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Netzwoche 18/2020

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12 Business Event CNO

12 Business Event CNO Panel 2020: Ideen umsetzen und ganz weit nach vorne schauen Das 20. CNO Panel ist am 26. Oktober über die Bühne gegangen – vom Casino Bern aus via Livestream ins Internet übertragen. An der Keynote erfuhr man, wie eine Walliser Schulklasse heute ein Dorf nahe Tschernobyl unterstützt, wie sich morgen der Stellenwert von Privatsphäre verändern könnte und wo man sich Gedanken zur Schweiz in 300 Jahren macht. Autor: René Jaun « Nachhaltigkeit beginnt beim Menschen und damit, ihn zu verstehen, anstatt ihn in Systeme zu drängen. » Pascal Sieber, VR-Präsident von Sieber & Partners Den vollständigen Artikel finden Sie online www.netzwoche.ch Diskussionsrunde am CNO Panel 2020. «Das CNO Panel findet statt. Ist das nicht verrückt?» Mit diesen Worten eröffnete Pascal Sieber, VR-Präsident von Sieber & Partners und Veranstalter des 20. CNO Panels, die Key note, die via Youtube aus dem Casino Bern gestreamt wurde. Tatsächlich hatte Corona die Veranstaltungspläne mehrfach durchkreuzt, aber: «Wir haben es nach dreimal Organisieren doch noch hingekriegt.» «Jammern auf hohem Niveau» Vor dem Gesprächspodium präsentierte Pascal Sieber Zahlen aus dem neuesten Swiss Software Industry Survey. Die Lockdown-Zeit habe auch der Softwarebranche ein Schnippchen geschlagen, und die Wachstumserwartungen seien mit 2,7 Prozent auf einem Tiefpunkt. «Jammern auf hohem Niveau», kommentierte Sieber das Ergebnis, und fügte an, dass schon kommendes Jahr mit einer Erholung und einem Wachstum von mehr als 10 Prozent gerechnet werde. Auch sprach er den Stellen abbau an, den einzelne Unternehmen laut der Umfrage planen. Es seien vor allem Schweizer Firmen, die sich im Ausland engagieren. Diese wollten im schlimmsten Fall ein Prozent ihrer Stellen abbauen. Wie gut ein Unternehmen durch die Coronazeit gekommen sei, hänge auch mit dem Arbeitssegment zusammen. Standardsoftwarehersteller und Systemintegratoren seien die Gewinner, während es in der Individualberatung schlechter aussehe. Plädoyers für den Wandel Dieses Jahr stand das Thema Nachhaltigkeit im Zentrum des Panels. «Die zweite Welle der Digitalisierung ist in vollem Gang», heisst es dazu in der Event-Beschreibung. Es sei der richtige Zeitpunkt, sich Gedanken zu machen, wie die neuen Technologien nachhaltig genutzt werden könnten. Dabei gehe es um technische, soziale, wirtschaftliche sowie ökologische Aspekte. «Nachhaltigkeit beginnt beim Menschen und damit, ihn zu verstehen, anstatt ihn in Systeme zu drängen», sagte Sieber am Schluss po dium. Die vier Unternehmer, die an der Diskussionsrunde teilnahmen, setzen sich auf ganz unterschiedliche Weise mit Digitalisierung auseinander. Sarah Mühlemann sensibilisiert mit Be(a)ware Menschen aller Generationen für Bedrohungen im digitalen Raum. Die digitale Entwicklung bringe nicht nur Chancen, sondern auch Gefahren mit sich, die man aktiv angehen müsse, um soziale und wirtschaftliche Schäden zu verhindern. Es gehe ihr aber nicht nur darum, Menschen zu schulen. Die 22-Jährige plädiert auch für einen Wandel der technischen Systeme. Diese seien heute so designt, dass Nutzer einen Zusatzaufwand leisten müssen, um sie sicher nutzen zu können. «Wer kann sich schon hundert verschiedene Passwörter merken?», fragte sie beispielhaft. Zudem ändere sich auch die Haltung der Menschen etwa hinsichtlich Privatsphäre. «Man wächst anders auf, wenn man schon als Kind alles teilt», sagte sie. Ihre Generation mache das gern und gut, werde dadurch aber auch viel öffentlicher. Möglicherweise habe künftig die Privatsphäre nicht mehr den hohen Stellenwert, den wir ihr heute zuschreiben. Für einen Wandel im Fällen von Entscheidungen steht Christian Häuselmann ein. Ihn habe das «extrem kurzfristige Denken» gestört – ob auf Tinder oder in Vermögensfragen. Inspiriert durch eine Reise nach Hawaii, überlegte er sich, wie man heute Entscheidungen treffen müsste, die auch für die kommenden sieben Generationen gut wären. So startete er dann das Kunstprojekt «Schweiz2291», um zu fragen, wie unser Land in 271 Jahren aussehen könnte. «Ich treffe einen Nerv der Zeit», habe er gemerkt, und viele Leute fühlten sich ähnlich unwohl wie er. «Schweiz2291» hat sich inzwischen vom simplen Buchzum interaktiven Multimediaprojekt weiterentwickelt. 18 / 2020 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business 20 Jahre Netzwoche 13 2017 – vom Freundschaftsnetz zum Feindbild Unglaublich, aber wahr: 2017 zieht Donald Trump ins Weisse Haus. Auf der Suche nach einem Schuldigen schiessen sich Kritiker aller Welt auf Facebook ein. Mark Zuckerberg reagiert mal kämpferisch, mal bussfertig – doch bald findet sich ein besserer Bösewicht. Autor: Joël Orizet i RÜCKBLICK An dieser Stelle blickt die Redaktion auf 20 Jahre Netzwoche zurück. In jeder Ausgabe des Jahres finden Sie die Highlights, Kuriositäten und führenden Köpfe aus zwei Jahrzehnten Schweizer IT- Geschichte. Das Jubiläumsdossier finden Sie online www.netzwoche.ch 2017 ist der Neujahrskater schlimmer als sonst. Selbst wer nicht zerknittert aufwacht, sieht sich mit einer besonders brutalen Realität konfrontiert. In weniger als drei Wochen wird der ehemalige Reality-TV-Star Donald Trump tatsächlich US- Präsident. «How. The fuck. Did this happen?», fragt sich nicht nur Michael Moore in seinem Film 11/9. Diese Frage treibt wohl auch Mark Zuckerberg um. Schon seit der Wahl im November 2016 plagt sich der Facebook-Gründer mit heftigen Vorwürfen herum. Anfangs streitet er sie ab. Dass die Verbreitung von Fake News die Wahlen beeinflusst habe, nennt er eine «verrückte Idee». Im Februar 2017 setzt er zum Gegenangriff an, indem er das neue Facebook’sche Manifest publiziert. Zuckerbergs Antwort auf eine durch Facebook gespaltene Gesellschaft lautet: mehr Facebook. Mehr Communitys. Und mehr künstliche Intelligenz, die dabei helfen soll, Krankheiten, Kriminalität und Selbstmorde zu verhindern. Die Vision von einer besseren Welt soll auch dem Geschäftsmodell von Facebook dienen. In finanzieller Hinsicht ist 2017 ohnehin ein flottes Jahr für Facebook. Der Nettogewinn klettert um 56 Prozent auf fast 16 Milliarden Dollar. Doch das Image kommt gehörig unter die Räder. Mehr und mehr Kritiker tun sich hervor. Zum Beispiel Frühinvestor Sean Parker, der das Netzwerk als «soziale Bestätigungsmaschine» bezeichnet, die «Gott weiss was mit den Gehirnen unserer Kinder anrichtet». Oder der renommierte Historiker Niall Ferguson, der im Interview mit der «Zeit» sagt: «Facebook zerstört die Demokratie.» Flatterhaft wie Fähnchen im Wind Diesen Vorwurf will Facebook entkräften. Im Herbst präsentiert das Unternehmen einen 9-Punkte-Plan, um gegen Wahlmanipulation im sozialen Netzwerk vorzugehen. Und Zuckerberg gibt sich geläutert: Er bereue es, dass er die Vorstellung, Fehlinformationen auf Facebook hätten den Ausgang der Wahl beeinflusst, als verrückte Idee bezeichnete. Vier Tage später bittet er anlässlich des jüdischen Feiertages Yom Kippur um Vergebung und gelobt Besserung. Tatsächlich unternimmt Facebook einen Anlauf, um das Problem in den Griff zu kriegen. Medienpartner sollten so viele Falschmeldungen wie möglich als solche kennzeichnen und deren Verbreitung eindämmen. Doch im Dezember ist damit Schluss. Der Ansatz, Fake News mit roten Fähnchen zu markieren, habe nicht die erhofften Fortschritte gebracht. Im Gegenteil: Die Kennzeichnungen hätten sogar noch mehr Aufmerksamkeit auf die umstrittenen Inhalte gelenkt, teilt das Unternehmen mit. Nominiert zum nächsten Bond-Bösewicht Während sich Zuckerberg mal reumütig, mal heldenhaft zeigt, schafft es ein bislang kaum bekannter britischer Geschäftsmann aus dem Schatten auf die grosse Bühne. Ein gewisser Alexander Nix, der durch die Welt tourt und Werbung macht für seine Firma namens Cambridge Analytica. Ob man bei ihm einen Wahlsieg kaufen kann, fragt ihn die «Frankfurter Allgemeine Zeitung». Er würde es anders formulieren, sagt er. «In entwickelten Demokratien hat jede Partei das Recht, die beste Technologie zu nutzen, die sie sich leisten kann. Wir bieten sie an.» Nix spricht in Hamburg vor Zehntausenden Zuschauern. Die Besucher der Marketingmesse OMR scheinen ebenso fasziniert wie verstört über seine Ausführungen zu sein. Dasselbe gilt für die Nutzer, die den Vortrag auf Youtube sehen. Im Kommentar mit den meisten Likes heisst es, Nix hätte das Zeug zum nächsten Bond-Bösewicht. Er wird die Rolle jedoch nicht bekommen. Denn im März 2018 fällt er in Ungnade. Und zwar nicht deswegen, weil seine Firma auf die Facebook-Profile von über 50 Millionen US-Bürgern zugegriffen und so Stimmung für Donald Trump gemacht hatte. Nix verliert seinen Job, weil er vor versteckter Kamera damit prahlt, dass seine Firma nicht davor zurückschreckt, Schmiergelder, Spione und Prostituierte einzusetzen, um Politiker zu diskreditieren und Wahlen zu beeinflussen. Netzwoche-Ausgaben aus dem Jahr 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 18 / 2020

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