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Netzwoche 16/2019

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16 Business Event Business Innovation Week – vielseitige Visionen einer innovativen Schweiz Am 30. September ist die erste Business Innovation Week im Credit Suisse Tower in Zürich über die Bühne gegangen. Das Forum für die innovative Zukunft der Schweiz bot einer Vielzahl von Referenten aus verschiedensten Richtungen eine Plattform. Sie zeigten: Die Visionen einer innovativen Schweiz sind vielseitig. Autor: Michael Lanz «Die Vision, die vor einem Jahr begonnen hatte, ist heute Realität: Die Schaffung einer Plattform für Innovation, Digitalisierung und neueste Technologien.» Mit diesen Worten hiess Ewa Ming, Initiantin und Gründerin der Business Innovation Week, ihre Gäste willkommen. Das «Forum Zukunft Schw-AI-z» fand als Eröffnung im Rahmen der Business Innovation Week im Credit Suisse Tower in Zürich statt. Das Ziel der Veranstaltung: konkrete Antworten und wegweisende Lösungen. Die unterschiedlichen Referenten zeigten die vielseitigen Sichtweisen bezüglich Innovationsverhalten und Zukunftsvisionen in der Schweiz auf. Welche Zukunft für welche Schweiz? «Zwei Drittel aller KMUs arbeiten international», so Peter Grünenfelder, Direktor von Avenir Suisse. Diese Jobs seien von der Internationalisierung abhängig. Es bestehe jedoch ein zunehmender Fachkräftemangel. Dazu komme das alte und starre Schweizer Arbeitsgesetz und dass sich das Wirtschaftskräfteverhältnis von den USA zugunsten Chinas verschiebe. «Wir fallen zurück und vergessen, dass die Transformation des Arbeitsmarktes vollkommen normal ist», so Grünenfelder. «Wir sind aufgrund dieser Entwicklungen zwingend darauf angewiesen, produktiver zu werden. Hier kommt die Digitalisierung zum Einsatz. Der technologische Fortschritt schafft Stellen», ist er überzeugt. Anreize zur Innovation schaffen Bundesverwaltungsrichter Marc Steiner führte in seinem Referat aus, dass es für eine progressive Innovationshaltung in der Schweiz mehr Anreize für Unternehmen brauche. «Es gibt zu viele Akteure, die hoffen, dass Innovationen entstehen, sich aber selbst daran nicht die Finger verbrennen wollen», so Steiner. Man müsse sich die Frage stellen: Was können wir tun, das die Unternehmen ermutigt, sich in eine bestimmte Richtung zu entwickeln? Der Blick über den Tellerrand zur WTO und zur EU könne beim Innovationsbestreben der Schweiz als Anreiz helfen. «Innovation ist nicht technisch, sondern Betriebskultur.» Der Marktplatz und der Diskurs in der Schweiz fehlen Es gibt Strategien zu Smart Citys in der Schweiz, so Enrico Baumann, CEO und Verwaltungsrat von Elektron. Was es Ewa Ming (3.v.r.) bot zahlreichen Teilnehmenden die Plattform, sich über die aktuelle Lage bezüglich Innovation und Digitalisierung in der Schweiz auszutauschen. Den vollständigen Artikel finden Sie online www.netzwoche.ch jedoch brauche, sei ein politischer Wille und Fahnenträger. Derzeit fehlten noch ehrgeizige Ziele, aus denen sich konkrete Massnahmen ableiten liessen und einen Marktplatz, um diese Wirtschaft auszurollen. Judith Bellaiche, Geschäftsführerin des Swico, sagte, dass man in der Politik nicht genügend interessiert und nicht genügend «literate» sei, um solche Diskurse zu führen. Dieser Diskurs dürfte jedoch nicht vollumfänglich der Privatwirtschaft überlassen werden. Da diese Technologie in einem sozialen Kontext stattfinde, sei der Bedarf nach einem informierten Dialog entsprechend hoch, so Marc Holitscher, National Technology Officer und Mitglied der Geschäftsleitung von Microsoft Schweiz. Microsoft sei daher eines der Unternehmen, das aktiv den Diskurs mit der Politik gesucht habe. Das Forum bot die Plattform für den offenbar dringend benötigten Diskurs in Form von Referaten, Podien und einem Apéro und bildete den Auftakt für die Business Innovation Week. Diese dauerte vom 30. September bis zum 3. Oktober und stellte Themen wie Innovationskultur, ICT, Internet der Dinge, künstliche Intelligenz, Cybersecurity und Finance 4.0 in den Fokus. 16 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Fachbeitrag 17 Warum sollten wir abwarten, bis andere uns zuvorkommen? Diese Frage stellte Ren Zhengfei, Gründer von Huawei, als Reaktion auf die Ankündigung der Einführung von Libra. Heute beschäftigen sich die Nationalbanken zahlreicher Länder mit der Einführung einer nationalen Kryptowährung. Während man mancherorts bereits mitten in Pilotprojekten steckt, haben andere bereits Kryptowährungen eingeführt und teilweise sogar schon wieder eingestellt. Wiederum andere befinden sich noch in der Evaluierungsphase. Die Ankündigung von Facebook im Juni diesen Jahres, mit Libra im Jahr 2020 eine globale Kryptowährung einführen zu wollen, hat der Diskussion neuen Schwung verliehen und in den weltweiten Finanzmärkten für grosse Aufmerksamkeit gesorgt. Die Idee einer globalen Kryptowährung, die sich mit Bargeld und Staatsanleihen verschiedener Währungen absichert, ist sowohl bei Regierungs- und Notenbankchefs als auch bei Finanzmarktexperten auf wenig positive Resonanz gestossen. Bedrohung der Finanzstabilität und Entwarnung So äusserte etwa Benoît Coeuré, Mitglied des EZB-Direktoriums, dass er die Finanzstabilität bedroht sehe und fordert: «Wir müssen unsere Währungssysteme schneller und sicherer machen.» Und der Direktor der EZB lässt verlauten, dass bei hoher Akzeptanz von Libra die Kon trolle der EZB über den Euro sinken könne. Ebenso warnen auch Datenschützer und Finanzexperten vor der Dominanz des Internetkonzerns auf dem Finanzmarkt. Da lässt die Meldung vom 2. Oktober 2019 sicherlich so manchen aufatmen: Bislang hiess es, dass für die Gestaltung von Libra die Libra Association mit Sitz in Genf verantwortlich sei. Unter ihren Mitgliedern finden sich beispielsweise Unternehmen wie Facebook, Mastercard, Visa, Paypal und Uber. Nun distanzieren sich die beiden grossen Kreditkartenkonzerne vom Projekt. So äussert Alfred Kelly, CEO von Visa, es sei lediglich eine nicht-bindende Absichtserklärung unterzeichnet worden und Visa sei «kein Mitglied von irgendetwas». Für Facebook wäre ein Ausstieg von Visa und Mastercard ein grosser Verlust, da der Erfolg von Libra von einem guten Netzwerk der Finanzpartner abhängt. Und was kommt als Nächstes? Erleichtert können jetzt die Gegner von Libra aufatmen, die schon im Juni vor dessen systemischer Gefahr auf dem Finanzmarkt gewarnt haben. Die Finanzwissenschaftlerin Michaela Hönig (Frankfurt University of Applied Sciences) sieht eine Gefahr in der möglichen Manipulation durch Facebook und darin, dass sich Facebook & Co. zu einem grossen Vermögensverwalter entwickeln könnte. Allerdings ist sie auch der Ansicht, dass ein Verbot der Währung nicht viel bringe, da sonst eben ein anderes Unternehmen mit einer vergleichbaren Lösung auf den Markt käme. Dies führt wieder auf das Eingangszitat zurück: «Warum sollen wir abwarten, bis andere uns zuvorkommen?» Es ist davon auszugehen, dass zum Beispiel China trotz – oder gerade wegen – dieses Rückschlags für Libra an der Entwicklung einer eigenen Digitalwährung festhält. DIE AUTORIN Nicole von Mulert Vereon, Event Director Pay ment & Banking, Projektleiterin des Swiss Payment Forum Grafik: khonkangrua-iStock Die Haltung der Schweiz Und wie ist die Haltung der Schweiz? Die Schweiz gilt als Europas Blockchain- und Krypto-freundlichstes Land. Das Crypto Valley boomt, und die 50 grössten Blockchain-Unternehmen der Schweiz weisen einen Marktwert von über 40 Milliarden Dollar auf. Auch die Gründung der Libra Association als Schweizer Verein hat die internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Die SNB hat mit der BIZ (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich) die Eröffnung eines der ersten drei BIZ-Innovation-Hub-Zentren in der Schweiz vereinbart. Eines der ersten Forschungsprojekte wird die Prüfung der Integration von digitalen Zentralbankgeld in die DLT-Infrastruktur sein. Mit Spannung werden wir den Ergebnissen der Studie entgegensehen. i VERANSTALTUNG Am 11. und 12. November findet das Swiss Payment Forum in Zürich statt. Die Veranstaltung steht unter dem Motto: Innovative Payment-Modelle, Mobile Payment und Banking, Open Banking und Blockchain. www.swisspaymentforum.ch www.netzwoche.ch © netzmedien ag 16 / 2019

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