfindung des Smartphones endgültig viel Fahrt aufnahm. Dadurch beschleunigte sich die Informatisierung massiv, die ja bereits in den 1950er-Jahren begonnen hatte. Die seither fortschreitende Digitalisierung von Informationsverarbeitung, Geschäftsprozessen, Cloud, XaaS und die Interoperabilität haben die ICT ebenfalls stark geprägt. Heute durchdringt ICT die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft. Wie haben Sie die Lancierung der Netzwoche im Jahr 2000 erlebt? Netzwoche-Verleger Heinrich Meyer und ich kennen uns seit unserer gemeinsamen Zürcher Studienzeit in den späten 1980er-Jahren. So verfolgte ich auch die Geschichte der Netzwoche von Beginn an. Ich sah es als mutigen Schritt an, als Heinrich mit seinen ehemaligen Compagnons Thomas Brenzikofer und Matthias Zehnder die Netzwoche lancierten (siehe Interview mit Heinrich Meyer, Seite 16, Anm. d. Red.). Schon damals tummelten sich in einer sehr lebendigen ICT-Medien-Szene nicht zu wenige Mitbewerber. Zu Beginn erschien mir die Netzwoche so wie ein Kondensationspunkt für all die «Vaporware» der New Economy. An ihrem Anfang besetzte sie diese Nische erfolgreich. Die Netzwoche positionierte sich damals aber schon als Publikation, die primär die Anforderungen des Business an die Technologie thematisierte und nicht umgekehrt. Was denken Sie über die Entwicklung der Netzwoche seit ihrer Gründung? In der Netzwoche ging und geht es um die Schweizer ICT- Branche aus einer Business-Sicht, also mehr um Fachlichkeit und unternehmerische Sicht auf IT-Themen, statt um den «deep dive» in die Technologie. Die Netzwoche hat sich zu einer Konstante entwickelt und ihre Eigenständigkeit bewahrt. Sie hat auch einen anderen publizistisch-handwerklichen Anspruch in eine vormals eher hemdsärmelige Branche gebracht. Damit spricht die Netzwoche Entscheider in den Unternehmen an. Und die Netzwoche hat den Beweis auch erbracht, dass ihr Geschäftsmodell funktioniert. «Chapeau!» Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung der ICT-Branche? Die Konsumerisierung wird weiter massiv zunehmen, auch dank IoT und AI. Anwendungen im Business-Kontext werden ebenso «tubelisicher» werden (müssen) wie Applikationen für den privaten Gebrauch. Warum sollte es auch anders sein? Zudem ist es bald wieder an der Zeit für den nächsten «Big Bang»-Effekt wie jenen, den das iPhone damals auslöste. Ich erwarte eine Innovation mit einer solchen Wirkung in den nächsten drei bis vier Jahren. Gut möglich, dass ein von der Coronakrise befeuerter Digitalisierungs-Boost über kurz oder lang solche Neuerungen hervorbringt. Das Interview finden Sie auch online www.netzwoche.ch « Die Netzwoche hat sich zu einer Konstante entwickelt und ihre Eigenständigkeit bewahrt. » Markus Kaufmann, Leiter Kommunikation und Marketing, Abraxas www.netzwoche.ch © netzmedien ag 12 / 2020

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