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Netzwoche 5/2019

Das waren die

Das waren die Infosocietydays 2019 Vom 5. bis 8. März sind die Infosocietydays 2019 an der Bernexpo über die Bühne gegangen. An den ersten beiden Tagen fand das E-Government-Forum statt, an den letzten beiden Tagen das E-Health-Forum. E-Voting und das elektronische Patientendossier waren nur zwei der Themen, die diskutiert wurden. Autoren: Joël Orizet, Leslie Haeny, Marcel Urech, Oliver Schneider 1. Tag: E-Services und E-Voting Die Schweiz tue sich schwer mit E-Services und E-Voting. Zu diesem Schluss kommt die Nationale E-Government- Studie 2019. Zwei Gründe dafür lägen auf der Hand: Zum einen erschwere der Föderalismus die koordinierte Umsetzung digitaler Projekte. Zum anderen sei der Leidensdruck zu tief. Die Digitalisierung der Verwaltungen kommt auch deswegen nur schleppend voran, weil die Behörden trotz Bürokratie offenbar einen ganz guten Job machen, wie es in der Studie heisst. Der Auftakt des Events zeigte, dass sich zumindest viele Bürger und Beamte einig sind: In puncto E-Gov geht es hierzulande zu langsam voran. An den Infosocietydays drehten sich die Referate um die Themen E-Government und E-Health. 2. Tag: Elektronische Verwaltung und Smart Citys Die elektronische Verwaltung und Smart Citys standen am zweiten Tag im Fokus. In einem Punkt waren sich die Referenten einig: Bei der Digitalisierung der Verwaltung braucht es Spielraum zum Ausprobieren und Fehler machen. Die Bekanntheit von E-Government-Anwendungen in der Bevölkerung sei gestiegen. Die Zufriedenheit mit besagten Anwendungen stagniere hingegen. Diese Entwicklung wurde damit begründet, dass mit dem wachsenden digitalen Angebot im Alltag auch die Ansprüche der Bürger an die öffentliche Hand steigen würden. Auch das Projekt Smart City Lab Basel wurde präsentiert. Dabei handelt es sich um einen Test- und Austauschplatz für Smart-City-Projekte auf dem ehemaligen Güterbahnhof Wolf in Basel. Eröffnet wird das Smart City Lab Mitte April 2019. 3. Tag: Elektronisches Patientendossier Am dritten Tag stand das elektronische Patientendossier (EPD) im Vordergrund. Ab April 2020 müssen Spitäler, Rehakliniken und Psychiatrien ihren Kunden ein EPD anbieten. Zwei Jahre später gilt das Obligatorium auch für Pflegeheime und Geburtshäuser. Doch die Umsetzung sei äusserst komplex. Nicht alle beteiligten Parteien hätten beim EPD dieselben Interessen. Vertrauen und sinnvolle Anwendungsfälle brauche das EPD nun am dringendsten. Die Patienten müssen auch mitmachen wollen. Das EPD müsse zusätzlich sinnvoll in andere Digitalisierungsprojekte im Schweizer Gesundheitswesen eingebettet werden. Vor allem in Primärsystemen wie KIS, PIS und weiteren Informatiksystemen. Mögliche Lösungen seien mehr Bei der Digitalisierung der Verwaltung braucht es Spielraum zum Ausprobieren und Fehler machen. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcodes DPF8_128856, DPF8_129019, DPF8_129377 12 Business Event Zusammenarbeit, mehr Kooperationen und mehr patientenorientierte Qualität. 4. Tag: Künstliche Intelligenz und E-Health-Apps Am vierten Tag wurden die Themen künstliche Intelligenz (KI) und Apps in der Medizin behandelt. Michael Dahlweid, CTO der Inselgruppe Bern, vertrat die Meinung, dass KI schon in absehbarer Zukunft zu einem alltäglichen Werkzeug in der Medizin werde. Ärzte würden durch dieses Werkzeug zwar nicht überflüssig, aber es werde eine Zeit kommen, in der die Öffentlichkeit den Einsatz von KI in der Medizin erwarte. Anderer Ansicht war Christian Lovis, Head Medical Information Sciences am Universitätsspital Genf. Auf einen speziellen Fall trainierte Algorithmen könnten heute zwar bereits eindrucksvolle Resultate vorweisen, wenn man aber nur einige wenige Schrauben verstelle oder die Technik verwirre, gerate sie schnell aus dem Konzept und produziere Unsinn. Was es unbedingt brauche, seien mehr Tests, Studien und Nüchternheit. Auch wurde ein Überblick über die Potenziale und Probleme der mobilen Medizin gegeben. Smartphones brächten heute bereits eine ganze Armada von Sensoren mit, die sich für Diagnose und Behandlung nutzen liessen. Auf der anderen Seite sei die Affinität für solche Lösungen bei Ärzten und Patienten sehr unterschiedlich ausgeprägt, etwa wegen Datenschutz-Bedenken. 05 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Event 13 Wie Eugene Kaspersky die Industrie gegen Cyberattacken impfen will Eugene Kaspersky, CEO und Gründer von Kaspersky Lab, hat im Rahmen der Swiss Cyber Security Days 2019 die Schweiz besucht. In Freiburg sprach er über eine neue Ära industrieller Cyberattacken und wie er die IT dagegen wappnen will: Nicht schützen, sondern immunisieren. Autor: Coen Kaat «Was müssen wir alles schützen?» Jewgeni «Eugene» Kaspersky liess seinen Blick über das Publikum schweifen, bevor er seine eigene Frage beantwortete: «Alles!» Der CEO und Gründer des russischen IT-Security-Anbieters Kaspersky Lab war für die ersten Swiss Cyber Security Days in die Schweiz gereist. Die Fachmesse fand am 27. und 28. Februar in Freiburg mit namhaften Referenten aus Politik, Forschung und Wirtschaft statt. «Ich befürchte, dass wir uns am Anfang einer neuen Ära industrieller Cyberattacken befinden», sagte Kaspersky. Sicherheitskameras, Klimaanlagen, Feueralarme. Auch in dem Raum, in dem er gerade seinen Vortrag halte, seien diese Geräte vermutlich bereits vernetzte IT-Lösungen. «Das IoT ist überall und es ist angreifbar.» Schon die Produktion dieser Lösungen funktioniere nicht mehr ohne Vernetzung. «Wir leben in einer Welt, in der die industrielle Fertigung zwangsläufig mit den Endkunden vernetzt sein muss», sagte Kaspersky. «Wer sich nicht mit seinen Endkunden vernetzt, verliert diese an seine Konkurrenten.» Aber wer sich vernetzte, mache sich dadurch auch angreifbar. Und wer angreifbar sei, werde gehackt. «Unternehmen haben also zwei Optionen: bankrott oder tot.» Von IT-Security zu IT-Immunity Herkömmliche IT-Security versuche, Systeme abzusichern. Aber herkömmliche IT-Security genüge in dieser neuen Ära nicht mehr. Statt ihre Systeme sicher zu machen, sollten Unternehmen sich darum bemühen, ihre Systeme zu immunisieren. «Die Kosten eines Angriffs müssen höher werden als die Schadenssumme.» So könne man Cyberkriminelle davon abbringen, Unternehmen anzugreifen.Kaspersky Lab arbeite deswegen an einer neuen Plattform – ein Betriebssystem für vernetzte Geräte. Das OS könne den gesamten Datenverkehr in einem System kontrollieren. So könne Kaspersky ein geschütztes Verhalten einzelner Komponenten garantieren, auch wenn die Komponenten selbst von tausenden unterschiedlichen Herstellern kämen, die nicht zwingend alle vertraulich sein müssten. Das System sei bereits bei gewissen Partnern in Betrieb. Dort überwache es die Netzwerkausrüstung, Sicherheitskameras sowie bestimmte Sensoren. «So können wir abschätzen, wie viel es kosten würde, das System zu hacken.» «Cybercrime spricht viele Sprachen» Um dieses Ziel erreichen zu können, brauche es aber vor allem eines: mehr Security Engineers. Denn jeden Tag analysiere das Unternehmen rund 380 000 Malware-Proben (Stand: 2018). Diese Unmenge an Schadprogrammen könne heute nicht mehr manuell verarbeitet werden. Kaspersky beobachte zudem rund 100 äusserst professionelle und zielgerichtete Cybercrime-Kampagnen. Zum Teil attackierten diese nur ein einzelnes Opfer. Es sei schwierig, diese und andere Malware-Kampagnen bestimmten Akteuren zuzuordnen. Oft könne man jedoch feststellen, zu welchen Uhrzeiten die Cyberkriminellen ihre Malware verwalteten – was Rückschlüsse auf die Zeitzone zulasse – und welche Sprache sie nutzten. «Cybercrime spricht viele Sprachen», sagte Kaspersky. Wenn es um Spionage-Attacken gehe, handle es sich zumeist um russisch-, englisch- oder chinesischsprachige Akteure. «Muttersprachler», betonte Kaspersky. «Aber russische Muttersprachler sind nicht zwingend Russen.» So könnten diese Kriminellen unter anderem etwa auch aus baltischen Staaten oder der Ukraine kommen. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_128900 « Die Kosten eines Angriffs müssen höher werden als die Schadenssumme. » Jewgeni «Eugene» Kaspersky, CEO und Gründer, Kaspersky Lab www.netzwoche.ch © netzmedien ag 05 / 2019

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