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Netzwoche 16/2017

48 Management & Career

48 Management & Career Aktuell WWW.NETZWOCHE.CH Bund finanziert Weiterbildung in Informatik cgr. Der Bund hat seine Förderung von eidgenössischen Prüfungen ausgebaut. Wie der Verband ICT-Berufsbildung Schweiz mitteilt, werden eidgenössische Fachausweise und Diplome im Bereich Informatik und Mediamatik ab dem 1. Januar 2018 finanziell unterstützt. Der Bund erstattet bis zu 50 Prozent der Prüfungsgebühren. Der maximale Förderbetrag bei eidgenössischen Fachausweisen liege bei 9500 und bei eidgenössischen Diplomen bei 10 500 Franken. ▸ Webcode DPF8_59358 Vier neue ETH-Professoren forschen im Bereich IT jsc. Die ETH Zürich und die EPFL haben je zwei neue Professorinnen und Professoren, die im IT-Bereich forschen, wie der Bund mitteilt. Andreas Krause von der ETH forsche im Bereich der künstlichen Intelligenz. ETH-Professorin Tanja Stadler beschäftige sich mit computergestützter Evolution. Carmela Troncoso von der EPFL sei eine Spezialistin für Informatiksicherheit und EPFL-Professor Emmanuel Abbe ein Experte für Daten wissen schaften. ▸ Webcode DPF8_60156 Mehr ausländische Spezialisten für ICT sma. Der Bundesrat hat die Kontingente für Erwerbstätige aus der EU und der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) erhöht. Der Beschluss fiel an einer Sitzung vom 29. September, wie der Bundesrat mitteilt. Die ICT- Branche freut sich über den Schritt. Er sei dringend notwendig gewesen. Wie der Wirtschaftsverband für die digitale Schweiz (Swico) schreibt, sind Arbeitsbewilligungen für EU- und EFTA- Fachkräfte im ICT-Bereich zentral. ▸ Webcode DPF8_60213 Die Revolution fällt aus sma. Die digitale Revolution in der Schweiz sei ausgefallen. Das behauptet die Zürcher Denkfabrik Avenir Suisse in einer Studie. Die Digitalisierung sei eher eine stetige Entwicklung als ein Umsturz. Auf diese Entwicklung könne und müsse man allerdings reagieren. Dies vor allem in Sachen Arbeitsrecht und Bildungspolitik, meint Avenir Suisse. Die öffentliche Debatte über Digitalisierung ist von diffusen Ängsten bestimmt», sagte Peter Grünenfelder, Direktor von Avenir Suisse, an einer Medienkonferenz am 4. Oktober. «Deshalb ist eine sachliche Analyse nötig.» Entgegen der Befürchtungen hätte der Schweizer Arbeitsmarkt nicht unter der Digitalisierung gelitten. Die Erwerbslosenquote sei konstant tief geblieben. Marco Salvi, Mitautor des Berichts, gab sich gelassen. «Der Arbeitsmarkt war schon vor der Digitalisierung dynamisch.» Die Digitalisierung sei umgekehrt eine Voraussetzung für die Schaffung neuer Jobs, sagte er. Jedes Jahr gingen in der Schweiz 15 Prozent der Arbeitsstellen verloren. Gleichzeitig würden aber auch 15 Prozent neue Stellen geschaffen. Ingesamt entstünden in der Schweiz pro Jahr 70 000 neue Jobs. Avenir Suisse riet, bei der Bildung mehr auf die Digitalisierung einzugehen. Die grösste Herausforderung bestünde für die Berufslehre. Hier seien breitere Berufsbilder gefordert. Auch Gymnasien, Hochschulen und Universitäten müssten die digitale Kompetenz stärken. «Wir bilden zu wenig Leute in den MINT-Fächern und zu viele in den Geistes- und Sozialwissenschaften aus», hielt Tibère Adler, Mitautor des Berichts, fest. Beim Arbeitsrecht gebe es mehrere Baustellen, warnt Avenir Suisse. Der Bericht schlägt eine grundlegende Reform der Arbeitszeitregelung vor, die zurzeit viel zu bürokratisch sei. Die obligatorischen Ruhezeiten müssten angepasst werden. Auch das Sonntagsarbeitsverbot sei ein Auslaufmodell. Das Arbeitsvertragsrecht bedürfe jedoch keiner grundsätzlichen Reform. «Digitalisierung wird oft auch überdramatisiert», stellte Adler fest. Ein Beispiel dafür sei der Forderungskatalog des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, den dieser Anfang Oktober veröffentlichte. «Mehr Digitalisierung ist gefragt, nicht weniger», fasst Grünenfelder die Ergebnisse zusammen. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_60779 Gewerkschaftsbund fordert Regeln für die digitale Arbeitswelt osc. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) hat einen Katalog von Forderungen und Massnahmen für die digitale Arbeitswelt aufgestellt. Die Digitalisierung biete der Gesellschaft viele Vorteile, ebenso müssten aber die Gefahren für die Berufstätigen Beachtung finden, wie es in einer Mitteilung heisst. «Der Strukturwandel durch die Digitalisierung muss so gestaltet werden, dass er den Berufstätigen nützt», fasst der SGB seine Ziele zusammen. Damit die Berufstätigen vom (V. l.) Giorgio Pardini, Vania Alleva, Daniel Lampart und Luca Cirigliano vom SGB stellen den Forderungskatalog vor. digitalen Wandel profitieren können, sieht er in verschiedenen Bereichen Handlungsbedarf. Dabei geht es weniger um den drohenden Arbeitsplatzverlust durch neue Technologien. Vielmehr steht die Regulierung der heutigen Arbeitsformen im Fokus. So müsse das Arbeitsrecht auch im Homeoffice, auf Onlineplattformen oder im E-Commerce zur Geltung kommen. Wo Lücken im Arbeitnehmerschutz bestünden, müssten diese geschlossen werden, schreibt der SGB. Allerdings sei auch eine konsequentere Durchsetzung der gültigen Gesetze angezeigt. Etwa gegen Schwarzarbeit, Scheinselbstständigkeit oder bei Verstössen gegen den Datenschutz. Der SGB will sich insbesondere dagegen wehren, dass Unternehmen «unter dem Vorwand der Digitalisierung den bereits schwachen Arbeitnehmerschutz in der Schweiz» aufweichen. Die Arbeitszeit müsse auch in digitalen Arbeitsmodellen erfasst und vergütet werden. Sicherheit, Ruhezeiten und Ferien müssten gewährleistet bleiben. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_60418 16 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Management & Career Nachgefragt 49 « Unternehmen müssen sich über Wünsche und Karriereziele informieren » Die Ansprüche von Schweizer IT-Berufseinsteigern sind hoch. Das zeigt eine Umfrage der Beratungsfirma Universum. Mit autor Leo Marty sagt, was junge Mitarbeiter erwarten und wie Unternehmen darauf reagieren können. Interview: Oliver Schneider « Wenn Arbeitskräfte zufrieden sind, wechseln sie den Job nicht so häufig. » Leo Marty, Managing Director, Universum Switzerland & Austria Sie haben den Schwerpunkt Ihrer Umfrage auf IT-Berufseinsteiger gelegt. Was erwartet diese Gruppe heute von einem Arbeitgeber? Leo Marty: Junge, berufstätige Schweizer Informatiker legen in der diesjährigen Studie mehr Wert auf softe Faktoren. So beeinflussen dieses Jahr Faktoren wie «flexible Arbeitsbedingungen» (1. Präferenz), «ein freundliches Arbeitsumfeld» (4. Präferenz), ein «kreatives und dynamisches Arbeitsumfeld» (6. Präferenz) sowie «vielfältige Arbeitsaufgaben» (9. Präferenz) bei jungen Informatikern die Wahl des Wunscharbeitgebers massgeblich. Haben sich diese Erwartungen in den letzten Jahren verändert? Letztes Jahr war noch «Innovation» die Präferenz Nummer eins, dieses Jahr ist «Innovation» auf Platz 7 gerutscht. Bei jungen Informatikern haben die harten Faktoren rund um den Bereich Gehalt und Aufstiegsmöglichkeiten an Bedeutung verloren. Letztes Jahr machten diese Faktoren noch 20 Prozent der Top 10-Präferenzen aus, dieses Jahr nur noch 10 Prozent. So war letztes Jahr «ein attraktives Grundgehalt» etwa auf Platz 2 der Präferenzenliste. Dieses Jahr ist dieses auf den 5. Platz gerutscht. Wie erklären Sie diese Veränderung? Informatiker sind heute überall gefragt. Bei Corporates sowie mittleren und kleineren Unternehmen und nicht zuletzt bei Start-ups. Das spüren sie. Wenn sie viel Geld verdienen wollen, suchen sie sich den Arbeitgeber entsprechend aus. Genauso wenn ihnen die Work-Life-Balance wichtig ist. Sie können alles haben (nur oft nicht am selben Ort). Deshalb werden sie anspruchsvoller und fordern mehr und eigentlich alles gleichzeitig. Was müssen Unternehmen beachten, um auf diese neuen Bedürfnisse reagieren zu können? Es ist bestimmt sinnvoll, wenn Unternehmen zuhören und wissen, worauf Mitarbeiter und potenzielle Mitarbeiter achten und Wert legen. Werfen wir einen Blick auf die langfristigen Karrierewünsche von Technikern. Ausser der Work- Life-Balance – zentral für 65 Prozent der ITler –, ist für 36 Prozent unternehmerisch/kreativ/innovativ zu sein langfristig wichtig. Gleichzeitig sagen auch 36 Prozent, dass sie intellektuell herausgefordert sein wollen. Analysiert Leo Marty, Managing Director, Universum Switzerland & Austria man diese Ergebnisse und untersucht, was sie genau bedeuten, kann man dies in die Werte der Firma einfliessen lassen und so eigene Mitarbeiter zufriedenstellen und somit länger halten und neue anziehen. Der Wunsch, die Stelle zu wechseln, ist heute besonders hoch. Führungsaufgaben sind dagegen nicht mehr gefragt. Was bedeuten diese Einstellung für die Unternehmen? Unternehmen müssen sich über Wünsche und Karriereziele von jungen Menschen informieren. Es ist wichtig, die Generation Z zu verstehen und zu wissen, was deren Ängste und Hoffnungen sind, wenn es um Führung und zukünftiges Arbeiten geht. Alle Generationen fürchten beispielsweise den Stress, den Führung mit sich bringt. Zusätzlich haben viele Vertreter der Generation Z Angst, zu scheitern. Wenn Unternehmen Anpassungsfähigkeit, Flexibilität und Unterstützung zeigen und dies auch entsprechend kommunizieren, dann ist Führung durchaus interessant für junge Talente. Natürlich, Talente sind heute generell weniger loyal als in den vergangenen Jahren. Wenn Arbeitskräfte jedoch zufrieden sind, wechseln sie den Job auch nicht so häufig. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_61573 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 16 / 2017

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