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Netzwoche 16/2018

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40 Technology

40 Technology Nachgefragt « Verifizierbares E-Voting ist möglich » E-Voting ist hierzulande zum Zankapfel geworden. Der Bund prescht vor, obwohl Sicherheitsexperten behaupten, E-Voting sei unsicher und sogar gefährlich für die Demokratie. Oliver Spycher, stellvertretender Projektleiter Vote éléctronique der Schweizerischen Bundeskanzlei, entgegnet der Kritik. Interview: Joël Orizet i EVENT-HINWEIS Swiss Cyber Storm, die Schweizer Konferenz zu Cybersicherheit und -verteidigung, widmet sich am 30. Oktober 2018 dem Thema Vertrauen. Oliver Spycher wird im Rahmen der Veranstaltung einen Vortag mit dem Titel «Trust in E-Voting» halten. Oliver Spycher, stv. Projektleiter Vote éléctronique, Schweizerische Bundeskanzlei Manche Experten halten E-Voting für grundsätzlich unsicher. Was entgegnen Sie? Oliver Spycher: Die Verarbeitung der Stimmen muss überprüfbar sein und gleichzeitig darf das Stimmgeheimnis nicht gebrochen werden. Das klingt zunächst nach einem unlösbaren Widerspruch. Manche ziehen deshalb den Schluss, dass sicheres E-Voting grundsätzlich nicht möglich ist. Dieser Schluss ist aber falsch. Schweizerische und internationale Forschungsinstitute haben kryptografische Verfahren entwickelt, die verifizierbares E-Voting möglich machen. So kann mit unabhängigen Mitteln nachvollzogen werden, dass die Stimmen unverändert übermittelt (individuelle Verifizierbarkeit) und ausgezählt wurden (universelle Verifizierbarkeit). Gleichzeitig bleibt das Stimmgeheimnis gewahrt. Der Bundesrat hält es beim E-Voting mit dem Motto «Sicherheit vor Tempo». Wie sicher ist sicher genug? Die geltenden Sicherheitsanforderungen des Bundes sind bereits seit dem Jahr 2013 in der Verordnung der Bundeskanzlei über die elektronische Stimmabgabe, kurz VEleS, verankert. Als Grundsatz gilt, dass sich Sicherheits risiken in einem ausreichend tiefen Rahmen bewegen müssen. Das ohnehin unerreichbare «Nullrisiko» wird demnach nicht gefordert. So müssen beispielsweise Systemausfälle nicht gänzlich ausgeschlossen werden können. Sollte ein geglückter Angriff trotz aller Vorkehrungen einen Systemausfall hervorrufen, stehen die konventionellen Stimmkanäle weiterhin zur Verfügung. Der Schaden wäre damit begrenzt. Demgegenüber gilt es um jeden Preis zu verhindern, dass Stimmen systematisch und unbemerkt manipuliert werden. Als eine Bedingung für eine breite Einführung von E-Voting gilt deshalb die Einführung der individuellen und der universellen Verifizierbarkeit. Die individuelle Verifizierbarkeit ist bereits seit dem Jahr 2014 umgesetzt: Das Stimmmaterial enthält für jede Antwortmöglichkeit einen Prüfcode. Ein korrekt angezeigter Code bestätigt, dass die Stimme korrekt übermittelt worden ist. « Die Ausgangslage für E-Voting ist in der Schweiz günstiger als in anderen Ländern. » Oliver Spycher, stv. Projektleiter Vote éléctronique, Schweizerische Bundeskanzlei Die meisten Länder treten beim Thema E-Voting auf die Bremse. Warum prescht die Schweiz vor? Im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern finden in der Schweiz jedes Jahr mehrere Urnengänge statt. Auch die briefliche Stimmabgabe ist in kaum einem anderen Land verbreitet, während in der Schweiz je nach Kanton bis zu 95 Prozent der Stimmen brieflich eingehen. Damit ist die Ausgangslage für E-Voting in der Schweiz günstiger als in anderen Ländern. Zum einen hat die Schweiz bereits die Erfahrung gemacht, dass die Glaubwürdigkeit der Urnengänge auch mit der brieflichen Stimmabgabe «von Zuhause aus» erhalten bleibt. Zum andern erhält E-Voting mit dem brieflich verschickten Stimmmaterial ein entscheidendes Infrastrukturelement. Zwar kann nicht ausgeschlossen werden, dass eine Stimme bei der Abgabe manipuliert wird. Da aber die Prüfcodes brieflich verschickt werden, können die Stimmenden eine Manipulation erkennen und ihre Stimme brieflich zustellen. Kritiker behaupten, dass E-Voting Zweifel über die Legitimität von Abstimmungs- oder Wahlresultaten schüren würde. Was halten Sie von diesem Argument? Wenn genügend Vertrauen da ist, werden auch keine grös seren Zweifel entstehen. Wenn zu wenig Vertrauen da ist, wird E-Voting vom Parlament oder vom Volk abgelehnt. Wähler müssten einem E-Voting-System vertrauen können. Wie wollen Sie das anstellen? Die Behörden haben für sicheres und transparentes E- Voting zu sorgen. Ob sie E-Voting vertrauen möchten, entscheiden die Stimmberechtigten im Rahmen der politischen Debatte. 16 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Event 41 Eine neue Partnerschaft, zwei Messen und sehr viel Digital Signage in Luzern Luzern ist zum Treffpunkt für die Schweizer AV- und Digital-Signage-Branchen geworden. Die Messen Integrated Media Solutions und Light & Sound fanden vom 23. bis 25. September in Luzern parallel statt. In zwei Hallen nebeneinander präsentierten Comm-Tec, Panasonic, Mobilepro und andere ihre Neuigkeiten und Highlights. Autor: Coen Kaat An der IMS in Halle 2 haben Projektoren um die Wette gestrahlt. Halle 1 war mit Audioinstallationen, Leuchtstrahlern und jeder Menge Verkabelungslösungen bestückt. Am ersten Messetag seien die Besucherzahlen noch sehr überschaubar gewesen, sagte Daniel Rempfler, Business Manager von Tech Data. Dennoch begrüsse er die Messe als einzige Schweizer Plattform, auf der die Branche sich treffen und austauschen könne. «Die Qualität der Besucher ist wirklich sehr gut. Es dürften aber gerne mehr sein», brachte Fabienne Brunner, Field Marketing Manager bei Panasonic, ein. Etwas besser lief es ab dem zweiten Messetag. Gemäss Viewsonic-Vertriebsleiter Heinz Meli gab es ständig interessierte Besucher. Insgesamt seien jedoch wenig Hersteller an der Messe vertreten gewesen. Stefan Krüger, Director of Sales Austria & Switzerland von Peerless-AV, vermisst neue Trends. «Digital Signage geht in Richtung LED und Outdoor», sagte er. Gerade im Trend-Bereich LED sei die Schweiz Deutschland und Österreich voraus und eher mit dem englischen Markt zu vergleichen. Potenzial sei also definitiv vorhanden. Comm-Tec will in den Audio-Bereich Comm-Tec präsentierte an seinem Stand einen 4k-Projektor von Digitalprojection – eine neue Partnerschaft, die Comm-Tec an der ISE in Amsterdam angekündigt hatte. Nun will der Disti aber auch ins Audiogeschäft einsteigen und machte an der IMS den ersten Schritt: Das Unternehmen kündigte eine exklusive Vertriebsvereinbarung mit den Audio-Marken Electro-Voice und Dynacord an. Dies sei nur der erste Schritt. Mobilepro macht die IMS interaktiv Der Stand von Mobilepro war voll von interaktiven Whiteboards. Heinz Meli zeigte das 86 Zoll grosse Full-HD- Viewboard von Viewsonic. In die gleiche Kategorie gehört auch Flip – ein digitaler Flipchart aus dem Hause Samsung. Mobilepro hat das Gerät seit der ISE im Angebot. Ebenfalls aus dem Hause Samsung waren die 130-Zoll-LED-Videowall und das verspiegelte Display, die den Stand von Mobilepro zierten. Panasonic zeigt sein neues Flaggschiff Panasonic hatte sein «neues Flaggschiff dabei», wie Brunner von Panasonic sagte. Gemeint war der neue 3-Chip- Laserprojektor PT-RQ22K. Das Gerät strahlt mit einer Helligkeit von 21 000 Lumen und mit 4k-Auflösung. Der Projektor richtet sich eher an Veranstaltungsorganisatoren, Bildungsinstitute und grössere Eventlocations. Auch in der Schweiz setze Panasonic derzeit ein paar Projekte um, sagte Brunner. Der Hersteller zeigte an seinem Stand nur noch Laserprojektoren. «Diese Geräte bieten sehr viele Vorteile», sagte Brunner. So böten sie etwa eine lange, wartungsfreie Lebensdauer, eine hohe Helligkeit und brillante Farben. Bilder von den Messen IMS und Light & Sound in Luzern. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_108865 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 16 / 2018

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