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Netzwoche 5/2019

20 People Live Sie sind

20 People Live Sie sind seit Juli 2018 CEO von Zühlke. Wie ist es Ihnen in Ihrer « Was die Innovationskultur angeht, sind die Telkos und Start-ups am weitesten » Zühlke engagiert sich in den unterschiedlichsten Branchen als Partner für Business-Innovation für seine Kunden. Seit Sommer 2018 hat das Unternehmen mit Nicolas Durville einen neuen CEO für die Schweiz. Für ihn ist klar, dass sich das Rennen für die Unternehmen in der digitalen Transformation nicht nur durch Technologie entscheidet, sondern durch die Unternehmenskultur. Interview: Marc Landis « Die erfolgreichen Kunden haben den Mut, auch einmal etwas Neues auszuprobieren, etwas zu entwickeln, was die anderen noch nicht haben. » Nicolas Durville, CEO, Zühlke i ZUR PERSON Nicolas Durville (Jg. 1971) ist seit Juli 2018 CEO von Zühlke Schweiz. Er ist seit 2004 für das Unternehmen tätig. Durville durchlief bei Zühlke verschiedene Positionen, war etwa Business-Unit-Leiter und Leiter des Delivery-Bereichs. Er ist Partner des Unternehmens und seit 2010 Mitglied der Geschäftsleitung. Durville hält einen Master of Science in Electrical Engineering der ETH Zürich und hat Management-Weiterbildungen an der IMD Business School und am Insead absolviert. Die international tätige Zühlke-Gruppe wurde 1968 in Zürich gegründet. Der Innovationsdienstleister mit Sitz in Schlieren beschäftigt an seinen weltweit 14 Standorten mittlerweile über 1000 Mitarbeitende. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_129532 neuen Rolle bisher ergangen? Nicolas Durville: Ich bin sehr gut gestartet. Es war ja auch ein vorbereiteter Übergang von Philipp Sutter an mich. Ich freue mich sehr über die enorme Dynamik im Markt. Viel Innovation, spannende Kunden, eine gut gefüllte Projektpipeline, was will man mehr. Bei Zühlke herrscht ein guter Spirit und ich habe sehr fähige und inspirierende Menschen um mich. Das treibt mich an und macht Spass. Besonders bereichernd finde ich auch den Austausch mit den CEOs bei Kunden, um noch besser zu verstehen, was sie beschäftigt. Was beschäftigt denn die CEOs bei Ihren Kunden zurzeit? Bei allen geht es mehrheitlich um digitale Themen. Wenn man aber etwas tiefer eintaucht, merkt man, dass viele Kunden in der Commodity-Falle sitzen. Was meinen Sie damit? Es gibt kaum mehr Unterscheidungsmerkmale zwischen verschiedenen Angeboten im Markt. Denken Sie etwa an die Banken. Viele sind austauschbar geworden mit ihren Dienstleistungen und Produkten. Dieselbe Entwicklung sehen wir aber auch bei den Versicherungen und bei den Telkos. Man darf nicht in die Falle tappen und nachbauen, was die Mitbewerber schon umgesetzt haben. Dennoch sehen wir gerade bei den Banken immer wieder dasselbe Muster. Bank A sieht bei Bank B eine neue Lösung und dann will Bank A die gleiche Lösung wie Bank B haben. So verschafft man sich keinen kompetitiven Vorteil. Die erfolgreichen Kunden hingegen haben den Mut, auch einmal etwas Neues auszuprobieren, etwas zu entwickeln, was die anderen noch nicht haben. Über welche Themen sprechen Sie mit Ihren Kunden? Machine Learning und Nutzung der Daten sind für fast alle ein Riesenthema. Die heisse Luft in diesem Thema kühlt sich langsam ab und es gibt immer mehr konkrete Projekte, in die wir involviert sind. In diesen Bereich investieren wir seit über fünf Jahren und sind deshalb im Kunden- wie auch im Talentmarkt gut aufgestellt. Zum Beispiel? Etwa Robo Advisors, die wir gemeinsam mit Banken entwickeln, oder Lösungen zur Störungsvorhersage, wie wir sie für die SBB konzipieren und umsetzen, oder Prozessautomatisierung in Spitälern. Big Data haben zwar die meisten Unternehmen auf dem Schirm, aber es ist ernüchternd, wie wenig die meisten mit ihren Daten machen. Es wäre so viel möglich. Banken etwa könnten aufgrund des Kundenverhaltens schon früh erkennen, ob ein Kunde dabei ist, abzuspringen und frühzeitig Massnahmen treffen, ihn zu behalten, wenn er ein erwünschter Kunde ist. Dafür werden bestimmte Muster verwendet und man kann so voraussagen, wie loyal sich ein Kunde verhalten wird. Welche Themen gibt es sonst noch? Im Industriesektor sind unsere Kunden auch häufig mit der Commodity-Falle konfrontiert. Das angebotene Produkt selbst ist nicht mehr differenzierend. So überlegen sich auch Anlagenbauer, wie sie ihre Geschäftsmodelle in Richtung Services umbauen können, sogenannte Servitization. Der Spezialist für Sicherheits- und Zutrittslösungen Dormakaba ist ein gutes Beispiel dafür, wie man klassische Produkte mit smarten Dienstleistungen erweitern und dabei neue Geschäftsmodelle entwickeln kann. Denn wer ein Schliesssystem für sein Unternehmen braucht, den interessiert nicht, was für ein Schloss er an der Türe hat. Er möchte eine korrekt gesicherte Türe, eine funktionierende Zutrittskontrolle und vielleicht auch noch wissen, wer wann durch welche Türe geht. Und dafür bezahlt er einen gewissen Betrag pro Monat. Ein anderes Beispiel ist Carsharing von Mobility. Wenn jemand so ein Auto mietet, interessiert ihn im Normalfall nicht, was für ein Auto er bekommt, sondern er möchte einfach mobil sein. Und dann bezahlt er für die Zeit der Mobilität einen Betrag. Das ist Servitization. Wenn man aber in Unternehmen die Geschäftsmodelle hin zu Services entwickeln möchte, erfordert das auch einen kulturellen Wandel in den Organisationen. Wenn man früher in den R&D-Abteilungen stolz war, ein neues physisches Produkt zu entwickeln, muss man heute die nicht-physische, digitale Seite eines Produkts höher gewichten. Kunden möchten heute ein Gesamtpa- 05 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

People Live 21 « Digitalisierung ist keine Frage von Technologie oder Machbarkeit, sondern eine Frage des Change-Managements und der Unternehmenskultur. » Nicolas Durville, CEO, Zühlke ket, das deren Probleme löst, ein Gesamterlebnis. Nach den letzten sechs oder sieben Jahren, die von der digitalen Transformation massgeblich geprägt waren, ist das eigentlich mein grösster Take-away. Digitalisierung ist keine Frage von Technologie oder Machbarkeit, sondern eine Frage des Change-Managements und der Unternehmenskultur. Zühlke ist in sehr vielen Branchen aktiv – wie behalten Sie den Überblick? Wir sind in verschiedenen Branchen-Teams organisiert, die sich sehr gut mit den Besonderheiten der einzelnen Branchen auskennen. Die Herausforderung ist aber eine andere. Verstehen die Kunden überhaupt, was Zühlke macht? Wie Sie richtig bemerkt haben, sind wir in vielen Branchen unterwegs, von Banking über Versicherungen bis zu Life Sciences. Unsere Story ist aber nicht so sehr mit einer bestimmten Branche verbunden. Wir sehen uns vielmehr als Partner für Business-Innovation für die Kunden, wir unterstützen sie bei der Entwicklung, von der Idee bis zum erfolgreichen Produkt. Wir können über verschiedenste Branchen hinweg Produkte und Lösungen entwickeln. Kunden, mit denen wir zusammengearbeitet haben, sagen oft, dass sie mit Zühlke arbeiten, weil wir Innovation umsetzen und die Dinge mit unseren Talenten auch auf den Boden bringen. Wenn ein Kunde eine Idee für ein neues Produkt hat, sind wir da und realisieren das Produkt. Wir möchten die Kunden aber schon vorher beraten, wenn sie noch gar nicht genau wissen, was sie wollen, aber merken, dass sie in der Commodity-Falle sitzen. Dazu bieten wir sehr erfolgreich Beratungsdienstleistungen in den Bereichen Digitale Strategie & Transformation und Customer Experience an. So können wir Kunden von der Idee bis zum erfolgreichen Produkt end-to-end begleiten. Wie möchten Sie Zühlke positionieren? Die zukünftige Positionierung ist dieselbe wie heute. Wir sind der Partner für Business-Innovation für unsere Kunden, aber wir werden uns noch viel mehr darauf ausrichten, die Projekte mit unseren Kunden nicht nur erfolgreich abzuschliessen, sondern auch die Kunden nachhaltig erfolgreich zu machen. Wir möchten uns in langfristigen Partnerschaften engagieren, in denen wir nach der Entwicklung eines Produkts nicht aufhören, sondern in einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess weiter gemeinsam mit den Kunden an den Produkten arbeiten. In welchen Branchen möchten Sie den Footprint von Zühlke vergrössern? Ich glaube, dass wir im Bereich Life Sciences noch viel mehr machen werden. Diese Branche steht vor der nächsten Transformation. Die Pharmaindustrie etwa entwickelt immer mehr Devices. Gleichzeitig gibt es einen Trend hin www.netzwoche.ch © netzmedien ag 05 / 2019

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