Aufrufe
vor 2 Jahren

Netzwoche 5/2019

14 Business Studie Das

14 Business Studie Das elektronische Patientendossier gewinnt an Zuspruch Wie geht es weiter mit dem elektronischen Patientendossier? Welche Teilnehmer im Schweizer Gesundheitswesen sind dabei führend? Und wer bremst? Der «Swiss E-Health Barometer 2019» von GfS Bern beantwortet diese Fragen. Die Bereitschaft, im Gesundheitsbereich auf digitale Lösungen zu setzen, ist seit 2016 stark gestiegen. Autor: Marcel Urech Die Vorreiter in der Digitalisierung des Schweizer Gesundheitswesens sind immer noch die Spitäler. Das Institut GfS Bern hat 1200 Personen aus der Schweizer Wohnbevölkerung für den «Swiss E-Health Barometer» befragt (siehe Box). Das elektronische Patientendossier (EPD) gewinne an Zuspruch, und immer grössere Teile der Bevölkerung könnten sich vorstellen, eines zu eröffnen, lautet das Fazit der Studie. Treiber dieser Entwicklung sei die Generation Y. Ihre ältesten Mitglieder seien knapp 40 Jahre alt und machten rund ein Drittel der Bevölkerung aus. Insgesamt sei die Bereitschaft, im Gesundheitsbereich auf digitale Lösungen zu setzen, seit 2016 stark gestiegen. Gfs Bern befragte zudem 1832 Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen. Sie sähen das Internet zwar vermehrt als Chance für die Bürger bei der Nutzung von Gesundheitsinformationen. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens stocke aber: Die Vernetzungsindizes hätten sich kaum verändert und insbesondere die externe Vernetzung verharre auf tiefem Niveau. Daten würden zwar vermehrt elektronisch verarbeitet, ihr Austausch mit anderen Gesundheitsfachpersonen habe sich aber nicht vereinfacht. Die Patienten profitierten kaum von der Vernetzung, und die Nachfrage der Patienten für den Zugriff und Austausch von elektronischen Gesundheitsdaten werde nicht bedient. Die Vorreiter in der Digitalisierung des Schweizer Gesundheitswesens seien noch immer die Spitäler, heisst es im Barometer. Was die elektronische Ausführung von Funktionen und die Vernetzung innerhalb und ausserhalb der eigenen Organisation betreffe, seien die Spitäler spitze. i SWISS E-HEALTH BAROMETER 2019 Für den Swiss E-Health Barometer 2019 hat das Institut GfS Bern 1832 Gesundheitsfachpersonen und 1200 Personen aus der Wohnbevölkerung befragt. Die Befragung der Gesundheitsfachpersonen führte es online durch, für die Befragung der Wohnbevölkerung nutzte es computergestützte telefonische Interviews. Rückmeldung gaben 785 Ärzte (Rücklaufquote: 17,4 Prozent), 72 IT-Spitäler (19 Prozent), 342 Apotheker (22,7 Prozent), 440 Alters- und Pflegeheime (31,9 Prozent), 22 Kantone (84,6 Prozent), 112 Nonprofit-Spitex (27,8 Prozent) und 49 Pflege (23,2 Prozent). Insgesamt lag die Rücklaufquote bei 22,3 Prozent. Die Stichprobenfehler variieren je nach Anzahl Befragter. Bei den Ärzten liegt die Quote bei 4,3 Prozent, bei den IT-Spitälern bei 11,6 Prozent und bei der Bevölkerung bei 2,9 Prozent. Die kritischste Fachpersonengruppe ist laut dem Barometer die Ärzteschaft. Obwohl sie den Patienten oft verschlüsselten E-Mail-Verkehr anbiete. Gerade bezüglich EPD habe die Ärzteschaft noch viel Potenzial. Die Apotheken sind gemäss der Studie in einigen Bereichen der Digitalisierung führend – etwa beim Einsatz des elektronischen Impfausweises und beim Weiterempfehlen des EPD. In anderen Bereichen hätten sie aber noch Nachholbedarf. Das Bedürfnis der Apotheken nach Austausch von Medikamentendaten mit anderen Gesundheitsfachpersonen und Patienten sei weiterhin gross. Bei den Alters- und Pflegeheimen habe sich die Situation seit der Einführung des Bundesgesetzes über das EPD kaum verändert. Grundsätzlich sei die Einstellung gegenüber dem EDP aber positiv. Leicht gesunken im Vergleich zum letzten Jahr seien die interne und externe Vernetzung. Der Wunsch nach mehr Austausch Die Pflege hingegen profitiere teilweise vom spitalnahen Umfeld, insbesondere für E-Health-Strategien, bei der elek tronischen Dokumentation und der Vernetzung. Der Wunsch nach mehr Datenaustausch mit anderen Gesundheitsfachpersonen bestehe auch hier. Die Unterstützung für das EDP sei sehr hoch. Das Vertrauen in die Sicherheit der EPD-Daten ebenfalls. In wachsendem Masse werde die elektronische Dokumentation bei den Spitex-Basisorganisationen eingeführt. Sie hätten im Vergleich zu den anderen Gesundheitsfachpersonen den grössten Anstieg verzeichnet, heisst es im Barometer. Die interne Vernetzung sei zwar etwas gesunken, die externe dafür gestiegen. Das unterstreiche den Wunsch nach mehr Austausch mit anderen Gesundheitsfachpersonen. Die Unterstützung für das EPD sei dennoch etwas gesunken. Die angestrebte Organisation der Gesundheitsfachpersonen in (Stamm-)Gemeinschaften erfolge zum grossen Teil auf kantonaler Ebene. Der Stand der E-Health-Arbeiten sei aus Sicht der Kantone etwas weniger weit fortgeschritten als noch vor einigen Jahren. Gerade im Umfeld der Stammgemeinschaften müssten die Kantone aber eine führende Rolle einnehmen, vor allem bei der Überführung von E-Health in die produktive Phase, schreiben die Autoren des Barometers. Quelle: eHealth Barometer 2019, Gfs Bern, gfsbern.ch 05 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Studie 15 Gesicherter elektronischer Austausch Findet der elektronische Austausch (etwa per E-Mail) über die Behandlung gesichert statt? In Prozent Befragte ja, immer weiss nicht / keine Antwort nein, nur fallweise ja, meistens nein, nie Einstellung zum elektronisches Patientendossier Was halten Sie vom elektronischen Patientendossier bis jetzt? (Fachkräfte Gesundheitswesen) In Prozent Befragte sehr gute Sache weiss nicht / keine Antwort eher schlechte Sache eher gute Sache sehr schlechte Sache Praxisärztinnen/-ärzte 36 24 13 16 11 Praxisärztinnen/-ärzte 15 39 22 16 8 Spitalärztinnen/-ärzte 32 24 32 7 5 Spitalärztinnen/-ärzte 19 43 26 11 1 Spitäler Alters- und Pflegheime 32 58 20 13 29 14 3 4 21 6 Spitäler Apotheker(innen) Alters- und Pflegheime 24 26 19 43 46 51 2 24 19 16 7 8 1 12 2 Spitex 44 35 5 8 8 Spitex 25 48 18 9 Pflege 49 33 10 4 4 Pflege 18 59 11 10 2 Argumente im Zusammenhang mit dem elektronischen Patientendossier Es gibt verschiedene Argumente, die im Zusammenhang mit dem elektronischen Patientendossier immer wieder genannt werden. Dazu möchten wir gerne Ihre Meinung wissen (Spitäler). stimme voll zu weiss nicht / keine Antwort stimme eher nicht zu stimme eher zu stimme überhaupt nicht zu Beurteilung des elektronischen Patientendossiers Was halten Sie vom elektronischen Patientendossier bis jetzt? In Prozent Einwohner ab 18 Jahren sehr gute Sache weiss nicht / keine Antwort eher schlechte Sache eher gute Sache sehr schlechte Sache Behandlungsfehler vermeiden Verfügbarkeit im Notfall Informationen selbst anlegen 28 40 25 51 35 50 6 10 7 14 14 15 1 1 3 5 12 14 3 11 7 Unnötige Abklärungen einsparen Patienten haben alle Behandlungsinformationen 17 32 51 39 9 4 19 22 6 1 50 53 Steigende Qualität der Behandlung 15 51 11 19 4 Austausch auch anders möglich Vertrauliche Informationen in falschen Händen Beeinträchtigt gute Diagnose und Behandlung 15 36 5 33 11 15 22 6 39 18 19 25 11 18 17 36 18 2018 2019 Trend: Verwendung eigenes Patientendossier Würden Sie ein elektronisches Patientendossier eröffnen und verwenden? In % Einwohner ab 18 Jahren (n = jeweils ca. 1100), bis 2017: in Prozent Stimmberechtigter 47 9 44 ja weiss nicht / keine Antwort nein 55 11 13 34 52 48 13 35 39 40 15 45 40 11 49 36 9 55 Trend: Ort für Eröffnung des Patientendossiers Wo würden Sie am liebsten ein elektronisches Patientendossier eröffnen? In % Einwohner ab 18 Jahren, die ein elektr. Patientendossier eröffnen und verwenden würden oder die bei einer Empfehlung durch eine Gesundheitsfachperson bereit wären, eines zu eröffnen (n = jeweils ca. 600), bis 2017: in Prozent Stimmberechtigter beim Hausarzt in der Apotheke Internet im Spital schriftliches Formular anders / anderer Ort weiss nicht / keine Antwort 3 4 3 2 1 12 1 1 20 19 22 1 2 1 4 1 4 1 5 77 6 5 71 65 68 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2016 2017 2018 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 05 / 2019

Archiv