Aufrufe
vor 3 Jahren

Netzwoche 16/2017

32 Technology

32 Technology Fachbeitrag Digitale Transformation – die wichtigsten IT-Investitionen in Schweizer Firmen Das Ziel der digitalen Transformation ist es, ein Unternehmen in eine Form zu führen, in der es im digitalen Zeitalter eine wettbewerbsfähige Position erreicht. Wichtige Treiber für diesen Veränderungsprozess sind neue Technologien, insbesondere Cloud Computing und Applikationen, die den Umgang mit grossen Datenmengen erleichtern und Prozesse unterstützen. DIE AUTOREN Corin Kraft Projektleiterin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin, FHNW Hochschule für Wirtschaft Marc K. Peter Leiter Zentrum Digitale Transformation, FHNW Hochschule für Wirtschaft Von den befragten Unternehmen in den letzten fünf Jahren eingeführte technologische Tools (Software, Apps, usw.) (n(KMU)=1593, n(GU)=997) mit über 100 Nennungen. Quelle: Studie «KMU-Transformation. Als KMU die Digitale Transformation erfolgreich umsetzen», FHNW Die digitale Transformation ist sowohl ein wirtschaftlicher als auch ein gesellschaftlicher Veränderungsprozess. Diese umfangreiche Transformation beinhaltet längst mehr als das Umwandeln analoger in digitale Informationen. Es geht um die intelligente Verknüpfung einzelner Prozesse, Maschinen, Kanäle, Plattformen und Menschen – eine Verknüpfung, die erst durch neue Technologien in vollem Umfang möglich wird. Es geht um die Zeitund Ortsunabhängigkeit, die für die Erbringung besserer Kundenleistungen und die Optimierung der Wertschöpfungskette generiert wird. Somit ist die digitale Transformation für Unternehmen eine Notwendigkeit, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Steigerung der Effizienz durch digitale Technologien vor allem im IT-Bereich ist ein wesentlicher Teil der digitalen Transformation. Nach Abschluss dieses Veränderungsprozesses sollte das Unternehmen eine Agilität haben, die es ihm ermöglicht, eine ausreichende Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Rang Kategorie Anzahl Firmen 1 ERP-Lösungen 1 007 2 Kollaborations- und Projektplattformen 931 3 Business Intelligence und Big Data 848 4 Marketing und soziale Medien 739 5 CRM-Lösungen 561 6 Kommunikation und Video 490 7 Cloud-Dienste 441 8 CMS- und DMS-Lösungen 210 9 Internet of Things 170 10 HR-Pakete 158 11 Dokumentenverwaltung 144 12 Lern- und Wissensplattformen 142 13 E-Commerce-Lösungen 122 14 Kundenportale und Live Commerce 116 15 CAD-Software (Computer Aided Design) 110 Cloud Computing und Datenmanagement als wesentliche Treiber Als Voraussetzung für die digitale Transformation werden meistens Technologien genannt. Zu den neuen technologischen Entwicklungen zählen etwa mobile Geräte, soziale Medien, Datenanalyse und Big Data, Cloud Computing und das Internet of Things. Aus diesen technologischen Entwicklungen resultieren für die Wirtschaft Vorteile wie neue Interaktionsmöglichkeiten unter Mitarbeitenden innerhalb des Unternehmens und nach aussen mit Kunden. Ausserdem werden Daten generiert, die als Entscheidungsgrundlage dienen; Mitarbeitende haben flexiblen Zugriff auf Informationen und Daten und die Vernetzung zwischen Prozessen, Maschinen und Informationen wird vereinfacht und optimiert. Ausserdem führen die neuen technologischen Entwicklungen zu neuen Produkten, Dienstleistungen und Geschäftsmodellen. Ebenfalls essenziell ist die Vernetzung unterschiedlicher Bereiche, was zu sogenannten «digitalen Ökosystemen» führt. Unter den neuen Technologien spielen im Bereich Informationssysteme und - sicherheit Cloud Computing und Datenmanagement eine wesentliche Rolle. Sie sind Treiber der digitalen Transformation. Dies ergab die aktuell durchgeführte Studie «KMU-Transformation. Als KMU die digitale Transformation erfolgreich umsetzen» der FHNW Hochschule für Wirtschaft. Teilgenommen haben 1593 KMUs und 997 Grossunternehmen Mehrwert durch Auswertung von Daten Das übergeordnete Ziel im Datenmanagement ist es, aus den gesammelten und ausgewerteten Daten einen Mehrwert für die einzelnen Geschäftsprozesse oder sogar für das gesamte Geschäftsmodell zu generieren. Der Mehrwert besteht beispielsweise im Optimieren von Abläufen, strategischen Neuausrichtungen, organisatorischen Veränderungen bei Prozessabläufen oder in Form eines massgeschneiderten Produkts oder einer Dienstleistung. Cloud-Lösungen spielen eine grosse Rolle im Zusammenhang mit dem Sammeln und Auswerten sowie Sichern von Daten. Erstens spart ein Unternehmen die oft kostspielige Hardware, die zu einer lokalen Speicherung von Daten notwendig wäre. Zweitens kann ein Unternehmen die von ihm gewünschten Dienstleistungen zum Auswerten der Daten bei einem Cloud-Anbieter massgeschneidert beziehen. Drittens übernimmt der Cloud-Anbieter die Sicherung der Daten und die Wartung von Softwares und gewissen Infrastrukturen, wodurch das Unternehmen wieder- 16 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Fachbeitrag 33 Bild: IkonStudio / iStock.com um Ressourcen spart. Viertens ist der Zugriff immer und von überall her möglich. Die Studie zeigte, dass hier Sicherheitsüberlegungen als grosses Risiko gesehen werden. Hohe Investitionen in kollaborative Werkzeuge Um die digitale Transformation voranzutreiben, greifen Unternehmen auf moderne Applikationen zurück. Laut der Studie sind die fünf wichtigsten Bereiche ERP-Lösungen, Kollaborations- und Projektplattformen, Business Intelligence und Big-Data-Lösungen, Marketing und soziale Medien sowie CRM-Lösungen. Obwohl die hohe Verbreitung von ERP-Lösungen im Sinne der Prozessoptimierung und Automatisierung verständlicherweise die Rangliste anführen, ist es erstaunlich, wie hoch die Investitionen für Kollaborations- und Projektplattformen sind. Auch Investionen in Marketingund CRM-Lösungen sind hoch, gefolgt von Wissens- und Kommunikationslösungen (inklusive Video und Content- beziehungsweise Dokumentenmanagement). Die Studie zeigte, dass gerade KMUs in den nächsten Jahren stark in Marketing- und CRM-Lösungen investieren werden. Bei den eingeführten Tools handelt es sich in der einen oder anderen Form immer um kollaborative Werkzeuge, die den Umgang mit der grossen Datenmenge erleichtern oder die Informationen ordnen, damit auf diese jederzeit von überall her zugegriffen werden kann, damit unterschiedliche Informationen für unterschiedliche Zwecke jeweils neu verknüpft und ausgewertet werden können. Barrieren bei der Umsetzung der digitalen Transformation Neben den Vorteilen wie mehr Flexibilität und Zeit- und Ortsunabhängigkeit sowie Innovationspotenzial bringt Unter den neuen Technologien spielen im Bereich Informationssysteme und - sicherheit Cloud Computing und Datenmanagement eine wesentliche Rolle. Sie sind Treiber der digitalen Transformation. die digitale Transformation auch viele Herausforderungen mit sich. Die Technologie entwickelt sich mit hoher Geschwindigkeit weiter, was viel Agilität und Anpassungsfähigkeit von den Unternehmen und Mitarbeitenden erfordert. Da KMUs oft über weniger lange Entscheidungswege und vereinfachte Prozesse verfügen, haben sie einen erheblichen Vorteil gegenüber grossen Unternehmen. Andererseits verfügen KMUs über weniger personelle und finanzielle Ressourcen, weshalb ein digitaler Maturitäts- Check empfehlenswert ist, bevor ein Unternehmen entscheidet, wie und in welchem Umfang es in digitale Aktivitäten investiert und diese angeht. Sieben Handlungsfelder der digitalen Transformation Die FHNW arbeitet derzeit an einer Studie zur digitalen Transformation von KMUs in der Schweiz, die von zahlreichen Schweizer Unternehmen gefördert wird. Ausser aktuellen Forschungsresultaten zur digitalen Unternehmenslandschaft der Schweiz wird auch ein Modell mit sieben Handlungsfeldern vorgestellt. Die Cloud, das Datenmanagement und neue Applikationen stellen eines dieser sieben Handlungsfelder dar. Anschliessend findet sich ein Praxisleitfaden mit konkreten Beispielen für KMUs, welche die Digitalisierung angehen wollen. Die sieben Handlungsfelder umfassen zudem Process Engineering, New Technologies, Digital Business Development, Customer Centricity, Digital Leadership und Digital Marketing. Die Studie hat somit bestätigt, dass die Cloud, Daten und Applikationen zentrale Bestandteile der digitalen Transformation sind, jedoch ein gesamtheitlicher Ansatz zusammen mit den übrigen Handlungsfeldern empfehlenswert ist, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. i INFO Die vollständige Studie «KMU-Transformation. Als KMU die digitale Transformation erfolgreich umsetzen» mit integriertem Praxisleitfaden für KMUs erscheint im November 2017. Ein kostenloses digitales Exemplar kann vorbestellt werden unter: www.kmu-transformation.ch www.netzwoche.ch © netzmedien ag 16 / 2017

Archiv