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Netzwoche 14/2016

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20 People Live «Die Trennung zwischen IT und Business existiert für mich nicht» Ralf Morawietz verantwortet die IT bei Panalpina, einem der weltweit grössten Transport- und Logistikunternehmen. Morawietz setzt insbesondere auf die Verschränkung von IT und Business. Das kommt an. Interview: George Sarpong « Die Lücke zwischen IT und Business ist teilweise noch vorhanden, aber wir sind daran, diese weiter zu schliessen. » Ralf Morawietz, CIO, Panalpina Sie haben im Herbst des vergangenen Jahres ihre Arbeit bei Panalpina aufgenommen. Wie haben Sie die IT des Unternehmens vorgefunden? Ralf Morawietz: Ich habe die Unternehmens-IT sehr stabil vorgefunden. Eskalationen, die den Betrieb hätten lahmlegen können, gab es keine. Probleme wurden umgehend von unserer Run-Organisation, die den Betrieb intern gewährleistet, aus der Welt geschafft. Weshalb hat das vorher nicht funktioniert? Das ist ein Strategiewandel, der mit mir in das Unternehmen einzog: weg vom Outsourcing und hin zu einer ausgewogenen Strategie, die letztlich das Outsourcing von Commodities sowie das Insourcing von Kernkompetenzen beinhaltet. Wir holen damit abgegebenes Know-how wieder zurück ins Unternehmen, um unseren internen Kunden Daten in Echtzeit bereitzustellen. Gab es auch Schwierigkeiten? Die Abstimmung von IT und Business war zu wenig stark ausgeprägt. Die IT war nicht eng genug am Business dran. Wie meinen Sie das? In manchen Bereichen fehlten dedizierte Kontakte im Business. Zu den Kernprodukten Luft- und Seefracht gab es keine speziellen Ansprechpartner in der IT. Letztlich ist es so, dass sich die IT in Unternehmen wie dem unseren grundsätzlich anders als bisher aufstellen muss. Wir sind heute nicht einfach eine Betriebseinheit, die eine Infrastruktur betreut. Stattdessen sind wir ein elementarer Bestandteil des Geschäftserfolgs. Wir müssen wissen, wo die Probleme liegen, wie wir den Betrieb unterstützen und wo wir innovative IT-Lösungen anbieten können, um das Business voranzubringen. Wie sieht es heute bei Panalpina aus? Die Lücke zwischen IT und Business ist teilweise noch vorhanden, aber wir sind daran, diese weiter zu schliessen. Hierfür organisierten wir die IT-Führungsschichten neu. Wir stellten im Mai unsere Struktur um. Seither arbeiten wir enger mit den internen Kunden aus dem Business zusammen, entwickeln die Lösungen, die sie benötigen, und stellen diese bereit. Wie ist das Feedback? Die Rückmeldungen aus der IT, aber insbesondere aus dem Business, waren bisher ausschliesslich positiv. Alle haben gemerkt, dass mit der Umstellung ein neuer Schwung Einzug hält, dass Projekte eine neue Qualität erhalten. Das ist mir extrem wichtig, da ich bei Panalpina nicht nur als IT-Chef angestellt, sondern auch Mitglied der Geschäftsleitung bin, dem die IT anvertraut wurde. Wie gehen Sie dabei vor? Die Trennung zwischen IT und Business, die in vielen Unternehmen noch vorhanden ist, existiert für mich nicht. Ich sehe mich ganz klar als Teil der Businessorganisation, da ich ja als Geschäftsleitungsmitglied die Verantwortung für das gesamte Unternehmen mittrage. Ich muss betriebswirtschaftliche Entscheide treffen, und wenn ich mich nur auf die IT konzentriere, kann ich das nicht. Es widerspricht zudem meinem persönlichen Wesen. Deshalb ist es mir so wichtig, dass ich diese aus meiner Sicht artifizielle Spaltung zwischen IT und Business aufhebe und beides wieder eng zusammenführe. Panalpina ist daran, ein grosses SAP-Projekt umzusetzen. Welche Ziele verfolgt das Unternehmen damit? Wir trafen vor einigen Jahren die Entscheidung, auf Produkte von SAP zu setzen, um unsere Kernproduktionssysteme für die Luft- und Seefracht auf SAP TM zu standardisieren. Wir haben das Projekt 2008 begonnen und in zwei grossen Schüben ausgerollt. Mit SAP TM Version 8.5 gaben wir die Funktionen für die Seefracht frei. Mit Version 9.1 kamen die Funktionen für die Luftfracht hinzu. Wir passten das SAP- System hierfür unseren Bedürfnissen an. Inwiefern? SAP TM wurde in der Vergangenheit hauptsächlich von den Versendern auf der Planungsebene eingesetzt. Das Modul, das wir heute nutzen, wurde hauptsächlich mit Panalpina entwickelt. Derzeit sind wir der grösste Nutzer dieses SAP- TM-Produkts weltweit. So gesehen ist Panalpina auch Pionier in diesem Bereich. Was waren die grössten Hürden auf dem Weg zum Rollout? Zum einen, dass es kein fertiges Produkt war, das sich seit 14 / 2016 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

People Live 21 « Wir saugen Informationen auf, geben diese weiter und stellen über unsere IT sicher, dass der Informationsfluss so effizient wie möglich ist. » Ralf Morawietz, CIO, Panalpina 20 Jahren am Markt behaupten musste und entsprechend gereift und robust war. Zum anderen ist für uns als Panalpina die Rigidität, die SAP mit sich bringt, ebenfalls eine Herausforderung. SAP hat einen sehr prozessorientierten Ansatz und achtet enorm auf die Qualität der Daten. Das machte es wiederum erforderlich, dass unser iterativer Change- Management-Prozess voranschreitet. Auf der einen Seite musste die Software stabiler werden, auf der anderen Seite mussten wir unsere Mitarbeiter schulen, damit sie mit dem System so effizient wie möglich arbeiten können. Wie macht sich das im Alltag bemerkbar? Das spürt man insofern, als dass der Umstieg auf SAP TM 9.1 für die Mitarbeiter aus der Seefracht, die auf der Version 8.5 unterwegs waren, leichter war als für jene, die jetzt erstmals mit 9.1 in Berührung kamen. Wie verlief der Start? Wir sind kürzlich in unseren Pilotländern Schweiz und Singapur live gegangen. Das Feedback der Anwender in den Pilotländern ist durchweg positiv. Unsere Kunden haben zudem vom Wechsel kaum etwas bemerkt, was wünschenswert war. Nun bereiten wir den Start in den nächsten Ländern vor. Und der Change-Prozess? Der Change-Prozess läuft gut, weil wir die Anwender frühzeitig in den Fokus gerückt haben. Wichtig ist bei solchen Projekten, dass man breit abgestützte Erfahrungen sammelt, einen Moment innehält und das, was man gelernt hat, in das System und die Prozesse einfliessen lässt und dann erst weitermacht. Diese kontinuierliche Verbesserung, die Fähigkeit der Organisatoin, sich selbst immer wieder infrage zu stellen, ist wichtig. Welche Bedeutung hat IT für einen Logistikdienstleister? Die Frage klingt zwar einfach, ist aber schwierig zu beantworten. Weshalb? Gerade in unserer Industrie ist es möglich, auf einfache Art und ohne aufwändige IT-Unterstützung zu operieren. Zwei Personen auf unterschiedlichen Kontinenten können mit ihren PCs und per E-Mail bereits anfangen, Container als Seefracht zu versenden. Sobald man in unsere Dimensionen vorstösst, ist es im Logistik-Geschäft hingegen unmöglich, ohne umfangreiche IT-Unterstützung aktiv zu sein. Was meinen Sie damit genau? Wir sind ein Datenhub. Wir saugen Informationen auf, geben diese weiter und stellen über unsere IT sicher, dass der Informationsfluss so effizient wie möglich ist. Auf diese Weise wollen wir sicherstellen, dass unsere Mitarbeiter in den verschiedenen Ländern die für sie relevanten Informationen zur richtigen Zeit erhalten. Dafür ist IT elementar. Das liegt an www.netzwoche.ch © netzmedien ag 14 / 2016

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