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Netzwoche 18/2016

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14 Business Konferenz

14 Business Konferenz Schweizer Softwarebranche erwartet weniger Wachstum Die Universität Bern hat zusammen mit ICT-Switzerland am CNO-Panel in Bern den «Swiss Software Industry Survey 2016» vorgestellt. Die Branche entwickelte sich gemäss der Erhebung robust. An der Veranstaltung diskutierten Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft über die Anforderungen von E-Government. Autor: Christoph Grau ERWARTETES UMSATZWACHSTUM Die Universität Bern und ICT-Switzerland haben die Schweizer Softwarebranche unter die Lupe genommen. Anhand der sogenannten «Swiss Software Industry Survey 2016» (SSIS) geben sie einen Einblick in die Stimmungslage, in Trends und in die langfristige Entwicklung der Branche. Die veröffentlichten Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2015. Es ist die zweite Erhebung dieser Art. Schwerpunkt der diesjährigen Erhebung war die Internationalisierung der Softwarebranche. Im Rahmen des CNO-Panels in Bern stellten die Studienautoren ihre Ergebnisse vor. Revival der Individualsoftware Die Erhebung betrachtet einzig den Bereich IT-Services, worunter die Softwarebranche fällt. Der Studie zufolge hat dieser Bereich ein Umsatzvolumen von etwa 13,5 Milliarden Franken. Studienautor Thomas Huber präsentierte die Ergebnisse. Er zeigte sich davon überrascht, dass die «oft schon totgesagte Branche für Individualsoftware» immer noch ein Drittel des Gesamtumsatzes erwirtschaftet. Auf den Bereich Standardsoftware entfallen 27 Prozent, und Consulting- Dienste generieren fast ein Viertel des Umsatzes. Auch bei der Betrachtung der Mitarbeiterzahl zeigt sich ein ähnliches Bild. Knapp zwei Drittel der Beschäftigten arbeiten bei Herstellern von Individual- (rund 37 Prozent) 2014 2015 20 % Consulting 15 % 10 % 5 % 0 % -5 % Technologieund Serviceprovider Individual- software- Hersteller 6,5 % 3,3 % 8,7 % 8,2 % Standard- software- Hersteller (inkl. SaaS) Quelle: Universität Bern und ICT-Switzerland 18,1 % 4,3 % 8,6 % 7,2 % Softwareintegrator 8,3 % -4,5 % 11,8 % 4,9 % Industrie und Standardsoftware (28,5 Prozent). Im Beratungsgeschäft arbeiten rund 21 Prozent. Der durchschnittliche Umsatz je Mitarbeiter liegt bei ungefähr 223 000 Franken. Ausreisser nach oben sind hier Softwareintegratoren, auf die ein Umsatz von rund 334 000 Franken je Mitarbeiter entfällt. Im Vergleich zur Vorjahreserhebung ein klarer Anstieg. Deutliche Einbussen gab es hingegen bei Angestellten im Bereich Technology und Serviceprovider. Der Umsatz sank von über 250 000 auf 226 000 Franken. Angestellte im Bereich Standard- und Individualsoftware kommen auf einen Umsatz von etwas unter 200 000 Franken. Margen sinken Für die Studie befragten die Forscher die Unternehmen auch nach ihrem Ebit, den Gewinn vor Abschreibungen und Steuern. Die Ebit-Marge liegt mit 7,4 Prozent auf einem guten Niveau, sagte Huber. Im Vergleich zum Vorjahr sank der Durchschnitts-Ebit jedoch um einen Prozentpunkt. Der leichte Rückgang komme auch in den gesunkenen Ausgaben für Forschung und Entwicklung zum Ausdruck, sagte Huber weiter. Alle Bereiche, mit Ausnahme des Consultings, investierten weniger in diesen Bereich. Die Investitionen am Umsatz sanken von 14,1 auf 11,8 Prozent. Besonders deutlich fiel der Einbruch bei der Standardsoftware und bei der Softwareintegration aus. Getrübter Ausblick Auf das kommende Jahr blicke die Branche mit Vorsicht, sagte Huber. Zwar sei das erwartete Umsatzwachstum mit knapp 5 Prozent «robust», aber im Vorjahr sei es deutlich höher gewesen. Der Wert lag laut Huber damals bei fast 12 Prozent. Mit Ausnahme des Technology- und Serviceprovider-Bereichs erwarten alle anderen einen Zuwachs. Im Vorjahr wuchsen noch alle Bereiche. Auch die Mitarbeiterzahl entwickle sich «robust», betonte Huber. Die Unternehmen erwarten einen Zuwachs von 8,3 Prozent im Vergleich zu 10,7 Prozent im Vorjahr. Alle Segmente wollen Mitarbeiter einstellen, mit Ausnahme des Technology- und Serviceprovider-Segments, die von einer Stagnation ausgehen. 18 / 2016 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Konferenz 15 Bei der Art der Beschäftigten setzen die Unternehmen verstärkt auf fest angestellte Mitarbeiter anstatt auf Freelancer. Laut Huber war dies im Vorjahr genau umgekehrt. Besonders in den Segmenten Softwareintegration und Consulting setzen die befragten Unternehmen verstärkt auf fest angestellte Mitarbeitende. Föderalismus bremst Schweizer E-Government Im Anschluss an die Studienpräsentation diskutierten Experten über E-Gov. Dazu eingeladen waren Thomas Pletscher, Mitglied der Geschäftsleitung von Economiesuisse, Kathy Riklin, CVP-Nationalrätin und Vorstandsmitglied von Swiss-ICT, Artur Vogel, Journalist und ehemaliger Chefredaktor des «Bund», Matthias Finger, Professor am Institut für Management und Technologie an der EPFL, und Renato Gunc, Head of Corporate E-Business Development bei der Schweizerischen Post. Pletscher relativierte die Aussagen, dass die Schweiz bei E-Governement schlecht dastehe. Auch die Nachbarländer Deutschland und Österreich seien nicht viel weiter. Vor allem der Schweizer Förderalismus würde die Entwicklung bremsen. Diese Einschätzung teilten auch die anderen Referenten. Als grössten Mangel machte Finger die fehlenden zentralen Infrastrukturen aus, die eine enger Verzahnung der föderalen Ebenen verhindere. «Es muss ein Minimum zentralisiert werden, damit das Dezentrale möglich wird», sagte er. Hier stimmte ihm auch Pletscher bei. Für ihn brauche es vor allem die Bereitschaft der Behörden, etwas zu tun und ihre Daten auch weiterzugeben, wie Daten zu akzeptieren. Thomas Pletscher, Kathy Riklin, Artur Vogel, Matthias Finger und Renato Gunc (v. l.). Risiken nicht überbetonen Für Riklin sind die relativ vielen Ängste, die im Bereich E- Government vorhanden sind, ein Hemmschuh. «Wir sollten mit dem Bewirtschaften der Bedenken aufhören», sagte sie. Die Bedenken sollten jedoch nicht ignoriert werden. Auf Vogels Frage, was es brauche, um mehr für E-Gov tun zu könnten, antwortete Riklin: «Der beste Druck ist immer das Portemnonaie.» Eventuell brauche es diesen Druck, damit die Bürger auch die neuen Lösungen akzeptierten, sagte sie. Ziel sollte es aber nicht sein, dass in Zukunft digitale und analoge Behördendienstleistungen nebeneinander existierten. Am Ende sollte es nur noch den digitalen Weg geben, wie es auch andere Länder vormachten. Zum Abschluss stellte Gunc von der Post die rhetorische Frage: «Wollen wir eine digitale Schweiz als Standortförderung oder nicht?» Er plädierte klar für ein Ja. Seiner Meinung nach braucht es auch einen Digital Officer auf Bundesebene, der sich um den Bereich E-Governement kümmert. Noch sei der Leidensdruck in der Schweiz wohl nicht gross genug, schlussfolgerte Moderator Vogel nach der Diskussion. Es gebe zwar viele Ansätze für E-Gov, aber an der Verzahnung mangle es noch erheblich. Es werde also noch etwas dauern, bis hier Fortschritte verzeichnet werden könnten. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode NW181622 Anzeige Master of Advanced Studies MAS Digital Marketing and Communication Management Richtig kommunizieren im digitalen Raum Dieser MAS vereint die Theorie des digitalen Marketing und deren praktische Anwendung. Teilnehmende lernen die Tools und Strategien kennen, welche für effektive Online-Kommunikation nötig ist. Info-Veranstaltung: Donnerstag, 24. November 2016 in Luzern ikm@hslu.ch, www.hslu.ch/dmc www.netzwoche.ch © netzmedien ag 18 / 2016

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