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Netzwoche 18/2017

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48 Bilder: Zvonimir

48 Bilder: Zvonimir Pisonic Der Saal der Umwelt Arena war mit mehr als tausend Gästen prall gefüllt. Organisator Kurt Lüscher überreicht Sandra Boner ein Präsent. Wetter, Witz und Weltpolitik an der Smart Energy Party 2017 Auch in diesem Jahr trafen sich Politiker, Medienschaffende, Wissenschaftler sowie Vertreter der ICT- und Energiewirtschaft an der Smart Energy Party. Während die Gäste Beziehungen knüpften, das Abendessen genossen und über den Stand der Industrie diskutierten, gaben Sandra Boner und Carla del Ponte Einblicke in ihre Arbeit. Autor: Oliver Schneider Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_65197 Die Smart Energy Party führt alljährlich Vertreter aus Politik, Medien, Wissenschaft sowie der ICT- und Energiebranche zusammen. In entspannter Atmosphäre bietet sie Gelegenheit zum Austausch, zum Kennenlernen und ein buntes Rahmenprogramm. Am 26. Oktober war es wieder soweit. Mehr als tausend Gäste hätten sich diesmal in der Umwelt Arena Spreitenbach versammelt, sagte Organisator Kurt Lüscher zur Begrüssung. Lüscher zog eine positive Bilanz. Die Zahl der Partner sei gestiegen, das Interesse an der Veranstaltung hoch. Auch beim Thema Energie sei viel in Bewegung. Nicht nur durch das im vergangenen Mai vom Volk angenommene Energiegesetz. Smart Everything, Digitalisierung und Vernetzung veränderten die Branche. «Uns erwartet eine enorm spannende Entwicklung», sagte Lüscher. Als erste Referentin trat Corina Eichenberger auf. Die Nationalrätin der Aargauer FDP fand mahnende Worte für die schweizerische Energiepolitik. Es brauche innovative Ideen und ein mutiges Vorgehen, um die neue Energiestrategie und das Pariser Klimaabkommen umzusetzen. Aus dem Nähkästchen einer Wetterfee In die Welt von Wind und Wolken ging es anschliessend mit Sandra Boner. Die Moderatorin von SRF Meteo sprach über die Tücken der Wetterprognose. Zwar habe der Einsatz von Computern die Meteorologie revolutioniert, das Wetter von morgen vorherzusagen bleibe allerdings eine Herausforderung. Viele Faktoren haben darauf einen Einfluss, wie Boner sagte. Die TV-Meteorologin gab Einblicke in die Arbeit auf dem Dach des Studios Leutschenbach. Sie zeigte, wie ihr Tagesablauf aussieht, was live alles schiefgehen kann und wie sich die Sendung seit der Lancierung veränderte. Die Konkurrenz in Sachen Wetterprognosen sei gewachsen, sagte Boner. Meteo müsse sich deshalb auch auf digitale Kanäle ausrichten. Die Anklägerin und die Politik Zur Smart Energy Party eingeladen war auch Carla del Ponte. Die ehemalige Bundesanwältin und Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag erzählte, wie sie von der Tessiner Staatsanwaltschaft in die internationale Politik und Diplomatie aufstieg. «Ich habe gelernt, mit den Politikern zusammenzuarbeiten», sagte del Ponte mit Blick auf ihre Karriere, die sie mit viel Prominenz der Weltpolitik bekannt gemacht habe. Sie schilderte, wie sie sich mit Angeklagten aus Ruanda und dem ehemaligen Jugoslawien auseinandergesetzt hatte. Del Ponte zeigte, dass es in der internationalen Justiz vor allem Beharrlichkeit und gute Beziehungen zur Politik brauche. So traf die Tessinerin mit George W. Bush, Gerhard Schröder und Jacques Chirac zusammen. Politiker, die ihre ganz eigene Art des Kontaktes pflegten. Der Handkuss des französischen Präsidenten etwa sei «das fantastischste, was eine Frau erleben kann», sagte del Ponte. Nach ihrer Tätigkeit am Internationalen Strafgerichtshof bis Ende 2007 ernannte der Bundesrat Del Ponte zur Schweizer Botschafterin in Argentinien. Ein willkommener Wechsel nach mehr als acht Jahren in Den Haag. «Diplomatie ist fantastisch», schwärmte Del Ponte. «Ein Botschafter hat keine Verantwortung. Er muss bloss ausführen, was aus Bern kommt. Und es kommt alles aus Bern.» Die Smart Energy Party 2017 bot Speis und Trank, ein breites Programm und spannende Gäste. Sie soll auch im nächsten Jahr wieder stattfinden. Am 25. Oktober 2018, sagte Kurt Lüscher. 18 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Nachgefragt 49 Ein Turm näher an der smarten Stadt Die Stadt Wädenswil ist im September um eine smarte Strassenlaterne reicher geworden. Ein erster Schritt in Richtung Smart City. Die Redaktion fragte beim OIZ und bei den SBB nach, wohin diese Entwicklung noch führen könnte, worauf man dabei achten sollte und warum Smart Citys nicht nur ein Technologie-Thema sind. Autor: Coen Kaat Im zürcherischen Städtchen Wädenswil steht ein neuer Mast. Ende September wurde er eingeweiht. Auf den ersten Blick sieht er aus wie eine gewöhnliche Strassenlaterne. Wenn es dunkel wird, geht das Licht an. Wenn es hell wird, geht es wieder aus. Doch dahinter steckt mehr: Sensoren etwa, die den Lärm, den Verkehrsfluss und die Belastung durch Feinstaub in der Luft messen. Zudem können am Mast Elektroautos aufgeladen werden. Auch versorgt er die unmittelbare Umgebung mit WLAN. Der intelligente Turm – offiziell heisst er Smart City Tower – soll Wädenswil einen Schritt weiter bringen auf dem Weg zur Smart City. Technologie nur dort, wo sie sinnvoll ist Doch wohin geht diese Reise eigentlich? Und was zeichnet eine intelligente Stadt überhaupt aus? «In einer Smart City trifft die fortschreitende Urbanisierung auf eine bedürfnisgerechte Digitalisierung», erklärt Anja Riedle, Projektleiterin Smart City bei den SBB. «Das heisst, Technologie wird nur dort eingesetzt, wo nötig, und nicht, wo möglich.» Der Mensch stehe also im Vordergrund, und die Technologie soll ihn unterstützen. Das Ziel sei eine hohe Lebensqualität bei minimalem Ressourcenverbrauch – und das auch bei steigenden Einwohnerzahlen. Was das konkret heisst, soll der Smart City Tower zeigen. Ein Pilotprojekt, an dem die SBB gemeinsam mit der Stadt Wädenswil, der EKZ und dem Systemintegrator Elektron arbeiten. Der intelligente Leuchtmast sei ein gutes Beispiel dafür, wie verschiedene Akteure aus unterschiedlichen Branchen zusammenkommen, um zusammen ein smartes Vorhaben umzusetzen. «Wir sehen in intelligenten Strassenlaternen ein grosses Potenzial für die smarten Städte von morgen», sagt Riedle. «Sie können als Trägerelement für ein städtisches IoT fungieren.» Der Grundstein ist bereits gelegt «In der Schweiz ist der Fokus der digitalen Entwicklung bisher vor allem auf Energie- und Mobilitätsthemen sowie dem E-Government ausgerichtet», sagt Andreas Németh, Direktor der Dienstabteilung Organisation und Informatik der Stadt Zürich, kurz OIZ. In den Bereichen zu erwähnen seien etwa E-Government-Services, Smart Parking oder Open Government Data. Es bestünde aber darüber hinaus bei Themen wie den Gesundheits- und Verwaltungsprozessen noch Potenzial. Der Grundstein für intelligente Städte ist gemäss Németh bereits gelegt: «Die Basisinfrastruktur in der Schweiz und bei uns in der Stadt Zürich ist im internationalen Vergleich bereits gut ausgebaut und es wird weiter optimiert.» Gemeint sei damit etwa das städtische Glasfasernetz. «Um die Städte auf den Weg zu Smart Citys weiterzubringen, ist es notwendig, sich auf sinnvolle und wirtschaftliche Use Cases zu fokussieren und sich ständig mit den Potenzialen von neuen Technologien auseinanderzusetzen», sagt Németh. Die Technologie ist aber nur eine Seite der Medaille. Die nötigen organisatorischen, kulturellen und politischen Rahmenbedingen für den Einsatz von Smart-City-Lösungen müssten noch geschaffen werden. «Hier bietet sich das Potenzial eines städte- und branchenübergreifenden Austauschs und konkreter Kooperationen an», sagt Németh. Ein Punkt, den auch die SBB sehen. «Die Herausforderung ist weniger technologisch, sondern vor allem organisatorisch», sagt Riedle. «Sie bedingt eine Kooperation von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.» Viele technische Lösungen bestünden bereits, die organisatorischen Voraussetzungen, diese zu verwenden, aber noch nicht. «Bei grossen Städten wird die Politik als Initiator und Treiber einer Smart City auftreten müssen, bei kleineren Städten kann der Impuls auch von Bürgern oder Unternehmen kommen», sagt Riedle. Sobald dieser Impuls gegeben ist, und mit weiteren Projekten wie der intelligenten Strassenlaterne in Wädenswil, steht den smarten Städten von morgen aber wohl nichts mehr im Weg. Der Smart City Tower in Wädenswil ist mehr als nur eine Strassenlaterne. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_67803 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 18 / 2017

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