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Netzwoche 17/2016

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42 Focus Sourcing

42 Focus Sourcing Colocation bringt KMUs ins Rechen zentrum War es früher noch ein Privileg von Grossunternehmen, die Serverinfrastruktur in sicheren und hochverfügbaren Rechenzentren unterzubringen, steht dies heute auch kleinen Unternehmen offen – dank Colocation. DER AUTOR Pius Grüter CIO, Green.ch Colocation eignet sich für Unternehmen aller Branchen und Grössen. Es gab eine Zeit, da waren Rechenzentren den Grossunternehmen vorbehalten. Heute sind die Sicherheit und Verfügbarkeit eines modernen Datacenters keine Privilegien von Konzernen und Grossbanken mehr. Dank aktueller Colocation-Angebote können sich auch Unternehmen, deren Hardwarebedarf gering ist, in ein sicheres und hochverfügbares Rechenzentrum einmieten. In den USA sind Colocation-Angebote schon lange verbreitet und sehr beliebt. Inzwischen hat der Trend auch die Schweiz erfasst: Das Aufkommen offener kommerzieller Rechenzentren hat dazu geführt, dass auch hierzulande mittlere und sogar Kleinstfirmen dieselben Annehmlichkeiten geniessen können wie Grossfirmen – und das in der Regel zu einem günstigen Preis. Die Nachfrage nach kleineren Einheiten, etwa von einem Drittel eines Server- Racks, wächst infolge der steigenden Preissensibilität und eines zunehmenden Qualitätsbewusstseins denn auch kontinuierlich. Zudem unterliegen heute auch kleinere Unternehmen zusehends gesetzlichen Auflagen und anderen Anforderungen an ihre Governance, sodass der eigene Serverraum im Firmengebäude kaum mehr ausreicht. Schneller Einstieg ohne Hürden Colocation-Angebote ermöglichen es Unternehmen, ohne grosse Einstiegshürden in ein Rechenzentrum zu ziehen. Die Bestellung eines Colocation-Pakets erfolgt im besten Fall schnell und unkompliziert über das Internet. Wer Spezialwünsche anbringen will, kann dies über einen Onlinekonfigurator tun. Einfacher und für die meisten Unternehmen ausreichend sind Komplettpakete mit allen benötigten Komponenten (Stromversorgung, Netzwerkanbindung und sogar die biometrischen Badges für den physischen Zugang zum Server). Schnelle Anbieter stellen die bestellten Ressourcen innerhalb eines Tages zur Verfügung. Dann ist alles bereit für den Einzug: Mitgebracht werden muss nur noch die Server-Hardware – und selbst diese kann man bei manchem Anbieter gleich mitmieten. Colocation eignet sich für Unternehmen aller Branchen und Grössen. Bei der Wahl des richtigen Angebots ist es wichtig, die eigenen Bedürfnisse zu kennen: Benötige ich einen Rund-um-die-Uhr-Support? Kann ich die Anbieter meiner Netzwerkverbindungen selbst wählen? Welche Verfügbarkeit benötige ich für mein Geschäft, welchen Grad an Der geografische Standort des Datacenters und dessen Erschliessung sind für kleinere Unternehmen ein wichtiges Kriterium. Bild: Philipp Schmidli Sicherheit? Der Blick auf die Zertifizierung eines Rechenzentrums ist hier hilfreich. So verfügen etwa gemäss Tier-III oder Tier-IV zertifizierte Datacenter über eine redundante Auslegung aller Systeme von der Stromversorgung über die Brandunterdrückung bis zur Klimatisierung. Mehr Service – mehr Möglichkeiten Einfluss auf die Wahl eines Colocation-Angebots kann auch die Palette an zusätzlichen Dienstleistungen des Anbieters haben, wie etwa Datenspiegelung in einem zweiten oder gar dritten Datacenter. In diesem Fall sollte darauf geachtet werden, dass der Anbieter über mehrere Rechenzentrumsstandorte verfügt. Letztlich ist der geografische Standort und dessen Erschliessung mit öffentlichen und privaten Verkehrsmitteln besonders für kleinere Unternehmen ein wichtiges Kriterium. Sie legen oft Wert auf Nähe, um schnell vor Ort sein zu können. Alternativ bieten manche Rechenzentrumsbetreiber einen Remote-Hands- Service an: Sollte ein schneller Zugang zur Hardware nötig sein, kann der Kunde einen entsprechenden Auftrag erteilen, den sodann ein vor Ort anwesender Mitarbeiter des Anbieters ausführt. Diese Dienstleistung schätzen vor allem Kunden, die nicht über eine Niederlassung in der Nähe des Rechenzentrums verfügen. 17 / 2016 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Focus Sourcing 43 Netzwerkinfrastruktur als Service Die Bestrebungen des Managements, ihre Unternehmen digital zu transformieren, werden seit einigen Jahren durch das «Alles-als-Service»-Modell unterstützt. Dieses löst immer häufiger die traditionellen Beschaffungsmodelle ab. Die Infrastruktur des Netzwerks, die Grundlage jeder Unternehmens-IT, wird nun ebenfalls «on Demand» bereitgestellt. Mit dem zunehmenden Einsatz von «smarten» Endgeräten und Apps erwarten Unternehmen immer häufiger, dass sie – im Gegensatz zu den bisher üblichen Beschaffungskonditionen – verbrauchsabhängig für die Unterstützung ihrer Geschäftsprozesse zahlen können. Während diese Pay-per-use-Modelle ebenso wie die On-Demand-Bereitstellung fast schon als Standard angesehen werden, gilt das bisher aber nicht für die Netzwerkinfrastruktur, obwohl sie so entscheidend für das Geschäft und den IT- Betrieb ist. Für die Netzwerkinfrastruktur werden nun auch «Asa-Service»- und «Pay-as-you-go»-Modelle angeboten, wie es sie für Software und andere Geschäftsprozesse schon gibt. IDC sagt voraus, dass innerhalb der nächsten vier Jahre 80 Prozent der Infrastruktur auf ein nutzungsabhängiges Modell umgestellt werden. Über das Opex-Modell hinaus Für den Kunden ist es finanziell attraktiv, grosse Vorabinvestitionen zu vermeiden und durch laufende Kosten zu ersetzen, die über den gesamten Lebenszyklus der Lösung abgerechnet werden. LAN und WLAN sind unverzichtbare Voraussetzungen für den Zugriff auf unternehmenskritische Anwendungen und für die Sprach- und Videokommunikation. Der Investitions- und Betriebsaufwand für die laufende Aktualisierung des Netzwerks kann jedoch zur Herausforderung werden. Bei einigen Unternehmen gibt es am Wochenende so gut wie keine Netzwerkaktivität. Manche Schulen und Universitäten schliessen während der Ferien komplett. Bei anderen Organisationen, wie Hotels und Einzelhändlern, wird die Infrastruktur immer genutzt, aber es gibt Ausschläge nach unten und oben. Die Verteilung der Kosten über den Lebenszyklus des Netzwerks kann die perfekte Lösung sein. Deshalb haben Anbieter und Systemhäuser begonnen, ihre Infrastrukturangebote auf ein Mietmodell umzustellen, das Investitionen (Capex) durch Betriebskosten (Opex) ersetzt. Für einige Unternehmen, deren Netzwerknutzung schwankt, geht das aber nicht weit genug. Sie brauchen noch flexiblere Angebote. Unternehmen mit gleichbleibendem, hohem Bedarf an Netzwerkressourcen profitieren von einem Modell mit einer festen Gebühr für die gesamte Vertragslaufzeit. Was aber, wenn der Bedarf nicht gleichmässig verteilt ist? Beim cloudbasierten Modell haben sowohl die Unternehmen als auch die Anbieter die Möglichkeit, stündlich die Zahl der gerade genutzten Ports zu messen und zu verfolgen. Das bietet die hohe Flexibilität, die Unternehmen heute verlangen. Beispiel Konferenzzentrum: Während der Veranstaltungen, etwa an zwei Tagen in der Woche, wird eine zuverlässige Infrastruktur für viele Nutzer benötigt. Dazwischen ist der Bedarf deutlich geringer, weil keine Besucher und nur wenige Mitarbeiter vor Ort sind. Das bedeutet überflüssige Kosten an immerhin fünf Tagen in der Woche! Denn die Capex- und auch die gängigen Opex-Modelle würden bedeuten, dass das Unternehmen über weite Strecken für eine nicht genutzte Infrastruktur zahlt, während das nutzungsabhängige Abrechnungsmodell diese Ausgaben wirksam vermeidet. Und genau das ist der Vorteil des verbrauchsabhängigen Ansatzes. DER AUTOR Laurent Moureu Country Manager, ALE Switzerland Bild: Fotolia Zukunftssicher Abgesehen von den geringeren Kosten für die Netzwerkinfrastruktur hat dieses On-Demand-Modell noch einen weiteren wichtigen Nutzen für die Unternehmen: Sie können neue Technologien früher einsetzen. Die Produktund Applikationsentwicklung beschleunigt sich, die Lebenszyklen der Technologien werden kürzer. Das ist eine Herausforderung für Unternehmen, die neue Technologien so früh wie möglich nutzen wollen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Wenn die Netzwerkinfrastruktur auf Mietbasis mit nutzungsabhängiger Abrechnung beschafft wird, leistet der Anbieter den Aufwand für Pflege und Support – und die internen IT-Teams können sich auf Aufgaben mit höherer Wertschöpfung konzentrieren. Die Produkt- und Applikationsentwicklung beschleunigt sich immer mehr, sodass die Lebenszyklen der Technologien kürzer werden. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 17 / 2016

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