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Netzwoche 4/2019

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16 People Live Sie sind

16 People Live Sie sind seit etwas mehr als einem Jahr CEO von Avaloq, welches « Mit Software allein ist es nicht mehr getan » Fintechs, Entwickler von Drittparteien und Banken erhalten bei Avaloq Zugang zu über 150 API Endpoints, die sie wie aus einer Art Bibliothek beziehen können. Damit ermöglicht Avaloq schnellere Innovation und hilft Banken bei der Digitalisierung ihres Geschäfts. Avaloq-CEO Jürg Hunziker orchestriert das global tätige Unternehmen seit einem Jahr. Interview: Marc Landis i ZUR PERSON Jürg Hunziker kam 2016 zunächst als Chief Market Officer und Deputy CEO in die Konzernleitung von Avaloq. Er hatte zuvor die Europa-Divi sion von SunGard aufgebaut und geleitet und war für den Launch einer Reihe von Kapitalmarktlösungen verantwortlich. Ausserhalb der Arbeit ist er ein begeisterter Radfahrer, Läufer und Wanderer. Als aktiver Naturschützer unterstützt er verschiedene gemeinnützige Einrichtungen, die sich den Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz widmen. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_127407 Fazit ziehen Sie? Jürg Hunziker: Das Jahr ist rasch vorbeigegangen, und das zeigt auch, dass es nicht nur für mich, sondern für uns alle bei Avaloq eine spannende Phase ist. Der Faktor Zeit – Neudeutsch « Time to Market » – ist heute, abgesehen von der eigentlichen Innovation, der wesentliche Treiber in der Transformation der Finanzindustrie. Die Welt dreht sich nicht schneller, aber die Erwartungshaltung an eine schnelle Umsetzung von Innovationen und neuen Geschäftsmodellen ist drastisch gestiegen. Was bedeutet das für Avaloq? Wir sind strategisch gut aufgestellt, um die sich daraus ergebenden Bedürfnisse abzudecken. Wir streben nach Balance zwischen Kontinuität und kurzfristiger Innovation. Im Bereich Innovation experimentieren wir viel und lassen auch Fehler zu. Banken brauchen mehr denn je umfassende Gesamtlösungen, und darüber hinaus steigt die globale Nachfrage nach Prozessauslagerungen. Konsequenterweise entwickeln wir also nicht mehr nur Software, sondern betreiben diese für unsere Kunden auch als Outsourcing-Service. Ich habe viel Freude an der Firma und unseren Mitarbeitenden, die mit viel Herzblut für die Kunden da sind. Sie haben die Konzernspitze nach Ihrem Antritt umgebaut. Warum war das nötig? Nach der Stärkung unserer Kapital- und Aktionärsstruktur im Jahr 2017 war dies ein weiterer Schritt, um unsere Strategie noch schneller umzusetzen. Mit der neuen Organisation unter dem erweiterten Führungsteam können wir uns noch stärker auf die Kundenbedürfnisse und auf die Entwicklungen in den einzelnen Marktregionen fokussieren. Ein tragendes Element ist die internationale Expansion, die auch Innovation für unserer Schweizer Kunden hervorbringt. Zudem erlaubt uns die neue Struktur, unser Technologie- und Dienstleistungsangebot noch gezielter einzubringen, weil wir näher am Puls der globalen Märkte sind. Die Nachfrage nach Automatisierungslösungen im globalen Bank- und Vermögensverwaltungsgeschäft nimmt laufend zu, woraus sich erhebliche Wachstumschancen für Avaloq ergeben. Diese Chancen können wir nun breit und effizient wahrnehmen. Eine neue weitere Stelle haben Sie mit dem Group Chief Product Officer geschaffen. Welche Aufgaben hat er? Der Chief Product Officer ist sozusagen ein Übersetzer zwischen Technologie und Service auf der einen Seite und Kunden und Märkten auf der anderen Seite. Dabei wird er eng mit unserem Group Chief Technology Officer und natürlich mit den Marktverantwortlichen zusammenarbeiten. Ich bin überzeugt, dass wir so unsere bestehenden Lösungen noch besser skalieren und unseren Kunden dabei helfen, ihre Kunden noch besser zu bedienen. Mit dem erweiterten Produktmanagement wollen wir mit schnellem Prototyping die Innovationskraft von Avaloq « Mit dem Prinzip ‹ try fast, fail fast, learn fast › sind wir in der Lage, schnell abzuschätzen, ob eine Innovation vom Markt gut aufgenommen wird. » Jürg Hunziker, CEO, Avaloq weiter erhöhen. Mit dem Prinzip «try fast, fail fast, learn fast» sind wir in der Lage, schnell abzuschätzen, ob eine Innovation vom Markt gut aufgenommen wird, und werden so noch agiler. Was sind aus Ihrer Sicht aktuell die Herausforderungen im Softwaremarkt für Finanzdienstleister? Mit Software allein ist es nicht mehr getan. Technologie bleibt ein entscheidender Faktor, darum investieren wir jedes Jahr über eine Million Stunden in Innovation. Aber ich sehe langfristiges Wachstum nur in Verbindung mit Dienstleistungen wie Software-as-a-Service oder Business-Processas-a-Service. Letzteres erlaubt es Banken, einen grossen Teil der Abwick­ 04 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

People Live 17 « Wir gehen im Recruiting neue digitale Wege. » Jürg Hunziker, CEO, Avaloq lung uns zu überlassen, sodass sie sich auf ihr differenzierendes Kerngeschäft konzentrieren können. Wie unterstützt Avaloq die digitale Transformation bei Finanzdienstleistern? Wir automatisieren die Finanzbranche im Backoffice, im Frontoffice und in der Interaktion mit den Kunden und unabhängigen Vermögensberatern. Ein Beispiel dafür ist, dass wir im Backoffice Prozesse automatisieren und diese kaum mehr manuelle Eingriffe benötigen. Damit steigt die Effizienz eines Finanzinstituts markant. Dazu kommen Digital-Banking-Lösungen von uns sowie von anderen Fintechs, von denen auch die Endkunden profitieren. Wir glauben, dass sich Finanzinstitute heute und in Zukunft vollumfänglich auf ihr Kerngeschäft und ihre Kunden fokussieren können. Technologie ist hierfür entscheidend, und wir helfen Banken bei dieser Transformation. Fintech-Unternehmen wie Wirecard oder N26 mischen die Finanzwelt auf. Wie verändert sich dadurch das Umfeld für bestehende Firmen und ihre IT-Partner? Innovationsgeschwindigkeit ist sehr wichtig, um den Erwartungen der Konsumenten zu entsprechen. Daher setzen wir verstärkt auf Kollaboration mit innovativen Fintechs. Sie erhalten Zugang zu einem offenen Markplatz, auf dem sie Banken in unserer Community ihre Lösungen anbieten können. Damit verbessert sich dann natürlich der Service, den Banken ihren Kunden bieten können. Banken und Versicherungen müssen sich wandeln, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Wie kann die IT da helfen? IT ist der Schlüssel zu diesem Kulturwandel. Offene Plattformen erlauben schnellere Time-to-Market. Wesentlich dabei ist aber, dass die Daten dabei konsistent bleiben und die jeweilige Plattform auch skaliert und mit der Bank sozusagen mitwachsen kann. Auch in der Finanzwelt ist viel vom Einsatz künstlicher Intelligenz die Rede. Welche Bedeutung hat diese Technologie für Avaloq? Wir befassen uns bereits seit Längerem sehr konkret mit dem Thema KI. Unsere Softwareplattform bietet Banken eine sehr gute Grundlage für KI-Anwendungen. Wir verfolgen diesen Trend und fokussieren stark auf Effizienz und intelligentes Banking. Ein wesentliches Potenzial für den Einsatz von KI und Robotics liegt in der zusätzlichen Automatisierung der Abwicklungsprozesse wie Corporate Actions und Exception Management. Avaloq hat einen Venture-Fonds für Fintechs gegründet. Was bezwecken Sie damit? Mit Avaloq Ventures erhöhen wir die Innovationsgeschwindigkeit – sowohl unsere als auch die unserer Kunden. Wir gehen dabei in drei Schritten vor : Erstens machen wir innovative Start-ups und Unternehmen ausfindig. Zweitens verschaffen wir ihnen Zugang zu Risikokapital und Finanzierungen. Und drittens begleiten wir sie bei der Weiterentwicklung, schauen, dass sie ihr volles Marktpotenzial ausschöpfen und skalieren können. Eine klare Win-win-Situation: Avaloq verstärkt sich innovativ und erschliesst sich zusätzliche Expertise und Lösungen. Die Start-ups erhalten Zugang zu Kapital, Know-how und einer globalen Kundenbasis. Wie bindet Avaloq Fintechs an die Avaloq Banking Suite an? Unsere Kunden sind automatisch Teil des Avaloq-Ökosystems und profitieren von einem offenen Marktplatz, dem Avaloq Software Exchange. Das ist eine Art App Store für Banken. Möglich machen wir dies durch offene Programmierschnittstellen. Aktuell erhalten Fintechs, Entwickler von Drittparteien, aber auch Banken direkten Zugang zu über 150 sogenannten «API Endpoints», die sie wie aus einer «Bibliothek» beziehen können. Avaloq ist am Lausanner Blockchain- und Crypto-Currency- Spezialisten Metaco mit 10 Prozent beteiligt. Warum? Wir beschleunigen Innovation und die Time-to-Market von neuen Produkten. Blockchain-Technologien und -Anwendungen prägen die Finanzbranche stark und führen zu einem Wandel der erbrachten Dienstleistungen. Metaco ist darauf spezialisiert, Banken und Finanzinstitute dabei zu unterstützen, die neuesten Blockchain- Technologien und -Systeme für sich zu nutzen. Metaco als Pionier hat diesen Trend früh erkannt. Mit unserer Beteiligung erschliessen wir zusätzliches Know-how eines Branchen-Leaders für uns und komplementieren damit unsere eigenen Lösungen im Bereich der Blockchain-Technologie. Wie schätzen Sie den Einfluss der Blockchain-Technologie auf die Finanzbranche ein? Die Blockchain ist noch jung und muss weiter reifen. Wir glauben aber, dass die Technologie langfristig bleiben www.netzwoche.ch © netzmedien ag 04 / 2019

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