Aufrufe
vor 2 Jahren

Netzwoche 16/2018

  • Text
  • Schweiz
  • Schweizer
  • Unternehmen
  • Netzmedien
  • Swiss
  • Apps
  • Webcode
  • Informatik
  • Digital
  • Microsoft

22 People Live « In der

22 People Live « In der Schweiz reden wir nicht gerne über Fehler, Probleme und Fehlentscheide » Christian Hunziker ist im Januar neuer Geschäftsführer von Swiss-ICT geworden. In dieser Rolle ist er auch stark involviert in den neu konzipierten Digital Economy Award. Ein Gespräch über seine berufliche Laufbahn, die ersten Monate im Amt und aktuelle Veränderungen bei Swiss-ICT. Interview: Simon Zaugg. Redaktion: Marcel Urech « Unsere Dienstleistungen prägen mit, wie sich Firmen in der Digitalbranche organisieren. » Christian Hunziker, Geschäftsführer, Swiss-ICT Sie sind seit April Geschäftsführer von Swiss-ICT. Wie verliefen die ersten rund 100 Tage im Amt? Christian Hunziker: Ich kenne den Verband schon lange und habe Swiss-ICT bei verschiedenen Gelegenheiten schätzen gelernt. Vor über zehn Jahren gewann ich mit Elca sogar mal einen Swiss-ICT Award. Darum freute ich mich sehr, das Amt des Geschäftsführer übernehmen zu dürfen. Und wie steht es um den Verband? Wir sind mit über 2800 Mitgliedern der mitgliederstärkste Verband in der Schweiz und gut aufgestellt. Die Branche kennt uns und die Leute wissen, was wir machen. Trotzdem gibt es Dinge, die wir künftig besser machen können. Unsere 15 Fachgruppen sind noch nicht so aufgestellt, wie wir das möchten. Wir müssen Themen wie Leadership, Marketing und digitale Medien besser abdecken. Das Gleiche gilt für aktuelle Veränderungen im Finanzbereich. Wir wollen neue Fachgruppen gründen, um unsere Mitglieder noch besser zu unterstützen. mitprägen, wie sich Firmen in der Digitalbranche organisieren. Wie steht es um die Fachgruppen? Die Fachgruppen sind im Markt beliebt. Einer der Gründe dafür ist, dass wir jedes Jahr rund 90 Veranstaltungen organisieren, an denen unsere Fachgruppen präsent sind. Das Swiss-ICT-Symposium ist zum Beispiel sehr bekannt im Markt, wie auch der Swiss-ICT-Award, der ja jetzt neu Digital Economy Award heisst und mit neuen Partnern aufgegleist wurde. Was muss Swiss-ICT besser machen? Es gibt Angebote von uns, die noch wenig wahrgenommen werden. Etwa Vergünstigungen für Jobinserate oder die Möglichkeiten, die unser Mitgliederportal bietet. Wir arbeiten an einem Relaunch der Website, der sicher einiges bewirken wird. Er wird dazu beitragen, dass wir in der Kommunikation noch digitaler und noch wirksamer werden. i ZUM INTERVIEW Dieses Interview wurde erstmals als Podcast publiziert und auf der Website des Digital Economy Awards veröffentlicht. Im Digital Economy Podcast sprechen prominente Persönlichkeiten und Überflieger aus dem digitalen Business über ihre Erfolgsmaximen und aktuelle digitale Trends. Gastgeber des Podcasts ist Simon Zaugg, Kommunikationsverantwortlicher des Digital Economy Awards. www.digitaleconomyaward.ch/ podcast Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_110490 Sind weitere Veränderungen geplant? Ja. Wir werden die Services und Vorteile, die der Verband bietet, weiter ausbauen und ihn für die Mitglieder attraktiver machen. Erste Dinge haben wir bereits aufgegleist. Würden Sie heute selbst Mitglied im Verband werden wollen? Selbstverständlich, sowohl als Einzelperson als auch als Firma. Unser Team, das den operativen Betrieb sicherstellt, hat viel Erfahrung. Ich arbeite mit Leuten zusammen, die hochkompetent sind und das in ihren Fachgebieten in der Schweizer Wirtschaft auch schon bewiesen haben. Auf dieser Grundlage können wir aufbauen und Dienstleistungen für unsere Mitglieder erbringen. Welche Dienstleistungen sind besonders beliebt? Seit Amtsbeginn führte ich sehr viele Gespräche mit Swiss-ICT-Mitgliedern und mit den Teilnehmern unserer Veranstaltungen. Dabei stellte ich fest, dass zum Beispiel die Salärstudie oder die «Berufe in der ICT» stark wahrgenommen werden. Unternehmen nutzen diese Publikationen, etwa für die Rekrutierung oder für Stellenbeschreibungen. Das zeigt, dass unsere Dienstleistungen Sie sind seit Ihrem Amstantritt viel unterwegs und treffen sich oft mit Präsidenten und Geschäftsführern anderer Verbände. Wie will sich Swiss-ICT gegenüber diesen positionieren? Wir müssen uns mit anderen Verbänden austauschen. Unser Alleinstellungsmerkmal ist, dass wir Anwender, Anbieter, Firmen und Einzelpersonen zusammenbringen und repräsentieren. Dabei vertreten wir in vielen Themen eine eigene Meinung und eine eigene Position, die sich aufgrund unserer Positionierung von anderen Verbänden unterscheiden kann. In der Vergangenheit war unsere Kommunikation im Bereich der politischen Themen eher ruhig. Das wollen wir nun Schritt für Schritt ändern. Sie arbeiteten in der Vergangenheit unter anderem für Dell, Elca, Bechtle und Sun Microsystems und brachten alle diese Firmen auch im Marketing voran. Was verfolgten Sie dabei für einen Ansatz? Tue Gutes und sprich darüber – das ist mein Ansatz. Ich erlebte immer wieder, dass Unternehmen zwar hervorragende 16 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

People Live 23 « Unser Alleinstellungsmerkmal ist, dass wir Anwender, Anbieter, Firmen und Einzelpersonen zusammenbringen. » Christian Hunziker, Geschäftsführer, Swiss-ICT Produkte und Dienstleistungen anboten, aber zu wenig darüber redeten. Zum Beispiel Elca. Als ich dort anfing, war die Firma in der Deutschschweiz noch wenig bekannt. Viele meinten, ich arbeite neu bei einer Papierfabrik – die heisst aber Elco. Ich lernte zudem, dass Software alleine nicht alles ist: In meiner beruflichen Laufbahn half ich vielen Firmen, ein CRM einzuführen – aber ohne gute Prozesse und ohne sinnvolle Unterstützung der Verkaufsorganisation hilft das alleine nicht. Von diesen Erfahrungen sollen nun auch die Mitglieder von Swiss-ICT profitieren können. Haben Sie weitere Grundsätze? Ich will als Person nicht im Zentrum stehen. Wichtig sind die Produkte und Dienstleistungen, und die Menschen, die für ein Unternehmen arbeiten. Wer erfolgreich sein will, braucht nicht nur ein Team mit guten Leuten. Das Team sollte über seine Arbeit auch sprechen und diese nach aussen kommunizieren dürfen. Ein Weg dahin kann sein, Partnerschaften mit Medienhäusern zu schliessen. Auch Swiss-ICT kann sich marketingtechnisch noch besser aufstellen. Wir sind in diesem Bereich auch dabei, eine Fachgruppe aufzubauen. Ihre Erkenntnisse werden wir unseren Mitgliedern zur Verfügung stellen, so profitieren auch sie. Die EU führte erst gerade ein neues Datenschutzgesetz ein. Wie nehmen Sie die Diskussion rund um die EU-DSGVO wahr? Sie bringt mich zum Schmunzeln. In der Schweiz trat vor über zehn Jahren das revidierte Fernmeldegesetz in Kraft und alle sprachen über Datenschutz und Privatsphäre. Das Thema ist also nicht neu. Ich persönlich beschäftigte mich schon früh mit der Nutzung von Daten. Als ich in den 90er-Jahren bei Teradata arbeitete, sprachen wir noch vom Data Warehouse. In Projekten, die ich mit Grossbanken, Telekom PTT – der späteren Swisscom – und Retailern durchführte, ging es ebenfalls um Daten. Wir mussten sie aus verschiedenen Quellen aggregieren und zusammenführen. Die Technologien dafür gibt es schon lange. Aber zurück zur EU-DSGVO. Der Sachverhalt ist eigentlich klar: Es gibt ein Gesetz, und das müssen wir einhalten. Die interessante Frage lautet, was man dafür genau tun muss, und wie man die neuen Prozesse schlank gestalten kann. Auch hier gilt die Devise «Tue Gutes und sprich darüber», weshalb unsere Rechtskommission dazu eine FAQ zusammengestellt hat, die öffentlich zugänglich ist. Können Sie verstehen, wenn ein Kunde eines Unternehmens nicht will, dass dieses seine persönlichen Daten verarbeitet? Natürlich. Wenn jemand nicht will, dass ein Unternehmen seine Daten verarbeitet, dann muss www.netzwoche.ch © netzmedien ag 16 / 2018

Archiv