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Netzwoche 4/2019

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28 XXXXXXXXXXX XXXXXXXXXXXX Illustration: elenabs / iStock FOCUS IOT FÜR LOGISTIK UND MOBILITÄT Logistik und Mobilität vernetzt im IoT osc. Zukunftsszenarien zum Internet der Dinge (IoT) gibt es viele. Eines davon lautet, dass irgendwann jeder Apfel nach der Ernte mit einem Etikett versehen wird, dessen Code ihn eindeutig identifizierbar macht. Vom Baum wandert das Obst in eine Transportbox, deren Sensoren Luftfeuchtigkeit, Temperatur oder Gewicht fortlaufend in eine Blockchain schreiben. Zur Verarbeitung und nachher weiter in den Supermarkt geht es mit einem selbstfahrenden Lastwagen, der seine Route je nach Verkehrssituation und Bestimmungsort wählt. Im Laden angekommen, sorgt ein Computer dafür, dass der Apfel richtig gelagert und den Kunden präsentiert wird. Hat die Frucht dann ihren Käufer gefunden, kann dieser den Code per App scannen und so herausfinden, wie der Apfel seinen Weg in den Einkaufskorb fand. Noch sind nicht alle Waren, Transportmittel und Geräte so mit dem Internet verknüpft. Doch es gibt nur wenige Branchen, die so stark auf das Internet der Dinge setzen wie die Logistik und Mobilität. Ausser der Nachverfolgbarkeit winken durch IoT-Lösungen auch Effizienzgewinne, bessere Qualitätskontrollen und mehr Transparenz. Vier Perspektiven dazu sind auf den folgenden Seiten versammelt. Christian Koller zeigt, wie Firmen aus IoT-Erfahrungen von Start-ups lernen können. Bei Christian Fässler dreht sich alles um den Aufbau von Tracking-Lösungen. Dass auch die Sicherheit im IoT nicht zu kurz kommen darf, darüber schreibt Dominik Wotruba. Im Interview gibt Thomas Amberg, Dozent am Institut für Mobile und Verteilte Systeme der FHNW, Auskunft über den Stand des IoT, das Potenzial der Technik und die Herausforderungen bei der Umsetzung. 04 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Focus 29 Neue IoT-Ansätze: Was wir von Start-ups lernen können Bei technikgetriebenen Start-ups verschmelzen Geschäftsmodell, IT und Fachwissen in besonderer Weise. Aus dem Aufbau eines solchen Geschäfts lassen sich viele Erkenntnisse für moderne IoT-Ansätze ableiten, wie ein Schweizer E-Bike-Sharing-Start-up zeigt. Ein erfolgreiches Start-up aufzubauen, bringt viele Herausforderungen mit sich: etwa ein beschränktes Budget und die fortlaufende Anpassung des Geschäftsmodells. Gerade bei IT-getriebenen Geschäftsmodellen zwingt das aber auch alle Beteiligten, über den Tellerrand zu schauen und Technologie, Business und Fachkompetenz eng zu verzahnen. Ein gutes Beispiel ist die Schweizer Bike-Sharing-Plattform Smide – ein Start-up mit inzwischen über 20 000 Kunden. Doch die Umsetzung war nicht immer einfach. Welche Lektionen lassen sich daraus lernen? 1. Bedürfnisse statt Produkte Damit ein innovatives Geschäftsmodell rentabel wird, müssen immer wieder neue Ideen her. Das heisst auch: weg vom Produktdenken, hin zur Erfüllung von Bedürfnissen. Bei Smide kamen etwa Businesskunden dazu oder Erweiterungen des Systems, um spezielle Verwendungszwecke der E-Bikes besser zu bedienen. 2. Aus Daten Erkenntnisse gewinnen Um genau diese Verbesserungen des Geschäftsmodells zu erreichen, braucht es eine intelligente Auswertung grosser Datenmengen. Das System muss daher den vollen Zugriff auf die Historie gewährleisten. So lassen sich aus Mustern Bedürfnisse und neue Chancen für das Business ableiten sowie Ideen zur Automation. Das sind entscheidende Faktoren für die Tragfähigkeit eines Geschäftsmodells. E-Bike-Sharing: Geschäftsmodell und IoT-Plattform. 3. Entwicklung zwischen Effizienz und Sackgasse Für die IoT-Plattform-Entwicklung heisst es, den richtigen Weg zwischen Komplexität und Sackgasse zu finden: Ein Start-up kann sich in der Regel nicht die jahrelange Entwicklung einer «Mega-Plattform» leisten. Sie muss schnell und effizient entstehen. Gleichzeitig darf die Entwicklung aber nicht in eine Sackgasse führen und zukünftige Ideen und Erweiterungen blockieren. Hier ist das Zusammendenken von Business und IT wichtig: Beispielsweise reicht für die Erfüllung eines bestimmten Geschäftszwecks bisweilen die «Light-Variante», wenn sie mit organisatorischen Lösungen kombiniert wird. 4. Microservices – aber mit Köpfchen Das Thema Microservices ist heute allgegenwärtig. Aber jenseits von allen Buzzwords sind Microservices schlicht ein relativ neues Werkzeug. Entscheidend ist, was wir damit anstellen: Microservices nutzen heisst, das Gesamtsystem nach bestimmten Kriterien zu modularisieren. Für den Erfolg der E-Bike-Sharing-Plattform war entscheidend, geschäftliche Kriterien zu wählen anstatt rein technische. So kann sich das System neuen Ideen anpassen. Dank einer intelligenten Konzeption – etwa durch Nutzung von MQTT – sind anspruchsvolle IoT-Prozesse problemlos möglich: etwa die Veränderung des Positions-Sendeintervalls oder der Umgang mit Funklöchern. 5. Kluge Anreizsysteme schaffen Der Erfolg der E-Bike-Sharing-Plattform wäre nicht denkbar ohne die Mitarbeit der Kunden. Hierzu braucht es kluge Anreizsysteme, etwa damit Kunden die E-Bikes an einer Ladestation oder an einem strategischen Ort abstellen. Das System muss solche Erweiterungen zulassen – Geschäftsmodell, IT und die Psychologie hinter Anreizsystemen müssen zusammengedacht werden. Diese Lektionen sind nicht nur für innovative Start-ups relevant. Sie werden angesichts von Budgetrestriktionen und eines «Geschäftsmodells im Fluss» hier besonders deutlich. Alle, die ihr Geschäftsmodell dem digitalen Zeitalter anpassen und ihre Konkurrenzfähigkeit mit neuen Technologien steigern wollen, können die hier genannten Erfahrungswerte nutzen – und ein wenig Start-up-Spirit ins Unternehmen bringen. DER AUTOR Christian Koller Senior Consultant, InnoQ Schweiz www.netzwoche.ch © netzmedien ag 04 / 2019

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