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Netzwoche 7/2019

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10 Business Event Das

10 Business Event Das IoT birgt viele Chancen – und massenhaft Risiken Der Schweizerische Verband der Telekommunikation, Asut, hat erstmals eine ganztägige Konferenz organisiert, bei der sich alles um das Internet der Dinge (IoT) drehte. Sie zeigte, dass das IoT enorm viel Potenzial hat, aber auch riesige Herausforderungen mit sich bringt. Debattiert wurde auch über 5G – und nicht alle Teilnehmer waren sich einig. Autor: Marcel Urech Die Veranstaltung des Verbands Asut zum Thema IoT fand im Kursaal in Bern statt. (Bild: Asut) « Das IoT wird die Errungenschaften moderner IT noch tiefer in unserem Alltag verankern. » Uwe Kissmann, Managing Director Cyber Strategy & Cyber Risk Services, Accenture Der Verband Asut hat nach Bern in den Kursaal geladen. Zu seiner ersten ganztägigen Veranstaltung, die Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_133331 sich ausschliesslich um das Internet der Dinge (IoT) drehte. Motto: «IoT – From Hype to Reality». Zur Begrüssung sprach Asut-Präsident Peter Grütter. «Bereits in zwei Jahren werden in der Schweiz 50 bis 200 Millionen vernetzte Dinge in Betrieb sein», sagte er. «Nutzt Du das IoT auch privat?», fragte Béatrice Merlach, Gründerin des Beraters Kasei, die gekonnt durch den Tag moderierte. «Ich nutze das IoT privat so wie die meisten – unbewusst», antwortete Grütter. Das IoT wird bereits produktiv genutzt ... Unter den Referenten war Uwe Kissmann, Managing Director Cyber Strategy & Cyber Risk Services bei Accenture. Er zeigte sich überzeugt davon, dass das IoT die Errungenschaften moderner IT noch tiefer in unserem Alltag verankern werde. Damit das IoT aber weiter wachsen könne, brauche es mehr als bloss Technologien, sagte Philipp Metzger, Direktor des Bundesamts für Kommunikation, in seinem Vortrag. Der Bund habe die Aufgabe, gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Er habe mit der Vergabe von 5G-Frequenzen eine wichtige Grundlage für das IoT der Zukunft geschaffen. Die Konferenz von Asut zeigte, dass Unternehmen das Internet der Dinge bereits produktiv einsetzen. Thomas Koch, Head of IoT der Post, erklärte, wie das IoT hilft, eine Paketsortieranlage effizienter zu betreiben. Und Martin Bürki, Country Manager Switzerland & FL von Ericsson, zeigte Anwendungen in der Produktion von Düsentriebwerken auf. Philipp Spaeti, CTO von IBM Schweiz, wies darauf hin, dass eine solche Nutzung des Internets nur möglich sei, weil es in den letzten Jahren grosse Fortschritte in Datenanalyse, künstlicher Intelligenz und Machine Learning gegeben habe. … und die Sicherheit vernachlässigt Die IT-Sicherheit wird im Internet der Dinge oft vernachlässigt, der Umgang mit den gesammelten Daten ist heikel, und alles zu vernetzen bringt grosse Gefahren mit sich. Für Julian Dömer sind die grössten Hindernisse für das IoT nicht in der Technologie, sondern in der Unternehmenskultur zu finden. «Komplexe IoT-Projekte erfordern Partnerschaften und gut funktionierende Ökosysteme», sagte der Head of Internet of Things bei Swisscom. Weitere Risiken des IoT nannte Kissmann von Accenture. Der Sicherheitsexperte hackte mit seinem Team schon Spitäler, Flugzeuge und einen Formel-1-Rennstall – im Auftrag der Kunden. «Wenn Sie in Zukunft mal von einem Jogger überholt werden, muss es nicht unbedingt sein, dass dieser topfit ist», sagte Kissmann. «Vielleicht wurde auch einfach nur sein Herzschrittmacher gehackt.» «Aa123456 ist kein sicheres Passwort», sagte Kissmann. «Es ist in 5 Millisekunden geknackt!» Ein Tomograf habe sogar einen Zugriff auf Patientendaten ermöglicht und man habe die Defibrillatoren im Spital fernsteuern können. Seinem Team sei es zudem gelungen, das Bild einer Kamera, die Ärzte für Aufnahmen im Innern des menschlichen Körpers nutzen, um lebensentscheidende 2 Zentimeter zu verschieben. Auf die Frage, ob der Nutzen des IoT höher sei als die Risiken, antwortete Kissmann dennoch wie aus der Pistole geschossen: «Ja, definitiv.» 07 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Event 11 Wie die Cloud den Einstieg in die KI erleichtern soll Wer ins Geschäft mit künstlicher Intelligenz einsteigen will, braucht einen Überblick über die aktuellen Use Cases. Fälle aus der Praxis und ein offener Erfahrungsaustausch – darum ging es am Frühlingsevent von Eurocloud Swiss. Die Beispiele aus der Medizin und der Vermögensverwaltung zeigten: Die Basis für KI-Projekte ist die Cloud. Autor: Joël Orizet Kaum ein IT-Thema weckt so viele Hoffnungen und Ängste wie künstliche Intelligenz (KI). Sie sei die letzte Erfindung der Menschheit, sagen die Kritiker, die KI als Bedrohung sehen. Die optimistische Variante dagegen lautet: KI macht es möglich, dass sich der Mensch endlich wieder auf kreative Aufgaben konzentrieren kann. Und vor allem: KI kurbelt den Wirtschaftsmotor an. Sie ermöglicht neue Geschäftsmodelle und macht das Business lukrativer. Dieser Anreiz bringt Grosskonzerne wie auch KMUs dazu, sich ernsthaft mit KI zu beschäftigen. Sie brauchen Antworten auf die Frage, was es braucht, um mit einem KI-Projekt zu beginnen. Darüber diskutierten Referenten und Besucher am Frühlingsevent von Eurocloud Swiss. Der Fachverband setzt sich für die Förderung von Cloud Computing ein und sieht sich als Brückenbauer zwischen Anbietern und Kunden, wie Eurocloud-Swiss-Präsident und Glenfis-Gründer Martin Andenmatten zur Begrüssung sagte. «Wir wollen die Leute zusammenbringen, diskutieren und Know-how vermitteln.» Mehrwert für die Medizin Wer ein KI-Projekt starten will, braucht in erster Linie Daten, um die Modelle zu trainieren. Geeignete Trainingsdatensätze zu finden, kann schwierig sein. Wer auf Github oder Kaggle nichts findet, kann vielleicht Daten kaufen. Ansonsten führt kein Weg an Kooperationen vorbei. Die Firma Balzano Informatik bekommt ihre Daten von Partner-Spitälern, wie Stefan Voser, Produktmanager AI, Balzano, sagte. Die Spitäler liefern bestimmte medizinische Bilddaten, im Gegenzug erhalten sie die Lösung von Balzano lizenzfrei, wie er erklärte. Die Lösung soll Radiologen helfen, bestimmte Pathologien zu erkennen. Balzano arbeite mit Deep-Learning-Algorithmen, die etwa Meniskus-Risse oder Bandscheibenvorfälle auf MRT-Aufnahmen erkennen. Die Software lasse sich aber auch zur Priorisierung von medizinischen Notfällen einsetzen, sagte Voser. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_133540 Keine KI ohne Cloud Die medizinische Bildanalyse sei sehr rechenintensiv, merkte Voser an. Grundsätzlich gilt: Wer neuronale Netze trainieren will, braucht skalierbare GPU-Ressourcen. Da führt heute kein Weg mehr an den Cloud-Anbietern vorbei. «Die Cloud und APIs sind die Basis für KI», sagte Andy Fitze, Mitgründer von Swisscognitive. Was es sonst noch braucht? Die richtigen Talente und Leadership. Letzteres sei entscheidend, denn: «Es geht heute nicht mehr darum, ob wir etwas können, sondern darum, ob wir es wollen.» Die grösste Herausforderung sei es, Erwartungen zu steuern, Leute zu überzeugen und mit ihren Ängsten umzugehen. Deep Learning für die Drecksarbeit Wer Trainingsdaten beschafft hat und eine cloudbasierte Infrastruktur nutzen kann, muss sich mit Entwicklungsumgebungen für maschinelles Lernen beschäftigen. Derzeit ist etwa Googles Tensorflow hoch im Kurs. Ein Framework, mit dem auch Ursin Brunner arbeitet. Brunner ist Senior Software Engineer bei TI&M. Er stellte den zweiten Use Case am Eurocloud-Swiss-Event vor. Der Titel seines Referats: Dokumente verstehen mit KI. Er präsentierte eine Lösung, die TI&M im Auftrag von Robecosam umsetzte. Robecosam ist ein Vermögensverwalter, der sich auf nachhaltige Investments spezialisiert und in Zürich sitzt. Und wer trägt die Verantwortung? Aus dem Publikum kam die Frage auf, ob künftig die Verantwortung an die Maschinen übertragen werde. Das bezweifelte die Rechtsanwältin Carmen de la Cruz. Zumindest in absehbarer Zeit würden weiterhin Ärzte und Spitäler ihr Handeln verantworten. «Wem gehört welcher Teil der Software? Wem gehören die Daten?» Juristische Lösungen für solche Streitfragen liessen auf sich warten. «Doch was die Haftung angeht, bin ich überzeugt, dass in den kommenden Jahren reguliert wird», sagte de la Cruz. « Es geht heute nicht mehr darum, ob wir etwas können, sondern darum, ob wir es wollen. » Andy Fitze, Mitgründer von Swisscognitive Eurocloud-Swiss-Präsident und Glenfis-Gründer Martin Andenmatten www.netzwoche.ch © netzmedien ag 07 / 2019

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