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Netzwoche 16/2018

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38 Technology Research

38 Technology Research Und noch ein Big Shift – hin zu den Businessabteilungen Nicht nur was den Betrieb der ICT-Infrastruktur anbelangt, gibt es einen Paradigmenwechsel von intern zu extern. Dieser Big Shift hat längst auch die Welt der Anwendungen (Software-as-a-Service) erreicht und, wie unsere Security- Studie gezeigt hat, auch die ICT-Security. Im Bereich der Projektgenerierung ist ebenso eine fundamentale Veränderung bislang traditioneller Vorgehensweisen im Gange: Die Fachabteilungen lancieren mittlerweile eine deutliche Mehrheit der ICT-Projekte. DER AUTOR Philipp A. Ziegler Geschäftsführer, MSM Research AG Unsere aktuellen Erhebungen haben ergeben, dass heute 62 Prozent der erfassten ICT-Projekte auf Initiativen und Anregungen durch die Businessabteilungen zurückgehen (Stichprobe 450 Projekte). Diese Entwicklung hat grossen Einfluss auf die Evaluierung von ICT-Partnern. Der Anwender sucht heute seinen Dienstleister und Berater nicht mehr ausschliesslich nach traditionellen Kriterien wie technische Exper tise oder Software-Know-how. Der steigende Einfluss und die wachsende Erwartungshaltung der Fachbereiche gegenüber ihrer Informatik verlangen nach schneller Umsetzung innovativer und wettbewerbsdifferenzierender Ideen und Businessmodelle (wie beispielsweise in den Bereichen Digital Marketing, Chatbots, Virtual oder Augmented Reality) oder fordern eine raschere Integration neuer Cloud-Lösungen (wie etwa CRM, ECM, Analytics oder Mobility). Eine neue Generation von Partnern gesucht! Die zunehmend digitalisierte Welt entlang vertikaler und horizontaler Wertschöpfungsketten bedingt eine neue Generation von Partnern. Diese sollten nicht mehr ausschliesslich auf die ICT und deren Belange fokussiert sein, sondern in einer neuen Form als Businesspartner auftreten. Für Anbieter steht eine Zeitenwende an. Die digitale Transformation und die neuen, disruptiven Geschäftsmodelle verlangen nach ICT-Businesspartnern. Mit dem Kopf in der Digitalisierungswolke und einer starken Haftung auf dem Boden der ICT. Wir stellten im Rahmen unserer Projektanalysen fest, dass die Fachabteilungen ihre Projekte zunehmend auch selbst finanzieren und durchführen. Dies ist per se nicht verwerflich. Wenn die Projektumsetzung allerdings ohne Abstimmung und Koordination mit der eigenen ICT-Abteilung geschieht, schafft der Alleingang oft längerfristig mehr Probleme, als er auf den ersten Blick zu lösen vermag. Auch wenn hier gerade das breite Marktangebot an Lösungen aus der Cloud verlockend erscheint, besteht die Gefahr, dass ohne enge Zusammenarbeit mit den ICT- Fachleuten schwerwiegende Sicherheitsprobleme, Doppelspurigkeiten und eine ausufernde Heterogenisierung der ICT-Umgebung geschaffen werden. Standardisierung und Abbau der Komplexität Dieser Entwicklung haben viele Unternehmen den Kampf angesagt. Standardisierung und Abbau der Komplexität heisst deshalb das Credo vieler Unternehmen auf dem Weg zu einer überwiegend homogenen und auch finanzierbaren ICT. Schneller, beweglicher und skalierbarer werden ist das Ziel. Eine sich durch den Alleingang der Fachbereiche bildende Schatten-ICT mit neuen Silos wäre Gift für dieses Vorhaben. PROJEKTTHEMEN Businessgetrieben vs. ICT-getrieben (Basis: 450 Projekte) Der Einfluss der Businessabteilungen auf ICT-Ausgaben und -Projekte nimmt weiter zu. 2018 werden rund 62 Prozent der Projekte aus den Fachbereichen generiert. Die Steigerung des Business Value (Effizienzsteigerung, Optimierung, Wettbewerbsfähigkeit) ist dabei die treibende Kraft. Eher businessgetriebene Projekte Eher ICT-getriebene Projekte 38 % 62 % Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_109413 Quelle: MSM Research AG 16 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Porträt 39 Ecologic – wenn ein IT-Dienstleister mehr groovt als dirigiert Simon Kaiser hat den Wandel der IT-Branche hautnah miterlebt. Seine Firma, der Zürcher IT-Dienstleister Ecologic, startete mit einer zündenden Idee und erfand sich immer wieder neu. Das klappte vor allem deswegen, weil das Unternehmen mit Kunden wie auch mit Mitarbeitern ein taktvolles Miteinander pflegt. Autor: Joël Orizet Einen auf Green-IT zu machen, bringt nichts. Selbst wer es ernst meint, redet am Kunden vorbei. Denn der interessiert sich nur für eines: Alles muss reibungslos funktionieren. «Ökologie hin oder her», sagt Simon Kaiser, Gründer und Verwaltungsratspräsident von Ecologic, «an erster Stelle steht immer der Service, und der muss stimmen.» Dennoch legt Kaiser viel Wert auf ökologische Nachhaltigkeit. Dies, weil er nicht anders kann, als nach vorne zu blicken. «Ich gehöre nicht zu der Sorte Grün, die zurück in die Natur will», sagt er. Nichts von wegen Birkenstock und Ponchos. Für Kaiser ist es einfach nur logisch, Ressourcen zu sparen. Und zwar mithilfe dessen, was die Technik möglich macht. Über Umwege zum Kerngeschäft Die Informatik zog Kaiser früh in ihren Bann. Als 18-Jähriger habe er ständig programmiert, erinnert er sich. «Einmal baute ich während des Mathe-Unterrichts ein kleines WLAN, lange bevor es so etwas gab.» Er nutzte dazu einen Taschenrechner, einen Fernsehempfänger und sein erfinderisches Talent. «Eine Portion Pioniergeist hatte ich schon immer», sagt er. Nach dem Gymnasium wollte Kaiser erstmal etwas Handfestes lernen. Er schrieb sich an der ETH Zürich ein und studierte Elektrotechnik. «Dort ging es zwar viel um Theorie, aber immerhin bekam ich auch mal einen Schalter in die Hand», erzählt er. Einer dieser Schalter brachte Kaiser auf seine erste Geschäftsidee. Nachdem er sein Ingenieursdiplom erlangt hatte, gründete er zusammen mit zwei Mitstudenten 1994 die Firma Ecologic. Ihr Produkt: ein Stromsparschalter. Der erste Erfolg liess nicht lange auf sich warten. Im Jahr der Firmengründung klopfte ein Basler Chemiekonzern an und setzte die Stromsparschalter weltweit in seinen Niederlassungen ein. Trotzdem war der Anfang hart. Das Geschäft mit den Stromschaltern lief harziger als gedacht. «Der Strom ist in der Schweiz einfach zu billig», sagt Kaiser. Um sich über Wasser zu halten, erledigten die drei Gründer Auftragsarbeiten. Und die entwickelten sich nach und nach zum Kerngeschäft des Unternehmens. Ecologic entwickelte etwa Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_110588 Software für Telefonie und später für ein Fax-Modem namens Spiderman. Bald fragten Kunden auch nach Lösungen für Netzwer- ke und IT-Infrastruktur. Das Geschäft zog an und Ecologic stellte mehr Mitarbeiter ein. Hinfallen, aufstehen, weitermachen Um die Jahrtausendwende spezialisierte sich Ecologic auf Cross-Plattform-Lösungen. Damals bediente die Firma insbesondere Kunden aus der Werbebranche. «Die waren froh, dass jemand Mac und Windows unter einen Hut bringen konnte», sagt Kaiser. Immer mehr Werbeagenturen fragten an, auch die ganz Grossen. Bis die Dotcom-Blase platzte und die Budgets der Kunden wie über Nacht implodierten. «Solche Rückschläge gehören dazu», sagt Kaiser. Wichtig sei, was man daraus lerne. Nach dem New-Economy-Hype stand fest: Es braucht eine neue Strategie. Ecologic setzte mehr auf langfristige Partnerschaften und auf ein neues Rezept: massgeschneiderte IT- und Softwarelösungen statt branchenspezifische Angebote von der Stange. Der Plan ging auf. Heute bedient Ecologic Kunden aus allen möglichen Branchen. Für einen Zürcher Finanzanalysten entwickelte das Unternehmen Schnittstellen zwischen Bloomberg-Terminals, Excel, SQL und Websites. Für ein Umweltlabor erstellte Ecologic eine Webapplikation, die Labormessungen automatisch auswertet und in Reports verpackt. Und im Integrationsgeschäft drehen sich derzeit viele Projekte um die Hybrid Cloud. Mit der «Eco-Cloud» zählt seit vier Jahren auch eine eigene Private Cloud zum Repertoire des IT-Dienstleisters. Das Erfolgsrezept sei einfach, erklärt Kaiser. «Wir sind breit aufgestellt und arbeiten eng mit Partnern zusammen, denn IT ist eine Sache des Vertrauens.» Offene Küche, grüner Kühlschrank und eine selbstgebastelte Skulptur aus Elektroschrott: Ecologic hat sein Büro wohnlich gestaltet. Simon Kaiser, Gründer und Verwaltungsratspräsident, Ecologic www.netzwoche.ch © netzmedien ag 16 / 2018

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