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Netzwoche 5/2019

36 Technology Aktuell

36 Technology Aktuell WWW.NETZWOCHE.CH Elektron macht Tests im Smart City Lab in Basel ssc. Elektron testet laut einer Mitteilung gemeinsam mit dem Leuchtenhersteller Signify und dem Beratungsunternehmen Swisstraffic intelligente Licht- und Verkehrssteuerungssysteme im Smart City Lab in Basel. Gemeinsam arbeiten die Unternehmen auf dem Wolf-Areal in Basel an neuen Konzepten. ▸ Webcode DPF8_128915 Blockchain für die Automobilbranche mur. Der Verein Cardossier will den Lebenszyklus eines Fahrzeugs auf einer Blockchain abbilden. Die Plattform, die von den Vereinsmitgliedern betrieben werde, soll laut Mitteilung in der Schweiz Standard werden, um Daten in der Automobilindustrie austauschen und unternehmensübergreifende Prozesse abwickeln zu können. ▸ Webcode DPF8_128912 USB4 setzt auf Thunderbolt 3 lba. Das USB Implementers Forum (USB-IF) hat Details zum USB4-Standard bekannt gegeben. Die Technik nutze die Thunderbolt-Schnittstelle von Intel. Laut USB-IF steigt die Übertragungsgeschwindigkeit für Daten damit auf 40 Gigabit pro Sekunde an. Das Forum plant, die Spezifikationen zum neuen Standard Mitte 2019 zu veröffentlichen. ▸ Webcode DPF8_128695 Startschuss für das Internet aus dem All osc. Wie Golem berichtet, haben am 27. Februar die ersten Satelliten von Oneweb ihre Reise in den Erdorbit angetreten. Am späten Abend hoben wie geplant die ersten sechs Satelliten von Französisch- Guayana aus ab. Ziel von Oneweb ist der Aufbau eines globalen Internetdiensts aus dem All. ▸ Webcode DPF8_127701 Vier von zehn europäischen KI-Start-ups haben nichts mit KI am Hut lba. Der Bericht «The State of AI 2019: Divergence» der britischen Firma MMC befasst sich unter anderem mit europäischen Start-ups im Bereich künstliche Intelligenz (KI). In Europa gebe es 2830 Start-ups, die sich selbst dem Bereich KI zuordnen würden. Bei genauerer Betrachtung zeige sich jedoch, dass nur 1580 dieser Unternehmen auch wirklich mit KI arbeiteten. Laut Forbes untersuchte MMC Produkte, Websites und Dokumente der selbsternannten KI-Start-ups. Bei rund 40 Prozent aller Unternehmen zeige sich dabei kein Zusammenhang mit KI. Die Klassifizierung als KI-Firma geschehe über Websites wie Pitchbook, Crunchbase oder CB-Insights. Investoren würden diese Seiten nutzen, um interessante Unternehmen ausfindig zu machen. Und eine Schweizer lassen die Finger vom Smarthome lba. Der Trend der digitalen Vernetzung von Haushaltsgeräten hat die Schweiz bislang nicht erfasst. Dies geht aus einer Umfrage hervor, welche die Handwerkerplattform Ofri durchführte. Von den 201 Deutschschweizern, die an der Umfrage teilnahmen, wissen nur 57 Prozent etwas mit dem Begriff «Smarthome» anzufangen. Nur zwei von zehn Schweizern nutzen ein vernetztes Gerät im Haushalt – in den USA seien in 69 Prozent aller Haushalte Smarthome- Geräte zu finden, heisst es in einer Mitteilung. Am häufigsten nutzen Herr und Frau Schweizer smarte Beleuchtungssysteme, gefolgt von vernetzten Musikanlagen oder Fernsehern. Diese Tatsache spiegelt sich in den Nutzungsmotiven wider: Schweizer setzen primär auf Smart home, um die Wohn- und Lebensqualität zu steigern. Motive rund um Sicherheit und Energiesparen seien weniger wichtig. Smarte Türschlösser, Rauchmelder oder Alarmanlagen fänden sich deshalb auch nur selten in Schweizer Haushalten. Homekit von Apple sei die hierzulande am weitesten verbreitete Smarthome-Lösung. Alexa von Amazon befinde sich auf dem zweiten Platz der beliebtesten Geräte. Google Home sei die am wenigsten verbreitete Lösung. Gemäss der Befragung werden Smarthomes in der Schweiz in absehbarer Zeit auch nicht massiv zunehmen. Nur 13 Prozent der Befragten beabsichtigten, in den nächsten zwölf Monaten ein vernetztes Haushaltsgerät zu kaufen. Knapp die Hälfte der Befragten sehe den Nutzen eines Smarthomes nicht. Für 23 Prozent seien die Geräte zu komplex, etwa gleich viele hätten Bedenken um die Sicherheit der Gadgets. Verknüpfung zum Begriff «künstliche Intelligenz» auf solchen Portalen zahle sich aus. Mehr Investitionen durch den «KI-Stempel» Start-ups profitieren laut Forbes davon, wenn ihnen eine Verbindung zu KI zugeschrieben wird. Die Unternehmen würden damit 15 bis 50 Prozent mehr Investitionen erzielen als andere Tech-Firmen. So bestehe für die Start-ups kein Anreiz dazu, die falschen Firmenbeschreibungen im Netz zu korrigieren. Namen solcher Start-ups nennt MMC im Bericht jedoch nicht. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_128890 SMARTHOME-GERÄTE IM SCHWEIZER HAUSHALT Beliebteste Smarthome-Geräte in Schweizer Haushalten 0% 20% 40% 60%80% Beleuchtungssysteme Musikanlage Fernseher Videoüberwachung Sprachassistent Alarmanlage Heizung Rollläden Türschloss Rauchmelder Staubsauger Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_127625 Quelle: Ofri 05 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Fachbeitrag 37 Per Blockchain zur sicheren digitalen Identität Der Schutz von persönlichen Daten im digitalen Zeitalter ist mehr denn je eine Herausforderung. Die Begeisterung über die Möglichkeiten des Internets ist der Sorge um die Preisgabe der Identität gewichen. Einen Ausweg aus diesem Dilemma könnte die Blockchain bieten. DER AUTOR DAS NEUE DATENSCHUTZ-MODELL Walter Dettling Dozent für Wirtschaftsinformatik und Mathematik, FHNW Traditional Privacy Model New Privacy Model ldentities Transactions Trusted Third Party ldentities Transactions Public Counterparty Public Quelle: Bitcoin Whitepaper von Satoshi Nakamoto Unsere Identitäten werden bereits durch die Hardware oder das Betriebssystem festgestellt und mit den Bits, die wir versenden und erhalten, verknüpft. 1995 hat der Direktor des MIT Medialabs, Nikolas Negroponte, ein Buch mit dem Titel «Total Digital. Die Welt zwischen 0 und 1 oder die Zukunft der Kommunikation» veröffentlicht. Seine Botschaft: «Atome», also etwa Zeitungen, braucht es künftig für die Verbreitung und den Austausch von Informationen nicht mehr. Trotz vieler zutreffender Prognosen schwieg sich Negroponte zu einem Thema völlig aus: die Sicherheit, welche die Übermittlung von Bits über das Internet benötigt, damit die vermittelte Information nicht manipuliert und missbraucht werden kann. Negroponte bezeichnete sich selbst als Optimist und sprach von der «harmonisierenden Wirkung der Digitalzeit». Wir vertrauen unsere Daten einer Blackbox an Aus heutiger Sicht erscheint Negropontes damaliger Optimismus sehr naiv. Die Begeisterung über die neuen Möglichkeiten der digitalen Datenautobahn hat die Wahrnehmung der damit verbundenen Risiken verdrängt. Aus dieser Perspektive ist es nicht verwunderlich, dass das Internet, wie wir es heute benutzen, ein Flickwerk von Protokollen und Regulierungen darstellt. Wir haben uns unmerklich daran gewöhnt, mit unseren Handys, Tablets und Computern eine undurchschaubare digitale Infrastruktur zu benutzen. Wenn wir online sind, vertrauen wir persönliche Daten einer sprichwörtlichen Blackbox an und benutzen kontinuierlich digitale Dienstleistungen, mit denen unsere Daten auf verschlungenen Wegen mit unbekannten Algorithmen von zentralisierten globalen Unternehmen verwertet werden. Was sich die meisten nicht bewusst sind: Unsere Identitäten werden bereits durch die Hardware oder das Betriebssystem festgestellt und mit den Bits, die wir versenden und erhalten, verknüpft. Blockchain schützt Personendaten Im Zusammenhang mit der Blockchain stehen heute nicht nur Kryptowährungen, sondern vor allem neue Businessmodelle zur Debatte. Kaum ein Thema ist der Schutz von persönlichen Daten. Das ist eigentlich erstaunlich, denn der Schutz der Identität ist ein zentraler Baustein der Bitcoin-Architektur. Das «Bitcoin Whitepaper» beschreibt in Kapitel 10, wie ein neues Sicherheitskonzept Identität und Transaktionen voneinander trennt (siehe Grafik). Transaktionen, die über die Blockchain ausgetauscht werden, können ohne Preisgabe der Identität trotzdem verbindlich durchgeführt werden. Diese Eigenschaft wird meistens mit dem Risiko von Rechtsbruch in Verbindung gesetzt. Diese Perspektive ist aber zu einseitig. Mit der Blockchain ist es möglich, eine Schlüsselinfrastruktur zu bauen, mit der persönliche Informationen anonymisiert werden, bevor sie als Datenströme im Internet dem öffentlichen Zugriff ausgesetzt werden. Ganz unten in der Softwarearchitektur angesetzt, kann sie verhindern, dass Hardwarehersteller, Netzwerkanbieter oder Telekommunikationsunternehmen unbeschränkten Zugriff auf persönliche Daten erhalten. Es ist definitiv effizienter, Informationen an der Quelle zu schützen als bei deren späteren Verwendung. Wenn man dazu die Blockchain verwenden will, ist es wichtig, dass die zu schützende Datenmenge so klein wie möglich gehalten wird. Da drängt es sich auf, statt der Daten die Identität des Datensenders zu schützen. Trotz berechtigtem Optimismus ist nicht sicher, ob es noch gelingen wird, die persönliche Identität zu schützen, ohne sich von der digitalen Kommunikation abschotten zu müssen. www.netzwoche.ch © netzmedien ag 05 / 2019

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