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Netzwoche 4/2019

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38 Management & Career

38 Management & Career Fachbeitrag Raus aus dem stillen Kämmerlein! Partizipativ zu besserer User Experience Die gängigen Methoden, mit denen heute an der User Experience gefeilt wird, sind erprobt und breit akzeptiert. Besonders im agilen Umfeld lohnt sich aber ein partizipativer Prozess: Wird das Projektteam stärker beim Suchen nach Lösungen involviert, beschleunigt das den Prozess und verbessert die Resultate. DIE AUTOREN Klaus Heyden Senior Usability & User Experience Consultant bei Die Ergonomen Usability Christopher H. Müller Expert Consultant, Inhaber von Die Ergonomen Usability Geht es darum, eine bestehende Software, eine Website zu erweitern oder nutzerfreundlicher zu machen, dann stehen heute bewährte Verfahren zur Verfügung. Der Ablauf ist bekannt und gestaltet sich meist folgendermassen: ·· Das Projektteam entwickelt für bestimmte Use Cases Lösungen – entweder als funktionalen Prototyp oder als Code. ·· Die UX-Fachleute testen die Lösungen und entwickeln für jedes Usability-Problem einen konkreten, oft auch visualisierten Lösungsvorschlag. ·· Ihre Befunde und Lösungsvorschläge diskutieren und priorisieren sie mit dem Auftraggeber. ·· Am Ende resultiert ein Bericht, der die Optimierungen beschreibt. Im Idealfall dient er gleich als Auftragsbeschreibung zuhanden der Entwickler. Bei diesem Vorgehen kommen die Testbefunde und die Optimierungsvorschläge von den UX-Fachleuten. Ihr Know-how erlaubt es ihnen, aus den Testbefunden speditiv sinnvolle Lösungen zu formulieren und gleichzeitig die nötige Dosis «Aussensicht» einzubringen. Dieses, nennen wir es Standardverfahren, hat sich bewährt und ist breit akzeptiert. Trotzdem kann es auch Nachteile haben. Es kommt schon vor, dass Lösungsvorschläge nur schwer umsetzbar sind, weil sich die UX-Fachleute der Einschränkungen und Anforderungen hinsichtlich Technik, Design, Marketing oder Businessstrategie nicht im Detail bewusst waren. Dadurch können Verzögerungen entstehen, die speziell bei agil arbeitenden Teams stören. Lean Evaluation Um solches zu vermeiden, kann es wertvoll sein, das Projektteam direkt in die Usability-Optimierung einzubinden. Die UX-Fachleute wirken dann weniger als Lösungslieferanten, sondern mehr als Ideengeber, als Moderatoren, als Qualitätssicherer, als Anwälte der Nutzer. Für die partizipative Optimierung der UX hat sich folgendes Vorgehen bewährt: ·· Neu wird der Status quo stets im Beisein der Use-Case- Eigentümer getestet. ·· Sie entwickeln anschliessend für die gefundenen Probleme selbst konkrete Verbesserungen. Parallel dazu erarbeiten auch die UX-Fachleute Lösungsideen, vor allem für die komplexeren Probleme. ·· Die von den Eigentümern erarbeiteten Verbesserungen werden in einem Workshop präsentiert, diskutiert, in Massnahmen gegossen. Hier sind alle relevanten Projektbeteiligten dabei. Auch die UX-Fachleute bringen ihre Sicht und ihre Erfahrungen ein. Am Ende des Workshops ist klar, welche Massnahmen umgesetzt werden. Die Zeit, die der Auftraggeber in die UX-Workshops investiert, lohnt sich, weil er Lösungen erhält, die von vornherein alle wichtigen Anforderungen und Erkenntnisse berücksichtigen. Dadurch steigt die Effizienz der folgenden Arbeiten und das führt am Ende meist auch zu besseren Ergebnissen. Unter dem Strich bindet dieses Vorgehen nicht mehr Ressourcen – weder personelle noch finanzielle. Gemeinsam geht es besser – das gilt auch für den Usability-Prozess bei der Applikationsentwicklung. Während beim Standardverfahren die Lösungen für eine verbesserte Usability von den UX-Fachleuten stammen, übernimmt beim partizipativen Ansatz das Projektteam eine wichtige Rolle. Das kann deutlich effizienter und besser sein. Voraussetzungen Wichtig sind aber ein straffes Zeitmanagement und die Konzentration aufs Wesentliche. Das fördert rasche Entscheidungen – die ja beim agilen Arbeiten nötigenfalls im nächsten Sprint wieder revidiert werden können. Derart partizipatives Arbeiten kann nicht nur effektiver sein, sondern bei den Mitarbeitenden zusätzlich zu einer Art Eigenermächtigung in der UX führen. Wie sich immer wieder zeigt, wird die durchaus als sehr lustvoll empfunden. 04 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Management & Career Event 39 Warum Storage morgen im RAM-Slot steckt und Tinder Kosten senkt Die Fujitsu Storage Days 2019 in Safenwil haben sich der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gewidmet. Besucher erfuhren, wie die Produktstrategie des japanischen Unternehmens aussieht, wie sich die Storage-Welt wandelt und warum Daten eben doch das Öl des digitalen Zeitalters sind. Autor: Oliver Schneider An den Fujitsu Storage Days 2019 hat der japanische IT- Hersteller auf die Geschichte seiner Speicherlösungen zurückgeblickt, Neuheiten vorgestellt und einen Ausblick auf die Zukunft gegeben. Im Zentrum des Storage-Angebots von Fujitsu steht die neue Generation der «Eternus»-Familie. Sie wurde von Michael Marticke, Evangelist Datacenter und Fujitsu Distinguished Engineer, vorgestellt. Marticke zeigte ausserdem, wie die Storage-Reise für Fujitsu weitergeht. Das überraschende Statement: «Auch NAND-Flash ist für mich schon tot.» Der Grund dafür ist die Speichertechnologie «3D X-Point». Die Technologie sei zwar immer noch zehnmal langsamer als DRAM, aber auch viel günstiger als Arbeitsspeicher. Ihr gehöre die Zukunft, weil sie den Wear-Nachteil von NAND-Flash nicht mitbringe und sich direkt im RAM-Slot betreiben lasse, sagte Marticke. « Es ist nicht schwierig, neue Ideen zu finden. Schwierig ist es, die alten loszuwerden. » Klemens Skibicki, Professor für Marketing und Marktforschung, Cologne Business School Die grosse Illusion Von der technischen auf die menschliche Ebene ging es im Vortrag von Klemens Skibicki, Wirtschaftshistoriker und Professor für Marketing und Marktforschung. Er zeigte anhand von Beispielen aus der Vergangenheit, dass technische Innovationen zuerst einen Wandel in den Köpfen auslösen musste, um eine transformative Kraft zu entfalten. Bis sich der Mensch mit Veränderung abgefunden habe, könne es lange dauern. Das sei bei der Digitalisierung nicht anders als etwa nach der Erfindung des Autos. Wir hätten uns an die Regeln des Industriezeitalters gewöhnt, doch diese Regeln seien nicht mehr gültig – das gilt für alle Branchen. Es sei nicht schwierig, neue Ideen zu finden. Schwierig sei es, die alten loszuwerden. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel lag deshalb gar nicht so falsch, als sie das Internet vor wenigen Jahren als «Neuland» bezeichnete, wie Skibicki sagte. In vielen Köpfen – und Managements – sei es tatsächlich noch Neuland. Die Frage laute: «Wie erobern wir es?» Eine Strategie dazu gebe es in Europa noch nicht, wie ein Blick auf die Herkunftsländer der grössten IT-Firmen zeige. Erobert werde das Internet aktuell von den USA und China. Wie wenig wir den digitalen Wandel wirklich begriffen hätten, zeige eine Umfrage, in der 21 Prozent der Business-Entscheider der Meinung seien, sie hätten die digitale Transformation bereits abgeschlossen, sagte Skibicki. Daten, Öl und Transaktionskosten Der Schlüssel zur digitalen Transformation sind laut Skibicki die Daten, das Öl des 21. Jahrhunderts. John D. Rockefeller habe im 19. Jahrhundert Öllampen verschenkt, um sein eigentliches Produkt – Öl – verkaufen zu können. In der gleichen Manier böten Google, Facebook oder Tinder heute eine Gratis-Dienstleistung an, um an das eigentlich Wertvolle zu kommen: Daten. Für Unternehmen heisse dies, mithilfe des wachsenden Datenbergs bessere Entscheidungen zu treffen. Und es dürfe nicht mehr zwischen online und offline unterschieden werden. Das mobile Internet sei längst Normalität, offline sei eigentlich kaum mehr jemand. Warum das so ist, dafür hatte Skibicki eine einfache Erklärung. Digitale Plattformen senkten Transaktionskosten und machten so unser Leben einfacher. Beispiel Dating. Wenn jemand vor die Wahl gestellt werde, sich einen Abend lang in Clubs einen Partner zu suchen oder auf Tinder in wenigen Sekunden erste Matches zu bekommen, müsse er nicht lange nachdenken. «Total unromantisch, aber effizient», so Skibicki. Dieses Prinzip liege den Plattformen des digitalen Zeitalters zugrunde – und die Kunden orientierten sich an den besten Anbietern. Das müsse IT- Entscheidern bewusst sein. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_126836 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 04 / 2019

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