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Netzwoche 17/2016

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26 People Live «Ich

26 People Live «Ich habe wenig Zeit, mich mit Mega trends zu befassen» Das elektronische Patientendossier (EPD) ist für die Digitalisierung des Gesundheitswesens zentral. Doch es bringt auch Kosten für die Leistungserbringer mit sich. Als CIO des Regionalspitals Emmental sieht Stefan Beyeler die Einführung deshalb kritisch. Als Präsident der Vereinigung Gesundheitsinformatik Schweiz VGIch steht er der weiteren Digitalisierung des Gesundheitswesens aber offen gegenüber, er sieht sie sogar als unausweichlich. Interview: Marc Landis Die Digitalisierung wird von Megatrends wie Big Data/Analytics, Cloud Computing, Social Media und Security vorangetrieben. Mit welchen Trends beschäftigen Sie sich als Spital-CIO derzeit vor allem? Stefan Beyeler: Um mich mit Megatrends zu befassen, habe ich wenig Zeit. Mich beschäftigen vielmehr die jetzt aktuellen Herausforderungen in unserem Spital und die laufenden Business- und ICT-Projekte, die uns einen unmittelbaren Nutzen bringen. Im Kern geht es dabei fast immer um Digitalisierung beziehungsweise um die Integration und Vernetzung von IT-Systemen. Dies sowohl in den klinischen wie auch in den administrativen Bereichen. Security und Datenschutz sind Dauerthemen und in dem Sinne für mich keine Megatrends, sondern Normalität. Bei der Security unter anderem mal wieder wegen der gehäuft auftretenden Spam-E-Mails mit Crypto-Viren vor den Sommerferien. Unterdessen ist es aber wieder ruhiger geworden. Cloud Computing ist in unserem Unternehmen noch nicht wirklich angekommen. Ich bin aber sicher, dass sich dies noch ändern wird. « Wir sind gezwungen, unsere Geschäftsprozesse durch Digitalisierung zu optimieren. » Stefan Beyeler, CIO, Regionalspital Emmental; Präsident, VGIch An welchen konkreten Digitalisierungsprojekten arbeiten Sie im Regionalspital Emmental derzeit? Unser aktuell grösstes Digitalisierungsprojekt ist die Erneuerung des medizinischen Archivs mit Dokumenten, Dicom und Non-Dicom-Bildern (Dicom: Digital Imaging and Communications in Medicine, Anm. d. Red), Fotos, Videos und die Ausbreitung der Dokumentendigitalisierung mit Scanning am Arbeitsplatz. Wir verfolgen hier das Ziel, eingehende Dokumente zeitnah und dezentral mithilfe von Einzelplatz-Scannern zu verarbeiten, damit diese für den Behandlungsprozess umgehend digital zur Verfügung stehen. Die ersten Schritte mit dem Scanning machten wir vor rund einem Jahr bei der Patientenaufnahme und der Patientendisposition, und unterdessen sind nur noch einige wenige Bereiche übrig für den Rollout. Wir sahen hier schon nach relativ kurzer Zeit die positiven Auswirkungen dieser Form der Digitalisierung auf die Geschäftsprozesse. Der Anwender öffnet das Patientendossier direkt im Medical Archive aus dem KIS heraus und sieht – gemäss seinen Berechtigungen – alle benötigten Informationen an einem Ort. Der Informationsfluss ist schneller und qualitativ besser als früher, und «die grosse Suche» nach Dokumenten ist weitgehend beendet. Was gibt es sonst noch? Ein weiteres spannendes Thema rund um das medizinische Archiv ist die Integration der EKG-Untersuchungen. Schon seit Jahren stand der Kardiologie eine Fachapplikation für die Befundung zur Verfügung. Aber die Befunde selbst wurden auch intern als physisches Dokument weitergegeben. Nun arbeiten wir an der direkten Integration ins medizinische Archiv. Dabei wird nicht nur der Befund als PDF, sondern auch die eigentlichen Messdaten als XML- Datensatz übertragen. Dieser kann von allen behandelnden Ärzten angesehen und teilweise sogar vermessen werden. Auch arbeiten wir daran, dass die Medikamentenverordnungen aus dem KIS direkt auf die elektronischen Medikamentenschränke übertragen werden können. Dies wird speziell das Pflegepersonal entlasten, das heute jedes Medikament einzeln abrufen muss. Künftig wird die komplette Verordnung pro Patient auf dem Medikamentenschrank abrufbar sein. Die vorzubereitenden Positionen müssen nur noch ausgewählt werden. Zudem laufen Projekte in den Bereichen E-Zuweisung durch den Hausarzt, Teleradiologie, TDMS bei der Nephrologie und noch einige mehr. Allerdings betrifft die Digitalisierung nicht nur die klinischen, sondern auch die administrativen Bereiche. Hier könnte ich noch zahlreiche Projekte aus den Bereichen Logistik, Patientenund Fallmanagement oder Leistungserfassung aufzählen. Welche Vorteile erhoffen Sie sich durch die Digitalisierung? Mithilfe der Digitalisierung können Geschäftsprozesse optimiert und damit kostengünstiger werden. Allerdings ist auch ein weiterer Effekt nicht zu vernachlässigen. Prozesse sind oft historisch gewachsen. Die Digitalisierung 17 / 2016 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

People Live 27 Stefan Beyeler, CIO, Regionalspital Emmental; Präsident, VGIch zwingt die Beteiligten, sich komplett neu damit zu befassen. Oft braucht es viel Energie vonseiten der Projektleitungen, um einzelne Personen von den neuen Möglichkeiten zu überzeugen. Im schlechtesten Fall wird einfach der alte Prozess mit dem digitalisierten System weitergelebt. In den meisten Fällen sind die Ergebnisse aber durchaus positiv. Wie überzeugen Sie die Anwender, also Ärzte und Pflegepersonal und weitere Mitarbeitende von der Digitalisierung? Das ist ein heikles Thema: Nicht immer werden die IT- Verantwortlichen von den Anwendern mit offenen Armen empfangen. Dabei spielt die Unsicherheit vor Neuem, aber auch eine gewisse Angst vor der Zusatzbelastung durch die Umsetzung der Projekte eine Rolle. Zudem betrachten die einzelnen Berufsgruppen primär den potenziellen Nutzen für sich selbst und nicht für das grosse Ganze. Ist dieser Einzelnutzen nicht gross genug, dann kann es schwierig werden. Dann hilft manchmal nur noch eine Entscheidung der Geschäftsleitung. Spitäler stehen in der Regel unter Kostendruck. Inwieweit können sie sich Digitalisierungsprojekte überhaupt leisten? Im Unternehmensbudget machen die Personalkosten einen riesigen Anteil aus. Die IT-Kosten sind mit einem Anteil von einigen wenigen Prozenten zwar nicht zu vernachlässigen, aber eben doch weniger prominent. In den letzten Jahren haben wir stark an der Kostentransparenz innerhalb der IT-Organisation gearbeitet, und alle unsere Systeme und Applikationen sind als Service im Servicekatalog aufgeführt. Mithilfe des IT-Financial-Managements sind wir heute in der Lage, den Aufwand beziehungsweise die Kosten pro Service genau zu berechnen und transparent auszuweisen. Dies ermöglicht eine faktenbasierte Diskus- www.netzwoche.ch © netzmedien ag 17 / 2016

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