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Netzwoche 13/2018

42 Women in Tech

42 Women in Tech Fachbeitrag Damenwahl in der ICT: So macht die Bundesverwaltung auf sich aufmerksam Um mehr weibliche Fachkräfte für ICT-Funktionen zu gewinnen, setzt die Bundesverwaltung auf vorbildliche Rahmenbedingungen. Denn der Bund als Arbeitgeber will vom Potenzial profitieren, das von vielfältig zusammengesetzten Teams ausgeht. So steht es auch in der Personalstrategie des Bundesrates. DER AUTOR Reto Siffert Spezialist Kommunikation, Eidgenössisches Personalamt EPA « Die Situation einfach hinzunehmen, ist für die Bundesverwaltung keine Option. » Beim Frauenmangel in ICT-Berufen bildet die Bundesverwaltung keine Ausnahme. Auch hier sind Mitarbeiterinnen dünn gesät, und bei Stellenausschreibungen für ICT- Funktionen sind die Bundesämter froh, wenn es überhaupt weibliche Bewerbungen gibt. Ein Blick in die Absolventenstatistiken der Berufs- und Hochschulen spricht Bände: Wenn kaum Frauen als Fachkräfte ausgebildet werden, wird es auch beim Rekrutieren schwierig. Umso mehr müssen sich die Arbeitgeber bemühen, für die wenigen Informatikerinnen attraktiv zu sein. Die Situation einfach hinzunehmen, ist für die Bundesverwaltung keine Option. Zu eindeutig sind die Studienresultate und Praxisbeispiele, die zeigen, dass gemischte Teams auf allen hierarchischen Stufen erfolgreicher sind. Das gilt für die Privatwirtschaft genauso wie für die Verwaltung. Das Potenzial der Vielfalt zu nutzen, ist deshalb ein wichtiges Anliegen der Bundesverwaltung. Der Bundesrat hat es prominent in der Personalstrategie 2016 – 2019 aufgenommen. Dieses «Diversity Management» bezieht sich auf die Vertretung der Landessprachen, die Integration von Menschen mit Behinderungen, auf das Generationenmanagement aber eben auch auf eine ausgeglichene Vertretung der Geschlechter. Konkret sind die Verwaltungseinheiten angehalten, den Frauenanteil anhand von Sollwerten stetig im Auge zu behalten und zu erhöhen. In den Verwaltungseinheiten mit vielen ICT-Funktionen wird mit verschiedenen Massnahmen versucht, die Situation zu verbessern. So verstärken sie etwa das Personalmarketing, sprechen Absolventinnen von MINT-Fächern an Hochschulmessen gezielt an oder platzieren Stellenausschreibungen auf frauenspezifischen Karriereportalen. Ebenfalls in der Personalstrategie verankert ist die Lohngleichheit. Was für die Bundesverwaltung eine Selbstverständlichkeit ist und jährlich überprüft wird, kann bei der Rekrutierung durchaus als Argument angeführt werden. Mobile Arbeitsformen und Teilzeitarbeit Im Wettbewerb um Fachfrauen der ICT setzt die Bundesverwaltung zudem auf vorbildliche Rahmenbedingungen: Mit einem modernen Arbeitsumfeld soll die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ermöglicht werden. Ein Argument, das von Frauen bei der Wahl ihres Arbeitsplatzes tendenziell etwas höher gewichtet wird als bei Männern. In die Tat umgesetzt wird dies zum einen mit jüngst überarbeiteten Richtlinien für mobile Arbeitsformen. Damit erhalten die Verwaltungseinheiten die nötigen Instrumente, um den Ansprüchen von Mitarbeitenden auf mehr zeitliche und räumliche Flexibilität gerecht zu werden. Zum anderen werden in der Bundesverwaltung alle ausgeschriebenen Vollzeitstellen grundsätzlich auch zu einem 80-Prozent-Pensum angeboten. Die jüngsten Umfrageresultate des Beratungsunternehmens Universum Global stimmen zuversichtlich, dass die Anstrengungen Wirkung zeigen: Bei den Informatikstudentinnen steht die Bundesverwaltung an sechster Stelle der attraktivsten Arbeitgeber. Im Vergleich zum letzten Jahr konnten vier Ränge gutgemacht werden. Und bei den Karrierezielen der angehenden Informatikerinnen steht der Anspruch, mit der Arbeit «einem grösseren Wohl zu dienen», hoch im Kurs. Ein Wunsch, den die Bundesverwaltung mit ihren vielfältigen Tätigkeiten für die offizielle Schweiz mehr als erfüllen kann. 13 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Women in Tech Fachbeitrag 43 Wie sich eine Frau in der Open-Source- Welt behauptet Daniela Boes ist Mutter dreier Kinder, Head Middleware Switzerland bei Red Hat und brennt für ihren Job. Sie erklärt, wie Frauen die Männerwelt in der IT inspirieren und nicht konkurrieren, wie der Community-Gedanke im Alltag gelebt wird und warum jeder gleich viel wert ist. Autor: Léonard Bodmer, Country Manager Schweiz, Red Hat Bild: Stefan Baumgartner- RGB Photo War es Daniela Boes vorbestimmt, bei Red Hat zu arbeiten? Immerhin, so erklärt die 47-jährige Leiterin Middleware bei Red Hat Schweiz, trage ihre Mutter «seit sicher 50 Jahren» einen roten Hut – nur ein Zufall? Sicher nicht vorbestimmt war der dreifachen Mutter eine Karriere in der IT. Boes machte das KV in einer Speditionsfirma. Diese habe sie auf die «Männerwelt in der IT» vorbereitet. «Wir waren rund 100 Mitarbeiter, davon waren nur 6 Frauen». Als sie sich beim Transporteur beworben habe, hätten ihr Aussenstehende gesagt, dass sie sowieso keine Chance habe. Etwas, das Boes nicht hinnahm und auch heute nicht hinnehmen kann. «Man muss es doch probieren, wenn es nicht klappt, hat man es wenigstens versucht.» Faszination Open Source Boes hat sich stetig weitergebildet und hält ein MBA der Business School Lausanne. Es kam die erste Softwarefirma als Arbeitgeber, und so «blieb ich in der IT», sagt sie. Stationen ihrer Karriere waren unter anderem Oracle und IBM. Seit 2016 ist sie bei der Schweizer Niederlassung des Anbieters von Open-Source-Lösungen tätig, ein früherer Vorgesetzter hat sie zu Red Hat geholt. Nicht nur das Open- Source-Modell ist in den Augen von Boes «total spannend. Auch die Gespräche mit Kunden und Prospects verlaufen komplett anders, wenn man nicht über proprietäre, sondern offene Software spricht, das fasziniert mich immer wieder aufs Neue.» Das umgekehrte Modell Ihr berufliches Engagement wäre ohne die Unterstützung ihres Lebenspartners nicht möglich, der sich als Hausmann um die achtjährige Tochter und die beiden Söhne im Alter von zehn und sechs Jahren kümmert. «Wir leben quasi ein umgekehrtes Modell, er ist Hausmann. Er hat das so gewählt, als das erste Kind kam.» Boes leitet den Bereich Middleware, ein sehr technisches Gebiet, wie sie sagt. Sie sei nie negativ angegangen oder wahrgenommen worden, vielmehr hätten Kunden, Partner und Mitarbeiter den gleichen Hintergrund und man begegne sich auf Augenhöhe. Manchmal sei es sogar ein Vorteil: «Als Frau wirst du nicht als Rivale wahrgenommen, das kann durchaus nützlich sein.» Boes ist überzeugt, dass sie andere Sichtweisen einbringen kann. Und in kritischen Situationen setzt sie auf ihre emotionale Intelligenz: «Das hatte schon oft einen sehr positiven Effekt.» Jeder ist gleich viel wert Boes lobt ganz besonders die verschiedenen Förderungsprogramme bei Red Hat. Auch hebt sie die «Equal Opportunity Employer»-Initiative hervor: «Bei Red Hat wird Gleichheit wirklich gelebt. Es ist egal, welches Geschlecht, welche Hautfarbe oder welches Alter jemand hat. Jeder Red Hatter wird gleich behandelt, durchgängig bis zum Lohn. Jeder ist gleich viel wert – das schätze ich sehr.» Red Hat ist beispielsweise auch Initiant des Women in Open Source Awards, der den Einfluss von Frauen auf Open Source würdigt. Red Hat zeichnet Frauen aus, die wichtige Beiträge zu einem Open-Source-Projekt oder in der Community leisten. Boes ist klar der Meinung: «Jeder Mensch soll das machen, was ihm Spass macht; seine Überzeugung vertreten.» Und sie ergänzt: «Ich bin dankbar dafür, dass ich beruflich das machen kann, wofür ich brenne. Mit Kunden zusammen Lösungen erarbeiten, einen Mehrwert suchen, mit meinem Wissen zum Erfolg beitragen.» « Als Frau wirst du nicht als Rivale wahrgenommen, das kann durchaus nützlich sein. » Daniela Boes, Head Middleware Switzerland, Red Hat www.netzwoche.ch © netzmedien ag 13 / 2018

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