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Netzwoche 18/2020

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Was die Cloud Start-ups

Was die Cloud Start-ups zu bieten hat – und was nicht Kosten sparen mit der Cloud? So einfach ist es nicht, wie sich am Herbstevent von Eurocloud Swiss gezeigt hat. Doch die Cloud macht vieles überhaupt möglich, insbesondere für Start-ups – sofern sie die Vorteile zu nutzen wissen. Autor: Joël Orizet Martin Andenmatten (l.), Präsident von Eurocloud Swiss, und Primo Amrein, Cloud Lead bei Microsoft Schweiz. 14 Business Event Der Fachverband Eurocloud Swiss hat alle Register gezogen, um den Herbstevent 2020 so interaktiv wie möglich zu gestalten. Aus bekannten Gründen ging die Veranstaltung online über die Bühne. Die Videokonferenzlösung, die zum Einsatz kam, hatte es in sich: Es gab eine Online- Bühne, wo die beiden Keynotes stattfanden, einen Raum für die Podiumsdiskussion, einen Chat, in dem die Zuschauer Fragen stellen konnten, die Möglichkeit für private Direktnachrichten – und noch einen separaten Raum für die abschliessende, virtuelle Netzwerkparty. « Die Cloud ist die ideale Umgebung für Gründer – wie früher vielleicht die Garage. » Martin Andenmatten, Präsident von Eurocloud Swiss «Wir sind überzeugt, dass die Cloud die Delivery-Plattform der Zukunft ist», sagte Martin Andenmatten, Präsident von Eurocloud Swiss, zum Auftakt. Die Veranstaltung solle eine Plattform für den Erfahrungsaustausch bieten. Und getreu dem Motto «Start-up – Cloud als Chance» insbesondere Jungunternehmen die Vorteile des Cloud Computing näherbringen. «Die Cloud ist die ideale Umgebung für Gründer – wie früher vielleicht die Garage.» Mentoring bei Microsoft: Wer hat’s erfunden? Primo Amrein, Cloud Lead bei Microsoft Schweiz, zeigte den Zuschauern, was Microsoft für Start-ups zu bieten hat. Der Hersteller fördert insbesondere B2B-Start-ups – durch Vergünstigungen für den Zugang zu Azure, Unterstützung in Rechtsfragen (beispielsweise durch Schutz vor Patentklagen) sowie durch die Beziehungen zu Kunden und den mittlerweile rund 4500 Schweizer Microsoft- Partnern. «Besonders stolz sind wir aber auf das Mentoring- Programm, das wir bei Microsoft Schweiz erfunden haben», sagte Amrein. Microsoft stelle den Start-ups im entsprechenden Programm jeweils einen Mentor zur Seite. Dieser helfe den Jungunternehmen, sich in der Microsoft-Welt besser zurechtzufinden. Und vor allem: «Das Mentoring unterstützt Start-ups dabei, neue Märkte zu erschliessen.» Sicherheit als Wettbewerbsvorteil Security first – dieser Grundsatz sollte auch für Start-ups gelten, wie Marcel Dopple, Solution Sales bei der Swisscom, zu verstehen gab. Die Vorbereitung auf mögliche Vorfälle sei denn auch ein Wettbewerbsvorteil. Denn: «Die Frage ist nicht ob, sondern wann es dazu kommt, dass Ihr KMU betroffen wird», sagte Dopple. Cyberkriminelle passen sich schnell an. Das habe auch der Lockdown gezeigt, sagte Dopple. Er zeigte eine Auswertung auf Grundlage von Zahlen des im Juli neu gegründeten Nationalen Zentrums für Cybersicherheit, zu dem nun die Melde- und Analysestelle Informationssicherung des Bundes (Melani) gehört. Die Grafik (Bild rechts) zeigt, wie stark die Cybervorfälle hierzulande zugenommen haben. «Vor allem Homeoffice-User geraten ins Visier der Kriminellen», sagte Dopple. Die Angreifer würden sich mehr und mehr mit ihren potenziellen Opfern auseinandersetzen und so versuchen, sie mit perfiden Tricks in die Falle zu locken. Wie kann sich ein Start-up schützen? Die Tipps klingen vielleicht banal, sind aber wirksam: sauberes Patch- Management, Back-up-Konzepte, aktueller Firewall- Schutz, Netzwerk- und Nutzersegmentierung, bedarfsgerechte Benutzerrechte und ein angemessener Schutz der Fernzugriffe, beispielsweise durch Zwei-Faktor- Authentifizierung. 18 / 2020 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Event 15 « Kleine Anbieter können nicht über Skaleneffekte konkurrieren – und ich fürchte, dass die Cloud solche Skaleneffekte braucht. » Thomas Dullien, Mitgründer und CEO von Optimyze Der Lock-in-Effekt als grosse Herausforderung Die Podiumsdiskussion drehte sich unter anderem um das berüchtigte Vendor-Lock-in. «Das ist eine grosse Herausforderung – für viele Unternehmen ist es sogar eine Sackgasse», sagte Lukas Blabol, Mitgründer von Desktop Studio. «Im Prinzip will jeder Kunde die Freiheit haben, morgen den Cloud-Provider zu wechseln. Doch die Hyperscaler tun alles, um das zu verhindern.» Wie sieht es mit der Marktstellung der kleinen Cloud- Anbieter aus? Haben die gegen Microsoft, Google und AWS überhaupt eine Chance? «Das wird schwierig», sagte Thomas Dullien, Mitgründer und CEO von Optimyze. «Kleine Anbieter können nicht über Skaleneffekte konkurrieren – und ich fürchte, dass die Cloud solche Skaleneffekte braucht.» Er würde sich wünschen, sagte er, dass es einen gesunden Wettbewerb gäbe. «Doch die grossen Cloud- Provider wollen alle das nächste IBM werden.» Sie würden ihre Angebote so designen, dass es möglichst schwierig ist, grosse Datenmengen wieder aus der Cloud herauszuholen oder den Anbieter zu wechseln. «Die Kosten einer Datenmigration können signifikant sein. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Data Gravity.» Nicht zwingend billiger, aber besser Für die kleinen Cloud-Anbieter gibt es aber dennoch Chancen. «Es gibt immer einen Platz für die Kleinen», sagte Lukas Blabol, «aber sie müssen sich spezialisieren.» Es gilt also, die richtige Nische zu finden und mit Kundendienst oder Spezialangeboten aufzuwarten. Was die Wahl des Cloud-Anbieters betrifft, sollten nicht nur die Kosten auf dem Prüfstand stehen. Ohnehin sei das Argument, mit der Cloud wird alles günstiger, zu kurz gegriffen. «Die Cloud ist nicht per se günstiger», sagte Blabol. Die grossen Vorteile der Cloud bestünden darin, Innovationen zu entwickeln und sie auf den Markt zu bringen. «Ich hoffe, dass der derzeitige Digitalisierungsschub nachhaltig ist. Die Leute sollten eigentlich nicht auf die Cloud aufspringen, nur weil sie es müssen. Sie sollten es wollen und auch verstehen, warum sie es wollen.» «Für uns sind die grossen Cloud-Provider eine Hassliebe», sagte Blabol. Es gebe tatsächlich viele Stolpersteine. Zum Beispiel: «Windows 10 darf ich nur auf Azure virtualisiert betreiben. Dieselben Einschränkungen gibt es natürlich auch bei Google. Das müsste nicht sein. Aber es ist nun mal so: Jeder versucht, seinen Garten zu schützen.» Andererseits würden die Hyperscaler vieles ermöglichen. «Die Public Cloud ist eine riesige Chance. Wir können heute Dinge tun, von denen wir früher noch nicht einmal geträumt hätten.» Für Start-ups: ein naheliegender Schritt Und für Start-ups sei die Cloud ohnehin ein naheliegender Schritt, sagte Thomas Dullien. «Die Cloud ist fantastisch für alle, die variable Workloads haben.» Ab einer gewissen Grössenordnung könnte es für bestimmte Unternehmen allerdings plötzlich wieder interessant werden, On-Premise-Angebote zu prüfen. «Ich hoffe, dass wir an den Punkt gelangen, an dem On Premise wieder Sinn ergibt», sagte Dullien. Nach der Diskussion schaltete sich Martin Andenmatten ein, sichtlich gut gelaunt und mit einem Hut auf dem Kopf. Er lud die Teilnehmenden dazu ein, in den Meet-up- Raum zu wechseln – «vielleicht mit einem Gläschen, um die Diskussion im entspannten Rahmen weiterzuführen». Den vollständigen Artikel finden Sie online www.netzwoche.ch www.netzwoche.ch © netzmedien ag 18 / 2020

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