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Netzwoche 19-20/2019

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44 Management & Career

44 Management & Career Nachgefragt « Die Cloud ermöglicht es Start-ups, einen globalen Markt zu erreichen » Herbert Wanner ist langjähriger Beirat von Eurocloud Swiss und hat sich eingehend mit der Entwicklung der Cloud, der Cloud-Service-Provider und mit der Nutzung von Cloud-Services befasst. Im Interview verrät er, warum Start-ups auf die Cloud setzen sollten. Interview: Oliver Schneider Und nun rücken Start-ups in den Fokus ? Unser Anspruch ist es, mit der Aktualisierung unseres Event-Formats die neuen Trends zu erfassen und für unsere Mitglieder aktuell zu bleiben. Da das Thema Innovation und Start-up-Szene am Wirtschaftsstandort Schweiz in der öffentlichen Wahrnehmung in letzter Zeit an Bedeutung gewonnen hat, haben wir den Zusammenhang zwischen Start-ups und der Cloud zum Thema unserer neuen Event-Serie gemacht. Die erste Durchführung am 29. Oktober unterstrich mit einer grossen Teilnehmerzahl das Interesse am Thema. « Alle globalen Public- Cloud-Provider unterhalten ein Förderprogramm für Start-ups. » Herbert Wanner, Beirat, Eurocloud Swiss Wo liegen für Start-ups die wichtigsten Chancen der Cloud ? Mit der Nutzung der Cloud hat ein Start-up die Möglichkeit, das Geschäftsmodell von Anfang an zu internationalisieren. Die Cloud ermöglicht es den Start-ups, rasch und mit wenig Kapitaleinsatz einen globalen Markt zu erreichen und hat damit beste Voraussetzungen, um das Geschäftsmodell zu skalieren und Wachstum zu generieren. Vor der Cloud-Ära war ein Start-up in der Anfangsphase in vielen Fällen an den lokalen Heimmarkt mit geringem Skaleneffekt gebunden. An eine Internationalisierungsstrategie, um einen grossen Skaleneffekt zu erzielen, war erst in einer späteren Phase zu denken. Das vollständige Interview finden Sie online www.netzwoche.ch Warum hat Eurocloud Swiss die Halbjahresevents im Herbst 2019 auf das Thema «Start-up – Cloud als Chance» ausgerichtet ? Herbert Wanner: Nachdem in der Anfangsphase der Cloud- Entwicklung die Frage der Vertrauenswürdigkeit der Cloud im Vordergrund stand und die Frage, ob und wie Unternehmen mit eigener IT-Infrastruktur den Weg in die Cloud bewerkstelligen sollten, war die zweite Entwicklungsphase geprägt von der Frage des Nutzens der Cloud. Zum Beispiel erkannte man, dass die Cloud den Einstieg in das Internet der Dinge ermöglicht oder als Enabler für Big Data und Analytics sowie als Plattform für künstliche Intelligenz dient. Parallel dazu hat der Siegeszug der Cloud zu einer grossen Zahl von Cloud-Service-Providern geführt. All diesen Themen hat Eurocloud Swiss in den letzten Jahren Veranstaltungen gewidmet. Wie unterstützen AWS, Alibaba, Microsoft und Google Start-ups bei der Internationalisierung ihres Geschäfts ? Alle globalen Public-Cloud-Provider unterhalten heute ein umfangreiches Förderprogramm für Start-ups. Neben diversen Hilfestellungen in der Anfangsphase wie Finanzierungshilfen, Cloud-Architektur-Beratung oder Vergünstigungen bei der Nutzung von Cloud-Services bieten die Förderprogramme auch Unterstützung bei der Erschliessung grosser Märkte im Ausland. Ist die Cloud für Jungunternehmer auch eine Chance zur Profilierung im Executive Management oder ein Karriere-Sprungbrett ? Die Begriffe «Executive Management» und «Karriere- Sprung brett» verbinde ich in erster Linie mit einer Tätigkeit als Angestellter in einem Grosskonzern. Ich stelle mir eine ideale Laufbahnentwicklung vom Sachbearbeiter bis auf den Executive-Level über eine Laufzeit von 10 bis 15 Jahren vor. Ein Hochschulabsolvent, der in ein Start-up einsteigt, entscheidet sich aktiv für eine unternehmerische Tätigkeit, verbunden mit Risiken und gegen eine Karriere als Angestellter in einem Grosskonzern mit Aufstiegschancen. Ich glaube, dass hinter dem Entscheid «Start-up-Unternehmer» oder «Angestellter mit Laufbahnentwicklung» zwei verschiedene Persönlichkeitsprofile stehen. 1920 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Management & Career Fachbeitrag 45 Die häufigsten Fehler beim Verkauf des eigenen IT-Unternehmens Für viele IT-Unternehmer stellt sich die Frage nach dem Firmenverkauf nur ein Mal in ihrem Leben. Finden sie keinen Nachfolger in der Familie oder bei den Mitarbeitern, dann ist der Verkauf oft die einzige Option. Durch ihre Unerfahrenheit begehen sie dabei aber häufig gravierende Fehler. Erfahrungsgemäss warten Unternehmer mit ihrer Nachfolge zu lange. So lange, dass es plötzlich schnell gehen muss. Doch bereits die ersten Analysen zeigen grosse Schwachstellen. Das zu verkaufende Unternehmen ist weder strategisch reif noch organisatorisch fit für einen sinnvollen Verkauf. Mit dem Resultat, dass keine seriösen Kaufangebote eingehen oder nur zu einem lächerlich tiefen Preis. Firmenverkauf im Alleingang Im ersten Versuch wendet sich der Unternehmer meist selbst an potenzielle Käufer. Entweder über ein Verkaufsportal, bekannte Unternehmer, seine Hausbank oder über seinen Treuhänder. Auch wenn dem Unternehmer in den nachfolgenden Treffen von Investoren assistiert wird, so agiert er in den zentralen Fragen des Verkaufsprozesses dennoch als Einzelkämpfer. Weder der Treuhänder noch die Hausbank verstehen sein Geschäftsmodell und andere IT-Spezifika, die sich bei Nicht- oder Falschdarstellung schnell mal im hohen zweistelligen Prozentbereich auf den Wert seiner Firma auswirken können. Er selbst hingegen hat keine Erfahrung und kein Wissen, wie der Verkaufsprozess für sein Unternehmen abläuft und worauf zu achten ist. Seinen Fokus richtet er meist auf den Firmenwert und lässt diesen errechnen. Doch der Verkaufspreis richtet sich nie nach einer Unternehmensbewertung, sondern nach dem Preis, den ein Käufer zu zahlen bereit ist. Daher kann der angebotene Preis (deutlich) tiefer sein, er kann aber auch wesentlich höher ausfallen. Nur selten entspricht er dem errechneten Preis. Ungeachtet dessen braucht der Unternehmer eine eigene Indikation zum Wert seines Unternehmens. Dazu reicht die einfache Formel von «x mal Ebit» völlig aus. Kommt hinzu, dass fast nie ein «nackter» Preis bezahlt wird, sondern dass die praktischen Kaufpreismodelle deutlich komplexere Preisabgeltungen vorsehen. Verkaufsprozess wird unterschätzt Der Verkaufsprozess ist komplex. Trotzdem sollte der Verkäufer (idealerweise durch seinen M&A-Berater geführt) den Druck auf Kaufinteressenten hochhalten und den Prozess vorantreiben. Ein erfolgreicher Verkauf dauert selten weniger als sechs, im Idealfall zwischen neun und zwölf Monaten. Zieht sich der Prozess länger als ein Jahr hin, so liegt entweder ein Spezialfall vor oder es ist sonstwo der Wurm drin. Der Verkaufsprozess ist zudem sehr intensiv. Insbesondere in den Verhandlungsphasen des Letter of Intent und der Verträge sowie während der Due-Dilligence-Prüfungen sind Nachtschichten und Wochenendarbeiten keine Seltenheit. Diese müssen vom Unternehmer neben seinem operativen Geschäft mengenmässig, aber auch mental geleistet werden können. Noch nicht bereit, «loszulassen» Es kommt immer wieder vor, dass sich ein IT-Unternehmer euphorisch in den Verkaufsprozess stürzt. Mit zunehmender Konkretisierung des Deals und damit verbunden meist auch seines absehbaren Abgangs aus der Firma wachsen aber emotionale Widerstände. Im schlechtesten Fall führen sie dazu, dass eine gute Transaktion in letzter Minute abgeblasen wird. Ein guter Begleiter erkennt mit seinem Aussenblick die emotionale Bindung seines Mandanten an dessen Firma deutlich klarer und spricht es frühzeitig an. Sollte die Bindung noch zu stark sein, ist es entweder noch nicht der richtige Zeitpunkt für den Verkauf oder es braucht eine gute «Abnabelungsstrategie». i DER AUTOR EVENT Urs Prantl Mentor für IT- KMUs bei KMU Mentor und M&A-Berater bei Evolutionplan Am 13. Januar 2020 thematisiert Focus on Future in Baden das erfolgreiche Verkaufen und Zukaufen von IT-Unternehmen. Anmeldungen werden unter www.focus-on-future.ch angenommen. Der Verlag Netzmedien ist Medienpartner von Focus on Future. Den Artikel finden Sie auch online www.netzwoche.ch www.netzwoche.ch © netzmedien ag 1920 / 2019

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